Levin August von Bennigsen

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Biographien.

(1807) Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1807.

(1811) Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1811.

(1816) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände.

General von Bennigsen.

Eine biographische Skizze.

(Eingesandt.)

"Da im Publico so manche falsche Angabe über den jetzigen General en Chef der Russisch-Kaiserl. Haupt-Armee circuliren, so wird es vielleicht nicht unangenehm seyn, folgende zuverlässige Data über ihn zu erhalten:

Baron Benningsen (späterhin) General en Chef der Polnischen Armee.
"Der General en Chef, Freiherr Levin August Gottlieb von Bennigsen, stammt aus der alten Freiherrlichen Familie von Bennigsen aus dem Hause Banteln, im Churhannöverschen, ab. Sein Ur-Ur-Großvater war Johann von Bennigsen, auf Banteln, in Gronau, Domherr zu Halberstadt, sein Ur-Großvater Johann Levin von Bennigsen auf Banteln, Gronau und Dötzen, Senior und Domcapitular am Dom zu Halberstadt, sein Aelter-Vater Levin Caspar von Bennigsen, auf Banteln, Gronau und Dötzen, Domdechant zu Halberstadt, sein Großvater Gerhard Ludolph von Bennigsen, Banteln und Völxen, Domherr zu Halberstadt.
Sein Vater war Levin Friedrich von Bennigsen auf Banteln und Völxen, oberster bei der Garde du Corps in Herzoglich Braunschweigschen Diensten. Von diesem und seiner würdigen, noch am Leben befindlichen 83 jährigen Mutter, gebornen Freyin Henriette von Rauchhaupt, aus dem Hause Trebnitz im Brandenburgischen, erhielt er 1745 das Daseyn. Im Jahre 1755 ward er in einem Alter von 10 Jahren als Page beym Churhannöverschen Hofe angesetzt und 1759, im siebenjährigen Kriege, als Fähndrich bei der Hannöverschen Fuß-Garde angestellt, bei welcher er bis zum Lieutenant avancirte. Bis dahin verwaltete seine Frau Mutter die Güter, die sie ihm 168 übergab. Er verließ um diese Zeit die Militär-Dienste und verheirathete sich mit der ältesten Tochter des weiland Hannöverschen Gesandten am Wiener Hofe, Freiherrn von Steinberg.
Nachdem aber dies seine erste Gemahlin 1773 gestorben war, gieng er in dem nemlichen Jahre mit dem Charakter eines Oberstlieutenants in Kaiserlich Russische Dienste, in welchen ihm die verewigte Kaiserin Catharine ein Corps Cosacken anvertraute, die er gegen den Rebellen Pugatscheff anführte. Nach Beendigung dieser Expedition ward er bei dem Narvaschen Regiment, in der Folge bei noch verschiedenen andern Regimentern, und zulezt als Oberster bei dem Kiowschen Regiment angestellt, welches er mit Ruhm in Polen anführte. Wegen seines tapfern Verhaltens bei dem Orte mir, wo er den linken Flügel der Truppen commandirt hatte, erhielt er mit einem schmeichelhaften Schreiben der Monarchin, den heiligen Wladimir Orden *). Bei verschiedenen andern ihm zur Ehre gereichenden Auszeichnung, beschenkte ihn die Monarchin mit zwei Gütern Er avancirte in der Folge bis zum General der Cavallerie. 1799 war ihm von Sr. jezt regierenden Kaiserl. Majestät Alexander die Civil- und Militär-Gouverneur-Stelle von Litthauen anvertraut worden. Nach der Schlacht von Eylau erhielt er den St. Andreas-Orden. Schon früher waren ihm der St. Alexander Newsky-Orden, der St. Annen-Orden, der St. Georgs-Orden von der 2ten Classe und der K. Preußische Schwarze und Rothe Adler-Orden verliehen worden.
Der einzige Sohn jenes Russischen Feldherrn steht ebenfalls in Russischen Diensten; und sein einziger Bruder ist Oberstlieutenant in der Englischen Armee. General xc. v. Bennigsen ist groß und wohl gewachsen, liebt den äußern Glanz, der in seinen häuslichen Einrichtungen überall hervorleuchtet, ist, fern von niedriger Habsucht, ein Freund der Wohlthätigkeit, hat einen sehr entschlossenen, freundlichen Blick, der viele Energie und eine schnell überraschende Geistesgegenwart verräth, ist unerschütterlich kaltblütig, gegen seine Untergebenen herablassend, aber unerbittlich strenge im Dienst."
*) Im London Chronicle vom 20sten Februar dieses Jahrs wird noch angeführt: daß General v. Bennigsen seine militärischen Talente auch besonders in Persien gezeigt, daß er bei der Polnischen Revolution 1794 Wilna mit Sturm eingenommen, und sich zulezt mit dem Fräulein von Andzeykienig, einer jungen Pohlin von ausgezeichneter Schönheit vermählt habe.


Baron Beningsen.

Baron Beningsen, General der Kavallerie, alt 65 Jahr, aus einer Hannövrischen adlichen Familie, ein Sohn des Obersten Levin Beningsen und der Freyin von Rauchhaupt. Seine militärische Laufbahn fing er in Hannövrischen Diensten an, machte sie letzte Campagne des siebenjährigen Krieges 1759 als Fähndrich mit, und verließ die Dienste 1768. Im Jahr 1774 trat er als Major in russische Dienste und ward von dem General Michelsohn mit einigen hundert Kosacken gegen den Rebellen Pugatschew gebraucht; 1792 und 1794 diente er als Obrist im pohlnischen Kriege unter dem General Knorring und hat sich mit seinem Regimente mehrmals ausgezeichnet. Er machte unter dem Grafen Subow eine Campagne in Persien mit. Kaiser Paul lernte ihn zuerst durch das von ihm herausgegebene Werk über die einem Officier der leichten Kavallerie nothwendigen Kenntnisse der Pferde xc. kennen. 1798 verließ er den russischen Dienst und lebte in Hannover, 1800 ward er aber durch Vermittlung seiner Freunde, des bekannten Subow und Pahlen, vom Kaiser nach Petersburg berufen, und nach dem Tode des Kaisers zum General-Gouverneur von Littauen ernannt. Er kommandirte 1806 ein Korps von 40 bis 50,000 Mann an der Weichsel, zog sich aber aus unbekannten Gründen von der Weichsel zurück und verstattete hiedurch der französische Armee die Mittel über diesen breiten Strom vermittelst kleiner Fahrzeuge überzusetzen. Beningsen gieng mit seiner Hauptmacht nach Pultusk, ließ aber an der Werka und Narew starke Detachements zurück; nachdem diese von der französischen Macht zurück getrieben waren, so wurde Beningsen am 23sten December von dem damaligen Marschall Bernadotte bei Pultusk angegriffen. Die Tapferkeit der Russen hätte vielleicht gesiegt, aber Beningsen hielt es für nützlicher sich in der Nacht mit Hinterlassung von 3000 Todten und Verwundeten nebst 30 Kanonen bis Osterlenko zurück zu ziehen. Hier erhielt er von dem Grafen Buxhövden (dem der Feldmarschall Kamensky das Ober-Kommando hinterlassen hatte) die Weisung den Narew zu passiren, und sich mit seiner Armee zu vereinigen, um die Operation durch Eilmärsche über Arys und Rastenburg gegen das Frischehaf zu leiten, um den Marschall Ney, welcher gegen Königsberg vorgedrungen war, von der französischen Armee abzuschneiden. General Beningsen ließ aus unbekannten Gründen die Brücke bei Osterlenko über den Narew abbrennen, machte also die Vereinigung unmöglich und mußte nun bis Tykozin hinauf marschiren, um über der Tykozinschen Brücke den Narew zu passiren, wodurch also die Vereinigung 14 Tage verspätet ward. Ohnweit Arys übernahm General Beningsen auf kaiserlichen Befehl das Oberkommando über beide Armeen. Nach diesem lieferte er die Schlachten bei Eylau und im Mai 1807 jene bei Guttstadt und Heilsberg, wo die Tapferkeit der russischen Soldaten sich bewährte, aber der Erfolg nicht glücklich war. Den Entsatz von Danzig hätte dieser Feldherr früher bewerkstelligen sollen, warum dieses nicht geschehen, ist unbekannt geblieben. Die Schlacht bei Friedland wurde bekanntlich zum größten Nachtheil der russischen Armee entschieden, und wie man weiß, war dieses durch die schlechten Dispositionen veranlaßt. Nach dem Frieden von Tilsit gieng Herr von Beningsen auf seine Güter bei Willna, wo er jetzt als ein sehr wohlhabender Mann lebt.

Levin August Freiherr von Bennigsen.

Bennigsen (Levin August Freiherr von), russischer General, ward 1743 im Hannöverischen geboren.

Er zeichnete sich in den Kriegen gegen die Polen bei mehrern Gelegenheiten aus, erhielt den St. Georgen-, dann den Alexanderorden, und wurde endlich Generalgouverneur in Litthauen. Er hatte, wie man versichert, Theil an den Ereignissen, welche die Tage Pauls des Ersten endigten.

Im Jahr 1805 commandirte er ein Corps Russen gegen die Franzosen, kam aber zu der Schlacht von Austerlitz zu spät, und kehrte wieder nach Rußland zurück.

In dem Feldzuge der Russen gegen die Franzosen im Jahr 1806 commandirte er anfangs ein Corps unter dem General Kamenskoi, erhielt aber nachher den Oberbefehl über die ganze russische Armee. In dieser wichtigen Stelle zeigten sich seine Feldherrntalente in einem vortheilhaften Lichte. Er lieferte gegen den Kaiser Napoleon die zwei berühmten Schlachten bei Preußisch-Eylau und Friedland. Nach dem tilsiter Frieden zog er sich auf seine Güter zurück.

In dem 1812 mit Frankreich begonnenen Kriege hatte Bennigsen bis zur Rückzug der Franzosen aus Moskau kein Commando, sondern befand sich, laut frühern Zeitungsnachrichten, um die Person des Kaisers; im folgenden Jahre aber erschien er an der Spitze einer bedeutenden Reservearmee, oder der sogenannten Armee von Polen, mit der er sich nach dem Norden von Deutschland wandte, Hamburg einschloß, und dann am 31 Mai 1814 nach dem Abmarsche der letzten Franzosen seinen Einzug in die Stadt hielt, von wo er am 28ten Jan. 1815, nachdem er sich viele Verdienste um die Stadt erworben hatte, nach Hannover abreiste. Hier erhielt er im Jul. 1815 die Bestimmung, das Commando der Rußischen Südarmee in Frankreich zu übernehmen.

Bennigsen trat auch als militärischer Schriftsteller auf und schrieb über die Cavallerie.


Werke.

  • Gedanken über einige dem Officier der leichten Reuterey nothwendige Kenntnisse von Levin August Gottlieb Freyherrn von Bennigsen, Erb- Lehn- und Gerichtsherrn zu Banteln, Gronau, Dotzen und Völksen, Brigadier der Armeen Ihro Kayserlichen Majestät aller Reussen, des Isumschen Regiments Leichter Reuter Befehlshaber und Ritter des Ordens des heiligen Wolwodimer der dritten Klasse. Riga, 1794. Gedruckt von Julius Conrad Daniel Müller.


Quellen und Literatur.

  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1807.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1811.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.