Louis Charles de Bourbon, dauphin de Viennois

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Ludwig Carl, Dauphin von Frankreich.

Ludwig Carl, Dauphin von Frankreich, Sohn Ludwigs XVI. geboren zu Versailles den 27. März 1785 und seit 1789, wo sein älterer Bruder starb, muthmaßlicher Thronerbe von Frankreich.

Als der König nach Paris geführt worden war, logirte man den Dauphin auch in die Tuillerien, gab ihm eine Nationaluniform, lehrte ihn das Exerziz und räumte ihn einen mit Stacketen eingeschlossenen Winkel des Gartens ein, wo er Kaninchen pflegte und Blumen zog. Bald darauf mit seiner Familie im Tempel verhaftet, ward er durch seine Sanftmuth, Anhänglichkeit und seinen Fleiß im Lernen der Trost derselben. Sein Vater lehrte ihn lesen und schreiben, und nahm sodann auch selbst an seinen Spielen Theil. Sechs Monathe nach dessen Tode riß man ihn von der Seite seiner Mutter und übergab ihn der Aufsicht des Schusters Simons, eines unwissenden, wilden Jakobiners, der ihn, statt Unterrichts, fluchen und saufen lehrte, und die Carmagnole singen ließ.

Sein plötzlicher Tod, der indessen doch nach Robespierres Fall und im Augenblicke des Kampfes der Thermidoristen mit der gemäßigten Parthey erfolgte, erweckte den Verdacht, daß er vergiftet worden sey.


Ludwig XVII.

Ludwig XVII. oder Ludwig Carl Capet, geb. den 22. Oct. 1781, wurde zugleich mit seinem Vater Ludwig XVI., seiner Mutter, Schwester und Tante, den 10. Aug. 1792 in das Gefängniß des Temple gebracht.

Nach Ludwigs Hinrichtung riefen die Royalisten den jungen Capet, wie ihn die Republikaner nannten, unter dem Namen Ludwigs XVII. zum König von Frankreich und Navarra aus; und Monsieur, der Graf von Provence erklärte sich während der Minderjährigkeit des jungen Ludwig zum Regenten von Frankreich.

Seine Mutter, die ehemals angebetete, dann von der schändlichsten Verläumdungssucht verfolgte, geistvolle, großherzige, Maria Antonia, die Schwester Josephs II., und Leopold II., wurde, nachdem sie mit der empörendsten Grausamkeit behandelt worden war, auf dem Revolutionsplatze den 16. Oct. 1793 guillotinirt. Dasselbe Schicksal traf Ludwigs XVI. Schwester, die fromme und mildthätige Elisabeth den 10. Mai 1794.

Der zehnjährige Carl Ludwig Capet, der im Gefängnisse sehr nachlässig behandelt wurde, starb im Tempel den 8. Juni 1795.

Seine Schwester Maria Theresia Charlotte, geb. den 19. Dec. 1778, verließ erst im December 1795 den Tempel, um an der Grenze gegen einige französische Conventsdeputirte ausgewechselt zu werden. Sie ging nach Wien, und vermählte sich den 10. Juni 1799 zu Mittau mit dem ältesten Sohne des Grafen Artois, Ludwig Anton, Herzog von Angouleme, geb. den 6. Aug. 1775. Im Mai des J. 1814 kehrte sie zugleich mit Ludwig XVIII. aus England nach Frankreich zurück.


Tod des jungen gefangnen Prinzen Ludwigs des XVI.

Am 9ten Junius wurde im Convente der Tod des unglücklichen Prinzen Ludwigs des XVI. bekannt gemacht. Er war schon lange kränklich, bekam zuletzt eine Geschwulst am rechten Knie, und an der linken Hand, und starb, in seinem Gefängniße, im Tempel-Thurme, am 8ten Junius, um 2 Uhr Nachmittags. Dieser Tod, obgleich eines unglücklichen Kindes, welches dadurch einem schwer belasteten Leben, und dunkeln ungewißen Aussichten entrißen wurde, wird durch den Zeitpunct zu einer Begebenheit, die von wichtigen Veränderungen und Folgen seyn wird. Wir überlaßen es dem Herzen des Lesers, über das Schicksal dieses Prinzen, und seinem Urtheile, über die Mannichfaltigen Folgen dieses Todes, in Frankreich, und in den Staats-Cabinettern verschiedner Höfe, Betrachtungen anzustellen.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1795.