Louis Grignon

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Grignon, General der Frankreichischen Republik in der Vendee, aus Aktenstücken geschildert.


1. Aussage des Chapelain, Maire zu la Floutiere.

. . . . . . . "Grignon befahl mir, ihn nach la Floutiere zu begleiten, wo ich Maire war. Ich bot mich an, ihm ein Verzeichnis der Verbrecher zu geben: allein er sagte, dies sei unnöthig. Er ließ alle Männer in meiner Gemeinde umbringen, ohne mich um Rath zu fragen. Sein Truppen plünderten und brannten nieder, was ihnen vorkam. Die Soldaten nothzüchtigten die Weiber, und dreißig derselben hatten einst nach einander mit einer siebenzigjährigen Frau zu thun. Neunzehn Gefangene, die von Bonpere waren hergebracht worden ließ Grignon ermorden. Achtzig Personen, Männer, Weiber und Kinder, begaben sich nach La Chatrigneray mit Päßen von der Municipalität von St. Mars. Diese wurden von sechs Soldaten angehalten, und nach La Floutiere gebracht. Grignon befahl, sechs Männer zu erschießen, und sandte blos die Greise, die Weiber und die Kinder zurück. Er weigerte sich den Weiber und Kindern der Ermordeten das Geld zurück zu geben, was er denselben abgenommen hatte. Grignon sagte zu mir: bei seinem Einrücken in die Vendee hätte er geschworen, daß er alles niedermachen lassen wollte, was ihm nur vorkommen würde, man setze gar nicht voraus daß es in dieser Gegend auch nur einen Patrioten gäbe; übrigens sei der Tod eines Patrioten ein geringes, wann es um das allgemeine Beßte zu thun sei . . . . Ich sagte einst zu ihm: hier in der Nähe giebt es einige Meierhöfe, wo viel Geld ist. Er verstand mich so, als wollte ich diese Meierhöfe geplündert haben, und erwiederte: "nun sehe ich, daß Sie ein Republikaner sind." Ich schlug meine Augen nieder und schwieg. Einst sagte er: "meine Leute verfahren sehr ungeschickt, sie bringen die Leute gleich um. Erst sollten sie die Brieftasche (mit Assignaten) abfordern, nachher das Geld, unter Androhung des Todes, und erst dann, wenn man alles hätte, müßte man umbringen." Er wollte nach Pouzauge gehen, und nahm mich zum Wegweiser mit. Dort waren schöne Frauenzimmer als Gefangene im Schloße. Nach Tische gieng Grignon mit seinen Staabsoffizieren zu diesen Frauenzimmern, um Kaffee mit denselben zu trinken. Nachher wurden die Soldaten zugelassen, und diese schrien, als sie heraus kamen, mit einem Jauchzen, was sich nicht beschreiben läßt; es wären ihnen vier Mädchen Preis gegeben worden. Diese Frauenzimmer wurden alle erschossen, bis auf eine, die man los ließ. . . . . . Grignon verließ mit seinen Truppen La Floutiere, nachdem er vorher den Flecken in Brand gesteckt hatte. Er befahl mir, ihm zu folgen, und mich von ihm nicht zu entfernen. Auf dem Wege wurde geplündert und verbrannt. Wo die Kolonne durchgezogen war, da erkannte man ihre Spur an den herumliegenden Leichnamen und an dem Scheine der brennenden Wohnungen. In einem Hause tödtete man zwei alte Leute, den Mann und die Frau, von denen das jüngste wenigstens achtzig Jahr alt war. Die Husaren verführen am wüthendsten; Rauben und Morden war ihre einzige Beschäftigung."
Rochefort am 19. Ventose, im 2. Jahre der Republik.
Chapelain.


2. Aussage der Munizipalität zu Bonpere.

"Wir unterschriebene Mitglieder der Municipalität von Bonpere, vormals Maire und erste Municipalbeamte daselbst, bezeugen: daß Wir, sobald Wir erfuhren, wie die, von dem General Grignon angeführte, Revolutionsarmee zu La Floutiere angekommen wäre, um alles zu verbrennen, uns zu gedachtem Generale hin begeben haben, um ihm das wirklich republikanische Betragen unserer Gemeinde vorzustellen, und ihm zu sagen, wie unsere Bürgermiliz noch in der vergangenen Nacht in der Gemeinde Litay siebzehn Räuber gefangen genommen habe. Diese wurden dem Generale zugeführt und erschossen."
"Nach diesen Vorstellungen schien der General geneigt, unserer Gemeinde zu schonen, und begab sich dahin am folgenden Tage, am 10 Pluviose."
"Bei seiner Ankunft fand er auf dem großen Platze die Municipalität versammelt, nebst der Bürgermiliz, welche gut bewaffnet war, und aus hundert und funfzig Mann bestand. Vier hundert andre gute Bürger, und mehr als zweihundert Weiber, überreichten ihm seinen Blumenstrauß. Bei dem Anblicke einer so großen Anzahl von Bürgern und Bürgerinnen konnte sich der General nicht enthalten, zu sagen: er hätte in keiner von allen den Gemeinden, durch die er gekommen wäre, so viele Leute gesehen, wie zu Bonpere."
"Hierauf sagten die Mitglieder des Bürgerrathes zu ihm: "Bürger General. Zufolge der Zählung, welche in unserer Gemeinde vorgenommen worden ist, besteht dieselbe aus zwei tausend hundert und ein und dreißig Seelen, und alle hangen denselben Grundsätzen an. Seit dem 29. Brümaire, seitdem wir unsere Stellen erhielten, haben wir die Gemeinde von allen gereinigt, was darin verdorben war. Alle Räuber (Königlichgesinnten) welche sie erhielt, sind entweder durch das Schwerd unserer tapfern Bürgermilitz, oder bei der Armee des Charrette umgekommen. Auch hat unsere Gemeinde bereits mehr als 1000 Livres Abgaben bezahlt, und das Gesez wird in derselben geachtet, was man auch dagegen sagen mag."
"Der General schien in Verlegenheit zu seyn. Er schien unentschlossen; er stotterte. Wir wußten nicht, was in seiner Seele vorgieng. Seither haben wir erfahren, daß es seine Absicht gewesen sei, unsere ganze Gemeinde niedersäbeln zu lassen, daß er sich aber vor der großen Anzahl gefürchtet habe. Endlich befahl er, daß ihm sogleich alle Waffen und Kriegsmunition abgeliefert werden sollten. Dabei sagte er: "ich habe Befehl, alles, was sich meinen Truppen entgegen sezt, zu verbrennen und zu erschießen; darum rathe ich Euch, mit sogleich Eure Waffen und Munition nach La Floutiere führen zu lassen, und Euch hinter die Armee zu begeben." Als wir sahen, daß seine Befehl streng war; so ließen wir ihm am folgenden Tag hundert und sechs und funfzig Flinten, vier Karabiner, neun Säbel, mehrere Pistolen und alle Munition zuführen."
"Dieser Vorfall benahm uns den Muth nicht. Wir schickten eine Gesandtschaft zum General Bard, welcher unsern Patriotismus sowohl, als unsere innige Ergebenheit an die Republik kannte. Dieser tapfere General gab uns ein Schreiben an den General Grignon, welches wir demselben sogleich überbrachten. Er las es, und sprach: "Ich will Euch einen Brief an den Oberbefehlshaber mitgeben, welcher sich zu Chollet befindet, und ich verspreche Euch, daß Eure Gemeinde nicht verbrannt werden soll, ehe ich seine Antwort erhalten habe." Dieser Brief wurde geschrieben am 11ten Pluviose, um acht Uhr des Abends, und am 12ten desselben Monats, um vier Uhr des Morgens, setzte er sich in Marsch, um alles zu verbrennen und zu morden. Wir sandten eine Gesandtschaft an ihn, um seinen endlichen Entschluß in Rücksicht auf uns zu erfahren. Die Abgesandten fanden ihn zu Pferde, und im Begriffe vorzurücken. Er gab ihnen zur Antwort: "ich kann jetzt nicht an die Municipalität schreiben, sagen Sie ihr aber, in meinem Namen, sie sollen nur fortfahren über die benachbarten Gemeinden zu wachen, und ich würde für sie alle mögliche Achtung haben."
"Kaum waren die Abgesandten zurückgekommen, als eine Kolonne, unter den Befehlen des Generals Grignon in unsere Gemeinde einrückte, den größten Theil derselben in Brand steckte, Männer und Weiber, die ihr vorkamen, ohne Unterschied niedermachte, und durch das Feuer mehr als drey tausend Scheffel Korn, wenigstens auch tausend Zentner Heu, und mehr als drey tausend Pfund Wolle vernichtete. Das sonderbarste bey diesem Betragen war, daß man besonders das Eigenthum der wahren Patrioten zerstört, und das Eigenthum der Aristokraten verschont hat. Es befanden sich vier ansehnliche Schlösser in der Gemeinde Bonpere, nämlich: Benigon, la Plissonniere, la Fief Millon, und la Ramee. Diese wurden verschont, und man verbrannte blos die, um die Schlösser liegenden, Meyerhöfe, wo Korn, Wein, Wolle und Heu, in grosser Menge vorhanden war."
"Am 14. Pluviose im 2ten Jahre der Frankreichischen Republik."
A. Merlet. C. Bertrand. Guilloneau.


3. Aussage des August Chauvin, Mitglied des Aufsichtsausschusses zu Bressuire.

"Am Tage seines Aufbruches von Argenton le Peuple redete der General Grignon seine Truppen folgendermaßen an: "Kameraden, wir rücken jetzt in das Land der Rebellen ein. Ich gebe euch den gemessensten Befehl, alles zu verbrennen, was nur verbrannt werden kann, und alle Einwohner, die Ihr antreffet, mit dem Bajonette niederzustossen. Ich weis zwar wohl, daß es noch einige Patrioten in diesem Lande giebt: aber das thut nichts; wir müssen alles niedermachen." . . . . Eine Stunde von da, in der Gemeinde Chambre ou tel, wurde alles gemordet, und das Gemetzel war schrecklich. Zu St. Aubin ließ er, unter dem lächerlichen Vorwande, daß man auf dem Kirchturme eine Fahne der Rebellen gefunden hätte, (welches weiter nichts war, als ein Altartuch) die ganze Municipalität ermorden, die ihm in ihren Schärpen entgegen gegangen war. Grignon befriedigte seine Wuth durch Ermordung alle und jeder Personen, die ihm vorkamen, ohne Unterschied. Auch steckte er selbst einige Häuser in Brand. Sein Marsch nach Bressuire war eine Fortsetzung derselben Greuel. . . Alle Gemeinden zwischen Bressuire und la Flosseliere, auf einem Umkreise von mehr als zwey und einer halben Stunde, wurden ganz zerstört. Das Morden war allgemein, und man nahm Niemand aus. Auch verbrannte Grignon auf diesem Zuge eine ungeheure Menge von Lebensmitteln.
August Chauvin.


Quellen und Literatur.

  • Almanach der Revolutions-Charaktere für das Jahr 1796, herausgegeben von dem geheimen Hofrath Girtanner. Chemnitz, bei Karl Gottlieb Hofmann.