Louis Jean Nicolas Abbé

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Jean Nicolas Louis Abbé, Baron und Divisions-General, geb. zu Trepail bei Epernay im Depart. der Marne, den 28. Aug. 1764.

Beim Ausbruch der französischen Revolution stand Abbé als Sergeant-Major zu Toulon. Mit 36 Soldaten rettete er bei einem Volksaufstande ein Mehlmagazin, welches fast eine Beute der Aufrührer geworden wäre. Der Ausbruch des Revolutionskriegs reif ihn und sein Regiment in die Grafschaft Nizza und sein Muth verschaffte ihm bald Gelegenheit sich auszuzeichnen und so auch Aussicht zur Beförderung. Im April 1796 wurde er Oberlieutenant und 1798 Capitän in 8. Dragoner-Regiment. Zu seiner schönsten Waffenthaten gehört unstreitig die Ueberrumpelung der Stadt Navarra in Piemont (6. Decbr.). Er unternahm dieses Wagstück mit einigen Grenadieren, die in zwei Wagen verborgen, sich einem Thore dieser Festung nahten. In dem ersten befand er sich selbst und erhielt auf sein Vorgeben, daß er ein Abgeordneter des französischen Obergenerals Joubert an den König von Sardinien sey, Einlaß. Sobald er sich der Thorwache gegenüber befand, stürzte er sich, an der Spitze seiner Grenadiere, auf die wachthabenden Soldaten, bemächtigte sich der Waffen und nahm 25 Mann gefangen. Der General-Adjutant Musnier de la Conversneil und der General Victor, die unmittelbar darauf anlangten, bemächtigten sich der Stadt und zwangen die 1200 Mann starke Besatzung zur Niederlegung der Waffen. Joubert, der schon zuvor den Plan gekannt hatte, sandte ihn unmittelbar darauf nach Paris, um die den Piemontesern und den Schweizer Soldtruppen abgenommenen Fahnen zu überreichen. Er erhielt daselbst (30. Januar 1799) Ehrenwache und eine Eskadron. Den Feldzug von 1800 machte er bei der Rheinarmee mit und ging darauf (1801) zu der Armee ab, die gegen Portugal bestimmt war. Nach dem Frieden von Amiens begleitete er den General Leclerc als Flügel-Adjutant nach St. Domingo, kehrte nach dessen Tode nach Frankreich zurück und wurde vom ersten Consul nach Corsika geschickt, um den Oberbefehl über das 23. leichte Infanterie-Regiment zu übernehmen, welches nach der Eroberung von Neapel durch die Franzosen (1806) eben dahin geschickt wurde. An der Spitze derselben deckte er den Rückzug der Franzosen nach der Schlacht bei Santa Eufemia in Calabrien (Juli 1806), wo die Engländer den Sieg davon trugen. Zur Belohnung ernannte ihn der Kaiser im März 1807 zum Brigade-General, und er rechtfertigte die getroffene Wahl durch einen Sieg über die englisch-sicilianische Armee bei Milete (27. März), so wie er auch zur Belagerung und Einnahme des Forts Scylla mitwirkte. So große Verdienste ehrte Napoleon (23. October 1808) mit dem Comthurkreuz der Ehrenlegion.

Beim abermaligen Ausbruche des Krieges mit Oestreich zeichnete er sich bei der italienischen Armee in dem Gefechte bei Tarvis (1809) aus, wurde nach Beendigung desselben zum dritten Armee-Corps nach Spanien geschickt, welches der General Reille befehligte und langte dort gerade in dem Augenblicke zu Lerida an, wo Marschall Suchet den Befehl zur Erstürmung dieser Stadt ertheilte, dem zufolge dieser Ort in französische Hände fiel. An der Spitze von 1800 Mann schlug er darauf (8. Juli) ein Corps von 8000 Spaniern unter O'Donnel, vertheidigte (15. Juli) die Stellung bei Tivisar gegen einen muthigen Angriff der Insurgenten und errang auch in den folgenden Tagen zu Tascete und Forera einige Vortheile über die Spanier, so wie er sich auch im Gefecht bei Falcet (19. Nov.) neue Lorbeeren errang. Während der Belagerung von Tortosa befehligte Abbé die französischen Truppen auf dem rechten Ufer des Ebro und trieb (28. Dec.) den heftigsten Ausfall, den die Belagerten dabei versuchten, zurück, worauf zu Anfang des Januars 1811 die Besatzung das Gewehr streckte. Eben so muthig kämpfte er hierauf bei Checa (26. Febr.), warf den Feind bei Bruch (25. Juni), unterstützte die Belagerung von Saragossa und befand sich mit bei Erstürmung dieser Stadt (28. Juni). Am 24. Juli erstürmte er den fast unüberwindlichen Monte Serrate, machte dabei viele Gefangene und wurde nach so viel Siegen (31. Juli) vom Kaiser zum Divisions-General ernannt.

Nach einem Siege über die spanischen Generale Minderabalt und Mina schlug er letztern (22. August 1812) im Thale Roncal, ließ dann einen Theil seiner Truppen zur Besatzung in Pampeluna zurück und zog zu der bei Vittoria versammelten Armee. Auf dem Wege dahin vernahm er jedoch die Niederlage der Franzosen und so blieb ihm nichts anders übrig, als durch Aragonien über Saragossa und Jaca nach Frankreich zurückzukehren. Glücklich langte er beim Herzog von Dalmatien an, der sich so eben damit beschäftigte, aus den Trümmern der spanischen Armee eine neue zu bilden. Da jedoch seine Division sich noch im guten Zustande befand, wurde er sogleich den Engländern entgegengestellt und hatte mit ihnen mehrere Gefechte, in denen er öfters Sieger blieb. Von überlegenen Streitkräften bei Mousseroles (13. Nov. 1813) angegriffen, verlor er indeß 1000 Mann. Nach der Erstürmung des verschanzten Lagers bei Bayonne durch die Engländer warf er sich in diese Stadt und befehligte den 14. April 1814 den Ausfall, wodurch dem Feinde fast 3000 Mann getödtet, oder dienstunfähig gemacht wurden. In Folge der Absetzung Napoleons, die kurz darauf erfolgte, unterwarf er sich Ludwig XVIII., und dieser ertheilte ihm zu Anfang des folgenden Jahres den Oberbefehl über die zweite Unterabtheilung der 8. Militär-Division zu Toulon. Von hieraus benachrichtigte er den Marschall, Prinzen von Eßlingen, von der Landung Napoleons an der französischen Küste und blieb bis zum 10. April mit seinen Truppen den König treu. Aber die Flucht desselben von Paris nach Gent änderte seinen Entschluß und machte ihn geneigt, ein Commando im Elsaß anzunehmen, wo indeß nur wenig Gefechte nach dem Ausbruche der Feindseligkeiten vorfielen. Nach der zweiten Rückkehr Ludwigs XVIII. erhielt General Abbé für sich und seine Truppen eine ehrenvolle Capitulation, er selbst aber zog sich nach geschlossenem Frieden in's Privatleben zurück.


Quellen und Literatur.

  • Dr. R. Fl. Leidenfrost's französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Ilmenau, 1828. Druck und Verlag von Beruh. Friedr. Voigt.