Louis d'Affry

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Affry (Ludwig Augustinus Philipp Graf von), erster Landammann der Schweiz, eine Stelle, die auch sein Vater bekleidet hatte, wurde 1743 zu Freiburg geboren.

Frühzeitig wurde er zum Militärstand bestimmt, begleitete seiner Vater auf einer Gesandtschaft nach dem Haag, wurde hierauf Adjutant bei den Schweizergarden und stieg bis zum Generallieutenant.

Bei dem Anfange der französischen Revolution commandirte er die Armee am Ober-Rhein bis zum 10ten August 1792, wo er nach Entlassung der Schweizertruppen sich in sein Vaterland zurückbegab, und Mitglied der geheimen Rathsversammlung in Freiburg wurde.

Als im Jahre 1798 die Schweiz von einem Angriffe und einer Revolution bedroht wurde, bekam er wieder den Befehl der Truppen. Er erkannte das Unnütze des Widerstandes, betrug sich stets mit Klugheit, und wendete so viel als möglich die Uebel des Krieges und der Empörung von seinem Vaterlande ab.

Als Freiburg von den Franzosen genommen worden war, wurde er Mitglied der provisorischen Regierung. Er hatte keinen Antheil an den Empörungen von 1801 und 1802, aber sehr gern nahm er die Ernennung als Deputirter nach Paris an, als der erste Consul die Schweizer dahin berief und ihnen seine Vermittelung anbot. Napoleon zeichnete ihn vor den andern Deputirten aus, und vertraute ihm die Einrichtung einer Staatsverwaltung, welche die Ruhe und das Glück der alten Alliirten Frankreichs sichern sollte.

Am 19ten Febr. 1803 empfing Graf Affry aus den Händen des ersten Consuls die Vermittelungsacte, und sahe sich für dieses Jahr zum ersten Landammann ernannt, und zwar mit einer ungewöhnlichen Gewalt bis zu einer allgemeinen Zusammenkunft auf einem Landtage. Er suchte die Absichten des Vermittlers zu befördern, und verfuhr in allem mit der Geschicklichkeit, den Einsichten und Erfahrungen eines wahrhaften Staatsmannes. Er blieb erster Landammann bis ans Ende seines Lebens, und wurde während der Zeit mit sehr ehrenvollen Sendungen beauftragt.

Bei der Krönung des französischen Kaisers brachte er ihm an der Spitze einer Deputation die Glückwünsche der Schweizer; bei dem Feldzuge 1809 wurde er gesendet, das Interesse der neutralen Schweiz zu empfehlen.

Im März 1810, bei Gelegenheit der Vermählung des französischen Kaisers mit der Erzherzogin Maria Louise von Oesterreich, stattete er die Glückwünsche seiner Nation ab, und wurde ehrenvoll empfangen, erhielt ansehnliche Geschenke und das Großkreuz der Ehrenlegion.

Eben da ein Landtag in Bern versammelt werden sollte, endigte ein Schlagfluß sein thätiges und nützliches Leben am 16ten Jun. 1810.

Quellen und Literatur

  • Nekrolog denkwürdiger Schweizer aus dem achtzehnten Jahrhundert, nach alphabetischer Ordnung bearbeitet für Freunde vaterländischer Kultur und Geschichte von Markus Lutz, Aarau 1812 bei Heinrich Remigius Sauerländer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.