Ludwig (Hessen-Philippsthal)

From NapoleonWiki
Jump to: navigation, search

Prinz Ludwig v. Hessen-Philippsthal.

Hessen-Philippsthal, (Prinz Ludwig v.) Generallieutenant in königlichen Sizilianischen Diensten, Sohn des Landgrafen von Hessen-Philippsthal, General der Kavallerie in Holländischen Diensten, geboren den 8. Oktober 1766, war schon seiner militärischen Talente wegen bekannt, als ihm 1806 die Vertheidigung der Festung Gaeta im Königreiche Neapel übertragen wurde.

Er benahm sich auf diesem Posten mit der äußersten Tapferkeit und widerstand den Franzosen, mit dem unerschütterlichsten Muthe. Vergebens forderte ihn der General Reynier zur Uebergabe auf. Am 7. July eröffneten endlich die Franzosen ein fürchterliches Bombardement gegen Gaeta. Es wurde in kurzer Zeit von den Franzosen gegen eine Million Pfund Pulver verschossen. Eine Bombe beschleunigte endlich die Uebergabe der Festung. Eine Mauer wurde durch die Explosion derselben umgestürzt. Hinter derselben befand sich der tapfere Kommandant, der noch immer von keiner Uebergabe hören wollte. Er ward durch den Umsturz der Mauer schwer verwundet, und da die Franzosen darauf ihre Bomben hauptsächlich nach der Wohnung richteten, worin sich der verwundete Prinz befand, so mußte sich derselbe von einer englischen Fregatte nach Sizilien abführen lassen.

Das Kommando in der Festung ward dem Adjutanten des Prinzen, Obristen Hotz, übertragen. Da die Franzosen bereits am 20sten Breche geschoßen hatten, und alles zum Sturm bereiteten, so schloß dieser, nachdem die Festung 5 Monate und einige Tage belagert gewesen war, eine Kapitulation, gemäß welcher die Besatzung sich nach Sizilien einschiffte, und die Festung den Franzosen überließ.

Im folgenden Jahre fand sich der tapfere Prinz von seinen Wunden wieder hergestellt und unternahm am 9. May 1807 an der Spitze eines sizilianischen Korps eine neue Landung zu Reggio, die aber mit der Niederlage bey Mileto am 28. May durch den französischen General Reynier erfolglos gemacht wurde.


Nekrolog.

Ein anderer tapferer General-Feldmarschall, der berühmte Prinz Ludwig von Hessen-Philippsthal, starb in Neapel am 15ten Februar. Er war der 4te Sohn des Landgrafen von Hessen-Philippsthal, der als Gouverneur von Herzogenbusch in Holländischen Diensten stand, ward Rittmeister in dem Regimente seines Vaters und vermählte sich 1791 mit einer Fräulein Trips, ohne Vorwissen der beiderseitigen Ältern. Er mußte nun den Dienste verlassen, da nach den damaligen Holländischen Gesetzen kein Officier eine Katholikin heirathen durfte und seine Familie auch die Heirath nicht anerkennen wollte. Oberst Acton, Bruder des bekannten Neapolitanischen Kriegsministers, und selbst nachher Kriegs-Minister in Neapel, war auch mit einem Fräulein Trips verheirathet. Durch seine Fürsprache erhielt er Neapolitanische Kriegsdienste und versöhnte sich mit seiner Familie. Er ward bald Hofmarschall und Gouverneur des Schlosses zu Caserta; und seine Gemahlin, welche sich aber nachher nach München begab, Oberhofmeisterin der Königin. Obwohl er nie an den Plänen des Hofes Theil genommen hatte, übertrug ihm die Königin doch 1806 die Vertheidigung von Gaeta, welche ihm unverwelkliche Lorbeeren eintrug. Auf General Regniers Aufforderung folgte die gedruckte Erklärung: "Gaeta ist nicht Ulm und Philippsthal nicht Mack." König Joseph und Massena trafen selbst im Lager ein.

Den 20. März begann die förmliche Beschießung von Gaeta von den umherliegenden Anhöhen. -- Der Moniteur nannte das ganze Königreich erobert; noch hielt [[Gaeta sich. Der Prinz bot alles auf, was Muth, Genie und Erfahrung ihm eingeben konnten; er war immer selbst auf den gefährlichsten Punkten: aber ließ sich nie als Werkzeug rachgieriger Pläne gebrauchen, und verjagte die Banditen, welche man ihm aus Sicilien schickte. Aber am 11ten July, als er eine Bresche besah, zerschmetterte eine Bombe die niedrige Mauer, hinter der er stand, und bedeckte ihn mit Steinen und Trümmern, so daß er fast leblos aus dem Schutte gezogen und zu Schiffe nach Sicilien geführt ward. Kaum war er entfernt, so übergab sich Gaeta, wiewohl auf ehrenvollen Bedingungen, nachdem es den Franzosen drei Generale und viele Menschen gekostet hatte, weshalb es der König auch zur Hauptstadt und den Prinzen zum Generalissimus des Reichs ernannte. Kaum war er geheilt, als er mit 6000 Sicilianern in Kalabrien landete, aber sich vor der Uebermacht des Feindes nur mit 50 Reutern von Reggio nach Messina rettete. In Messina empfing die Königin den unglücklichen Helden mit Vorwürfen und Verwünschungen. Endlich schien ihm das Glück lächeln zu wollen, als er, kaum 50 Jahr alt, entschlummerte.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Neue allgemeine Weltbühne für das Jahr 1816. Erfurt, in dem Königl. Preuß. Postamte und in der Keyserschen Buchhandlung.