Ludwig Friedrich August von Cölln

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Cölln (Friedrich von), welcher nach dem unglücklichen Jahre 1806 durch mehrere Schriften, in denen er theils die Gebrechen der preußischen Monarchie anzuzeigen und Vorschläge zu Verbesserungen zu machen bemüht war, theils über die ersten Beamten des Staats, den König selbst nicht ausgenommen, abzuurtheilen sich herausnahm, dem ganzen deutschen Publikum bekannt wurde, ist in J. 1767 in der Grafschaft Lippe-Detmold geboren, wanderte im J. 1789, nachdem er seine juristischen Studien in Marburg, Halle und Jena vollendet hatte und in seinem Vaterlande kein Brot finden konnte, nach Preußen, wo er angestellt wurde.

Als Kammer-Referendarius begann er 1790; zwei Jahre darauf kam er als Kammer-Assessor nach Minden und 1793 nach der Besitznahme von Südpreußen als Kriegsrath nach Posen. Er selbst spricht das Bewußtseyn aus, der Nation und dem Könige treu gedient zu haben. Aber sein dortiger Aufenthalt wollte ihm nicht gefallen, und so ward er nach eigenem Wunsche als Steuerrath nach Schlesien, im J. 1805 aber als Rechnungsrath zur Oberrechnungskammer nach Berlin versetzt.

Die Ereignisse der Jahre 1806 und 7 bis zum tilsiter Frieden hoben seine Wirksamkeit als Staatsdiener auf. Er hatte sich geweigert, dem französischen Gouvernement den Diensten zu leisten, und wurde erst 1808 als Steuerrath oder Regierungscommissär in Glogau wieder angestellt, im December desselben Jahres aber wegen Verunglimpfung der Regierung zur Zeit des allgemeinen Friedens, wodurch Unmuth verbreitet worden, und wegen Aufdeckung der Staatsrevenuen auf eine königliche Cabinetsordre als Staatsgefangener auf die Festung Glatz gebracht.

Im Sommer 1810 erhielt er die Erlaubniß, unter Aufsicht preußischer Militärwache die Bäder des benachbarten Landeck zu besuchen; von dort entfloh er durch Oesterreich nach Sachsen, wo er Freunde fand, und bewirkte endlich im December desselben Jahrs durch die Vermittlung des Staatskanzlers v. Hardenberg, daß der König von Preußen den gegen ihn seit zwei Jahren eröffneten Prozeß niederschlug, ihm seinen ehemaligen Gehalt als Pension anwies und die Erlaubniß ertheilte, wieder nach Berlin kommen zu dürfen, wo er als privatisirender Schriftsteller lebte, bis er später in Schweidnitz bei der Verwaltung der Klostergüter angestellt wurde.

An diesen Abriß seines Lebens, das er selbst unter dem Titel: Actenmäßige Rechtfertigung des Kriegsraths von Cölln 1811 herausgegeben hat, knüpfen wir eine Uebersicht seiner schriftstellerischen Wirksamkeit.

Im J. 1803 schrieb er sein erstes Buch: Reflexionen über dem preußischen Staat; darauf ließ er folgen: Schlesien, wie es ist, von einem Oesterreicher, 1805, 3 Bände. In Berlin redigirte er sodann den Staatsanzeiger, der er in der Folge unter dem Titel: Neue Feuerbrände, ein Journal in zwanglosen Heften, fortsetzte.

Nach der Schlacht von Jena war er nach Schlesien gegangen, mit einem Plane zur Vertheidigung dieser Provinz. Ohne Gehör gefunden zu haben, kam er nach Berlin zurück, und setzte hier die in Schlesien angefangenen "Vertrauten Briefe über die innern Verhältnisse am preußischen Hofe seit dem Tode Friedrichs II." fort.

Einer seiner Aufsätze in dem preußischen Hausfreunde, der Grundsätze über den Diensteid enthält, zog ihm von Seiten des damaligen französischen Gouvernements in Berlin vierwöchentliche Gefangenschaft in der Hausvogtei zu. Nach seiner Loslassung machte er eine Reise nach Wien, welche ihm Stoff zu der Schrift gab: "Wien und Berlin, eine Parallele."

Auch während seines Aufenthalts in Glatz fuhr er in seiner Thätigkeit fort, und allerdings ist es merkwürdig, daß der König von ihm, einem Staatsgefangenen, Proben verbesserter Gewehre annahm, sie prüfen und ihm ein Belobungsdekret ausfertigen ließ.

Bei Gelegenheit der 1811 Statt gehabten ständischen Versammlung in Berlin nahm Cölln aufs neue die Feder, und gab seine Ansichten über manche staatswirthschaftliche Gegenstände in den beiden Heften: Materialien für die preußische staatswirthschaftliche Gesetzgebung, wegen welcher er ebenfalls angegriffen wurde.

Eine zu gleicher Zeit unter seiner Mitwirkung erschienene Zeitschrift: Fackeln, ein Journal in zwanglosen Heften, endigte mit dem ersten Hefte.

Wollen wir diese sämmtlichen Schriften ihrem Hauptcharakter nach würdigen, so können wir nicht vortheilhafter über sie urtheilen, als daß sie neben manchem Richtigen und Brauchbaren vielleicht noch mehr Falsches, Schiefaufgefaßtes und Einseitiges enthalten, und daß, wenn ihr Werth schon dadurch zweideutig wird, sie noch unendlich mehr verlieren durch die Art und Weise, wie der Verfasser seine Meinungen vorträgt. Ueber wahre und vermeintliche Gebrechen, über lebende Personen vom höchsten Range wird mit einer Vernachläßigung aller Schonung und Rücksicht gesprochen und abgeurtheilt, die auf die Menge nur nachtheilig einwirken, bei den Verständigen aber nur Indignation erwecken kann. Derjenige, der auf diesem Wege zu Reformen führen will, setzt sich dem gerechten Verdachte aus, daß es ihm nicht um die Sache zu thun sey, denn er zerstört sein Werk mit eignen Händen; er stellt seinen Charakter oder seine Urtheilskraft in ein zweideutiges Licht.

Wir können es daher nur als eine natürliche Folge dieser Fehlgriffe ansehen, wenn Cölln, alles Ansehens und Glaubens beim Publikum verlustig, sich genöthigt gesehen, ganz von dem literarischen Schauplatz abzutreten, was außerdem bei einem Manne von seiner Kraft und bei den großen Anlässen der neusten Zeit auffallen müßte.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.