Ludwig XVIII. (Frankreich)

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Ludwig-Stanislas-Xavier, ältester Bruder Ludwig XVI. geb. zu Versailles den 17. November 1755, anfangs unter dem Titel, Graf von der Provence, bekannt, den er nach Ludwigs XVI. Thronbesteigung mit dem Titel, Monsieur, vertauschte.

Bis zum Ausbruche der Revolution hatte er sich wenig in die öffentlichen Angelegenheiten gemischt und das Studium der Wissenschaften und Philosophie seine einzige Beschäftigung seyn lassen. Bey der Versammlung der Notabeln stimmte er für die der Zahl nach gleiche Repräsentation, und zeigte sich beynahe stets den Verbesserungen zugethan, auch erhielt er von dem Volke häufige Gunstbezeigungen.

Bey der Abreise seiner Tanten im Februar 1791 verbreitete sich das Gerücht, daß er gleichfalls den Vorsatz, Paris zu verlassen, gefaßt hätte; Barnaye behauptete es selbst vor der Tribune. Alsobald entstand ein Auflauf, und eine Deputation ging an ihn ab, um ihm die Besorgnisse des Volks zu bezeigen. Der Prinz versicherte, mit ausdrücklichen Worten, daß er sich nie von dem Könige trennen werde.

Als Ludwig XVI. den Entschluß gefaßt hatte, Paris zu verlassen, theilte er ihn seinem Bruder mit, der sich entschloß, ihm zu folgen. Monsieur reißte daher in Begleitung seiner Gemahlinn in der Nacht von 20. zum 21. Juny 1791, eine Stunde nach dem Abgange des Königs, aus seinem Pallaste ab, schlug, unter dem Namen eines Grafen von Lille, die Straße nach Maubeuge ein, und kam glücklich in Brüßel an, von wo aus er sich nach Coblenz begab.

Die gesetzgebende Versammlung erließ den 1. Januar 1792 ein Anklagedekret gegen Monsieur, und erklärte ihn den 16. einstimmig für verlustig seines Rechts auf die Regentschaft.

den 11. September ging er in Begleitung des Grafen von Artois an der Spitze von 6000 Mann Kavallerie ab, um sich an die preußische Armee anzuschließen.

Nach Ludwigs Tod erkannte sie in einer Erklärung den Sohn dieses Fürsten als König von Frankreich unter dem Titel Ludwig XVII. an; Monsieur nahm den Titel Regent des Königreichs und gab zu gleicher Zeit dem Grafen von Artois den eines Generallieutenants. Kurz darauf trennte er sich von seinem Bruder und ließ sich in Verona unter dem Namen eines Grafen von Lille nieder.

Bey dem Tode des Dauphins, nahm er den Titel, Ludwig XVIII, König von Frankreich und Navarra, an, und ließ ein Manifest erscheinen, in welchem er allen Franzosen, die sich ihm unterwerfen würden, einen Generalpardon ankündigte. Dessen ungeachtet verlor er bald das Asyl, das er zu Verona gefunden hatte. Er begab sich zur Condéschen Armee am Rhein, um in der Eigenschaft eines Freywilligen Dienste zu nehmen, ward aber genöthigt, diese Armee zu verlassen.

Er zog sich nach Blankenburg zurück und ließ sich vornemlich den Briefwechsel mit seinen Anhängern im Innern Frankreichs, namentlich mit Pichegrü, angelegen seyn.

Einige Monate darauf verließ er Blankenburg, um sich nach Mietau zu begeben, wo die Vermählung des ältesten Sohnes vom Grafen von Artois mit der Tochter Ludwigs XVI. gefeyert wurde.

Da Paul I. sich Frankreich genähert, und ihm den fernern Aufenthalt in seinen Staaten untersagt hatte, sah er sich genöthigt, von neuem umherzuirren und einen Zufluchtsort zu suchen. Endlich wurde ihm mit Genehmigung des Berliner Hofs gestattet in Warschau zu residiren; dessen ungeachtet ließ derselbe Hof im folgenden Jahre auf Verlangen der französischen Regierung einige seiner Agenten zu Bayreuth arretiren. Das Gerücht verbreitete sich hierauf in Europa, daß ihm durch Vermittelung des Königs von Preußen Anerbieten gemacht worden wären, die er ausgeschlagen. Seine Antwort und die aller Mitglieder seiner Familie erschien selbst in einigen deutschen Zeitschriften.

1805 verließ er Warschau, und ging mit Genehmigung des Kaisers Alexander nach Mietau zurück.

Es ist ihm von verschiedenen Mächten, hauptsächlich von dem Londner Hofe, eine Pension ausgesetzt worden, die man auf 12,000 Pf. Sterl. monathlich berechnet. Dessen ungeachtet weigerte er sich, ein Asyl in England zu suchen, bis ihn ein geheimer Artikel des Tilsiter Friedens dazu genöthigt zu haben scheint; da er erst in den letzten Monathen des Jahrs 1807 dahin abging.

Quellen und Literatur

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.