Madame Roland

Aus NapoleonWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Roland (M. J. Philippine) Gemahlinn des Vorhergehenden, geboren zu Paris 1754, Tochter eines in seiner Kunst ausgezeichneten Kupferstechers, der aber durch Verschwendung sein Vermöge zu Grunde gerichtet hatte.

Im Schooße der schönen Künste erzogen, von Büchern, Gemählden und Musik umgeben, ward sie Gelehrte, Tonkünstlerinn und Gemähldekennerinn. Die Lebhaftigkeit ihrer Phantasie und ihr leidenschaftliches Gemüth gaben ihrem Charakter und ihren Ideen einen Anstrich von Sonderbarkeiten und brachten sie zu einer Art von Philosophie, die sie gleichsam für die Vergnügungen und Genüße entschädigte, welche ihr ihre Geburt und ihre Vermögensumstände versagten. Wäre sie von der Geburt höher gestellt gewesen und in eine glänzendere Laufbahn eingeführt worden, so hätte sie sich wahrscheinlich mit dem Namen einer liebenswürdigen Frau begnügt; allein aus Verdruß über den beschränkten Wirkungskreis, den ihr das Schicksal angewiesen hatte, machte sie eine Philosophinn und einen schönen Geist aus sich.

1780 widmete ihr Roland, damaliger Manufakturinspector, bezaubert von ihrem Geiste, seine Briefe über Italien und bot ihr seine Hand an. Sie nahm sie an und folgte ihrem Gemahl nach Amiens, wo sie sich mit der Botanik beschäftigte und die Pflanzen der Picardie in eine Sammlung brachte.

Nach einer Reise in England ließ sie sich 1784 in Villefranche nieder und widmete sich der Landwirthschaft. 1787 besuchte sie die Schweiz. Diese Reise und die in England erweckten in ihr den Hang zur Politik; sie zergliederte den Geist dieser beyden Regierungsformen und ward leidenschaftlich für die Grundsätze der Freyheit eingenommen, auf welche sich jene gründeten.

Als Roland Manufakturinspector in Lyon geworden war, wurde er an die Konstituirende Versammlung gesandt, um wegen einer nothwendigen Unterstützung zur Tilgung der Schulden dieser Stadt nachzusuchen. Madame Roland ließ sich nunmehr mit ihrem Gemahl in der Hauptstadt nieder und machte sich ein Vergnügen daraus, die Oberhäupter der Volksparthey und die vornehmsten Deputirten der Gironde bey sich zu sehen. Brissot, Barbaroux, Louvet, Clavière, Vergniaud wurden in ihre Gesellschaft aufgenommen; sie wurde die Seele ihrer Berathschlagungen, und die geheime Macht, welche Frankreich beherrschte.

Als Roland ins Ministerium trat, schrieb man ihr den größten Theil seiner Arbeiten zu, und als ihn der Konvent bat, seine Stelle nicht zu verlassen, schrie Danton: "Wenn man den Herrn zu Beybehaltung seiner Stelle einladet, muß man dasselbe auch bey seiner Frau Gemahlinn thun. Ich erkenne alle guten Eigenschaften des Ministers; aber wir haben Männer nöthig, die selbst, und nicht bloß durch ihre Weiber, sehen." Und in der That, wenn man sich auf ihre eigenen Memoiren über ihr Leben beziehen will, so hatte sie den größten Antheil an allen Arbeiten ihres Mannes, und den 7. Dezember 1792 erschien sie vor den Schranken des National-Konvents, um Aufklärungen über eine Denunziation zu geben, und sprach mit solcher Würde und Leichtigkeit, daß sie die Ehre der Sitzung erhielt.

Ein zweytesmal erschien sie im Augenblick, wo gegen ihren Gemahl dekritirt wurde, konnte sich aber kein Gehör verschaffen, und sah sich herauf selbst in die Abtey eingesetzt. Sie schrieb an die Versammlung, und an den Minister des Innern; ihre Section verlangte ebenfalls ihre Freylassung; aber alle diese Schritte waren fruchtlos, sie wurde vor das Revolutions-Gericht geführt und den 8. November 1793 als Verschwörerinn gegen die Einheit und Untheilbarkeit der Republik zum Tode verurtheilt. Als sie starb, kündigte sie an, daß ihr Mann sie nicht überleben, und bey der Nachricht von ihrem Tode sich selbst umbringen würde; und sie hatte sich nicht betrogen.

Die Unbescholtenheit ihrer Sitten und ihre häuslichen Tugenden waren geeignet, sie glücklich zu machen; sie opferte aber ihr Glück der Vergrösserung ihres Ruhms auf.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.