Mainz

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Maynz, (lat. Mogunita, Moguntiacum) die alte ehemalige Haupt- und Residenzstadt des gleichnamigen Erzstifts, am westlichen Ufer des Rheins gelegen. wo sich der Mayn in denselben ergießt.

Hier legte schon Drufus eine Festung an. Der erste Ursprung der Stadt ist dunkel. Im Mittelalter stand sie (seit 1247) an der Spitze des Rheinischen Bundes. Im J. 1631 nahm sie Gustav Adolph ein, 1635 wieder die Kaiserlichen; 1644 die Franzosen, welche sie im westphälischen Frieden wieder zurückgeben mußten. 1689 wurde sie mit Sturm erobert.

Sie ist eine ansehnliche Stadt und zählte vormals 27,000 Einwohner; im J. 1803 fanden sich deren noch 21,583. Seit dem lüneviller bis zum pariser Frieden gehörte Maynz zu Frankreich und war die Hauptstadt im Departement des Donnersbergs. Als Festung ist es von großer Wichtigkeit; die Werke sind von den Franzosen noch sehr verstärkt und vergrößert worden.

Die Gassen der Stadt sind meist enge und winklicht, doch erblickt man unter den Häusern auch hin und wieder ansehnliche Paläste. Das ehemalige Residenzschloß Martinsburg wurde von den Franzosen zur Niederlage für den maynzer Handel bestimmt. Dem Einflusse des Mayns gegenüber lag die churfürstliche Favorita mit ihrem Garten, Wasserkünsten und der vortrefflichen Aussicht über den Rhein und Mayn. Durch die mehrmaligen Belagerungen aber während der letzten Kriege sind jenes Lustschloß, die Domgebäude, einer von den großen Thürmen der Domkirche, die Jesuiterkirche und viele andre öffentliche und Privatgebäude zerstört worden. Die Domkirche enthielt einen kostbaren Schatz und viele schöne Grabmäler, welche aber größtentheils nicht mehr vorhanden sind. Die Klöster sind aufgehoben und zum Theil zerstört, wie die Carthause. Von den Hospitäler ist das zu St. Roch mit seiner Buchdruckerei, Strumpf- und Zeugfabrik von weltlichen Gebäude aber das Rathhaus, Zeughaus, Redouten- und Ballhaus, das adelige Gesellschaftshaus, die Reitschule u. s. w. merkwürdig. Von Antiquitäten bemerkt man vorzüglich das Monumentum Drusi oder den Eichelstein (von seiner Form) nahe am Walle vor Maynz. Uebrigens schreibt sich Maynz die Erfindung der Buchdruckerkunst (s. d. Art.) zu.

Die Universität, welche 1477 gestiftet und 1746 mit neuen Statuten und Privilegien, ingleichen mit einer schönen Bibliothek, medicinischem Garten und anatomischem Theater versehn und von dem Churfürsten Friedrich Carl so verbessert worden war, daß 1784 eine feierliche Instauration derselben Statt fand, ward 1798 von den Franzosen in eine Centralschule und 1802 diese in ein Lyceum verwandelt. Im J. 1803 wurde hier eine von den fünf großen Arzneischulen Frankreichs angelegt.

Die bei Maynz über den Rhein gehende Schiffbrücke, welche 450 Schritte lang ist, führt zu dem gegenüberliegenden Städtchen Cassel.

Nach dem pariser Frieden wurde Maynz, das bisher blokirt gehalten worden, an die Deutschen übergeben, die Festung von preußischen und österreichischen Truppen gemeinschaftlich besetzt; die Stadt aber unter hessendarmstädtische Hoheit gestellt, und im Juli 1816 in Besitz genommen.

Mainz.

Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.