Mantua

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Mantua.

Die allgemeine Aufmerksamkeit, die die lange Belagerung und endliche Einnahme der Festung Mantua auf sich gezogen hat, wird folgender kurzen Beschreibung dieser Stadt, von der schon bereits im Julius-Monate des verfloßnen Jahrs S. 679, ein Abriß enthalten ist, ein doppeltes Intereße geben.


Seinen ersten Ursprung und seine Entstehung verdankt Mantua einem der ältesten Etrurischen Könige, Oeno Bianor, der diese Stadt 430 Jahr vor Erbauung der Stadt Rom, und 1200 Jahr vor Christi Geburt, gründete, und sie, nach seiner Mutter, Manto nannte, welches nach und nach in Mantoa oder Mantoua verwandelt wurde. Die ersten Einwohner und Anbauer dieser Stadt, einer der ältesten in ganz Italien, waren Etrurier, Toscaner, Thebaner u. s. f. Unter der spätern Herrschaft ihrer eignen Herzöge erlitt sie 1630 in dem damaligen Succeßionsstreit durch die Kaiserlichen Heere die größten Verwüstungen. Sie wurde mit Sturm erobert, ihrer Schätze und Kostbarkeiten beraubt, und ihr blühender Zustand verwandelte sich in Armuth und Elend. Der Abfall des letzten Herzogs von Mantua, Carl V., der im Spanischen Erbfolge Kriege der Parthey der Krone Frankreich anhieng, zog ihr eine zweyte Belagerung zu, da kaum die Wunden geheilt waren, die ihr die erstere geschlagen hatte. Prinz Eugen nahm sie im Jahr 1707 ein, und unterwarf sie dem Hause Oesterreich. Dreymal wurde Mantua im Laufe von 2 Jahrhunderten erobert.

Mantua liegt in der Mitte eines Sees, den der Fluß Mincio um sie bildet, deßen Umkreis 20 Meilen, und deßen geringste Breite 2 Meilen beträgt. Die Stadt selbst hat beynahe 4 Meilen im Umfange; aber nur 2 Eingänge, Dämme, und Hauptbrücken führen in dieselbe, ob man gleich 8 Thore zählt. Man hat mehrere zum Theil übertriebne und sehr verschiedne Berechnungen von ihrer Bevölkerung gemacht. Noch kürzlich wurde in einem öffentlichen Blatte die Zahl ihrer Einwohner auf 50,000 festgesetzt, nach andern betrug sie 28,000. Ihre wahre Volksmenge war vor der Belagerung 23,570 Seelen, und diese ist während der neunmonatlichen Dauer der Belagerung noch sehr vermindert worden. Mantua hat gutangelegte, breite und große Straßen und Plätze, schön gebaute Häuser, mehrere vortrefliche Palläste, und viele andre öffentliche Gebäude. Sie hat 18 Pfarrkirchen und 14 Klöster, und ist der Sitz eines, seit 1770 in den Teutschen Reichsfürstenstand erhobenen, Bischofs, der unmittelbar dem Pabste untergeordnet ist. Von den vielen schönen Pallästen und Gebäuden, die sie zieren, führen wir nur die Kirche der ehemaligen Jesuiten nebst dem dazu gehörigen Observatorium, den Pallazzo della Giustizia, die Universtäts-Gebäude, die Academie der Wißenschaften und Künste, und den prächtigen Pallast nebst seiner Gemäldegallerie an. Die Universität dieser Stadt, ist 1625 gestiftet worden.

Die Einwohner beschäftigen sich mit den schönen Künsten, vorzüglich aber mit Fabriken und Handlung; obgleich dieser letzte Nahrungs-Zweig besonders von den in der Stadt befindlichen Juden, an sich gerißen worden ist, deren Anzahl bis 5000 betragen soll. Die Kriegs-Uebel und die wiederholten Verheerungen haben den Flor dieser Stadt sehr herabgebracht, sie hat nie ihren vorigen Wohlstand wieder erreichen können. Der Abgang der Herzoge, deren Residenzstadt Mantua war, und die durch ihre Hofhaltung Reichthum und Ueberfluß verbreiteten, war eine der vorzüglichsten Ursachen des Verfalls dieser Stadt. Mantua hat eine starke Mauer, und eine Citadelle; mehr aber als Kunst hat die (man weiß nicht) gütige oder ungütige Natur diese Stadt zu einer der stärksten Festungen gemacht. Aber eben die, ihrer Befestigung so vortheilhafte, sumpfigte Lage hat eine äußerst schädliche Luft zur Folge, die die Gesundheit ihrer Einwohner untergräbt, und der man auch Hauptsächlich die große Sterblichkeit der Oesterreichischen Besatzung, und der Französischen Belagerungs-Armee zuzuschreiben hat.


Mantua..

Mantua, ehemalige Hauptstadt des Herzogthums gleiches Namens, liegt in einem großen See, welchen der Fluß Mincio macht. Man gelangt nur vermittelst zweyer Dämme oder Hauptbrücken in diese Stadt; beyde aber können von eben so viel Forts und andern aufgeworfenen Werken bestrichen werden. Um die Stadt selbst geht eine starke Mauer, überdieß hat sie eine Citadelle, und jederzeit eine ansehnliche Besatzung. Die Gassen sind mehrentheils breit und gerade, auch giebt es hier viel wohlgebaute Häuser ingleichen 18 Pfarrkirchen und 14 Klöster. Der Bischof stund ehemals unmittelbar unter dem Pabst, und ist 1770 für sich und seine Nachfolger in den Reichsfürstenstand erhoben worden; jezt gehört er zum Erzbißthum Ferrara. Die Kirche und Bibliothek der Franciscaner, die Kirche der vormaligen Jesuiten mit ihrem zum astronomischen Observatorio eingerichteten Thurme, der ehemalige herzogl. Pallast, der Palazzo della Giustizia, mit seinem großen Saale, die Gebäude der 1625 gestifteten Universität, das Zeughaus, die Synagoge der Juden, die drey Vorstädte jenseits dem See, die Mühle der 12 Apostel, unter einer Art von bedeckten Gallerie, der in Form des Buchstaben T erbaute Pallast mit seiner Gemäldegallerie, die Akademie der Wissenschaften und Künste, und die damit vereinigte Akademie der Mahlerey und Baukunst verdienen bemerkt zu werden.

Die ehemals blühende Stadt wurde äusserst verwüstet, als, durch Verschulden Balduins del Monte, die Kaiserlichen 1630 in dem damaligen Erbfolgestreit, sich mit stürmender Hand derselben bemeisterten. Nachdem erholte sich Mantua wieder, aber seit dem Abgang seiner eigenen Herzoge, da kein Hof mehr daselbst ist, hat es an Einwohnern und Fabriken sehr abgenommen.

Das Hauptgewerbe machen die hier sich befindlichen Juden. Im J. 1779 - 80 zählte man in der Stadt Mantua 24,764 in den Vorstädten 3,572 Seelen, und nebst diesen noch 2,111 Juden. Diese Zahl ist gegenwärtig bis auf 20,000 gesunken, weil die wichtige Festung Mantua zu ihrem Unglücke eine große Rolle bey dem vergangenen Kriege spielen mußte.

Im J. 1796 eroberten sie die Franzosen durch eine enge Blokade, weil die Festung viele Kranke und Mangel an Lebensmitteln hatte. Im J. 1799 wurde sie den Franzosen von den Oesterreichern durch eine förmliche Belagerung wieder entrissen, und zu Anfang des J. 1801 ergab sie sich wieder an die Franzosen, zufolge eines Waffenstillstandes in Italien, auf welchen die Friede folgte.

Gegenwärtig gehört sie als Gränzfestung zum Italienischen Königreich, und ist die Hauptstadt im Departement des Mincio.


Von Reisende.

Karol Fryderyk Wojda

Mantua den 6. Juni 1798.


Aus dem Gardasee entströmt der Mincio, ein Fluss, dessen Ufer reitzend und angenehm, aber wegen des geringen Falles, den er hat, nicht die gesündesten. An der nordöstlichen Seite von Mantua ergiesst er sich in einer See, dessen Länge eine Stunde und die Breite die Hälfte davon betragen mag. An seinem linken Ufer, da wo er die Stadt berührt, ist ein Hornwerk erbauet, wodurch die Festung von der Strasse, die nach Mailand führt, gedeckt wird. Es ist ganz von Erde, aber mit Graben und Kanälen durchschnitten, die verhindern, dass es nicht anders als vom Wege her angegriffen werden kann. Ein Bastion und ein Ravelin zu beiden Seiten des Thores Pradella schützen es und würden, so lange sie in gehörigem Stande sind, dem Feinde, wenn er es auch erstürmte, nicht erlauben, sich in demselben festzusetzen. Wenn man Mantua von dieser Seite zuerst sieht und wenige oder nur unbedeutende Werke gewahr wird, dann wird es einem schwer, die in allen öffentlichen Blättern so hoch gepriesene Stärke derselben mit ihrer Unbedeutendheit zusammen zu reimen.
An den Mauern der Stadt selbst hin fliesst von Pradella der See bis an die Citadelle, wo er schmäler wird und es erlaubt hat, eine bedeckte Brücke auf demselben zu bauen. Diese Brücke, auf welcher sich die nöthigen Mühlen befinden, die aber nur mahlen können, wenn das Wasser nicht eine gewisse Höhe übersteigt, ein Fall, der sehr häufig eintritt, führt über den See in die fast unüberwindlich Citadelle, wenn sie Casematten hätte. Bis an dieselbe führt der See den Namen des obern Sees (Lago superiore) und von da bis an die Brücke, über welche man in die Vorstadt St. George geht, des mittlern Sees (Lago di miglio). Dieser so wie der untere See (Lago inferiore), der sich südöstlich von Mantua endigt und den Mincio wieder verlässt, sind beide sehr unbedeutend und ihre Breite ist an einigen Stellen nicht hinreichend, um den Schuss eines Vierundzwanzigpfünders unwirksam zu machen. Die Stärke der Festung besteht auf dieser Seite einzig und allein in dem Fort St. George. Zur Zeit der Oestreicher war es nur mit einer einfachen Mauer umgeben, jetzt hat man angefangen, einige Aussenwerke vor demselben anzulegen, die aber, wegen ihrer Weitläuftigkeit, wenigstens dreitausend Mann Besatzung erfordern werden. Mit der Stadt hängt St. George durch eine Brücke zusammen, die wegen der geraden Linie, die sie bildet, und den Zugbrücken, die auf derselben angebracht sind, sehr leicht vertheidigt werden kann. Von St. George aus kann man der Stadt wenig oder gar nicht schaden.
Aber das verschanzte Lager und die Werke, die sich am linken Ufer des untern Sees befinden, und die Befestigung der Südseite von Mantua, vor dem Thore Cerese, ausmachen, können von St. George aus sehr leicht bestrichen und in Rücken genommen werden. Der linke Flügel derselben, dicht an der Stadt, ist ihnen besonders sehr ausgesetzt, und ich würde mich nicht gern entschliessen, ihn zu befehligen, wenn einmal diese Vorstadt von dem Feinde eingenommen wäre. Die Befestigung dieses Theils der Stadt besteht vorzüglich in einem breiten Graben, welcher der Kanal Pajolo heisst und der sein Wasser aus dem obern See erhält, von welchem von Pradella aus es um die Festung geleitet, bei Pietoli sich wieder in den untern See ergiesst. Die Gegend zwischen diesem Kanal und dem verschanzten Lager ist ganz unter Wasser gesetzt, das in gewissen Jahreszeiten, und besonders wenn die Südwinde den Po abwärts treiben, alles überschwemmt und die daran befindliche Werke vernichtet, in andern grösstentheils austrocknet, dem verschanzten Lager dadurch seine grösste Stärke entzieht und wegen dem zurückgelassenen über riechenden Schlamm Mantua zur ungesundesten Stadt macht, die ich kenne. Zwischen diesen Deichen hin, die nach den Umständen mehr oder weniger tief sind, läuft eine Chaussee, die von Entfernung zu Entfernung mit Schanzen versehen, der einzige Weg ist, auf welchem der Feind, wenn das Wasser hoch ist, sich der Stadt nähern kann. Allein gelingt es ihm, den Thurm bei dem Dorfe Cerese zu erstürmen, dann ist er Meister von den Schleussen, die das Wasser im Kanal Pajolo erhalten, und kann nach Willkühr sie öffnen und ihn dadurch so seicht machen, dass man ihn auf jedem Punkte durchwaten und sich des verschanzten Lagers bemächtigen kann. Dieses ist um so leichter, da jenseits dem Kanale eine Anhöhe befindlich ist, die nicht nur das verschanzte Lager, sondern auch das Hornwerk von Pradella und die Stadt selbst dominirt. Da man sie nicht besetzen und auch nicht gut vertheidigen kann, weil die ganz ausserhalb den Linien der Festungswerke liegt, so sehe ich Mantua, wenn sie nicht abgetragen wird, für eine der schwächsten Festungen an, die ich kennen gelernt habe.


Quellen und Literatur.

  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. Hamburg, auf den Post-Aemtern, und in der Hoffmannschen Buchhandlung 1797.
  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
  • Briefe über Italien geschrieben in den Jahren 1798 und 1799 vom Verfasser der vertraulichen Briefe über Frankreich und Paris. Leipzig bey Pet. Phil. Wolf und Comp. 1802