Maria I. (Portugal)

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Maria, Königinn von Portugal.

Maria, Königinn von Portugal, geboren 1734, kam nach dem Tode ihres Vaters 1777 auf dem Thron. Der thätige Minister Pombal wurde entlassen. Die zu fromme Königinn verwendete die bedeutendsten Summen zur Stiftung von Klöstern und Ausstattung der Kirchen. Der Schatz der unter Pombal gesammelt ward, wurde ganz geleert, und das blühende Commerz durch Einbringung englischer Waaren zu Grund gerichtet.

Schon früher hatten Geistesverwirrungen bey der Königinn gezeigt; man ließ den Dr. Willis aus England kommen, er erklärte sie für unheilbar und ihr Sohn Johann trat den 10. Februar 1792 die Regentschaft an, die er aber lange in seiner Mutter Namen verwaltete.

Sie lebt noch, und ist mit ihrem Sohne im November 1807 nach Brasilien übergesegelt.


Marie I. Königin von Portugal und Johann VI. jetziger König. Denkwürdigkeiten der Regierung der nun verstorbenen gemüthskranken Königin.

Am 20sten März 1816, an eben dem Tage, da Buonaparte vor einem Jahr in Paris einzog, beschloß eine unglückliche fürstliche Person ihr Leben. Dies war Marie Franciske Rheinha fidelissima, Königin von Portugal, Algarbien und Brasilien, dies- und jenseits des Meeres xc. Sie stammte aus dem Hause Braganza, welches 1640 der Spanischen Tyranney über Portugal ein Ende machte, und diesem Königreiche seitdem eigne Herrscher gab. Ihr Vater, Joseph Emanuel, der von 1750 bis 1777 regierte, bezeichnete diesen Zeitraum der Portugiesischen Geschichte durch manche gute Einrichtungen, Abschaffung mehrerer Mißbräuche und Verbesserung der Finanzen. Die merkwürdigste Begebenheit seiner Regierung war die Vertreibung der Jesuiten, die Einziehung ihrer Güter und das Strafgericht, welches im Jahr 1759 über sie verhängt wurde, als Mitschuldige der Verschwörung des Herzogs von Aveiro und der Familie Tarora wider das Leben des Königs. Joseph Emanuel folgte ganz dem Rathe seines ersten Ministers Don Sebastian Joseph von Carvalho, den er nach beendigtem Verschwörungsproceß zum Grafen von Oeyras und zuletzt zum Marquis von Pandel erhob. Unstreitig hatte dieser hellsehende, von religiösen Vorurtheilen freye Staatsmann große Verdienste um Portugal; 27 Jahre bekleidete er seine Ministerstelle, sammelte in dieser Zeit dem Staate einen Schatz von 65 Millionen Thalern und veranlaßte mehrere ihm große Ehre machende Gesetze, wie das, wodurch die Eingebornen Brasiliens 1773 für eben so frey als die Portugiesen erklärt wurden, und das Gesetz, welches den verhaßten Unterschied zwischen den alten und neuen Christen aufhob.

Joseph I. hatte mehrere Töchter. Die älteste, Marie Franciske Isabelle Josephe, verheyrathete er im Junius 1760 mit seinem Bruder Don Pedro, Großprior von Crato. Sie war am 17ten December 1734 geboren, damals also 26 Jahr alt; ihr Gemahl, der am 5ten Julius 1717 geboren war, zählte damals 43 Jahre. Aus dieser Ehe entsprangen mehrere Kinder. Den damaligen Thronerben Joseph, Prinzen von Brasilien, seinen Enkel, verheyrathete Joseph Emanuel kurz vor seinem Ende noch mit seiner jüngsten Tochter Marie Franciske Benedicte. Bald darauf, am 24sten Februar, 1777 starb der König, indem er seiner Tochter das Reich in einem blühenden Zustande hinterließ. Diese bestieg als Marie I. den Portugiesischen Thron und nahm nach ihrer feyerlichen Huldigung am 13ten May 1777 ihren Gemahl und Oheim zum Mitregenten an. Peter III., der unter diesem Namen in die Reihe der Könige von Portugal auftritt, hatte jedoch nicht den Geist seines Bruders, welcher sich über seine Verbindung mit Marien mit dem Römischen Hofe entzweyete. Er war ein großer Freund der Mönche, die auch von der regierenden Königin sehr begünstigt wurden. Sie verabschiedete den Marquis von Panbel, der fünf Jahre nachher in einem Alter von 85 Jahren starb, und auf seinen Todbette zu seinen um ihn versammelten Freunden sagte: "Wegen desjenigen, was ich als Minister gesündigt habe, bitte ich nicht um Vergebung, weil das Beste meines Königs immer mein Zweck war, und habe ich gefehlt, so ist es aus Mangel an Einsicht und nie mit willen geschehen." Ganz andere Grundsätze als ihr Vater Joseph und sein Minister Panbel befolgte Marie Franciske. Sie hob den unter der vorigen Regierung gebeugten Adel, ließ ein Auto da Fe halten, baute Klöster, verstattete den vorher gehemmten Geldausfluß nach Rom. Den Jesuiten vergönnte sie wieder Zutritt, unterwarf die wider sie und die Familie Tarora erwachsenen Acten einer Revision und hatte die lebhafteste Freude, als die deshalb niedergesetzte Commission die hingerichteten Personen sowohl, als die sich noch im Gefängnisse befindenden für unschuldig erklärte, gegen welchen Ausspruch der Königliche Sachwalter jedoch so nachdrücklich Einwendungen machte, daß man für gut fand die Sache auf sich beruhen zu lassen.

Schon damals, als diese Untersuchung wieder aufgenommen ward, im April 1781, hatte Marie Franciske Anwandlungen von Schwermuth, vermuthlich ein Erbübel, denn auch ihr Vater, der König Joseph, sonst ein Mann von Kraft und voll Sinn für Lebensfreuden, verlor sieben Jahre vor seinem Tode seine gewöhnliche Heiterkeit so sehr, daß ihm selbst Jagd und Singspiel, seine Lieblingsvergnügungen, keinen Zeitvertreib gewährten. Diese Schwermuth nahm bey Marien zu, und ihr Gemahl, Don Pedro, der 1786 in einem Alter von 69 Jahren starb, eine sehr beschränkter Kopf, ganz von Mönchen abhängig, war auch nicht geeignet, sie zu erheitern und von ihren religiösen Skrupeln und andern Ideen zurückzubringen. Sechs Jahre darauf, im Februar 1792, war Mariens Gemüthszustand so zerrüttet, daß sie die Regierung nicht mehr führen konnte und daß ihr Sohn, der Prinz von Brasilien, Johann Marie Joseph Ludwig, als Regent an das Ruder des Staats treten mußte. Es war in Portugal ein ähnlicher Zustand der Verwaltung wie in Großbrittannien, wo ein gleicher trauriger Grund eine Regentschaft des Thronerben nothwendig machte. So wie bey George III. verschwand auch bey Marie I. von Portugal aller Anschein zur Herstellung ihrer geistigen Gesundheit, daher der Prinz von Brasilien am 15ten Julius 1799 die seit sieben Jahren verwaltete Regentschaft in eine Souverainität verwandelte. Er ließ sich unter den Namen Johanns VI. zum wirklichen Regenten proclamiren, ohne jedoch den Königstitel anzunehmen.

Galletti und andere neuere Geschichtschreiber schildern diesen Fürsten als einen Prinzen ohne Stärke und Festigkeit des Characters. Hiernach gab er sich den Spielereyen mit Mönchen, die ihn durch Aberglauben und Bigotterie beherrschten, Preis, und überließ die Regierung einigen Großen, die sich aus Geistesbequemlichkeit größtentheils von Geistlichen leiten ließen. Männer von Kenntnissen und Kraft wurden absichtlich entfernt. Sie bildeten die Häupter einer Gegenparthey, die, während die Freunde der Engländer für die Erhaltung des Regierungssystems arbeiteten, alles aufboten, um den Hof zum Einverständnisse mit Frankreich zu bewegen. Zwischen diesen beyden Partheyen schwankte nun der Hof zu Lissabon, gleich einem ruderlosen Schiffe, hin und her. Die späteren Ereignisse rechtfertigen indeß diese Schilderung nicht. Vielleicht hat das aber auch das Mißgeschick, wie es bisweilen mit schwachen Gemüthern geschieht, dem Prinzen Regenten von Portugal mehr Energie gegeben, oder er hat weise und kräftige Rathgeber gefunden. Wenigstens zeigt sein Entschluß den Sitz der Regierung von Lissabon nach Rio Janeiro zu verlegen, zeugen manche andere Maßregeln, wie die Aufhebung der Inquisition, von Geistesstärke, Willensfreyheit und Einsicht. Dieser merkwürdige Entschluß, dessen Folgen für die neue Welt unberechbar sind, wurde durch einen geheimen Vertrag über die Theilung Portugals veranlaßt, den der eigne Schwiegervater des Prinzen Regenten, König Karl IV. von Spanien, am 27sten October 1807 mit Napoleon Buonaparte schloß. Die Provinzen Entre Minho y Duro bestimmte man der Tochter Karls IV., der Königin von Estrurien, die ihr Italienisches Land an Napoleon abtrat, die Provinzen Alentejo und Algarbien sollten dem Friedensfürsten, Herzog von Alcudia, zu Theil werden; das Schicksal des noch übrigen Portugals wollte man der Entscheidung eines allgemeinen Friedens überlassen. Zur Vollziehung dieses schändlichen Theilungstractats bewilligte der characterlose Karl IV. einem Heere von 28000 Franzosen unter dem General Junot, Herzog von Abrantes, den Durchmarsch durch Spanien, machte er sich anheischig selbst 27000 Mann Spanischer Truppen zu stellen. Dieser Macht vermochte Johann VI. nicht zu widerstehen. Portugal hatte fast kein, wenigstens kein ordentlich organisirtes Heer. Als es im Jahr 1801 von Spanien bekriegt wurde, schickte man der von dem Herzog von Alcudia selbst angeführten Spanischen Armee 10 bis 15000 Portugiesen entgegen, deren 16 Generale zusammen das ehrwürdige Alter von 1200 Jahren hatten, und die auch keine Gegenwehr leisteten. Wie hätte nun der Regent von Portugal den Thron seiner Mutter gegen Frankreich und Spanien behaupten können? Sehr richtig war, daher der Rath, den der Minister der, auswärtigen Angelegenheiten Antonio de Aranjo Azeredo ihm gab, sich mit allen segelfertigen Kriegsschiffen, allen marschfertigen Truppen und allen fortzuschaffenden Schätzen unter dem Schutz einer Englischen Flotte nach Brasilien zu begeben, den Sitz der Reichs nach Rio Janeiro zu verlegen. Die Französischen Truppen unter Junot näherten sich bereits der Portugiesischen Gränze. Um Zeit zu gewinnen, die Familie Braganza eben so gewiß in seine Hände zu bekommen, als die Bourbons in Spanien zu Bayonne in seine Gewalt geriethen, knüpfte Napoleons Hinterlist noch Unterhandlungen an. Bald wurden sie jedoch abgebrochen und am 14ten November 1807 kündigte der Moniteur den Thronverlust des Prinzen Regenten an, weil er den Intriguen Englands Gehör gegeben und die Englischen Waaren nicht in Beschlag genommen hätte. Der General Junot war nur noch zwey Stunden von Lissabon entfernt: da verließ der Portugiesische Hof Lissabon. Der Englische Gesandte zu Lissabon, Lord Strongford, unterstützte den Vorschlag des Ministers Aranjo. Der Berühmte Admiral Sir Sidney Smith, Oberbefehlshaber der Brittischen Kriegsschiffe in den Gewässern von Lissabon, verbürgte sich für das Gelingen des Plans, den er selbst auszuführen versprach. Nun marschirten alle Truppen nach der Küste, am 26sten November 1807 ward eine Interimsregierung zu Lissabon niedergesetzt, und am 27sten bestieg der Prinz Regent das Linienschiff, das seinen Namen trug und ihn jetzt nach einer andern Hemisphäre bringen sollte. Auf dasselbe Schiff ließ er seine Mutter, die Königin Marie I., und die übrigen Glieder seines Hauses bringen. Marie Franciske, damals schon hochbejahrt und in eine unheilbare Gemüthskrankheit versunken, soll von dieser Reise und von den Gründen derselben nichts gewußt haben. Als sie zu Rio Janeiro anlangte, glaubte sie noch in unserm Welttheile und unter ihren alten Umgebungen zu seyn. Viele Große und noch viele andere Familien folgten der unglücklichen Königin und ihrem Sohne, welche auf der aus 8 Linienschiffen und 3 Fregatten bestehenden Flotte einen Schatz von drittehalb hundert Millionen Crusaden (Gulden) an baarem Gelde mitnahmen. Am 30sten November zog der Vortrab von Junots Heer in die geräumte und sehr entvölkerte Hauptstadt von Portugal ein.

Von jetzt an wurde Rio Janeiro die Haupt- und Residenzstadt des Portugiesisch-Brasilischen Reichs. Rio Janeiro blieb auch der Sitz der Regierung, nachdem Portugal durch die englischen Waffen dem Französischen Joch entzogen war. Marie Franciske sah Europa, sah Lissabon nicht wieder. Ihr Wahnsinn, der ihr seit so vielen Jahren den Gebrauch ihrer Seelenkräfte raubte, ersparte ihr freylich manchen Kummer. Die Krisis, in der Portugal so lange geschwebt hatte, die nothgedrungene Flucht des Hauses Braganza über das Weltmeer in einen fernen Himmelsstrich beunruhigte sie nicht; allein sie theilte auch nicht die Freude über den Sturz der Uebermacht und Tyranney von Buonaparte und die Herstellung des Königlichen Hauses in Portugal, welches der Prinz Regent von Brasilien aus beherrscht. Eben so wenig konnte sie sich über die Doppelheyrath ihrer beyden Enkelinnen, Donna Maria Isabella Franciska und Donna Maria Franciska de Assis, und deren Verbindung mit dem König Ferdinand von Spanien und seinem Bruder, dem Spanischen Infanten Don Carlos freuen. Endlich setzte der Tod ihrem trüben Leben ein Ziel. Marie I. Königin von Portugal, starb am 20sten März 1816 zu Rio Janeiro in ihrem 82sten Jahre. Der lange Zeitraum ihrer Regierung war eine der wichtigsten Perioden in der Geschichte von Portugal und hatte eine ausgezeichnete Merkwürdigkeit, wovon Marie Franciske indeß keine Kenntniß hatte. Ihr Sohn, der schon als Regent den Namen Johann VI. geführt und die Regierung seit 1792 verwaltet hat, nahm nun auch den Titel eines Königs von Portugal, Algarbien und Brasilien an. Sonst gingen in der Verwaltung keine Veränderungen vor. König Johann VI. ist den 13ten May 1767 geboren, seit dem 13ten May dieses Jahres also 49 Jahre alt.


Nachrichten von verschiedenen Ländern.

Portugall. (November 1792)

Nach einer dreyvierteljährigen Krankheit und nach fruchtloser Anwendung aller Mittel und Versuche, die die Kunst und Erfindung darboten, ist nunmehr alle Hofnung aufgegeben, die Königin von Portugall von ihrer Sinnenverwirrung hergestellt und wieder auf dem Throne zu sehen. Der Doctor Willis kam schon am Ende des Augusts mit seinem Sohne nach London zurück. Die einzige Hofnung blieb noch, daß die Portugiesischen Aerzte vielleicht glücklicher in der Cur seyn würden; allein diese ist auch nicht erfüllt worden. Unter diesen Umständen hielt man eine förmliche und bestimmte Einrichtung der Regierung, an deren Spitze bisher interimistisch und ohne souveraine Autorität der Prinz von Brasilien befunden hatte, für nothwendig. Schon im September war's demnach im Werke, den Prinzen als würklichen Regenten zu proclamiren, und die zu dieser Regierungsform nöthigen Anstalten und Verfügungen zu treffen. Für die Portugiesische Thronfolge, die bisher durch keine männliche Erben weiter gesichert war, herrschten dabey glückliche Aussichten, da die Wiederkunft der jungen 17jährigen Gemahlin des Prinzen erwartet wurde.

Der Prinz hat das Glück, von der Nation sehr geliebt zu werden. Der Schwindelgeist der Unruhe äusserte sich durch keine Merkmahle mehr. Es herrschte Stille und Ordnung.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1816. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. Hamburg, auf den Postämtern und in der Hoffmannschen Buchhandlung. 1816.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1792. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. Hamburg, auf den Post-Aemtern und in der Hoffmannschen Buchhandlung 1792.