Mariano Álvarez de Castro

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Die Belagerung von Gerona.

Die Belagerung von Gerona verdient unter den militärischen Merkwürdigkeiten dieses Jahrs einer besondern historischen Erwähnung. Festungen, die man für starke Vormauern ganzer Länder hielt, sind in unsern Zeiten fast ohne Schwerdestreich gefallen, -- man denke bloß an Magdeburg und Ismael -- dagegen haben sich einige andere Orte durch die Außerordentlichkeit ihrer Vertheidigung, eine militärische Celevrität erworben.

Dem Beispiele von Saragossa, welches Palafox, vom Fanatismus unterstützt, so heftig vertheidigte, ist die kleinere befestigte Stadt Gerona oder Girona in Catalonien gefolgt, und übertrift ersteres noch, von einer natürlich festen Lage begünstigt, durch die Dauer und Hartnäckigkeit seines Widerstandes. Saragossa ward 53 Tage lang förmlich belagert und ergab sich am 20sten Febr. dieses Jahrs. Die Blokade und Belagerung von Gerona, auch durch Italienische und Deutsche Truppen fing im Mai dieses Jahrs an und noch ist diese Feste, gegen die freilich bisher keine sehr beträchtliche Macht aufgestellt war, nicht gefallen.


Schon unterm 16ten Jul. stattete der Commandant der Festung, General Mariano Alvarez, einen Bericht an die Central Junta ab, worin er sagte:

"Ich halte es für meine Pflicht, Rechenschaft von der Belagerung und dem Bombardement dieser heroischen Stadt, deren Gouvernement mir anvertrauet worden, abzulegen; da aber die Details dieses Begebenheiten und die Belege dazu von zu großem Umfange sind, und da auch meine Augenblicke von dem mühvollen Posten ganz ausgefüllt werden, so werde ich mich begnügen, mit wenigen Worten einen Begriff von den Gefühlen, die mich beleben, so wie von dem Zustande der Festung zu ertheilen.
Die Belagerung hat nun 70 Tage gedauert, während welcher Zeit 48 Tage die Trencheen eröffnet gewesen und die Stadt 33 Tage hindurch ohne Aufhören bombardirt worden ist. Das Fort Montjouy, welches die Festung bestreicht und in einer kleinen Entfernung liegt, macht ihre Hauptsächliche Vertheidigung aus. Dieses hat 13 Tage hindurch eine Bresche, die für 50 Mann practicabel war, unzugänglich gemacht und vertheidigt. Im Verlauf dieser Zeit hat der Feind 10000 Bomben und Granaten in die Festung geworfen, und das Resultat dieser Anstrengung ist bloß die Einäscherung von Häusern gewesen, wobey aber der Entschluß der Einwohner zum hartnäckigsten Widerstande nicht wankend gemacht worden.
Zweimal sind vergebens feindliche Stürme gegen die Bresche unternommen und der eine dreimal wiederholt worden. Die Garnison, die jezt aus kaum 2500 dienstfähigen Soldaten besteht, hat drei starke Ausfälle gemacht.
In der kritischen Lage, worin ich mich befinde, habe ich mich wiederholt an den General-Commandanten unsrer Armee um eine Verstärkung von 2000 Mann gewandt. Wiewohl diese Anzahl kaum halb zur völligen Besetzung der Festung hinreicht, so ist doch mein Wunsch bisher noch nicht erfüllt worden. (Bekanntlich glückte es dem General Blake ein paar Monate später, 4000 Mann nebst 1350 Maulthieren mit Kriegs- und andren Bedürfnissen nach Gerona hineinzubringen.)
Ich habe nur noch die Versicherung hinzuzufügen, daß sich Gerona, dieses wichtige Bollwerk von Catalonien aufs äußerste halten und lieber dem Beispiele von Jerusalem, von Numantia und Sagunt folgen, als seinen Nacken beugen wird. Dies habe ich an der Spitze meiner tapfern Garnison geschworen und ich wiederhole mein Gelübde, daß der Feind nicht anders als über meinen Leichnam in die Stadt dringen soll. Schon am 2ten April verordnete ich die Todesstrafe für jeden, der von der Uebergabe des Platzes sprechen würde.
Gerona, den 16ten Jul. 1809.
(Unterz.) Mariano Alvarez.

Quellen und Literatur

  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1809.