Marie-Louise von Österreich

Aus NapoleonWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Maria Louise, Kaiserin von Frankreich.

Marie Louise Leopoldine Caroline, älteste Tochter des Kaisers Franz II. aus zweiter Ehe mit Maria Theresia, Tochter des Königs Ferdinand von Neapel, ist geboren den 12ten December 1791, und wurde dem Kaiser Napoleon vermählt den 11ten März 1810.

Man empfieng sie in Frankreich mit den glänzendsten Festen, und unzählige Broschüren verkündigten, daß durch Verschwägerung der Napoleoniden mit dem alten Stamme Habsburg der Continentalfriede nun auf immer befestigt und gesichert sey. Napoleon führte seine junge Gemahlin gleichsam im Thriumph durch die Provinzen seines großen Reichs; aller Orten empfieng sie Bewunderung und Verehrung, ein schützender Genius schien sogar die Flammen in Schwarzenbergs Ballsaale von ihr abgewandt zu haben, und schon am Ende des Jahrs verkündete Napoleon freudig seinen Völkern, daß Maria Louise ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen, den längst ersehnten Thronerben gebären würde.

Dieses prophetische Wort ging wirklich in Erfüllung. Am 20 März 1811 gebar Marie Louise, mit dem Titel König von Rom, und die ganze französische Welt jubelte laut; denn, nach den Ausdrücken des Moniteurs, dachte jedermann an die Zukunft von Macht Ruhm und Glückseligkeit, welche sich an die Wiege dieses Kindes knüpfte!!! Der Hofstaat der Kaiserin wurde nun noch glänzender als zuvor; er zählte allein sechsundzwanzig vornehme Palastdamen u. s. f.

Im folgenden Jahre begleitete Marie Louise ihren kaiserlichen Gemahl nach Dresden, von wo sie mit ihren kaiserlichen Aeltern eine Zeit lang die geliebte Heimat besuchte.

Dann kehrte sie unter feierlichem Prunk wieder in die Hauptstadt des großen Reichs zurück, wo unter den sich drängenden Siegsberichten von der großen Armee ihr der verfehlte Contre-Revolutionsversuch in Paris und die Erscheinung des 29sten Bülletins die ersten ängstlichen Augenblicke verursachten.

Doch als Napoleon selbst erschien, war alle Furcht verschwunden. Er ernannte seine theure Gemahlin feierlichst zur Regentin des Reichs vor seiner Abreise zum neuen entscheidenden Kampfe, doch unter so genau abgemessenen Instructionen und Beschränkungen, daß sie über die Maximen und die Art ihres Betragens als Stellvertreterin des Monarchen nie zweifelhaft seyn konnte. Sie erfüllte ihre Pflichten mit fast beispielloser Gewissenhaftigkeit, wovon die letzten Reden, welche sie in der großen Rathsversammlung nach der unglücklichen Schlacht bei Leipzig hielt, Documente liefern, welche der Geschichte stets wichtig bleiben werden.

In dem Unglück ihres Gemahls kann man ihr durchaus das Lob eines edlen, würdigen Betragers nicht versagen; ihm zu folgen, war ihr nicht vergönnt; eine Zusammenkunft mit ihrem Vater bestimmte fortan ihr Verhalten; sie schied von Napoleon, und regiert jetzt das ihr durch den pariser Frieden verliehene Herzogthum Parma.

Ihr Sohn wird in der Nähe ihres erhabenen Vaters erzogen, der durch sein Benehmen bei dieser intriguaten Angelegenheit doppelt ruhmvoll als Friedensstifter erscheint.

Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.