Maurice d'Elbée

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Elbée (Gigot von), Generalissimus der Royalisten in der Vendee. Alle Partheyen haben ihn einstimmig für den geschicktesten Anführer anerkannt, den die Vendeer gehabt haben.

Er stammte aus einer adelichen Familie in Poitou, war 1752 zu Dresden gebohren und verlebte seine ersten Jugendjahre in Sachsen. Er trat daselbst in Dienste, stieg aber nicht so schnell, als seine Talente ihn erwarten liessen, und gieng daher nach Frankreich, wo er Lieutenant im Regiment Dauphin Kavallerie wurde. Weil er keine Kompagnie erhalten konnte, nahm er seinen Abschied und gieng auf sein Landgut Beaupreau.

Die ersten Unruhen der Vendee giengen vorher, ohne daß Elbée Theil daran nahm, weil er sie für übereilt ansah; als sich aber die Royalisten der Stadt Beaupreau bemeistert hatten, stellte er sich, durch ihr Zutrauen zu ihm veranlaßt, an ihre Spitze.

Sein Absicht war in der Folge den Krieg in die mittägigen Provinzen zu spielen; stets sah er sich aber von seinen Mitbewerbern um das Kommando, hauptsächlich von Charette und Talmont entgegnet.

Mit einer empfehlenden edlen Gesichtsbildung verband Elbée den Charakter und die Talente, welche zu einen Partheyanführer erfordert werden; er besaß die Gabe zu sprechen und sich gefällig und leicht auszudrücken; seine Beredsamkeit war sanft und überredend, und er wußte seinen Ton den Zeitumständen anzuschmiegen. Als ein vollendeter Krieger hatte er sein Korps in der Vendée auf die dem Lokal und dem Geiste des Volkes auf die anpassendste Art gebildet.

Es war den 14ten März 1793, als sich Elbée mit Cathelineau und Stofflet vereinigte. Er nahm mit ihrer Hülfe Vihiers. Um diese Zeit stand er schon an der Spitze von beynahe 30,000 Mann, nur daß sich diese Truppen schwer zusammenziehen liessen. Als er sich an Bonchamp anschloß, hatten sie 21 Stück schweres Geschütz, und schlugen die Republikaner mehrmahls, besonders aber die Generale Santerre und Menou bey Vihiers mit einem Verluste von ungefähr 10,000 Mann. Zwey Tage darauf griff er die Republikaner in Saumur an; das Gefecht dauerte 36 Stunden und die Royalisten waren vollkommen Sieger. Nach diesem Vorfall besetzte er Angers, räumte es aber bald wieder, um sich nach Nantes zu ziehen und es zu belagern; sah sich aber genöthigt, die Belagerung aufzuheben und sich nach Mortagne zurückzuziehen.

Um diese Zeit war es, daß man ihn zum Generalissimus ernannte; allein seine Befehle wurden schlecht vollzogen. Im August scheiterte er gegen Lüçon. Den 20sten des Monaths griff er mit 25,000 Mann den General le Comte an, und schlug ihn; so wie später den General Santerre und dann eine Division der Republikaner die ihre Stellung bey Beaulieu genommen hatte. Diese glänzenden Siege sprengten das republikanische Aufgebot in Masse auseinander.

Als die Vendeertruppen zu Ende des Septembers keinen Feind mehr vor sich sahen, weigerten sie sich im Felde zu bleiben und kehrten in ihre Heimath zurück. Die Republikaner benutzten diese Sorglosigkeit, zogen alsbald neue Truppen zusammen, machten sich zu Meistern von Châtillon und Mortagne und brannten sie ab. Sie zeigten sich hierauf vor Chollet, wo sich Elbée befand, wurden aber von ihm zurückgeschlagen; doch da sie bald darauf den Angriff mit einer stärkern Anzahl Mannschaft wiederhohlten, kam es zu einer allgemeinen Schlacht. Zwey Stunden lang hatte Elbée die Oberhand und machte die Republikaner weichen; da er aber, so wie Bonchamp und mehrere andere Anführer, verwundet wurden, verlohren die Royalisten die Sieg.

Er wurde zur Division von Charette gebracht, die damals Machecoul und Légé inne hatte. Als dieser zu Ende Oktober Noimoutiers einnahm, flüchtete die Elbée dahin: seine Wunde ward aber tödlich durch die wenige Sorgfalt, die er ihr widmete und durch den Verdruß über die Mißverständnisse mehrerer Chefs, wodurch mit jedem Tage neue Unfälle veranlaßt wurden. Nach der Einnahme von Noismoutiers, durch den General Thüreau, wurde das Todesurtheil über ihn gesprochen und auch sogleich vollzogen. Er war in seinem 42sten Jahre und so schwach, daß man genöthigt war, ihn auf den Richtplatz zu tragen. Er ward in seinem Fauteuil am Fusse des Freyheitsbaums erschossen. Dasselbe Loos traf seine Frau.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.