Maximilian Baillet von Latour

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Latour (Graf Baillet von) Feldmarschall in österreichischen Diensten.

1789 und 90 wurde er als General-Major gegen die Brabanter angestellt, nahm Charleroi ein, und trug viel zur Wiederherstellung der Ordnung in den Niederlanden bey.

1792 kommandirte er in Tournay und räumte diese Stadt nach der Niederlage von Jemmape.

Nachdem er Feldmarschallieutenant geworden war, leistete er in dem Feldzuge von 1793 nützliche Dienste und zeichnete sich bey mehreren Gelegenheiten aus, namentlich den 23. May in der Schlacht von Famars, welche er gewinnen half, und in dem größten Theile der Vorfälle, die damals unter Maubeuge statt hatten.

Den Feldzug von 1794 eröffnete er mit neuen Vortheilen gegen Landrecies, mußte aber bald die Unglücksfälle, welche damals die Alliirten erfuhren, theilen.

Zu Anfange 1796 übernahm er das durch Wurmsers Abgang erledigte Kommando am Niederrhein, welcher den Aushub der Truppen mit sich nach Italien führte, um sie Bonapartes siegreicher Armee entgegen zu stellen.

Latour befand sich mit geringer Mannschaft an den Grenzen der Pfalz, als Moreau im Juny bey Kehl über den Rhein ging, die Reichsarmee aus einander schlug und sich im Breisgau ausbreitete, wo damals das einzige Korps von Condé stand. Latour rückte gegen Rastadt vor, lieferte mit dem Erzherzoge Carl mehrere unglückliche Gefechte und war genöthigt, sich gegen Schwaben zurückzuziehen. In demselben Augenblicke war die Armee Wartenslebens im gänzlichen Verlust am Niederrhein; der Erzherzog führte, nach vergeblichen Anstrengungen im Würtembergischen, einen Theil seiner Macht ihr zu Hülfe, und Latour setzte seinen Rückzug auf dem rechten Donau-Ufer bis hinter dem Lech fort, setzte sich bey Friedberg, wurde aber überrascht, geschlagen und verlor viele Mannschaft. In der Nothwendigkeit sich von neuem zurückzuziehen, ließ er das Condésche Korps und einige österreichische Bataillons hinter München eine Stellung nehmen, wo die Franzosen zu mehreren Malen mit ziemlicher Lebhaftigkeit zurückgeschlagen wurden; er selbst aber erlitt einen neuen Verlust bey Freysingen und mußte die Stadt der Plünderund des Feindes überlassen.

Da er indeß täglich Verstärkungen erhielt und Jourdan aus Franken getrieben war, fürchtete Moreau sich von dem Erzherzoge den Rückzug abgeschnitten zu sehen, und fing seinen Rückmarsch gegen den Rhein an. Latour rückte ihm nach, ohne daß er jedoch wegen seiner geringeren Truppenzahl ihn ernstlich zu beunruhigen wagte. Gegen die Mitte des Oktobers ließ er ein ansehnliches Korps hinter Moreau, zog sich in starken Tagmärschen rechts ab und bewerkstelligte in dem Ortenau seine Vereinigung mit dem Erzherzog Carl. Er unterstützte diesen Prinzen mit Tapferkeit und Einsicht, und übernahm sodann das Oberkommando der Rheinarmee, welches ihm der Erzherzog nach der Uebergabe der Feste von Kehl und des Brückenkopfs von Hüningen überließ.

Als der in Italien abgeschlossene Waffenstillstand den Feldzug endigte, ging Latour von dem Kommando der Armee ab.

Er starb zu Wien in dem Jahre 1806.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.