Maximilian I. Joseph (Bayern)

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Maximilian Joseph König von Baiern
Der König von Baiern.
Maximilian Joseph I., König von Bayern.

Maximilian I., König von Bayern.

Maximilian I. (Joseph), gegenwärtiger König von Bayern, ward den 27sten Mai 1756 zu Schwetzingen, unweit Mannheim, geboren.

Sein Vater war der Pfalzgraf Friedrich, österreichischer Feldmarschall, seine Mutter, Franzisca, Tochter Johann Carls von Sulzbach.

Von Schwetzingen kam er im 6ten Jahre seines Alters nach Zweibrücken unter der Aufsicht des Herzogs Christian, seines Oheims. Der Regierungsrath Heiß war in der deutschen Sprache, der Abt Salabert in der französischen sein Lehrer. In seinem 9ten Jahre erhielt er zum Hofmeister der Franzosen Keralis, von dem er im militärischen Dienste, im Geschäftsstyl und Zeichnen, und den Professor Exter, von dem er in der Geschichte und Erdbeschreibung unterrichtet wurde.

Seine Herzensgüte bewies der junge Fürst schon damals durch thätige Unterstützung der Armen und Nothleidenden.

Im J. 1777 ward er als französischer Obrist zu Straßburg seinem Regimente Elsaß vorgestellt, 1778 zu einem französischen General-Major erhoben, und mit dem Ludwigskreuze geziert.

Nach mehrern Reisen in Frankreich verweilte er von 1782 bis zum Ausbruche der Revolution 1789 in Straßburg, worauf er nach Mannheim ging.

Im J. 1795 starb Carl II., Herzog von Zweibrücken, und ihm folgte in der Regierung sein Bruder Maximilian. Obgleich anfänglich durch Einmischungen der Franzosen in seine Erbschaft gekränkt, regierte er doch zum Glücke des Landes.

Nach dem Erlöschen des pfalz-sulzbachischen Stammes durch den Tod des Churfürsten Carl Theodor, den 16ten Febr. 1799, gebührte die Erbfolge in Pfalzbayern zunächst der neuen pfalzzweibrückischen Linie. So trat Maximilian Joseph unter dem Namen des Vierten in dem nämlichen Jahre die Regierung in Pfalzbayern an.

Seine erste Sorgfalt war auf Veredlung des Bodens gerichtet. Auf eigne Kosten ließ er 1802 das sogenannte Donaumoos zwischen Ingolstadt und Neuburg, 56,000 Tagewerke groß, urbar machen und zog neue Ansiedler dahin. Güter und Gemeindeweiden wurden vertheilt, und von den bayrischen Bauern das von Fremden gegebne Beispiel nachgeahmt, so daß seit dem Regierungsantritte Maximilians bis zum letzten December 1804 in dem nur 514 Q. Meilen großen Herzogthume 1570 neue meistens steinerne Häuser erbaut, 232,866 Tagewerke urbar gemacht, 493 große Güter zertheilt und 640 Landwirthschaften ordentlich arrondirt waren. Ein landwirthschaftlicher Verein wurde gestiftet, dessen ausschließlicher Zweck Beförderung der practischen Landwirthschaft ist. Zur Erleichterung des Verkehrs wurden manche zweckmäßige Einrichtungen getroffen, gute Landstraßen angelegt u. s. w.

Im J. 1805 schloß sich Bayerns Fürst, um seinem Lande die Verheerungen des Krieges möglichst zu ersparen, an Frankreich an, und proclamirte sich den 1sten Januar 1806 zum Könige. Nachdem er dadurch vollkommne Staatsgewalt erlangt hatte, griff er kräftig ein, um seinem Volke Einheit und weise Gesetze zu geben.

Die Gerichtsverfassung, besonders das Criminalrecht, schon früher 1802 verbessert, erhielt eine zweckmäßigere Einrichtung. Vernichtet wurden die Verschiedenheiten der Verfassungen, das landschaftliche Bündniß und die Ausnahmen von allgemeinen Pflichten 1807; die Regierungsfreiheit und die Hausrechte 1805 und 1810 gesichert gegen Mißgriffe durch die Dominial-Fideicommiß- und Schulden-Pragmatik, der Staatsdienst durch die Dienstpragmatik. Höchst wichtig für den Geschäftsgang waren die Organisation des geheimen Rathscollegiums, durch das organische Edict 1808, die Eintheilung des Landes in Kreise, die Anordnung der Generalkreiscommissariate 1808 und 1801, und die Organisation der Sectionen in den Ministerien. Alle drei Religionsparteien genossen freie Uebung ihres Cultus. Die Finanzen waren ein Hauptaugenmerk. Es wurden das Familienschutzgeld und das Postwesen regulirt, 1808; eine Zoll- und Mauthverordnung 1807 festgesetzt und 1811 modificirt; Finanzen und Steuern zweckmäßigen Veränderungen unterworfen, 1811; und um die in den frühern Kriegen aufgehäuften Lasten zu erleichtern, 1809 eine gleichmäßige Vertheilung derselben angeordnet.

Noch größere Verdienste hat sich Maximilian durch Beförderung wahrer Volkskultur, des öffentlichen Unterrichts, der Wissenschaften und Künste erworben. Die aus den aufgehobnen Klöstern und Stiftern gewonnenen Summen wurden zu einem Fond für Besoldung der Lehrer und die Gebäude zum Theil zu Schulgebäuden benutzt; die Universitäten zu Landshut und Würzburg 1803 zweckmäßig und die zu Insbruck analog jener zu Landshut 1808 organisirt; Schullehrerseminarien in den alten Provinzen nach Bedürfniß vertheilt, für die Gebiete Nürnberg und Augsburg 1809 ganz neue errichtet u. s. w. Die Akademie der Wissenschaften zu München wurde 1807 vervollkommnet und ihr jährlicher Etat auf 80,000 Fl. festgesetzt; 1808 eine Akademie der bildenden Künste gestiftet und für die Besorgung, und Leitung der öffentlichen Unterrichts und Erziehungsanstalten eine eigne Section beim Ministerium des Innern angeordnet. Um alle diese Einrichtungen für die Folgezeit zu sichern, wurden sie in die Constitution aufgenommen.

Obschon Napoleon den bayrischen Staat ganz für sich zu gewinnen, und dessen Regenten durch die Bande der Verwandtschaft an sich zu fesseln gesucht hatte, so verkannte doch Maximilian nicht das wahre Interesse der Deutschen, und sein Uebertritt zur allgemeinen Sache 1813 war von den entschiedensten Folgen. Dadurch hat er sich die Dankbarkeit und Verehrung aller Deutschen erworben.

Gefällige Herablassung, menschenfreundliche Milde und anspruchlose Einfachheit der Sitten zeichnen Maximilians Charakter sowohl im öffentlichen als im Privatleben aus. rührend ist es zu sehn, wie er als Gatte, Vater und Freund im Kreise der Seinen lebt, wie das Volk voll patriotischem Enthusiasmus überall, wo er sich zeigt, froh und jubelnd sich zu ihm drängt und ihn als Vater liebt und verehrt.


Maximilian Joseph I., König von Bayern.

Maximilian Joseph I., König von Bayern, ein Sproße Wittelsbachs, dieses Stammhauses aus dem uralten merovingisch-agilolfingischen königlichen Geblüte, wurde den 27. May 1756 in dem churpfälzischen Schloße Schwezingen, bey Mannheim, geboren. Pfalzgraf Friedrich von Zweybrücken, kaiserlich österreichischer Feldmarschall, und Pfalzgräfin Maria Franzisca von Sulzbach waren die Aeltern dieses jüngsten Prinzen unter den Brüdern. Herangewachsen als blühender Knabe von sechs Jahren kam Maximilian an den Hof Seines Oheimes, Herzogs Christian IV. von Pfalz-Zweybrücken. Dort trat der hoffnungsvolle Prinz in das zwölfte Jahr, als Sein theurer Vater in die Gruft der ruhmvollen Ahnen gesenkt wurde. Der fürstliche Oheim blieb nun Sein liebevoller, sorgsamer Vater, der mit weisem Sinne Ihm von vortrefflichen Lehrern Bildung geben ließ, persönlich über die Erziehung wachend. Damals war nicht zu erwarten, daß einst ein Scepter in der Hand dieses Prinzen glänzen, vielmehr, daß der Degen Ihm die Bahn des angestammten Ruhmes verherrlichen werde. Deshalb gab der Oheim dem schön aufblühenden Fürstenjüngling einen Kriegsgelehrten Frankreichs als Hofmeister. Kriegswissenschaften blieben vorzugsweise die Elemente der Bildung. Man sah an dem herzoglichen Hofe mit Bewunderung die Entwickelung der Talente, welche in dem Bunde des herrlichsten Gemüthes die persönliche Schönheit und Liebenswürdigkeit dieses Prinzen zu schmücken begannen. Aber auch dieser väterliche Oheim schied von der Welt 1775. Maximilian's ältester Bruder, Herzog Karl, folgte dem ohne Erben Verblichenen in der Regierung.

In dem einundzwanzigsten Jahre übernahm Prinz Maximilian, ausgerüstet mit einnehmender Gestalt und Jugendkraft, gebildet für den Waffenstand, das Ihm von dem Könige Frankreichs, Ludwig XVI., mit dem Range eines Obersten übergebene schöne Regiment Elsaß in Straßburg. Ein Jahr darauf ernannte der Herrscher Frankreichs diesen jungen Fürsten als Generalmajor, und sendete Ihm zur Auszeichnung das Ludwigskreuz, welches nun das edle menschenfreundliche Herz zierte. Bald darnach begab sich Maximilian auf Reisen nach Paris, und in die reizenden Provinzen des südlichen Frankreichs. Im Jahre 1785 wechselte Er die Ringe mit der schönen Prinzessin Auguste von Hessen-Darmstadt.

Da brach die Flamme der Revolution aus dem Innern der französischen Landschaften auch heraus nach Straßburg, in welcher Stadt Maximilian durch Sein fürstlich edles Wesen, durch Seine einnehmende Persönlichkeit Sich die allgemeine Liebe erworben hatte. Als deutscher Fürst konnte Er nicht den Fahnen Seinen Degen widmen, die sich gegen die Throne empört hatten. Mannheim empfing diesen, seinem Herrscher nahe verwandten Prinzen, mit Freude und Auszeichnung. Unter dem Geräusche des Krieges lebte Er dort zurückgezogen als glücklicher Gatte und Vater, der Erziehung Seiner geliebten schönen Kinder Sich widmend.

Bald drang in diese stille glückliche Ruhe und Zurückgezogenheit der Ruf des Todes Seines Bruders Karl ohne männliche Erben, und Maximilian sollte als Regent von dem Herzogthume Pfalz-Zweybrücken in die Fürstenburg einziehen. Aber die Fahnen der Revolution Frankreichs hatten sich bereits verheerend über das Land geschwungen, und den Fürstensitz der Ahnen verbrecherisch in Asche gelegt. Die Vorsehung prüfte das edle Fürstenherz Maximilian's mit einem noch bittereren Schmerz durch den Tod Seiner vortrefflichen Gemahlin 1796, worauf Er nach einem Jahre mit der huldreichen Prinzessin Frederike Wilhelmine Karoline, Tochter des Erbprinzen von Baaden-Hochberg, Sich vermählte.

Da tönten zwey Jahre darnach die Trauerglocken durch die diesseitigen Rheingauen der Pfalz, den Tod Seines Oheimes, des Churfürsten von Pfalzbayern, Carl Theodor's, zu München, ohne Thronfolger verkündend. Die Vorsehung rief nun den jüngsten Sproßen Wittelsbachs auf den Thron der gesammten bayerischen Erblande an der Donau und am Rhein. In der Residenzstadt München rief der Herold Maximilian Joseph als den Regenten der Länder aus, und als Er mit der ganzen Familie im Jahre 1799 den feyerlichen Einzug in die Residenz der Alberte und Wilhelme hielt, schwang sich der Jubel in solcher Freude durch die Straßen, daß ein durch Schwere und Dicke bekannter biederer Bierbrauer sich nicht enthalten konnte, aus dem Gedränge die breite Hand zur Kutsche zu heben, mit dem herzlichen bayerischen Gruße: "Non Maxl, weil nur Du da bist!"

Mit Wahrheit sagte unlängst ein deutscher Schriftsteller:

"Groß und erhaben als Monarch und als Vater Seines Volkes, war Maximilian nicht minder im stillen Familienkreise ein Vorbild ehelichen Glückes und häuslicher Freuden. Karoline, die königliche Gemahlin, war die Freude und Zierde Seines Lebens, und unter den Müttern Seines Landes nie königlicher, als im Kreise Ihrer Kinder und Ihrer Enkel. Maximilian bildete Seine Kinder zu Menschen, und dann zu dem Stande, wozu sie das Schicksal berufen hatte. Darum sind sie auch alle glücklich, darum ruht auf Ihnen der Segen eines liebevollen Vaters, und darum ist der Glanz des bayerischen Hauses durch die Bande des Blutes und der Freundschaft mit Deutschlands ersten Regentenhäusern verherrlichet."--
"Maximilian war ein biederer Mann, ein ächter deutscher Fürst. Anspruchlose Einfachheit der Sitten, freundlich entgegenkommende Milde und Herablassung gewannen Ihm Aller Herzen. Und doch erkannte Jeder in der edlen Haltung die Majestät des Königs. Leutseligkeit und Anmuth, Wohlwollen und Geist sprachen aus dem offenen Auge, aus jedem Zuge Seines Gesichtes. Mit freudigem Tone sagte Er Hülfe zu, und wo dieses nicht möglich war, sprach Er milde, freundliche Worte des Trostes und der Hoffnung. Er erklärte die Liebe Seiner Unterthanen für das schönste Kleinod, das Seine Krone schmückte, und den Glanz Seines Thrones verherrlichte."


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Charakterzüge und Anekdoten als Bilder der Güte und Wohlthätigkeit aus dem Leben Maximilian Joseph I. Königs von Bayern. München 1827. Druck und Verlag von Ernst August Fleischmann.