Michail Illarionowitsch Kutusow

From NapoleonWiki
Jump to: navigation, search

Biographien

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811.

(1813) Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. 1813.

(1815) Neuer Plutarch, oder Kurze Lebensbeschreibungen der berühmtesten Männer und Frauen aller Nationen von den ältesten bis auf unsere Zeiten.

(1816) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände.


Kutusow von Golenitschef.

Kutusow, von Golenitschef, russischer General der Infanterie, Ritter des Andreas- u. s. w. Orden machte mit Auszeichnung den letzten Türkenkrieg unter Potemkin und Suworow mit, und wurde bey der Einnahme von Orksakow auf die sonderbarste Art verwundet: eine Flintenkugel ging ihm, von einen Schlaf zum andern, durch den Kopf, ohne ihm besondere Beschwerden zu verursachen.

Unter Paul I. war er Generalgouverneur von Lithauen und residirte lange Zeit in Wilna.

1805 erhielt er vom Kaiser Alexander das Kommando des ersten russischen Armeekorps gegen die Franzosen, begab sich nach Wien und wurde an die kaiserliche Tafel gezogen. Nachdem er hierauf sein Korps gegen den Inn zu führte, traf er daselbst nach der unversehenen Kapitulation von Ulm ein, zog das kleine österreichische Korps des General Kienmayer an sich, und hatte den ganzen Druck der französischen Armee auszuhalten. Er ging auf das rechte Donau-Ufer, wurde aber von den Franzosen lebhaft verfolgt, und mußte mehrere Gefechte, namentlich den 18. und 19. November das glückliche bey Dürnstein gegen den Marschall Mortier bestehen. Der deutsche Kaiser schickte ihm zur Belohnung seines Benehmens bey dieser Gelegenheit das Großkreuz des Marie Theresien-Ordens. Nachdem er sich hierauf mit den andern russischen Korps vereinigt hatte, kommandirte er unter dem Kaiser Alexander die alliirte Armee bey Austerlitz, wo er persönlich verwundet wurde, und seinen Schwiegersohn, einen jungen hoffnungsvollen Mann verlor.


Beyträge zur Characteristik des Feldherrn Fürsten Kutusow-Smolenskoi.

Der Name des Kaiserlich-Russischen General-Feldmarschalls und obersten Befehlshabers der Russisch-Preußischen Heere, Michael Larionowicz Kutusow-Smolenskoi, glänzte schon in der Kriegsgeschichte von Rußland, ehe er sein Vaterland von der in dasselbe eingedrungenen, großen Armee befreyete, und nach der Vernichtung von Hunderttausenden, die über den Niemen nach Moskwa gegangen waren, Alexanders Paniere siegreich in das freudig bewegte Deutschland trug. Manche mit Heldenmuth und Einsicht ausgeführte Waffenthaten hatten dem General Michael Lerionowicz Golenischtschew-Kutusow bereits seit langer Zeit die Verehrung der Russischen Soldaten, die Liebe seiner Nation und die Achtung und das Vertrauen seiner Regierung erworben. Als Obergeneral lernte ihn das Ausland in dem Kriege von 1805 kennen. Er führte im Herbst jenes Jahrs ein Heer nach Mähren, welches die Bestimmung hatte Oesterreichs, durch die Fehler des Generals Mack verlorne, Sache wieder herzustellen, und diesen Zweck auch erreicht haben würde, wenn der Kaiser Franz nicht sogleich nach der Schlacht bey Austerlitz einen Waffenstillstand mit Napoleon geschlossen, und nach einigen Wochen den so theuer erkauften Preßburger Frieden unterzeichnet hätte. Bey Olmütz vereinigte sich das Heer des General Kutusow mit einer zweyten Russischen Armee, die der General Graf von Buxhövden befehligte. Das Obercommando über diese gesammte Macht übernahm der Kaiser Alexander selbst. Er befand sich auch während der Schlacht von Austerlitz im Centrum, indem er sich unter einem starken Kugelregen den größten Gefahren aussetzte. Man warnte den Kaiser, da man wahrnahm, daß die Französischen Scharfschützen ihn bemerkten und ihr Feuer nach ihm richteten. Seine heroische Antwort war: "der Kaiser von Rußland fürchtet den Tod nicht." Unter den Augen seines Monarchen stand auch der Obergeneral Kutusow kalt und unerschrocken gegen das feindliche Feuer. Er ward verwundet, jedoch nur leicht, und so, daß er das Commando beybehalten, und das Russische Heer aus der Riesenschlacht und zurück nach Rußland führen konnte. Der General Kutusow commandirte das Centrum und den rechten Flügel des Russischen Heers, der General Graf Buxhövden den linken Flügel. An das zweyte Treffen, das unter dem General Kutusow stand, schloß sich die vom Großfürsten Constantin angeführte Reserve. Als sich das Schicksal des Tages dadurch für die Franzosen entschied, daß sie mit drey Colonnen das schwächere Russische Centrum durchbrachen, führte der General Kutusow seine Truppen in der größten Ordnung aus dem Treffen zurück. Bis um Mitternacht stand er im Angesicht der Französischen Armee, die es nicht wagte, ihren Angriff zu erneuern. Dann marschirte er auf der Straße nach Ungarn, gegen das Städtchen Czeitsch, besetzte die Position vor Urschitz, und lieferte noch den andern Tag den Franzosen, die nachdringen wollten, ein kleines Gefecht. Am 14ten Jan. 1806 erstattete der verdienstvolle General Kutusow aus seinem Hauptquartier zu Brody dem Kaiser Alexander über die Schlacht bey Austerlitz einen Bericht, der in unserer Zeitgeschichte (Jahrgang 1806. Aprilstück. S. 343 ff.) aufbewahrt ist, und sehr wesentlich von der Französischen Relation abweicht.

Mit noch größerer Auszeichnung gedenken die Kriegs-Annalen wider ein zahlreiches von dem feurigen Achmed-Pascha geleitetes Türkisches Heer. Der General Kamensky war in dem Jahr 1810 kühn in das Herz der Türkischen Monarchie vorgedrungen. Der Tod riß ihn in der Blüthe seiner Jahre aus seiner ruhmvollen Laufbahn hinweg. Als er mit einer tödtlichen Krankheit rang, übertrug der Kaiser Alexander dem tapfern General Golenitschew-Kutusow den Oberbefehl über die Moldau-Armee. Durch die Ernennung des kraftvollen Achmed-Pascha zum Großvezier an die Stelle des alten Jussuff bekam der Krieg in dieser Gegend einen andern Character. Der einsichtsvolle General Kutusow überzeugte sich, daß das System seines Vorgängers bey den veränderten Umständen nicht befolgt werden konnte. er bereisete, nachdem er sein Hauptquartier zu Bucharest aufgeschlagen hatte, im May 1811 die Stellungen der Russischen Truppen auf dem rechten Donau-Ufer in Bulgarien, fand sie zu ausgedehnt, und concentrirte die Armee, indem er einen beträchtlichen Raum des von ihr besetzten Gebiets wieder aufgab. Kutusow zerstörte mehrere feste Plätze auf dem rechten Ufer der Donau, bis auf Ruschtschuck, wo er unerschrocken den rastlosen Großvezier erwartete. Unter den Mauern dieser Festung lieferte er am 4ten Julius demselben eine blutige Schlacht, die vom Morgen um 6 Uhr bis Mittag mit Heftigkeit währte. Die Russische Infanterie schlug fünfmal die 30,000 Mann starke Osmanische Reuterey und die Janitscharenwaffen zurück, mit denen Achmed-Pascha die linke Flanke der Russen umgehen und Ruschtschuck erstürmen wollte. Höhere militairische Rücksichten bewogen den General Kutusow indeß nach einigen Tagen die vom General Kamensky im Sommer 1810 eroberte Festung Ruschtschuck zu demoliren. Am 8ten Julius wurden ihre Werke zertrümmert, deren Vertheidigung eine Besatzung von 18 Bataillons erfordert haben würde. Nun spielte der General Golenitschew-Kutusow die Rolle des Fabius Cunctator. Er beschränkte sich auf das Defensiv-System, bis der Zeitpunkt erschien, einen entscheidenden Schlag auszuführen. Zu kühn wagte sich der rasche Großvezier Achmed-Pascha, der nichts geringeres als die gänzliche Wiedereroberung der verlornen Gränzprovinzen beabsichtigte, erst mit 5000 Mann, dann mit dem größten Theil seiner Heerschaaren auf das von den Russen besetzte linke Donau-Ufer. Dies benutzte der einsichtsvolle Russische Feldherr. Er warf die auf beyden Ufern des Stroms stehenden Türken durch einen vom General Markoff bewerkstelligten Uebergang über die Donau auseinander, überfiel den auf dem rechten Ufer aufgestellten Theil des Türkischen Heers, eroberte das bey Ruschtschuck aufgeschlagene Hauptlager mit einer unermeßlichen Beute, und schnitt die auf dem linken Donau-Ufer kampirenden Osmanischen Truppen von dem Rest ihrer Armee und der einigermaßen hergestellten Festung Ruschtschuck ab. Dieser folgenreiche Sieg ward von Kutusow mit geringen Aufopferungen an dem durch die Schlachten von Hochkirchen und Jena bezeichneten 14ten October erfochten. Die erste Wirkung desselben war ein Waffenstillstand, den die auf allen Seiten wieder vorschreitenden Russen dem Großvezier zugestanden, der mit genauer Noth vom linken Donau-Ufer nach Ruschtschuck entkam. Darauf folgte ein Friedens-Congreß, der erst zu Giurgewo, dann zu Bucharest gehalten wurde, und sich nach sechsmonatlichen Unterhandlungen mit einem für Rußland vortheilhaften Frieden endigte. Durch die Ueberwindung des Großveziers legte der General Kutusow den Grund zu dem Friedens-Tractate von Bucharest, worin die Pforte alles am linken Ufer des Pruth gelegene Land abtrat, beruhigte er auf dieser Seite die Gränzen des Russischen Reichs, das sich auf einer andern Seite von einem mit ungeheuren Kräften unternommenen Einfall bedroht sah; bewirkte er, daß die Moldau-Armee gegen die große Französische Armee gebraucht werden konnte. Der Kaiser Alexander übertrug dem Admiral Tschitschagow das Commando über dieselbe, und berief den General Golenitschew-Kutusow aus dieser nunmehr friedlichen Gegend zum Oberbefehl über die Russische Hauptmacht, die im Innern des Reichs wider Napoleons Heerschaaren zusammengezogen wurde. Was er hier geleistet hat, ruht noch in frischer Erinnerung. Kutusow, der schon früher zum Generalfeldmarschall ernannt war, ward in den Russischen Fürstenstand erhoben, und erhielt im November v. J. eine neue ehrenvolle Anerkennung seiner Verdienste. Rußlands Alleinherrscher befahl, daß der Generalfeldmarschall Fürst Kutusow, zum unvergeßlichen Andenken der Nachkommenschaft, an den im November erkämpften glänzenden Sieg, welcher die Befreyung von Smolensk zur Folge hatte, den Beynamen Smolenskoi annehmen sollte.


Fürst Kutusow-Smolenskoi, kais. russischer General-Feldmarschall.

Geboren 1742. Gestorben 1813.

Er begann seine militärische Laufbahn im Türkenkriege unter Potemkin und Suwarow, wobei er sich durch einen hohen Grad persönlicher Tapferkeit auszeichnete. Als im Jahr 1788 die türkische Festung Oezakow, am Einflusse des Dniepers ins schwarze Meer liegend, von den Russen mit Sturm erobert wurde, war er einer der ersten Eindringenden, und ward dabei auf eine sonderbare Art verwundet, denn es ging ihm eine Flintenkugel von einem Schlafe zum andern durch den Kopf, ohne ihm einen bleibenden Schaden zu verursachen. Kaiser Paul ernannte ihn zum General-Gouverneur von Lithauen, in welcher Eigenschaft er mehrere Jahre zu Wilna verlebte, bis endlich Kaiser Alexander ihm im Jahre 1805 den Befehl über das erste Armeekorps in dem Kriege gegen Frankreich übertrug. Er marschirte mit seinem Korps gegen den Inn, traf aber erst ein, als die Kapitulazion von Ulm schon geschlossen. Er vereinigte sich nun mit dem kleinen österreichischen Korps des Generals Baron Kienmayer, und es gelang ihm, durch einige Zeit den ganzen Druck der französischen Armee aufzuhalten. Endlich zog er sich auf das rechte Donauufer. Der Feind verfolgte ihn lebhaft, und es kam zu mehreren Gefechten. Bei verschiedenen derselben erwarb Kutusow sich Ruhm, vorzüglich durch das Gefecht bei Dürnstein am 18. und 19. Dezember, wobei der Marschall Mortier eine Niederlage erlitt. Der Kaiser von Österreich belohnte den russischen Feldherrn für diese glänzende Waffenthat mit dem Großkreuz des Marien Theresiens-Ordens. In der Schlacht von Austerlitz kommandirte er in Gegenwart des Kaisers Alexander die alliirte Armee, und erwarb sich, der ungünstigen Wendung ungeachtet, den schönsten Heldenruhm.

Im französischen Feldzuge vom Jahre 1812 befehligte er zuerst das in Podolien und Volhynien gegen Österreich aufgestellte Observazionskorps. Nach der mörderischen Schlacht an der Moskwa, wobei er das russische Heer kommandirte, beschützte er durch gelungene Posizionen die westlichen Provinzen Rußlands gegen das Vordringen des Feindes.

Als endlich die französischen Heere weichen mußten, bedeckte er die Bahn ihres Rückzugs mit feindlichen Leichen, die russischen Waffen mit Ruhm. Zur Belohnung dieser Thaten erhielt er von seinem Kaiser, statt des bisherigen Familiennamens Kutusow von Golenitschef, das Prädikat: Kutusow-Smolenskoi, und zu dem früher schon erhaltenen Andreas-Orden auch den heil. Georgs-Orden erster Klasse.

Kutusow war bereits ein siebenzigjähriger Greis, als Kaiser Alexander, dessen Vertrauen der Held immer mehr gewann, den Befehl über die russische Hauptarmee in seine Hände legte. Enthusiastische Liebe für seinen Monarchen und für sein Vaterland, Bescheidenheit, Religiosität mit der davon unzertrennlichen Demuth und Reinheit des Herzens, waren Grundzüge in Kutusows Seele. Als er den Oberbefehl erhielt, war er von dem Erzpriester die Weihe zu seinem großen Berufe empfing. Hierauf begab er sich zur Armee, die ihn sehnsuchtsvoll erwartete, und begann den schon erwähnten Feldzug des Jahres 1812, zu dessen glorreichen Thaten noch hinzugefügt werden muß, daß er bei Tarutino den rechten Flügel der französischen Kavallerie überfiel und größtentheils vernichtete. Eben so ausgezeichnet war sein Flankenmarsch, mittelst dessen er die Gegend von Smolensk und Krasnoi vor dem Eintreffen des dahin eilenden französischen Heeres gewann, so, daß er es daselbst schon schlagfertig erwartete, am ersten Tage den Fürsten von Eckmühl schlug, am zweiten einen Theil vom Korps des Herzogs von Elchingen. Durch diesen Sieg erhielt Kutusow, nebst einer reichen Beute, mehr als zwanzigtausend Gefangene. Der ergraute Feldherr ließ die eroberten Adler vor den russischen Garden senken, und übersandte dann seinem Kaiser die schönen Siegeszeichen. Als er mit dem Monarchen hierauf am Ende des Feldzugs in Wilna zusammentraf, erfolgte die rührende Szene von freundlichster Achtung und liebevollster Ergebenheit.

Obschon Kutusow für die Fortsetzung des Kriegs nicht stimmte, obschon der letzte Feldzug seine Kräfte sehr geschwächt hatte, übernahm er dennoch, nach dem Willen und ehrenvollen Antrage seines Kaisers, den Oberbefehl auch diesseits der Gränzen des russischen Reichs, und erließ bei seinem Vorrücken jenen für Deutschland begeisternden und erfreulichen Aufruf. Er folgte nun der verbündeten Armee, welche an die Ufer der Elbe zog, kam aber nicht weiter als bis Bautzen, wo er, allgemein geliebt, geehrt und geachtet, am 28. April 1813 sein rühmliches Leben schloß.


Fürst Kutusow von Golenitschef-Smolenskoi.

Kutusow von Golenitschef-Smolenskoi (Fürst), russischer Feldmarschall, Ritter des St. Andreas- und andrer Orden, machte mit Auszeichnung der Türkenkrieg unter Potemkin und Suwarow mit und ward bei der Einnahme von Otschakow auf die sonderbarste Art verwundet: eine Flintenkugel ging ihm nämlich von einem Schlafe bis zum andern durch den Kopf, ohne ihn gefährlich zu verletzen.

Unter Paul I. ward er zum Generalgouverneur von Litthauen ernannt und residirte als solcher lange in Willna.

Im J. 1805 erhielt er, schon damals ein Greis, vom Kaiser Alexander das Commando des ersten russischen Armeecorps gegen die Franzosen. Er führte sein Korps gegen den Inn und traf daselbst nach der unvorhergesehenen Capitulation von Ulm ein. Er zog das kleine österreichische Corps des Generals Kienmayer an sich und hielt den ganzen Andrang der französischen Armee auf. Auf dem rechten Donauufer, auf welches er überging, wurde er von den Franzosen lebhaft verfolgt und mußte mehrere Gefechte, namentlich den 18. und 19. Nov. das glückliche bei Dürnstein gegen den Marschall Mortier bestehen. Der deutsche Kaiser schickte ihm zur Belohnung seines Benehmens bei dieser Gelegenheit das Großkreuz des Marie-Theresienordens. Nachdem er sich hierauf mit den andern russischen Corps vereinigt hatte, commandirte er unter dem Kaiser Alexander die alliirte Armee bei Austerlitz, wo er verwundet wurde und zugleich seinen Schwiegersohn, einen hoffnungsvollen jungen Mann, verlor.

In den letzten Türkenkriege ward ihm vom Kaiser Alexander der Auftrag ertheilt, den Kampf an der Donau zu beendigen.

Nachdem dieß geschehen und Kutusow nach Rußland zurückgekehrt war, erhielt er, ein siebenzigjähriger Greis, das Obercommando über die russische Armee in dem russisch-französischen Kriege von 1812.

In der Schlacht bei Mosaisk (von den Russen die Schlacht bei Borodino genannt), welche hartnäckig und mörderisch mit abwechselndem Glücke 10 Stunden gedauert hatte, gab er, nachdem die Widerstandskraft der Russen erschöpft war, das Zeichen zum Rückzuge und marschirte auf Moskau zu, damit ihm dahin der Feind folgen möchte. Kaum hatte er diese Stadt erreicht, als auch sein Gegner bereits vor den Thoren derselben erschien. Kutusow verließ seine genommene Stellung und richtete, während Napoleon meinte, er werde sich nach Asien wenden, seinen Marsch nach Süden, wo er sich bei Tula und Kaluga in der Flanke der französischen Armee von neuem aufstellte.

Unterdeß nöthigte der Brand von Moskau, durch welchen Napoleon die Grundlage des zu unterhandelnden Friedens verloren hatte, diesen zum Rückzuge. Vorher wollte er aber noch versuchen, welche Vortheile ihm eine betrügerische Verschlagenheit in den angeknüpften Unterhandlungen gewähren dürfte: aber Kutusow begegnete jeder von Napoleon angewandten List mit wahrhaft scharfsinniger Würdigung der obwaltenden Verhältnisse und gewann dadurch den unschätzbaren Vortheil, daß die Jahreszeit vorrückte und der Eintritt des Winters die natürliche Stärke der Russen vermehrte.

Als endlich kein Augenblick mehr zu verlieren war, hatte Napoleon kaum das Zeichen zum Aufbruche gegeben, als Kutusow's rechter Flügel die französische Reiterei bei Tarutino überfiel und einen großen Theil derselben vernichtete.

Bei Malo-Jaroslawetz wollte Napoleon Kutusow's linken Flügel aufreiben, damit der Rückzug der Franzosen auf Smolensk desto gefahrloser bewerkstelligt werden könnte; allein Kutusow leistete einen Widerstand, der die Absichten des französischen Kaisers vereitelte, und hatte, ehe Napoleon über Smolensk bei Krasnoe anlangen konnte, diese Gegend bereits durch einen Flankenmarsch gewonnen, wo er mit Ungeduld seinen Gegner erwartete. Kaum war demnach dieser angelangt, als von beiden Seiten mit erneuerter Erbitterung gekämpft wurde. Kutusow schlug an dem einen Tage die Armee des Fürsten von Eckmühl, am folgenden die Arrieregarde des Herzogs von Elchingen. Mehr als 20,000 Gefangene, beute ohne Maaß, und unter dieser mehrere französische Adler, waren der Lohn von Kutusow's Anstrengungen.

Er stellte dann die Verfolgung des Feindes für einige Tage ein. Zur Verewigung dieser Siege erhielt er von dem Kaiser Alexander den Beinamen des Smolenskers. Da er wußte, welches Schicksal den fliehenden Feind an den Ufern der Beresina erwartete; so folgte er nur langsam, und der Feldzug war bereits beendigt, als er bei Willna anlangte, wo er seinen Kaiser empfieng.

Dieser Feldzug hatte Kutusow's körperliche Kräfte erschöpft; für die Fortsetzung desselben war er nicht gestimmt; denn ihm, dem mehr als siebenzigjährigen Greise, schien es ein allzu kühner Gedanke, den Feind in dem Wohnsitze seiner Macht anzugreifen. Nachdem er noch die merkwürdige russische Proclamation, in welcher die Sache Europa's und der allgemeinen Menschheit mit so eindringlicher Beredsamkeit geführt war, erlassen hatte, starb er zu Bunzlau am 28sten April 1813 und ward als der Held betrauert, der durch seinen Sieg bei Smolensk den entscheidendsten Einfluß auf den Ausgang des französisch-russischen Feldzugs, und auf die segensreiche Befreiung des ganzen Europa, gehabt hatte.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. 1813.
  • Neuer Plutarch, oder Kurze Lebensbeschreibungen der berühmtesten Männer und Frauen aller Nationen von den ältesten bis auf unsere Zeiten. Nach dem Französischen des Peter Blanchard neu herausgegeben, vermehrt und fortgesetzt von Friedrich Kraft. Pesth 1815, bei C. A. Hartleben.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.