Michel Marie Pacthod

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Michel Marie Pacthod, General-Lieutenant, geboren zu Saint Julien bei Genf, den 16. Januar 1764.

Pacthod hatte die Rechte studirt und war vor der Revolution Auditeur; allein aus Liebe zu den Waffen nahm er auf den Aufruf seines Vaterlandes Kriegsdienste, und gelangte bald zu einer höhern Stufe. Als Befehlshaber des 2. Bataillons des Mont-Blanc zeichnete er sich während der Belagerung von Toulon in mehrern Gefechten aus, wurde aber auch gefährlich dabei verwundet. Kaum wieder hergestellt, ging er als Unterquartiermeister zur italienischen Armee ab. Im Jahr 1795 wurde er als Brigadegeneral gegen die Empörer zu Toulon gesandt, die Marseille und Süd-Frankreich bedrohten. Der glückliche Ausgang dieser Unternehmung verschaffte ihm ein Conventsdecret, welches ihn in seinem Range bestätigte, und noch außerdem einen Ehrensäbel von der Stadt Marseille mit der Aufschrift: "Die Bewohner von Marseille dem General Pacthod für die Rettung am 5. Prairial im Jahre 3." Auch behielt er dies Commando in Süd-Frankreich, und zeichnete sich dabei fast immer durch feste Entschlossenheit aus. Nach dem 13. Vendémiaire (5. Oct.) wurde er indeß vor dem Convente durch die siegende Parthei angeklagt, als habe er die Metzeleien begünstigt: allein bald darauf freigesprochen, behielt er sein Commando. Im Jahr 1799 befehligte er die Vorhut der holländischen Armee, trug zur Schlacht bei Kastricum (6. Oct.) bei, welches die Engländer zur Einschiffung bewog. Im Jahr 1800 befand er sich bei der Gallo-Batavischen Armee und kämpfte (18. Decbr.) vor Nürnberg auf eine rühmliche Weise, an der Spitze des 49. Linien- und des 4. Dragonerregiments, gegen den östreichischen General Klenau, der schon auf dem rechten Flügel der französischen Armee große Vortheile errungen hatte.

Pacthod machte hierauf die Feldzüge in Deutschland von 1805 und 1806 mit. Bei Krewitz (2. Nov. 1806) hielt er mit dem 8. Linienregimente verschiedene Angriffe der preußischen Nachhut, die aus 400 Reitern bestand, aus, und schlug sie zurück. In dem Angriffe auf Lübeck (6. Novbr.) unter den Augen des Prinzen von Ponte Corvo zeigte er glänzende Tapferkeit und große Gegenwart des Geistes, und brachte es, an der Spitze des 8. und 45. Regiments nach einem zweistündigen Kampfe in den Straßen der Stadt dahin, daß 6000 Preußen die Waffen streckten. Am Abend desselben Tages um 11 Uhr bemächtigte er sich mit dem 54. Regimente des zwei Stunden von Lübeck gelegenen Städtchens Schwartau, wohin sich ein Theil der preußischen Armee unter Blücher zurückgezogen hatte. Bei dieser Gelegenheit machte er 1500 Gefangene, und setzte sich an diesem Orte fest. Am andern Tage mit Aufgang der Sonne verfolgte er den übrigen Theil der feindlichen Armee, und nach einigen Flintenschüssen erschien der preußischen Anführer Blücher, der nun die Hoffnung, zu entfliehen aufgegeben, bei seiner Arrieregarde, und verlangte zu capituliren. Sogleich hörte das Feuern auf, und Murat und Bernadotte schlossen mit den Preußen eine Capitulation ab. In der Schlacht von Mohrungen (25. Jan. 1807) hielt Pacthod abermals mit den 8. und 45. Regimente, zu Anfange der Schlacht alle Anstrengungen der russischen Avantgarde auf, und verschaffte dadurch dem Prinzen von Ponte Corvo Zeit, zu der Armee zu stoßen und den Sieg zu erringen, der einen so großen Einfluß auf den ganzen Feldzug hatte. Leider wurde zu Ende des Tages Pacthod verwundet.

Im Jahr 1808 sandte der Kaiser den General Pacthod nach Spanien. Am 10. Nov. kämpfte er mit bei Spinosa. Am 2. Dec. erstürmte er an der Spitze des 25. leichten und des 45. Linienregiments das Thor Alcala während des Angriffs auf Madrid, setzte sich in Prado, unter dem furchtbaren Feuer der Feinde, fest und beschleunigte dadurch die Uebergabe dieser Hauptstadt. Eben so befand er sich auch mit in dem Gefechte bei Ucles (13. Januar 1809), wo die gesammte Infanterie der spanischen Armee unter Cuesta gefangen genommen wurde. Der Muth und die geschickten Anordnungen, die Pacthod bei dieser Gelegenheit gezeigt hatte, bewogen den Kaiser, ihn noch auf dem Schlachtfelde zum Divisionsgeneral zu ernennen. Er machte hierauf den Feldzug gegen Oestreich mit und befand sich bei der italienischen Armee. Am 18. Mai bemächtigte er sich des Forts Malborghetto, indem er fast zuerst in die feindlichen Verschanzungen eindrang, trug dann (14. Juni) durch geschickte Anordnungen zum Siege bei Raab bei und bekam in der Schlacht von Wagram (6. Juli) eine Wunde. Der Kaiser hatte die kühne Bewegung seiner Division während der Schlacht bewundert und bezeigte ihm seine Zufriedenheit.

Im Jahr 1810 und einen Theil von 1811 stand Pacthod in Calabrien und 1812 in Illyrien. Der fast immer fortdauernde Aufruhr in diesen Provinzen machte seine Lage äußerst schwierig: allein die gerechten und festen Maßregeln welche er traf, sicherten die Ruhe. Im Jahre 1813 befand er sich in Sachsen. Er befehligte in der Schlacht von Bautzen (20. Mai) den äußersten rechten Flügel unter dem Herzog von Reggio und behauptete sich zwei ganze Tage in einer Stellung, auf welche die Feinde großes Gewicht legten und daher unaufhörlich angriffen. Um 27. überfiel und hob er eine Division Kosaken zu Hoyerswerda auf und am andern Tage brachte er das preußische Corps unter Bülow in Unordnung. In der Schlacht von Jüterbogk (6. Septbr.), die sich für die Franzosen in eine Niederlage verwandelte, deckte er den Rückzug und zog sich, alle Angriffe der feindlichen Reiterei zurückweisend, ohne viele Einbuße und in der schönsten Ordnung nach Torgau zurück. Am 16. und 18. Oct. befehligte er bei Leipzig eine Division der jungen Garde, so wie in der Schlacht von Hanau (30. Oct.) ein Armeecorps, welches aus zwei Divisionen eben derselben Garde zusammengesetzt war. Am andern Tage erhielt er jedoch beim Angriff auf die Brücke bei Sachsenhausen eine schwere Wunde. Am 25. März 1814 führte Pacthod den Oberbefehl über die Truppen, 6000 an der Zahl, die so brav bei Fère Champenoise gegen das Centrum der feindlichen Armee unter des Kaiser Alexanders eigener Anführung kämpften. Nach 5stündigem hartnäckigen Kampfe mußte er sich jedoch gefangen geben. Kaiser Alexander und der König von Preußen, Zeugen dieser schönen Vertheidigung, bezeigten ihm noch auf dem Schlachtfelde ihre Achtung.

Ludwig XVIII. ernannte den General Pacthod zum Ritter des St. Ludwigsordens, zum Grafen und Befehlshaber der 4. Militär-Division zu Nancy. Während der hundert Tage weigerte er sich, ein Armeecommando vom Kaiser zu übernehmen und um einen Grund dazu zu haben, unterwarf er sich einer sehr schmerzhaften Operation, indem er sich eine Kugel aus der linken Achsel herausschneiden ließ, die er im Gefechte bei Sachsenhausen erhalten hatte. Nach der zweiten Rückkehr des Königs wurde er General-Inspecteur der Infanterie.


Quellen und Literatur.

  • Dr. R. Fl. Leidenfrost's französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Ilmenau, 1828. Druck und Verlag von Beruh. Friedr. Voigt.