Michel Ney

Aus NapoleonWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ney, (Emanuel) --Seine Kriegsdienste sind unbekannt; General-Adjutant den . . . . .

Sehr guter Kavallerie-Offizier, hat die Talente eines sehr geübten Partheygängers.


Biographien.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.

(1811) Cabinet von biographischen Gemälden der merkwürdigsten Personen aus der neuesten Zeitgeschichte. Gesammelt und herausgegeben von Karl Stein. Berlin 1811.

(1816) Minerva Ein Journal historischen und politischen Inhalts. Für das Jahr 1816. Leipzig in der Expedition der Minerva.

(1825) Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.


Ney, Herzog von Elchingen.

Ney.

Ney, Herzog von Elchingen, französischer Reichsmarschall, Großoffizier und Chef von der 7. Cohorte der Ehrenlegion, Ritter des Portugiesischen Christordens u. s. w., geboren 1769 zu Sarre-Louis, trat sehr jung in Dienste eines Husarenregiments und durchlief schnell die untern Ehrenstufen bis zu der eines Generaladjudanten, welche ihm 1794 der General Kleber ertheilte. Er schloß sich an diesen General an, und erwarb sich unter demselben den Ruf der Kühnheit und des Talents, den er seitdem durch verschiedene hervorstechende Thaten nur vermehrte.

1796, wo er nur noch Generaladjutant war, legte er, namentlich den 4. Juny in dem Gefechte von Altenkirchen, die größte persönliche Tapferkeit und viele Einsicht an Tag. Eben so zeichnete er sich bey Obermersch, bey Würzburg, in das er mit dem General Championnet eindrang, und bey Forchheim aus. In demselben Monat geschah es, daß er, nach einem ruhmvollen Gefechte an der Reduitz, auf dem Schlachtfelde zum Brigadegeneral befördert wurde. Er bemächtigte sich hierauf der Feste Rothenburg.

Zu Anfange des Aprills 1797 trug er viel zu dem Siege bey Neuwied über die Oesterreicher bey, in deren Linien er an der Spitze der Kavallerie eindrang; später verlor er bey Gießen sein Pferd im Augenblicke, wo er sich als gemeiner Soldat aufsetzte, um ein Stück der fliegenden Artillerie zu retten, und gerieth in die Gefangenschaft der Oesterreicher, von denen er jedoch auf Ehrenwort, nicht vor seiner Auswechslung zu dienen, entlassen wurde.

Zur Zeit des 18. Fructidors erklärte er sich lebhaft gegen die Clichyparthey, die damals in den Räthen herrschte, wurde 1798 zum Divisionsgeneral erhoben und diente 1799 in dieser Eigenschaft bey der Rheinarmee. Im Oktober schlug er ein österreichisches Korps zu Frankfurt, ging über den Main, sodann über den Necker, nahm Mannheim und bewerkstelligte auf diese Weise eine Diversion, die eine der hauptsächlichsten Ursachen des Siegs bey Zürich wurde, indem er den Erzherzog Karl nöthigte, starke Detachements abzuschicken, um seinen bedrohten rechten Flügel zu decken.

1801 zeichnete er sich, unter dem General Moreau, bey Ingolstadt und in der Schlacht von Hohenlinden aus.

Im July 1802 machte ihm der erste Konsul ein Geschenk mit einem schönen egyptischen Säbel und ernannte ihn im folgenden Oktober zum ausserordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister bey der helvetischen Republik. Er ließ es sich nunmehr angelegen seyn, die Regierung dieses Landes nach seinen erhaltenen Instructionen einzurichten.

Nach seiner Zurückberufung im Oktober 1803 wurde ihm das Kommando der Armee von Compiegne übertragen und von dieser ging er in das Lager von Boulogne.

Nach der Thronbesteigung des Kaisers Napoleon wurde er zur Würde eines Reichsmarschalls erhoben und im September 1804 zum Großoffizier und Chef von der 7ten Cohorte der Ehrenlegion ernannt. Den 1. Februar 1805 erhielt er das rothe Band und kurz darauf den Portugiesischen Christorden.

Nach dem Wiederausbruche der Feindseligkeiten mit Oesterreich war er einer der ersten Generale, die über den Rhein gingen und zu den Vortheilen, mit denen sich dieser Feldzug eröffnete, beytrugen. Nach der Kapitulation von Ulm wurde er mit einem Korps von 30,000 Mann zur Rechten der großen Armee detachirt, bemeisterte sich der Feste von Scharnitz, und zog in Inspruck ein. Er verfolgte hierauf den Erzherzog Johann.

Nach dem Frieden von Presburg begab er sich mit seinem Armeekorps nach Oberschwaben.

Bey Eröffnung des Feldzugs 1806 drang er unter der Oberleitung des Prinzen von Pontecorvo in das sächsische Voigtland ein, trug hierauf zu dem entscheidenden Siege bey Jena bey, und rückte alsdann mit seinem Korps vor Magdeburg. Hier stand ihm ein schweres Werk in der Belagerung dieser Hauptfestung der preußischen Monarchie bevor, das ihm aber die Bereitwilligkeit des preußischen Kommandanten erleichterte, der am 8. November mit 20,000 Mann und 800 Kanonen kapitulirte.

Nach dieser Uebergabe war er mit der großen Armee nach Preußen nachgeeilt, lieferte dem preußischen General L'Estocq ein hartnäckiges Gefecht bey Soldau, auf das der Feind sich nach Neidenburg zurückziehen mußte, und hatte sodann an der blutigen Schlacht von Eylau thätigen Antheil. Den 5. Juny mußte er seine Positionen bey Altkirchen verlassen und sich vor dem überlegenen Feinde nach Ankendorf zurück ziehen, drang aber mit verdoppelter Kraft am folgenden Tage bey Deppen vor und zeichnete sich durch eine Unerschrockenheit aus, die alle seine Truppen mit gleichem Muthe beseelte. Gleich wichtige Dienste leistete er den 8. in dem Gefechte bey Guttstadt, und in der Schlacht bey Friedland.

Gegenwärtig kommandirt er eine Abtheilung der Armee gegen Spanien, und ist früher zum Herzog von Elchingen ernannt worden.


Der Marschall (Ney), Herzog von Elchingen.

Emanuel Ney wurde den 10ten Januar 1769 zu Sarre-Louis geboren, und hat sich während des Revolutionskrieges bey der Ardennen-, Nord-, Sambre- und Maasarmee, am Rhein, an der Donau und in der Schweiz beständig ausgezeichnet.

Man hält ihn für einen der bravesten Generale, er befand sich beynahe immer bey dem Vortrabe; seine Thätigkeit war von jeher so groß, daß man ihn den Unermüdeten nannte.

Im Jahre 3 commandirte Ney als General-Adjutant die Reiterey der Division des Generals Collaud bey der Sambre- und Maasarmee. Wegen seines kühnen Benehmens ward er bald darauf zum Brigade-General ernannt; allein er nahm diese Ernennung nicht an, sondern diente als General-Adjutant fort. Unter Jourdan macht er im Jahr 1796 den Feldzug in Deutschland mit, wo er den Vortrab befehligte. Wegen seiner Verdienste ward er, am 7ten August 1796, auf dem Schlachtfelde von Forchheim wirklich zum Brigade-General erhoben.

Hierauf diente er in der Schweiz, im südlichen Deutschlande, wo er, am 29sten März 1799, zum Divisions-General ernannt ward. Er war mit in der Schlacht bey Hohenlinden, und wurde nach dem Frieden zum französischen Gesandten in der Schweiz ernannt.

Beym Ausbruche des österreichisch-französischen Krieges im Jahr 1805 war Ney, jetzt zum Marschall des französischen Reiches ernannt, sehr thätig, und nach der Mackschen Capitulation in Ulm war er es, der Tyrol eroberte.

Er gab der Schlacht bey Auerstädt den Ausschlag, indem er unerwartet Mittagszeit mit seinen zwey Divisionen auf dem Schlachtfelde ankam. Wie Desaix bey Marengo entschied, so hier Ney; darauf blockirte er Magdeburg, welches nach funfzehn Tagen übergeben würde, obgleich die Besatzung noch einmal so stark als das Belagerungs-Corps war. Bey dem Angriffe der russischen Linien an der Narew und Wrka in einem Nachtgefechte am 23sten December, wo die Russen aus ihrer festen Stellung vertrieben wurden, war Ney gleichfalls thätig; Ende Decembers brach er von Thorn auf, und vertrieb 7,000 Mann Preußen, unter dem General L'Estocq, die sich tapfer wehrten, aus Soldau. In dem Treffen bey Deppen verursachte es die Unerschrockenheit des Marschalls, daß der Feind seine Absicht nicht erreichte. In der Schlacht von Friedland commandirte er den rechten Flügel. Nach dem Frieden von Tilsit ging er nach Frankreich zurück, und wurde dann, als er im Jahr 1808 bey der Armee, welche in Biscaya gegen die spanischen Insurgenten und Engländer stand, commandirte, zum Herzog von Elchingen ernannt. Er trat in Spanien zuerst bey Bilbao auf, von wo er den Insurgenten-General Blake verjagte, der am 22sten September in diese Stadt eingerückt war. Nach der Ankunft des Kaisers bey der Armee in Spanien verband sein Corps das Centrum mit dem linken Flügel. Seine leichten Truppen bildeten die Avantgarde auf den Vormarsche nach Madrid, und besetzten Soria. Am 4ten December schon rückte die französische Armee in Madrid ein. Als darauf die Engländer dem französischen Heere die Communication zwischen der Hauptstadt Spaniens und Bayonne abzuschneiden beabsichtigten, gehörte Ney mit zu den Befehlshabern, welche unter dem kaiserlichen Feldherrn ihnen entgegen eilten. Am 22sten December ging der Kaiser von Madrid ab; da indessen die Britten sich plötzlich einschifften, und Napoleon hier nichts mehr zu fürchten hatte, während Oesterreich Kriegsrüstungen macht, so begab der Kaiser sich nach Paris und in der Folge nach Deutschland, der Herzog von Elchingen aber blieb als Befehlshaber des 6ten Corps in Spanien zurück, wo er in der Schlacht von Talavera den bekannten, für die französische Armee nicht ungünstige Erfolg herbeyführen half, indem das 6te Corps, vereint mit dem 2ten und 5ten im Rücken des Feindes manövrirte. Vor dieser Schlacht war er Gouverneur in Gallizien, und erhielt als solcher die Bewohner der Provinz im friedlichen Zustande. Nach derselben vollzog er die Verfolgung des Feindes mit, die demselben nach dem französischen Berichte so nachtheilig wurde.

Auch er erhielt eine kaiserliche Schenkung im Jahr 1808 eine jährliche Rente von 80,000 Franken aus dem Amte Lauenburg und einem Theile vom Ratzeburg.


Ney.

Michel Ney, geboren im J. 1769 zu Saar-Louis, wo sein Vater Kellermeister auf dem Schlosse war, besuchte in seiner Jugend die dortige gelehrte Schule, und ließ sich früh als Soldat unter das Regiment Colonel-General annehmen. Er stieg in den ersten Feldzügen des Revolutionskrieges schnell empor, und wurde im J. 1794 von Kleber zum Generaladjutanten ernannt. Bei diesem Heerführer blieb er eine Weile und zeichnete sich durch viele kühne und einsichtsvolle Unternehmungen aus. Im J. 1796, wo er noch immer Generaladjutant war, that er sich besonders bei dem Rückzuge der Jourdan'schen Armee aus Franken hervor. Bei dem Gefecht an der Rednitz wurde er auf dem Schlachtfelde zum Brigadegeneral ernannt. In dem Feldzuge von 1797 zeigte er sich in dem Gefechte bei Neuwied gegen die Oesterreicher ausnehmend tapfer an der Spitze der Kavallerie. Am 20. desselben Monats stürzte er bei Gießen, wo er sich, um eine leichtes Artilleriestück zu retten, wie ein gemeiner Soldat der Gefahr aussetzte, mit dem Pferde, und wurde von den Oesterreichern gefangen, bald aber auf sein Ehrenwort wieder frei gelassen. Zur Zeit des 18. Fructidor (4. Sept. 1797), wo ein Theil des Direktoriums ausgestoßen wurde, erklärte er sich gegen die zum Theil königlich gesinnte Partei von Clichy, die damals in dem Rath der Fünfhundert und der Alten herrschte. Im J. 1798 wurde er zum Divisionsgeneral erhoben, machte dann den Feldzug von 1799 mit, und bewirkte durch seine Operationen am Neckar, daß der Erzherzog Karl die Gegend von Zürich verließ, welche dann von den Russen besetzt wurde. Im J. 1801 diente er unter Moreau, und hatte Antheil an allen Operationen dieses merkwürdigen Feldzugs, besonders an der Schlacht von Hohenlinden. Im J. 1802 schenkte ihm der erste Konsul einen schönen Aegyptischen Säbel, und ernannte ihn im darauf folgenden Oktober zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister bei der Helvetischen Republik. Schon am 25. desselben Monats erschien Ney im Senat von Bern, und gab ihm die Zusicherung der Unterstützung seiner Regierung. Dann deutete er dem General Bachmann an, er müsse seine Truppen auseinander gehen lassen, mit der Warnung, daß, wenn dieß nicht bis zum 1. Nov. geschehen, er an der Sitze der Französischen Armee gegen ihn aufbrechen würde. Er verordnete zugleich die Entwaffnung der Schweizer. Nachdem die Armee der konföderirten Schweizer zerstreut war, wurden die Häupter arretirt, und die Unterwerfung der Schweiz war vollendet. Er beschäftigte sich nun, die Regierung des Landes seinen Instruktionen gemäß einzurichten. Im Okt. 1803 wurde er zurückberufen und erhielt das Kommando der Armee von Compiegne. Dann ging er in das Lager von Boulogne. Bei der Thronbesteigung Napoleon's wurde er zum Marschall des Reichs erhoben. Er nahm bekanntlich an allen folgenden Feldzügen in Deutschland, Polen, Spanien, Portugal und Rußland Theil, und zeigte sich stets als ein tapferer und einsichtsvoller Heerführer. Seine Thaten in dieser Reihe von Feldzügen, und das Ende seine Laufbahn, sind aus den öffentlichen Blättern hinlänglich bekannt.


Ney, französischer Marschall.

Der 7. December 1815.

Zufrieden trifft oft der Blick des Beobachters auf Menschen, welche ein schuldbeladenes Leben durch eine grosse und edle Schlusshandlung versöhnend, vom Schauplatz abtraten. Wo Fälle des Gegentheils eintreffen, fühlt er sich im Innern auf das unangenehmste ergriffen. So schändete Marschall Ney, Herzog von Elchingen, Fürst von der Moskwa, Reichsmarschall, und Pair von Frankreich, Grosskreuz der Ehrenlegion, des St. Ludwigs-Ordens Ritter u. s. w. den Ruhm seiner militärischen Laufbahn durch Undank, Meineid und Verrath, und starb den Verbrecher-Tod im Garten von Luxemburg am 7. December 1815 durch die Hand der Krieger, die ihn so oft vom Glanzes dieses Ruhms umstrahlt an ihrer Spitze sahen.

Aus der geringsten Volksklasse schwang er sich vom Husaren durch ungemein kriegerische Auszeichnungen bis zu den hohen Würden, die er trug, hinauf. Er war im J. 1794 als Escadrons-Chef Klebers General-Adjutant. Schon nach 2 Jahren wurde er auf dem Schlachtfelde der Rednitz-Brigade General, und nur noch 2 Jahre später Divisions-General. Als solcher diente er unter Massena und Moreau. Napoleon schätzte ihn als einen der allervorzüglichsten seiner Unterfeldherrn. Ney hatte sich durch seine Thaten bei Elchingen, Jena, Eylau, Friedland, in Spanien, und an der Moskwa vollgültigsten Anspruch darauf erworben. Aus dem Munde eines so grossen und dabei auf fremden Ruhm so eifersüchtigen Feldherrn, als der franz. Kaiser es war, klingt der Ausspruch: "le brave des braves," mit dem er Ney nach der Schlacht an der Moskwa grüsste, unverdächtig und würdig. Im Kriege Frankreichs gegen Europa, 1813 bis 1815 war er einer der französ. Generäle, welche den Verbündeten in den Entscheidungsschlachten den kräftigsten Widerstand entgegensetzten. Nach der Abdankung seines Kaisers schwur er dem Könige, der ihn sehr ehrenvoll und gütig aufnahm und auszeichnete, den Eid der Treue. Dass er diesen mit einer entehrenden Doppelzüngigkeit brach, führte sein unrühmliches Ende herbei. Er lebte ein Jahr zu lange für seinen Ruhm. Er starb mit dem Muthe eines Soldaten, der mit dem Tode auf dem Schlachtfelde lange vertraut war.

Der Vorwurf, dass er die Schuld des Verlustes der Schlacht bei Waterloo trug, scheint ungegründet. Er hatte der letzte als Feldherr auf der Wahlstatt ausgehalten, 5 Pferde fielen unter ihm, seine Kleider waren von Kugeln durchlöchert.


Die Wetterfahnen Frankreichs.

Ney. Am 10. Januar 1769 geboren. Unter der Republik General; unter dem Kaiser Reichsmarschall und Grosskreuz der Ehrenlegion (14. Pluviose 13. J.); Grossoffizier des Reichs; Prinz von der Moskwa; Herzog von Elchingen.


Schreiben des Marschall Ney an S. H. den Prinzen von Benevent, Präsidenten der, die Provisorische Regierung bildenden Kommission.

"Monseigneur,
"Ich begab mich gestern mit dem Herzog Marschall von Tarent und dem Herzoge von Vicenza, als Bevollmächtigter nach Paris, um bei S. M. dem Kaiser Alexander das Interesse der Dynastie des Kaisers Napoleon zu vertreten. Ein unvorgesehenes Ereigniss unterbrach plötzlich die Unterhandlungen, welche die glücklichsten Resultate verhiessen; jetzt sah ich ein, dass, um von unserem geliebten Vaterlande das Unglück und die Verwüstung eines Bürgerkrieges abzuwenden, den Franzosen nur der einzige Ausweg übrig blieb, die Sache unserer alten Könige unbedingt zu ergreifen. Von dieser Ueberzeugung durchdrungen, kehrte ich diesen Abend zum Kaiser Napoleon zurück, um ihm den Wunsch der Nation zu verkündigen.
"Der Kaiser schien, die kritische Lage, in welche er Frankreich versetzt hat, und die Unmöglichkeit, sich selbst zu retten, durchschauend, sich zu resigniren, und in seine unbedingte Thronentsagung ohne allen Rückhalt zu willigen. Ich hoffe, er wird mir morgen frühe die förmliche und authentische Akte darüber einhändigen. Unmittelbar nachher werde ich die Ehre haben, mich bey Euer Hoheit einzufinden.
"Ich verharre mit Respekt,
Monseigneur,
Eure Hoheit,
ganz gehorsamster Diener.
Unterzeichnet der Marschall Ney.


Ney befand sich im Gefolge des Grafen von Artois, bei dessen Einzuge in Paris.

"Monsieur," sprach der Marschall, "wir haben mit Eifer einer Regierung gedient, die uns, im Namen Frankreichs, gebot. Euer Hoheit und Seine Majestät werden sich überzeugen, mit welcher Treue und Ergebenheit wir unserem rechtmässigen Könige zu dienen wissen."
(Journal des Débats 14. April 1814.)


Die Folge hat gezeigt, was der Marschall unter dieser Treue und Ergebenheit verstanden hatte.

Auszug der Königlichen Ordonnance, gegeben im Pallast der Tuilerien, den 20. May 1814.

"Unser Vetter, der Marschall Ney, ist zum Kommandirenden en chef des Königlichen Korps der Kürassiere, Dragoner, Chasseurs und Chevaulegers-Lanciers von Frankreich ernannt."


Ludwigsritter am 1. Juny 1814; Pair von Frankreich am 4. desselben Monats.

"Der Marschall Ney, Prinz von der Moskwa, hat den König gebeten, ihm eine Bestimmung zuzutheilen. Seine Majestät haben denselben versichert, dass Sie fest auf seine Treue zählten. Der Marschall küsste die Hand des Königs mit ehrerbietigem Feuer, und erklärte: "Der Tag, an welchem er ihm Beweise seiner Ergebenheit liefern könne, werde der schönste seines Lebens seyn."
(Journal de Paris vom 11. März 1815.)


Tagsbefehl.
Der Marschall, Prinz von der Moskwa, an die Truppen seines Gouvernements.
"Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten!
"Die Sache der Bourbons ist unwiederbringlich verlohren. Die von der Französischen Nation anerkannte gesetzliche Dynastie wird den Thron wieder besteigen: dem Kaiser Napoleon, unserem Monarchen, gebührt es allein, über unser schönes Vaterland zu herrschen! Mag der Haus Bourbon|Adel der Bourbons]] sich entschliessen, noch einmal auszuwandern, oder in unserer Mitte zu bleiben, was kümmerts uns? Die heilige Sache der Freiheit und unserer Unabhängigkeit, wird nie mehr unter seinem unseligen Einflusse leiden. Sie wollten unsern Kriegerruhm entwürdigen, aber sie haben sich getäuscht: dieser Ruhm ist die Frucht zu herrlicher Waffenthaten, als dass wir je sein Andenken verlieren könnten.
"Soldaten, die Zeiten sind nicht mehr, wo man die Völker durch Unterdrückung ihrer Rechte beherrschte, die Freiheit triumphirt endlich, und Napoleon, unser erhabener Kaiser, wird sie auf immer befestigen. Möge künftig eine so schöne Sache die unsre und jene aller Franzosen seyn; mögen sich alle die Tapfern, die ich zu befehligen die Ehre habe, recht innig von dieser hohen Wahrheit überzeugen!
"Soldaten, ich habe Euch oft zum Sieg geführt: jetzt führe ich Euch der unsterblicher Schaar zu, welche dem Kaiser Napoleon nach Paris folgt, und in wenigen Tagen dort eintreffen wird; dort werden sich unsere Hoffnung und unser Glück auf immer begründen. Es lebe der Kaiser!
Lons-le-Saulnier, 13. März 1815.
Der Reichsmarschall,
Unterzeichnet Prinz von der Moskwa.


Ney wurde durch ein Kaiserliches Dekret vom 4. Juny 1815 zum Pair von Frankreich ernannt. *)

.*) Seine weiteren Schicksale und seinen Tod siehe im Anhange unter dem Artikel Ney.


Der Marschall Ney wird von der Kammer der Pairs als Hochverräther verurtheilt und erschossen.

Marcus Manlius rettete Rom, als die Gallier in der Nacht schon das Capitol erstiegen hatten, und stürzte die hinaufgestiegenen wieder hinab, wofür er den ehrenvollen Beynamen Capitolinus erhielt. Dennoch ward dieser ehrgeizige und gefährliche Mann von dem Römischen Volke selbst verurtheilt, vom Capitol herabgestürzt zu werden, als er Unruhen stiftete und sich gegen die Sicherheit des Staats verging. So viele Verdienste hatte Ney nicht um Frankreich, als M. Manlius Capitolinus um Rom. Indeß versagt ihm das Französische Heer das Zeugniß nicht, daß er einer seiner tapfersten und einsichtsvollsten Anführer war, und darüber giebt es unter den Französischen Soldaten und Offizieren nur eine Stimme, daß Ney es war, der den Rest der Hunderttausende rettete, die in den Krieg nach Rußland zogen, und daß er fast allein die Geistesgegenwart nicht verlor, als Buonaparte, Davoust und andere das Unglück des Rückzugs durch ihre Fehler vergrößerten. Nachher spielte der Marschall Michael Ney, Herzog von Elchingen, der für seine Standhaftigkeit im Russischen Feldzuge zum Prinzen von der Moskwa erhoben wurde, eine Hauptrolle bey der im April 1814 erfolgten Thronentsagung Napoleons Buonaparte. Er war es, der denselben vorzüglich zur Abdankung und zur Annehmung des auf Elba angebotenen Aufenthalts bestimmte. Ludwig XVIII. bestätigte den Marschall Ney in seinen Titeln und Würden, machte ihn zum Pair von Frankreich, zum Gouverneur der sechsten Militair-Division, und übertrug ihm das Commando zu Besançon. Ein noch größeres Vertrauen bewies ihm der gutmüthige König, indem er ihm im März, als Buonaparte von Elba nach Frankreich zurückgekehrt war, den Oberbefehl über die zur Vertheidigung der Bourbons gegen den Usurpator zusammengezogene Hauptarmee gab. Und diese ihm anvertraute Armee verführte der Marschall Ney zum Verrath, und überlieferte sie Ludwigs Feinde, dessen Vordringen nach Paris nun unwiderstehlich wurde. Buonaparte stellte auch sogleich den Marschall Ney an, sandte ihn nach Lille, darauf nach Straßburg, hiernächst wieder an die Flandrische Gränze, wo Ney den Oberbefehl führte, bis Buonaparte selbst ankam, unter welchem Ney dann einen wichtigen Theil der schnell beendigten Operationen leitete, und mit in der Schlacht von Waterloo focht.

Ein solcher Verrath der Treue empörte ganz Frankreich und Europa. Es gab über Ney nur eine Stimme, die laut seine Bestrafung forderte. Er selbst schien sie nicht zu fürchten, und hielt sich ruhig in Frankreich auf. Endlich erfüllte Ludwig die Forderung der Gerechtigkeit. Der Marschall Ney wurde verhaftet, und am 19ten August nach der Polizey-Präfectur zu Paris und dann nach der Conciergerie gebracht. Nun fing ein Kriminalproceß an, der durch den Namen des Angeklagten, die schwarze Farbe seines für die allgemeine Ruhe so folgenreichen Staatsverbrechens, die lange Dauer des Verfahrens und die Wendung die es nahm, die öffentliche Aufmerksamkeit mehr erregte, als irgend ein anderer Act der Strafgerechtigkeit. Die Französische Regierung hatte die Absicht, das Richteramt von einem Kriegsrath verwalten zu lassen. Daher verhörte der zum Rapporteur ernannte Marschall de Camp Graf Grundler den Marschall Ney wiederholt in der Conciergerie. Als seine Schuld durch seine eigne Aussage dargethan war, ließ der König im November das Kriegsgericht zusammen treten. Es bestand aus dem Marschall Grafen Jourdan, als Präsidenten, ferner den Marschällen Massena, Augereau und Mortier und den General-Lieutenants Maison, Villatte und Claparede. Die Verhandlung begann am 9ten November, und dauerte drey Tage. Am dritten, den 11ten November, erklärte sich das Kriegsgericht mit einer Mehrheit von 5 Stimmen gegen 2 für incompetent, da Ney ein Pair sey und als solcher von der Kammer der Pairs gerichtet werden müsse. Der Angeklagte, dessen Verbrechen zu Tage lag, hatte sehr unvorsichtig diese den Gerichtsstand ablehnende Einrede vorgeschützt. Wahrscheinlich würden ihn seine Freunde im Kriegsgericht, die ihn mit dieser Einwendung hörten, milder beurtheilt haben als die Kammer der Pairs, von der er gerichtet zu seyn begehrte. Sein Begehren ward erfüllt. Noch am 11ten November trug der König der Kammer der Pairs die Instruction des Processes wider den Marschall Ney, wegen Hochverraths und Angriffs gegen die öffentliche Sicherheit auf. Nachdem alles eingeleitet war, wurde derselbe am 20sten November, Morgens um 2 Uhr aus der Conciergerie nach dem Pallast Luxemburg gebracht, wo sein Proceß öffentlich verhandelt wurde. Inzwischen unterließ der Marschall Ney keinen Schritt, der seinem Schicksal eine günstigere Wendung geben konnte. Er wendete sich an die verbündeten Mächte, an den Herzog von Wellington, an das Publicum. Niemand wollte sich aber des Verräthers annehmen. Am 4ten December eröffnete die Kammer der Pairs das Verfahren wider Michael Ney, der sich in dem Verhör mit Standhaftigkeit betrug. Es wurde am 5ten December fortgesetzt und am 6ten um 5 Uhr Abends geschlossen. Sechs Stunden darauf ward das Todesurtheil wider den Marschall Ney, Herzog von Elchingen, Prinzen von der Moskwa gesprochen, für welches von 160 Pairs 142 stimmten. In der Nacht um 3 Uhr wurde es ihm, der bis dahin im tiefsten Schlafe lag, von dem Secretair der Kammer der Pairs, Cauchy, vorgelesen. Er schlief darauf wieder, bis ihn die Ankunft seiner Gattin, seiner Schwägerin und seiner Kinder weckte. Der Abschied von diesen war rührend. Ney selbst verkündigte ihn, und ließ dann auf den Rath eines Grenadiers, der die Wache seinem Zimmer hatte, den Pfarrer von St. Sulpice holen, mit dem er drey Viertelstunden allein war. Um 9 Uhr Morgens wurde der Marschall in einem Wagen durch den Garten Luxemburg nach der zum Observatorium führenden Allee gebracht, wo ihn ein Detaschement Gensd'armerie und zwey Pelotons Veteranen erwarteten. Er ging festen Schritts an die Mauer, die das Ziel seines Lebens werden sollte, rief den Soldaten zu: "Camarades, droit au coeur!" und fiel auf das gegebene Zeichen von zwölf Kugeln getroffen. Nach einer Viertelstunde wurde sein Körper weggebracht und am andern Tage, den 8ten December früh Morgens beerdigt.



Als seine Gemahlin zum letzten Mal zu ihm kam, nahm er sie auf den Schooß, und sagte ihr: "das ist ein coup d'état, ein Unglück, meine Liebe! nicht so groß vielleicht, wie manches andere, das dich schon seit unserer Revolution betroffen; sie hat dich schon unsere Mutter gekostet; ein schrecklicher Zufall hat dich deiner Schwester beraubt; was mir zustieß, ist auch nur ein Zufall, -- meine Ehre habe ich ja nicht verloren." Sie zerfloß in Thränen.

Das Schicksal verfolgt zuweilen ganze Familien, die es eine Zeitlang mit Glücksgütern überhäufte, mit verhängnißvoller Hartnäckigkeit. Madame Auguie (Schwiegermutter des Marschalls Ney) ehemals Kammerfrau der unglücklichen Gemahlin Ludwigs XVI., und von dieser Fürstin sehr geliebt, stürzte sich in einem Fieberanfalle aus dem Fenster; Madame de Broc, ihre Tochter, Gesellschafts-Dame der Ex-Königin von Holland, ertrank im Jahre 1810 in einem Wasserfalle in den Bädern zu Aix; der Marschall Ney, voll militärischen Ruhmes, befleckte seinen Namen auf immer durch den schändlichsten Verrath; Herr Auguie, sein Schwiegervater, starb vor Schmerz in den ersten Tagen des Processes gegen seinen Schwiegersohn; Herr von Montigni, Neffe des Herrn Auguie, schoß sich, aus Verzweiflung, eine Kugel durch den Kopf; und Madame Campan, Schwägerin des Herrn Auguie, muß nun in dem früheren erwähnten Revelschen Processe in einer Rolle figuriren: die, wenn sie sich nicht hinreichend rechtfertiget, ihren Ruf auf immer befleckten wird.

Marschall Ney war der Sohn eines Faßbinders aus Saarlouis. Als er sein Hauptquartier zu Leipzig hatte, ließ er einen dortigen Böttchermeister in seinem Staatswagen zu sich kommen, und stellte denselben, der ziemlich erstaunt darüber seyn mochte, seiner Umgebung als einen seiner ehemaligen Mitgesellen vor. Dies macht dem Marschalle viel Ehre; noch mehr, daß aus einem Faßbinder ein Marschall werden konnte.

Am 9. December war, nach einem Schreiben aus Paris, an der Stelle der Mauer, wo Marschall Ney erschossen worden war, folgende Inschrift angeschlagen gefunden: "Hier ward der heldenmüthigste Vertheidiger seines Vaterlandes ermordet; Franzosen, die ihr dieses Namens noch werth seyd, schwöret, den Tod dieses erhabenen Kriegers zu rächen; möge euer Eid versiegelt seyn durch das kostbare Blut, das feige Verräther hier schändlich vergossen haben!"-- Die Polizei ließ diese Inschrift schnell wegnehmen.

Marschall Neij. Nach der Natur gezeichnet zweij Stunden nach seiner Hinrichtung in Materitätshospital zu Paris.


Quellen und Literatur.

  • Vollständige Rangliste aller Generale und General-Adjutanten in den Armeen der französischen Republik. 1796.
  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Cabinet von biographischen Gemälden der merkwürdigsten Personen aus der neuesten Zeitgeschichte. Gesammelt und herausgegeben von Karl Stein. Berlin 1811.
  • Minerva Ein Journal historischen und politischen Inhalts. Für das Jahr 1816. Leipzig in der Expedition der Minerva.
  • Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.
  • Die Wetterfahnen Frankreichs oder unsere Zeitgenossen, wie sie sind. Herausgegeben von einer Wetterfahnen-Gesellschaft. Leipzig, bey Gerhard Fleischer dem Jüngern. 1816.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1815.
  • Neue allgemeine Weltbühne für das Jahr 1816. Erfurt, in dem Königl. Preuß. Postamte und in der Keyserschen Buchhandlung.