Francisco de Miranda

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Miranda (Don Francisco), der erste Gründer der Freiheit im spanischen Amerika, ward geboren in Caraccas, und stammte aus einer alten spanischen Familie. Sein Großvater war Gouverneur der Provinz Caraccas.

Zwanzig Jahr alt, durchwanderte er Amerika zu Fuß, um es kennen zu lernen; hierauf erhielt er im spanischen Heere den Grad eines Obersten, und wurde von dem Gouverneur von Guatimala zu besondern Aufträgen gebraucht. Dann diente er als Freiwilliger im nordamerikanischen Kriege, durchwanderte nachher England, Frankreich und Italien zu Fuß, auch Alt-Spanien, das er glühend haßte; hierauf durchzog er aufs neue, in militärischer Hinsicht, Süd- und Nordamerika.

Im J. 1789 befand er sich in Petersburg, wo ihn Catharina vergebens in ihre Dienste zu ziehen suchte. Der Ausbruch der französischen Revolution bewog ihn, sich nach Paris zu begeben. Hier erhielt er eine Sendung an den Minister Pitt; ward auf Petions Verwendung zum Generalmajor ernannt, und kommandirte als zweiter Befehlshaber unter Dumouriez in Champagne 1792 und in Belgien.

Da er als Ingenieur und Taktiker ausgezeichnete Kenntnisse mit seltenen Talenten vereinigte, so wurde er von der Armee eben so sehr geachtet, als er in Paris die Gunst der Republikaner besaß.

Als Dumouriez gegen Holland vordrang, erhielt er den Auftrag Mastricht zu belagern, mußte aber, von dem General Valence zu wenig unterstützt, die Belagerung aufheben. In der Schlacht bei Neerwinden, die Dumouriez verlor, kommandirte er den linken Flügel. Dumouriez legte ihm den Verlust derselben zur Last, allein er rechtfertigte sich durch eine eben so gründliche als nachdrückliche Vertheidigungsschrift.

Er hatte sich damals, eben so wie Dumouriez gegen die Partei der Jacobiner erklärt. Jetzt erschien ihm Dumouriez selbst verdächtig, und er theilte seinem Freunde Petion, der Mitglied des Wohlfahrtsausschusses war, seine Besorgnisse mit. Dies schützte ihn vor der Anklage, und man gab ihm den Auftrag, den Oberbefehlshaber zu verhaften. (S. Dumouriez.) Als aber darauf der Berg die Girondisten vernichtet hatte, ward auch der General Miranda vor das Revolutionstribunal gestellt; jedoch rettete ihm noch Thomas Payne's Beredsamkeit das Leben. Robespierre's Sturz öffnete auch ihn das Gefängniß. In der Folge ward er abermals verdächtig, und auf Befehl des Directoriums (30. Vendemiaire 1795) verhaftet. Als Ausländer sollte er verbannt werden; allein er machte sein Recht als französischer Bürger geltend, und lebte eine Zeitlang im Verborgenen, bis das Directorium ihn, nach dem 18. Fructidor (4. Sept. 1797), aufs neue zur Deputation verurtheilte, und da er sich derselben durch die Flucht nach England entzogen hatte, im Jahre 1799 auf die Emigrantenliste setzen ließ.

Im J. 1803 kehrte er nach Paris zurück, ward aber von neuem, weil er sich in Verbindungen gegen den ersten Consul eingelassen haben sollte, verbannt. Jetzt beschloß er mit der vollen Energie seines Charakters die Ausführung des längst gefaßten Gedankens, die spanische Herrschaft auf dem festen Lande von Amerika umzustürzen. In dieser Absicht begab er sich nach Jamaika und Trinidad, hierauf nach Neuyork, wo er im Jahre 1806, im Geheimen von England unterstützt, mit einer Summe von 60,000 Pf. drei Schiffe ausrüstete, und 900 entschloßne Männer zur Befreiung seines Vaterlandes Caraccas vereinigte. Allein das Unternehmen mißglückte. Die Spanier eroberten den 28. April 1806 zwei seiner Schiffe; mit dem dritten entfloh er. Indeß von seinen geheimen Freunden unterstützt, bewerkstelligte er am 1. August d. J. eine Landung in Venezuela; sein Aufruf zur Freiheit machte aber so wenig Eindruck auf das Volk, daß er sich schon den 13. mit Verlust wieder einschiffen mußte.

Erst am Ende des J. 1810 gelang es ihm, die Fahne der Freiheit in Caraccas aufzupflanzen. (S. das Weitere unter Westindien.) Nach mehreren Triumphen und noch größeren Unfällen, verfolgt vom Hasse der Priester und gedrängt durch Finanznoth, Abfall und Verrätherei, sah er sich zuletzt durch die Siege des spanischen Generals Monteverde genöthigt, die (a. a. O. erwähnte) Capitulation vom 26. August 1812 abzuschließen, gegen deren Inhalt ihn der spanische General treuloser Weise als einen Gefangenen behandelte. Man brachte ihn endlich in das Gefängniß La Caraca, den furchtbarsten Kerker der Inquisition bei Cadix, in welchem er nach einer vierjährigen harten Einsperrung gestorben ist. Die Mönche ließen seine Körper unbeerdigt hinwerfen, und übergaben sein Geräth den Flammen.

Miranda war ein wohlgebildeter Mann, voll Kraft und Feuer, nach Thaten dürstend, im Wollen fest, im Handeln kühn; dabei von ausgebreiteten Kenntnissen. Er schätzte Wissenschaften und Künste, besaß viel Theorie und Praxis, hatte einen scharfen Blick und viel Geschmack, schrieb bündig und leicht, und war mit der Verfassung, den Gesetzen, der Literatur und den Sitten jeder Nation, vorzüglich mit ihrer militärischen Verfassung genau bekannt. Plutarch und Livius waren seine Lieblingsschriftsteller; Timoleon, Thrasybul und Epaminondas seine Helden. Ob er wohl in seinem politischen Verhalten in Venezuela jacobinische Formen nachahmte, so hat er doch ohne Selbstsucht, aus reinem Eifer für die Sache, einem großen Ziele mit eben so viel Beharrlichkeit als Geist und Muth Vermögen, Kraft, Glück und selbst das Leben geweiht.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.