Montlosier

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Montlosier (Graf), ein französischer Schriftsteller, dessen politische Laufbahn merkwürdig genug ist, um hier eine Stelle zu verdienen.

Er ist gegen 1760 geboren, und war Mitglied der constituirenden Versammlung. Bei den Begebenheiten des 5/6 Octobers machte er sich zuerst bemerkbar, demnächst dadurch, daß er Mirabeau stets entgegen trat.

Hierauf emigrirte er, war in Intriguen aller Art thätig und wurde 1794 mit dem jetzt so berühmten Herrn von Pradt (Ex-Erzbischof von Mecheln) und einigen andern von den Alliirten ausersehen, die Niederlande zu insurgiren, und gegen Frankreich in Aufstand zu bringen. Hiemit gelang es aber schlecht, und Montlosier ging nach London, wo er der Unternehmer und Eigenthümer des royalistischen und antibonapartischen Courier de Londres wurde.

Ludwig XVIII. gebrauchte ihn 1800 zu einer vertraulichen Sendung an den damaligen ersten Consul, deren Zweck war, diesem eine Souveränität in Italien anzubieten und ihn zu bewegen, zur Herstellung der Bourbonen mitzuwirken. Obgleich Montlosier Pässe von der französischen Regierung erhalten hatte, so wurde er doch arretirt; Fouché erklärte ihm, es sey ein Mißverständniß und er müsse sogleich zurückreisen. Montlosier hatte inzwischen doch mit dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten Conferenzen gehabt; er hatte dadurch andre Ansichten von der Consularregierung erhalten, und nach seiner Zurückkunft nahm der Courier de Londres einen andern Charakter an. Dies veruneinigte ihn mit der englischen und versöhnte ihn mit der französischen Regierung.

Er durfte nach Paris zurückkehren und hier sein Journal eine Zeit lang fortsetzen. Er sah in diesem Zeitpunkt Bonaparte öfters, und wurde von diesem eingeladen, ein historisches Werk über die Geschichte der französischen Monarchie zu schreiben. So entstand nach vier Jahren sein nicht unberühmtes Werk: de la Monarchie françoise, 3 Voll.

Montlosier wurde nun der Privatcorrespondent Napoleons, d. h. er wurde, wie dies auch mit Andern der Fall war, beauftragt, ihm über die öffentlichen Angelegenheiten in Privatbriefen frei seine Meinung sagen zu dürfen. Diese Correspondenz dauerte bis zu Ende 1812 fort, wo er Erlaubniß erhielt, nach Italien reisen zu dürfen.

Nach der Restauration wurde er von Ludwig XVIII. sehr ehrenvoll behandelt, und er lebt jetzt von allen Geschäften zurückgezogen.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.