Murad Bey Muhammad

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Mourad-Bey, einer der Mamelucken-Anführer, die Egypten beherrschten, als der General Bonaparte dasselbe eroberte.

Er war es hauptsächlich, der die Mamelucken und alle Truppen des Beys sammelte und dem General Bonaparte, so wie er seine Landung erfuhr, entgegen ging. Seine Avantgarde wurde den 6. July 1798 zu Rahmanieh am Nil geschlagen; den 13. konnte er die Franzosen zu Chebreisse nicht aufhalten, zog sich nach einem Gefecht gegen Cairo zurück und verlor den 21. die Schlacht vom Embabé oder den Pyramiden, die ihm beynahe seine ganze Artillerie, seine Kamehle und seine Bagage kostete. Nach diesem Verlust flüchtete er sich nach Oberegypten zu.

Allen Neckereyen und Beunruhigungen des unermüdeten Desaix setzte Mourad die größte Thätigkeit entgegen, wurde immer geschlagen, immer zurückgedrängt, und hörte doch nicht auf, immer neue Truppen zu sammeln, und jeden Augenblick den Sieger wieder anzugreifen; erst gegen den Monat Oktober gelang es dem französischen Generale, nach der Schlacht von Sediman in Fayum, Mourad von den Ufern des Nil zu entfernen und sich den Einmarsch in Oberegypten zu öffnen. Dieser fuhr fort, die Sieger durch stete Scharmützel zu beunruhigen; aber er entkam nach jeder Niederlage mit einer kleinen Anzahl vortrefflicher Reiter, und erschien dann an den Stellen wieder, wo ihn die Franzosen nicht erwarteten, er proviantirte sich in den Dörfern und fing den Schicanen-Krieg wieder an.

Dieser Krieg, der viele Truppen beschäftigte, die bey der französischen Armee nothwendig gewesen wären, verhinderte noch dazu dieselbe, die Hülfsquellen Oberegyptens für den Unterhalt und die Zahlung der Armee zu benutzen. Auch berücksichtigte Kleber, nach Bonapartes Abgang, diese beyden Gegenstände in dem Frieden, den er mit Mourad abschloß.

Mourad haßte die Osmanlis und fürchtete ihre Rache; aber seine Politik bestand darin, es mit allen Partheyen zu halten; sein Vertrag mit Kleber kettete ihn an das Schicksal der französische Armee. Nach dem Tode dieses Generals schickte er einen seiner Offiziere an Menou und ließ ihm den Operationsplan der Engländer und Türken, so wie die Vorschläge des Großveziers bekannt machen und seine Hülfe anbieten. Menou nahm aber sein Anerbieten übel auf, und schlug es aus.

Als die englische Armee gelandet war, und sich der General Belliard genöthigt sah, die Truppen, welche einen Theil von Oberegypten besetzt hielten, zurückzurufen, lud er Mourad-Bey ein, mit seinen Mamelucken zu ihm zu stoßen; dieser bewerkstelligte diese Bewegung mit allen möglichen zögern; eine schreckliche Pest verheerte damals seine Provinzen, die Mamelucken wurden davon überfallen und die Beys, die er nach und nach alle an sich gezogen hatte, vereinzelten sich mit den Ihrigen in den Wüsten. Ehe er sich deutlich erklärte, wollte Mourad den Ausgang des Feldzugs, der sich eröffnete, kennen lernen und beobachtete eine Art von Neutralität, um sich mit dem Sieger alsdann zu setzen.

Schon hatte er die ersten Fortschritte der Engländer erfahren, und deren Agenten drangen in ihm, gemeinschaftliche Sache mit ihnen zu machen, als ein geschworner Feind der Türken hoffte er einigen Vortheil aus dem Schutze ihrer Alliirten zu ziehen; seine auf ungewisse Fälle berechneten Plane hatten indessen keinen Einfluß auf sein Benehmen; er bezeigte bis zu seinem Tode den Franzosen eine gleiche Anhänglichkeit.

Ihre Unglücksfalle und die Bekümmerniß für sein künftiges Schicksal gingen ihm lebhaft zu Herzen und griffen dermassen seine Gesundheit an, daß er, bey einem Anfalle der Pest, nach einem dreytägigen Krankenlager unterlag und den 22. April 1801 starb. Die Beys und die Mamelucken fühlten lebhaft seinen Verlust. Da die Umstände nicht erlaubten, seinen Leichnam in das Begräbniß der Mamelucken, wo ihm sein Platz neben Ali Bey bestimmt war, zu bringen, beerdigten sie ihn feyerlich zu Soanaguy bey Talsta, und seine Gefährten zerbrachen über seinem Grabe seine Waffen mit der Erklärung, daß keiner von ihnen würdig sey, sie zu tragen.

Quellen und Literatur

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.