Neapel

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Neapel. (Napoli.)

Neapel (Stadt). Neapel ist die Hauptstadt des Königreichs dieses Namens und überhaupt die größte Stadt in ganz Italien. Sie enthält mit den Vorstädten 5 Meilen im Umkreise. Im J. 1808 zählte man daselbst 513,000 Einwohner, unter welchen sich 40,000 Lazzaroni und 4000 Advocaten befanden.

Die Stadt liegt an einem Meerbusen, den die Italiener Cratere, das heißt Schale (oder Bassin) nennen. Der Hafen von Neapel ist zwar groß und durch mehrere Castelle gedeckt, allein dennoch so wenig sicher, daß es bei dem bisherigen Uebergewicht der Engländer zur See und dem Verfall der neapolitanischen Marine (welches bei Neapel kein Wunder seyn kann, da eigentliche Seemächte durch die Engländer in einen noch größern Verfall gerathen sind) nicht unglaubhaft ist, daß während des letzten Kriegs die Engländer zuweilen feindliche Schiffe mitten aus dem Hafen von Neapel herausgezogen haben.

Unter oben erwähnten Castellen verdient vorzüglich das Castell St. Elmo oder St. Emsmo bemerkt zu werden. Auf dem Berge dieses Castells befindet sich ein Carthäuserkloster, von welchem aus man eine der schönsten Aussichten in der Welt hat.

Die Hitze des Sommers wird durch die vom Meere kommende kühlenden Westwinde gemäßigt. Indessen sind auch hier, wie in allen südlichen Städten, die Nächte oft geräuschvoller und lebhafter, als die Tage.

Die Häuser sind meistens 7 bis 8 Stockwerke hoch und man tadelt an ihnen den Mangel des edleren Geschmacks in der Baukunst, den man doch in andern Städten Italiens bemerkt. Indessen gibt es doch hier einige vortreffliche Gebäude im edelsten Styl. Vorzüglich verdiente das Theater von San Carlo als eins der größten und schönsten Theater in der Welt bemerkt zu werden. Es war von dem Könige Carl III. erbaut worden, und vereinigte griechischen Geschmack mit römischer Pracht, ist aber am 14ten Febr. 1816 abgebrannt.

Das Flüssig- oder Nichtflüssig-werden des in der erzbischöflichen Domkirche in zwey crystallnen Flaschen aufbewahrten Bluts des heiligen Januars am ersten Sonntag des Mai ist für das ganze Jahr eine günstige oder ungünstige Vorbedeutung. In der neuen Marienkirche findet man das Grabmahl des berühmten Feldherrn Gonsalvo von Cordova (s. d. Art.). In der Nähe der Stadt befindet sich außer der berühmten Grotte von Pausilippo (s. d. Art.) das Grabmal Virgils.

Historisch merkwürdig ist die Stadt durch den Aufruhr des Masaniello, den der Druck der spanischen Herrschaft im J. 1647 veranlaßte.

Die Nähe des Vesuvs, dessen oft unschädliche Ausbruche zuweilen die Nächte von Neapel erleuchten und seinen Bewohnern das herrlichste Schauspiel gewähren, hat die Stadt indessen von Zeit zu Zeit bedeutenden Gefahren ausgesetzt. Der Schade, welchen das Erdbeben vom 26sten Juli 1805, wodurch fast alle Gebäude beschädigt wurden, anrichtete, betrug an 20 Millionen Ducati.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.