Nicolas Jean-de-Dieu Soult

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Soult, (Johanngott),

Soldat im 23sten Regiment im J. 1785; Major-Adjutant im j. 1792; ist alle Grade durchgegangen; Brigade-General den 11ten Oktober 1794.

Guter Offizier.


Biographien.

(1811) Cabinet von biographischen Gemälden der merkwürdigsten Personen aus der neuesten Zeitgeschichte. Gesammelt und herausgegeben von Karl Stein. Berlin 1811.

(1816) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.


Der Marschall (Soult) Herzog von Dalmatien.

Einer der berühmtesten Feldherren, der, indem er alle militärische Grade durchgegangen ist, seine Erhöhung bloß seinen Talenten verdankt.

Johann Soult begann seine militärische Laufbahn unter der königlich-französischen Regierung auf den untersten Stufen. im Jahr 1785 war er Soldat im 23sten Regiment; hier konnte er es, auch bey den ausgezeichnetesten Anlagen, nicht weiter als bis zum Unterofficier bringen. Beym Ausbruche der Revolution engagirte er sich in einem Bataillon Freywilliger vom Oberrhein, ward hier Adjutant-Major, und gelangte auf diesem Wege endlich zum Adjutanten beym Generalstabe der Mosel-Armee, wo er nach einiger Zeit, mit dem Range eines General-Adjutanten, Chef des Generalstabes der Lefebvreschen Division ward, und in dieser Eigenschaft die Feldzüge der Mosel-, der Sambre- und Maas-Armee in den Jahren 1794 und 1795 mitmachte. Im erstern Jahr (1794) den 11ten October wurde er zum Brigade-General ernannt, und in dieser Qualität befand er sich im folgenden Jahre bey der Sambre- und Maas-Armee unter Jourdan. Ein Beweis, daß er mit Auszeichnung diente. Am 2ten Floreal VII. (1798/9) wurde er zum Divisions-General ernannt, und diente als solcher in diesem Jahre in der Armee der Schweiz unter Massena; im folgenden Jahre befand er sich bey der italiänischen Armee unter demselben Feldherrn als General-Lieutenant. Mit diesem war er in Genua eingeschlossen; bey einem Ausfalle wurde er gefangen, aber bald wieder ausgewechselt.

Im Jahr IV. (1800/1) war er Commandant von Piemont und Turin, dann des Vortrabes der Armee du Midi unter Murat. Hierauf stieg er zum General-Commandanten der Infanterie der Consulargarde. Im Jahr 1803 begleitete er den ersten Consul nach Brüssel, und übernahm bald nachher in der Armee von England das Commando des Lagers von St. Omer.

Durch ein kaiserliches Decret vom 19ten May 1804 wurde er zum Marschall des Reiches, und hierauf zum Großofficier der Ehrenlegion erhoben.

Im May 1805 empfing er den Bayerschen St. Hubertus-Orden, und in demselben Jahre leistete er bey der großen Armee in Deutschland wichtige Dienste. Nach dem Preßburger Frieden, im Februar 1806, ging er in der Armee des Prinzen Joseph nach Neapel, bis der preußisch-französische Krieg in October desselben Jahres ihn zur großen Armee nach Deutschland führte.

In der Schlacht von Jena (14ten October) commandirte er den rechten Flügel.

Dann verfolgte er, als Befehlshaber des vierten Armee-Corps, zugleich mit dem Großherzog von Berg und dem Fürsten von Ponte-Corvo, das Armee-Corps des Generals Blücher, vollzog, gemeinsam mit den beyden andern Corps, am 6ten November die Erstürmung von Lübek, und half die Capitulation des Generals Blücher zu Ratkow (7ten November) herbey führen. An der Schlacht von Preußisch-Eylau (7ten und 8ten Februar 1807) nahm er Theil. Während und nach der Schlacht bey Friedland (14ten Junius) manövrirte er, dem Befehle des Kaisers gemäß, auf Königsberg, vereinigt mit dem Großherzog von Berg und dem Marschall Davoust, und zog am 16ten Junius in die Hauptstadt Preußens ein.

Nach dem Frieden von Tilsit wurde er erst zum Gouverneur von Berlin und der Mark ernannt. In dieser Eigenschaft traf er am 20sten August 1808 zu Berlin ein. Während er Gouverneur von Pommern war, erhob der Kaiser ihn zum Herzog von Dalmatien.

Aus dem Preußischen rief der Befehl des Kaisers ihn nach Spanien, wo er das Commando des, bis dahin vom Marschall Bessieres befehligten, zweyten Armee-Corps übernahm. In der Schlacht von Burgos (10ten November 1808) griff er mit seinem Corps -- wie das französische Bulletin sagt -- bey Gamonal im Sturmschritte das Centrum der Insurgenten an, obgleich die Franzosen mit einem Kugelregen aus 30 Feuerschlünden empfangen wurden; schlug die Feinde, und verfolgte sie; dann wandte er sich gegen die Armee des Marquis de la Romana, der nach der Schlacht bey Espinosa sich gegen die Seeküste zurückzog. Am 16ten November, traf die Avantgarde des Soultschen Corps zu St. Ander ein, wo sie große englische Magazine und englische Waaren in Menge vorfand. Als hierauf die Engländer unter Moore, im December 1808, an die Ausführung des kühnen Planes gingen, der französische Armee in Spanien die Communication mit Frankreich abzuschneiden, war Soult es, der dem feindlichen Plane die größten Schwierigkeiten in den Weg legte. Als die Engländer darauf wieder den Rückzug nach der Küste antraten, erhielt er den speciellen Befehl, sie bis zum Einschiffungsorte zu verfolgen. Diesem Befehle gemäß, folgte er der feindlichen Armee so schnell, als das Terrain es gestattete nach Corunna; am 10ten Januar 1809 traf er in der Nähe von Corunna ein. Eine halbe Stunde von dieser Stadt erfolgte am 16ten Januar 1809 der blutige Kampf, den ein Angriff der Franzosen unter dem Herzog von Dalmatien eröffnete, der von beyden Seiten mit höchster Tapferkeit geführt wurde, und der dem heldenmüthigen General Sir John Moore das Leben kostete. Auch den unter Moore commandirenden Generallieutenant Sir David Baird entfernte eine schwere Verwundung vom Kampfplatze. Die Folge war die beyspiellos schnelle Einschiffung der Engländer, nach großem Verluste, und der Einzug der Franzosen in Corunna am 20sten Januar.

Am 26sten Januar 1809 ergab sich auch Ferrol dem Herzog von Dalmatien auf Capitulation. Nach der Einnahme dieser beyden bedeutenden Hafenstädte setzte er sich gegen Portugal in Marsch. Auf dem Wege dahin traf sein Corps, nachdem es am 6ten März bey Orense den Minho passirt war, auf die Armee von la Romana, die bey Juzo, Allaritz und Osogne geschlagen wurde, 3000 Gefangene und einige Fahnen verlor und dann in Unordnung retirite. Hierauf erschien er an der Grenze von Portugal, und zwang die Besatzung von Chaves zur Capitulation. Bey Braga gerieth (19ten März) das Corps mit der dort postirten portugiesischen Insurrections-Armee in ein Gefecht, welches zur Retirade der Portugiesen führte. Der Herzog von Dalmatien folgte dem Feinde nach Oporto; bey dieser Stadt kam er wieder am 26sten , 27sten, 28sten und 29sten zu Gefechten. Die Tapferkeit der Franzosen und die Unordnung in der feindlicher Armee veranlaßte die Einnahme der, durch 24,000 Mann und mit 200 Kanonen vertheidigten, festen Stadt mit geringem Verluste an eigenen Streitkräften. (So sagen französische Berichte.)

Da indessen der Herzog von Dalmatien fürchten mußte, durch die in Portugal gelandete zahlreiche englische Armee (unter Wellesley) von Spanien und der Communication mit dem Corps des Herzogs von Elchingen (Marschall Ney) abgeschnitten zu werden, so beschloß er, sich wieder nach Spanien zu wenden. Wirklich sah er sich auf dem Rückwege am 10ten May von einer an Zahl überlegenen feindlichen Truppenabtheilung an der Vouga angegriffen, doch vereitelte er der Gegner Plan, und ging am 11ten May ungehindert über den Duero zurück. Da der zur Besetzung von Amaranthe vom Herzog von Dalmatien detaschirte General Loison aus dieser Position vertrieben war, so that auch jetzt die Gefahr, abgeschnitten zu werden, wieder ein; aber stets geistesgegenwärtig entging er auch dieses Mal dem Schicksale, das die Absicht des Feindes ihm bestimmte, indem er sich in die engen Pässe von Salamonde warf, einige Artilleriestücke und Munitionswagen vernichtete, und dem Feinde zwey Märsche abgewann, so daß er am 23sten May die Verbindung mit dem Corps des Herzogs von Elchingen herstellt hatte, während man in London schon über seine unvermeidliche Gefangennehmung jubelte. Nach der Schlacht von Talavera de la Reyna folgte das 2te Corps der feindlichen Armee, welche sich gegen Portugal zurückzog.

Oeffentlichen Nachrichten zu Folge befindet sich der Herzog von Dalmatien mit seinem Corps noch jetzt in Spanien.

Als kaiserliche Dotation im Hannöverischen empfing er: das Amt Westen und einen Theil des Amtes Hoya, deren jährlicher Ertrag auf 50,000 Franken angegeben wird.

Nicolas Soult, Herzog von Dalmatien.

Soult (Nicolas), Herzog von Dalmatien, geb. 1769 zu St. Amand.

Soult trat schon im 16ten Jahr als gemeiner Soldat ins Militär. Beim Ausbruch des Krieges im J. 1792 wurde er bei einem Bataillon Freiwilliger von Oberrhein Unteroffizier. Dies Bataillon kam zur Mosel-Armee und Soult fand Gelegenheit sich auszuzeichnen, so daß er schnell alle unteren Grade durchlief, 1796 zum Brigade- und 1798 zum Divisionsgeneral ernannt wurde. 1799 machte er gegen Suwarow den Feldzug in Italien, wurde mit Massena in Genua gefangen, in Folge der Schlacht von Marengo aber wieder frei. Nach diesen beweisen von Talent und Muth, die er gegeben, wurden ihm von jetzt an die wichtigsten Aufträge zum Theil, und im J. 1804 wurde er von Napoleon zur Würde eines Reichsmarschalls erhoben.

In den Kriegen von 1805 und |1806 diente er mit größten Auszeichnung und nahm er an den Schlachten von Ulm, Austerlitz, Jena, Eylau und Friedland den ruhmvollsten Antheil.

Bei dem Ausbruch des Kriegs mit Spanien erhielt er hier einen Oberbefehl, verfolgte General Moore auf seinem Rückzuge und wandte sich dann nach Portugal, aus welchem er sich aber bald nachher mit Verlust zurückziehen mußte. Soult blieb während der J. 1809 - 1813 in Spanien und hatte in den wichtigsten Ereignissen, wegen welcher wir auf die Art. Spanien und Wellington verweisen, Antheil. 1813 wurde er von Napoleon aus Spanien abgerufen, um in dem Krieg gegen Rußland und Preußen gebraucht zu werden, allein nach der für die franz. Waffen so nachtheiligen Schlacht von Vittoria wurde er von Dresden aus wieder nach Bayonne geschickt, um den Oberbefehl über die Trümmer der aus Spanien zurückgeschlagenen franz. Armeen zu übernehmen. Er wurde indessen von Wellington in Folge mehrerer nachtheiliger Gefechte bis unter die Mauern von Toulouse zurückgedrängt, wo am 10. April 1814 (also elf Tage nach der Einnahme von Paris und Restauration der Bourbons) zwischen ihm und Wellington noch eine blutige, abermals für ihn nachtheilige Schlacht gefochten wurde. Soult erkannte jetzt die Bourbons an und wurde vom König zum Militärbefehlshaber in der Bretagne ernannt.

Zu Ende 1814 wurde er Kriegsminister, welchen wichtigen Posten er bis zu Napoleons Rückkunft im März 1815 behielt, wo er denselben, wenige tage vor Napoleons Ankunft in Paris an Clarke abgab. Während der hundert Tage wurde Soult von Napoleon zum Pair und Majorgeneral ernannt, wohnte den Schlachten von Ligny und Waterloo bei und folgte nach der Capitulation von Paris den Resten der franz. Armee hinter die Loire. Er wurde hierauf in die Ordonanz von 24. Juli einbegriffen und mußte Frankreich verlassen. Von jetzt an hielt er sich mit Erlaubniß der preuß. Regierung in Düsseldorf auf, da seine Gemahlin aus dem Herzogthume Berg zu Hause ist. Im Mai 1819 erhielt er vom Könige die Erlaubniß zur Zurückkehr nach Frankreich.


Le Mémorial de Sainte-Hélène.

"Soult ist ein vortrefflicher Minister im Kriege oder Generalmajor einer Armee; einer der sich viel besser auf die Anordnung eines Heeres, als auf das Hauptkommando versteht."


"Soult hatte so gut seine Fehler wie seine gute Eigenschaften. Sein ganzer Feldzug im mittäglichen Frankreich ist sehr schön. Was man aber kaum glauben wird, ist der Umstand, daß dieser Mann, dessen ganze stellung und Benehmen einen großen Charakter anzeigen, in seinem Hause Sklave ist. Als ich in Dresden die Niederlage von Vittoria und den Verlust von ganz Spanien, durch die Schuld jenes armen Josephs, erfuhr, dessen Plane, Maßregeln und Berechnungen nicht in unsere Zeit paßten, sondern vielmehr von einem Soubise als von mir herzurühren schienen, so warf ich meinen Blick auf S...., der bei mir war. Er zeigte sich auch, seiner Aeußerung nach, sogleich bereit, bat mich aber aufs inständigste mit seiner Frau zu sprechen, die ihm sehr heiß machen würde. Ich sagte ihm, er mögte sie zu mir schicken. Sie kam mit feindlicher Haltung und hoher Miene, und sagte mir, ihr Mann dürfte durchaus nicht nach Spanien zurückkehren; er hätte schon so viel gethan, und verdiene endlich einmal Ruhe. Madame, sagte ich zu ihr, ich habe Sie nicht desswegen rufen lassen, um Ihre trotzigen Ausfälle anzuhören; ich, für meine Person, bin nicht Ihr Gemahl; und wenn dieß auch der Fall wäre, so bliebe die Sache doch eben so. Diese wenige Worte sezten sie in Verwirrung; sie wurde nun biegsam wie ein Handschuh, folgsam, und suchte nur noch einige Bedingungen zu gewinnen. Ich nahm gar keine Rücksicht darauf, und wünschte ihr blos Glück, daß sie Vernunft anzunehmen wüßte. Bei großen Krisen, Madame, sagte ich zu ihr, gehört es zur schönsten Bestimmung der Frauaen, unsere Widerwärtigkeiten zu versüßen; kehren Sie zu Ihrem Manne zurück, und quälen Sie ihn nicht.


Quellen und Literatur.

  • Vollständige Rangliste aller Generale und General-Adjutanten in den Armeen der französischen Republik. 1796.
  • Cabinet von biographischen Gemälden der merkwürdigsten Personen aus der neuesten Zeitgeschichte. Gesammelt und herausgegeben von Karl Stein. Berlin 1811.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Napoleon in der Verbannung. Von Barry E. O'Maera, Esq. Dresden bei Paul Gottlob Hilscher. 1823.
  • Denkwürdigkeiten von Sanct-Helena, oder Tagebuch, in welchem alles, was Napoleon in einem Zeitraume von achtzehn Monaten gesprochen und gethan hat, Tag für Tag aufgezeichnet ist. Von dem Grafen von Las Cases. Stuttgart und Tübingen in der J. G. Gotta'schen Buchhandlung. 1823.