Paul Jean-Baptiste Poret de Morvan

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Baron Poret de Morvan, Maréchal de camp. geboren 1777, im Departement der Eure.

Kindliche Liebe rief im Jahr 1793 den jungen Poret von seinen Studien zu Harcourt in ein Artillerieregiment, weil er dadurch seinem, den revolutionären Grundsätzen abgeneigten Vater nützlich zu werden glaubte. Er machte mit diesem den ersten spanischen Feldzug mit, wurde Offizier, als er seinen Major bei der Blokade von Genua gerettet hatte und machte unter Leclerc den Zug nach San Domingo, wo er sich durch Einnahme des Forts St. Michel auszeichnete. Nach seiner Rückkehr ernannte ihn der Kaiser zum Oberstlieutenant der kaiserlichen Garde. Nachdem er an allen Feldzügen dieses Corps in Deutschland Theil genommen hatte, wurde er nach Spanien geschickt und erhielt daselbst den Oberbefehl über die Provinz Soria (Alt-Castilien). Ungeachtet er nur ein Bataillon von 550 Mann, 80 Bergische Lanciers und einen einzigen Vierpfünder bei sich hatte und dabei fast von Munition und Lebensmitteln entblößt und 25 bis 30 Stunden in die Runde von aller Communication abgeschnitten war, behauptete er sich dennoch den ganzen Sommer hindurch in Soria, ungeachtet die Ration der Soldaten schon auf 4 Unzen Schiffszwieback gesunken war und 8 bis 9000 Guerillas den Platz belagerten. Er versuchte sogar zweimal Ausfälle, die ihn mit den nöthigen Lebensmitteln versahen. Endlich am 13. Sept. wurde er von einem Corps von 6000 Mann befreit und erhielt den Oberbefehl über das 3. Regiment der Tirailleurs. Bei der Schlacht von Bautzen (20. Mai 1813) erstieg er eine Schanze mit solcher Schnelligkeit, daß er dadurch den Feind zur Räumung von zwei andern in ihrer Nähe zwang. Am 17. Sept. zeichnete er sich bei Dresden an der Spitze des Nachtrabs aus. In der Schlacht von Waterloo kämpfte er mit wahrhaft verzweifelter Tapferkeit, ging dann über die Loire zurück und da er sich nicht auf der Liste der Angeklagten befand, so kehrte er ruhig im Januar 1816 nach Paris zurück. Er wurde aber gefänglich eingezogen und nach Straßburg geschafft, um vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden. Die Bemühungen seiner Gemahlin, ihm die Freiheit zu verschaffen, waren vergeblich; der Herzog von Feltre sprach sogar öffentlich aus, daß er Ney's Schicksal haben würde. Seine Gemahlin folgte ihm daher auf der Reise nach Straßburg und wußte ihm kurz vor seinem Ankommen daselbst Mittel zum Entkommen an die Hand zu geben. Nachdem er glücklich über den Rhein geschwommen, wurde er im Badenschen arretirt und von der französischen Regierung zurückgefordert: allein der Großherzog ließ ihn an die baiersche Grenze führen, von wo er sich nach München begab und durch Vermittelung des Herzogs von Leuchtemberg Erlaubniß erhielt, unter einem angenommenen Namen in Eichstädt zu bleiben. Im Jahr 1817 wurde er nach Frankreich zurückberufen.

Quellen und Literatur

  • Dr. R. Fl. Leidenfrost's französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Ilmenau, 1828. Druck und Verlag von Beruh. Friedr. Voigt.