Paul Thiébault

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Paul Charles François Adrien Henri Dieudonné, Baron Thiébault, General-Lieutenant, geboren in der Militärschule zu Berlin den 14. December 1769.

Nach Paris gekommen, um daselbst die Rechte zu studiren, wurde Thiébault bald ein lebhafter Anhänger der Revolution und einer der Stifter der ersten Grenadiercompagnien bei der Nationalgarde, bei der er den ihm angebotenen Offiziersrang ausschlug und Sergeant blieb, so wie er auch am 5. Sept. und am 10. August seine menschlichen Gesinnungen durch Rettung von acht Garde du corps und mehrerer Gefangenen bewährte. Im Jahre 1792 kam er zur Nordarmee, wo er ein inniges Freundschaftsbündniß mit Jouy schloß. Als Adjutant des General Valence entging er, bei Gelegenheit von Dumouriez Abfall, nur durch eine wunderbare Verkettung der Umstände, einen fast gewissen Tode. Bald darauf wurde er als Legationssecretär nach Kopenhagen geschickt, nahm dann (1793) wieder Kriegsdienste, zeichnete sich vorzüglich bei der Blokade von Genua aus, machte hierauf den Feldzug bei der Rheinarmee mit und folgte von da aus dem General Pichegru zur Nordarmee. Nachdem er bei derselben mehrmals seine Tapferkeit erprobt, ging er als Generaladjutant zur italienischen Armee und machte die Feldzüge von 1796 und 97 mit vieler Auszeichnung mit, worauf er zum Chef des Stabes bei der zweiten Division unter Gouvion St. Cyr ernannt wurde. Im Feldzuge nach dem Königreich Neapel, besonders bei dem Angriffe auf Neapel, erwarb er sich neuen Ruhm und wurde zum Generaladjutanten ernannt. Zur Wiederherstellung seiner Gesundheit begab er sich kurz darauf nach Paris und übergab dem ersten Consul, bei dessen Rückkehr aus Aegypten, ein Memoire über den zweiten Feldzug in Italien, das jedoch dessen Beifall nicht erhielt. Bald darauf rief ihn Massena, der in Genua befehligte, zu sich und hier fand er Gelegenheit zu Ende des Treffens von Varaggio, dem General Massena der einen falschen Weg eingeschlagen hatte und nahe daran war, den Feinden in die Hände zu fallen, das Leben zu retten, worauf ihm dieser das bekannte Wort sagte: "Der Tod hat uns nicht haben wollen." Im Jahre 1800 erhielt er als Brigadegeneral den Oberbefehl über das Observationscorps der Gironde, diente 1805 im östreichischen Feldzuge und gehörte während der Schlacht von Austerlitz, zu dem Corps, daß 3500 Mann stark einen so langen und hartnäckigen Kampf gegen 20,000 Feinde aushielt. Gegen Abend wurde er bei der Einnahme des Schlosses Sokolnitz, wo die Russen sich verschanzt hatten, so gefährlich in der Schulter verwundet, daß man seine Heilung als ein Wunder ansah. Auch war die Wunde, zu der Zeit der Schlacht von Jena noch nicht vernarbt. Darauf zum Gouverneur von Fulda ernannt, flößte er durch sein kluges Benehmen, allgemeines Vertrauen ein, worauf er als Chef des Stabes beim ersten Observationscorps der Gironde den portugiesischen Feldzug mitmachte und dabei, die größte Geschicklichkeit und Umsicht zeigte. Nach der von Junot verlornen Schlacht bei Vimero führte er die Truppen über Bayonne zurück, machte 1808 die spanischen Feldzüge mit und wußte sich als Gouverneur von Biscaya und später von Alt-Castilien, die Liebe der Einwohner zu erwerben. Nach Salamanca versetzt, gelang er ihm, die Insurgenten durch scheinbare Nachlässigkeit so sicher zu machen, daß, als er sie mit 9 Colonnen Infanterie und 1500 Mann Reiterei plötzlich angriff, er sie großen Theils aufrieb und ihr Oberhaupt, Don Julian, zwang, sich zu ergeben. Die Ankunft der englischen Armee gestattete ihm indeß nicht, die Früchte dieses Siegs zu ernten. Im Nov. führte er noch mit einer fast unglaublichen Kühnheit und Geschicklichkeit, vor den Augen der Feinde, einen Transport Lebensmittel von Salamanca nach Ciudad Rodrigo und kehrte bald darauf zur großen Armee zurück, wo er die 3. Division in Wesel organisirte, sein Hauptquartier in Bremen aufschlug und dann kurz nach einander Gouverneur von Hamburg und Lübeck wurde. Nach Frankreich zurückgekehrt, blieb er eine Zeitlang ohne Anstellung und wurde im Sept. 1815 zum Befehlshaber der 18. Division ernannt und später Generallieutenant des Stabes. Auch als wissenschaftlich gebildeter Mann und Schriftsteller hat er sich vielen Ruhm erworben.


Quellen und Literatur.

  • Dr. R. Fl. Leidenfrost's französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Ilmenau, 1828. Druck und Verlag von Beruh. Friedr. Voigt.