Pauline Bonaparte

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Die Prinzessin Pauline, Fürstin Borghese.

Diese Dame ist die Wittwe des auf Domingo verstorbenen Generals Leclerc. Dieser war mit Buonaparte und Murat zu Toulon und Nizza, wie diese ward er wegen schlechter Aufführung gefangen gesetzt und aus dem Dienste fortgejagt.

Kurz darauf als Napoleon den Oberbefehl im Innern nach dem 13. Vendemiaire erhalten hatte, begegnete er seinem alten Freundchen Leclerc, der alle Liebhaber zu einem liebenswürdigen tête-à-tête im Palais-Royal einlud. Dieser Mensch war damals ein H--Wirth der feilsten Art.

Buonaparte wirkte ihm eine Anstellung bei der Sambre- und Maas-Armee unter den Befehlen des Generals Hoche aus. Er war damals zu Frankfurt am Mayn, als man die Nachricht erhielt, dass die vorläufigen Friedens-Artikel von Buonaparte und dem Erzherzog Karl unterzeichnet seyen, allein dessen ungeachtet hat er sich durch seine Diebereien und Plünderungen bei den Bewohnern dieser Stadt zwar kein ehrenvolles aber doch -- ein unvergessliches Denkmal errichtet; er hätte alles Eigenthum achten müssen, weil Frankfurt eine neutrale Stadt war.

Von der Sambre- und Maasarmee kam Leclerc zu der Armee von Italien. Buonaparte erblickte in ihm ein würdiges Mitglied seiner Familie und gab ihm die Hand seiner Schwester Pauline.

Obgleich die Prinzessin Pauline schon mit dem vierzehnten Jahre der Venus vulgivaga ihre Reitze weihte, und fortwährend unter dem mütterlichen Dache ihre Gunst ausbot, so ist sie dennoch sehr schön und von blühender Frischheit.

Ungeachtet dieser Lebensart und ihres plötzlichen Auftauchens zur kaiserlichen Hoheit hat sie nichts von der Frechheit und dem Stolze ihrer Schwester Mürat; sie ist stets munterer Laune und verbindet damit einen grossen Reichthum von Witz. Ihr entfliegen zuweilen harte Wahrheiten und bittere Spötteleien über die heilige kaiserliche Familie.

Der Fürst Borghese, ein Abkömmling von einer reichen und alten römischen Familie, aber von angebohrnem schwachen Verstande, liess sich von einem Pariser Abbé, der sein Lahr- und Hofmeister war, und dabei Galant seiner Frau Mutter, der verwittweten Fürstin Borghese, war, ohne Muhe verführen, mit den Revolutions-Männern seines eigenen Vaterlandes in Reihe und Glied zu treten. Er war der erste Sekretär des ersten Jacobiner-Clubs, der im Frühjahr 1798 in Rom gestiftet ward; und im December des nämlichen Jahres, da die neapolitanischen Truppen den Kirchen-Staat angriffen, führte er nebst seinem nunmehrigen Schwager Santa-Croce, einem andern hoffnungsvollen römischen Fürsten, die römischen Sans-Cülotten auf ihrem Rückzuge an. Er hatte vorher, um seine Liebe zur Gleichheit an den Tag zu legen, als Gemeiner unter einer Compagnie gedient, deren Hauptmann ein Kerl war, der in Rom Hundefleisch und Kaldaunen auf den Strassen zum Verkauf ausrief, und deren Lieutenant als Küchen-Junge in seiner Mutter Küche diente. Nachdem aber die kaiserliche Aristokratie neuerlich bei uns zur Tagesordnung geworden ist, bezeigt er sich nunmehr in Stolz und Eitelkeit eben so unausstehlich, als er vor ein paar Jahren wegen seiner Niederträchtigkeit verächtlich war.

Im Jahre 1803 hat er die verwittwete Madame Le-Clerc geheirathet, die zwischen dem Ableben ihres ersten Gemahls und ihrer Vermählung mit einem zweiten Eheherrn, binnen Zeit von nicht viel über einem Jahre, zweimal der besten Hoffnung gewesen ist, Mutter zu werden. Ihre Mitgift ward auf achtzehn Millionen Livres geschätzt; eine Summe, die freilich hinreicht, viele faux-pas, selbst in den Augen eines verständigern und edlern Mannes, als ihr dermaliger durchhauchtiger Dummkopf ist, (so nennt sie selbst den Fürsten Borghese,) zuzudecken.

Diese Dame ist Napoleons Favorit-Schwester, und der fähigste Weiber-Kopf unter den Buonaparten, aber zugleich auch die lasterhafteste unter allen. Sie hat, beinahe von ihrer Kindheit an, den ganzen Unflath von Entehrung, Unzucht und Lüderlichkeit durchwandert, ehe sie zu ihrer nunmehrigen Standes-Erhöhüng gelangt ist. Ihr höherer Rang hat jedoch an ihrer Moralität nichts gebessert, sonder ihr blos zu Mitteln verholfen, neuen Ausschweifungen nachzuhängen.

Der Fürst Borghese ist, gleich von seiner Braut-Nacht an, aus ihrem Bette verwiesen worden, denn sie hat sowohl ihm, als ihrem Bruder gerade heraus die Erklärung gethan, "sie würde nimmermehr leiden, dass ihr ein Mann, dem es aus dem Halse stinkt, zu nahe kommen dürfte;" obwohl viele, die wegen der Gelegenheiten, welche sie gehabt haben, darüber zu urtheilen, und es gewiss wissen müssen, dreist behaupten, dass ihr eigner Athem eben nicht der lieblichste von der Welt sey.


Quellen und Literatur.

  • Gallerie der merkwürdigsten Personen des Hofes und Cabinets zu St. Cloud. Amsterdam und Cöln, bei Peter Hammer, 1815.