Philippe-Antoine Merlin

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Biographien.

(1799) Gallerie interessanter Personen. Oder Schilderung des Lebens und Charakters der Thaten und Schicksale berühmter und berüchtigter Menschen der ältern und neuern Zeit. Herausgegeben von Karl August Schiller. Wien 1799.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811.


Merlin von Douai.

Merlin, Mitglied des Vollziehungs-Directoriums.
Le Comte Merlin.

Merlin ist 1752 zu Anchin unweit Douai von armen Bauersleuten gebohren. Er kam als Knabe in die Abtei Anchin, diente den Geistlichen beim Messelesen, und wurde, wenn bei ausserordentlichen Gelegenheiten oder hohen Festen grosse Tafel war, zum Aufwarten gebraucht. Endlich wurde er Chorknabe, und da er sehr lebhaft und thätig war, so nahm sich ein Mönch seiner an, lernte ihm lesen, und bat beim Abte für ihn, worauf er in das Kollegium von Douai gesandt wurde, wo er sich bald unter seinen Mitschülern sehr vortheilhaft auszeichnete.

Die Geistlichen zu Anchin wollten daß er Priester werden sollte, aber er bat dringend ihm zu erlauben, daß er die Rechte studiren dürfte: es wurde ihm bewilligt, er lebte auf Kosten der Abtei die ganze Zeit seiner Studien, und erhielt vom Abte das nöthige Geld. So wie er nun als Advokat beim Parlamente zu Douai aufgenommen war, vertrauten ihm seine alten Wohlthäter alle Rechtsstreite ihrer Abtei, und brachten ihm auch jene des Kapitels von Cambray zu, von welchen die Einkünfte sehr ansehnlich waren. Dies verschafte ihm nun ein sehr vortheilhaftes Leben, und da die Mönche mit seinem Betragen sehr wohl zufrieden waren, so machten sie ihm auch Wege, daß er die Schwester eines unter ihnen, die sehr reich war, zur Ehe bekam.

Bei der Eröffnung der Generalstände wurde er zum Deputirten des dritten Standes von Französisch-Flandern ernannt. Dies erregte den Neid seiner Kollegen, welche ihn gewöhnlich den dummen Merlin nannten. Als er in Paris ankam, bezog er den zweiten Stock einer Wohnung für ihn und seine Frau, in einer Gasse nahe beim Palais Royal. Obwohl er sich äusserlich zurückzog, so bekam er doch öftere Besuche von Mirabeau und andern Gliedern, und fand Mittel sich auszuzeichnen. Er war hier der erste, der darauf antrug daß die Kinder gleiche Erben seyn sollten, da bis itzt meistens der größte Theil der Erbschaft dem ältesten Kinde zufiel.

Merlin, wie Camus, verdankte sein ganzes Glück der Geistlichkeit, und wurde doch, wie Camus, einer ihrer größten Feinde. Bei dem Austritt aus der Nazionalversammlung bot ihm das Departement von Paris einen Sitz bei seinem Kriminal-Tribunale an; aber er nahm jenen von Douai an, weil er glaubte daß sein Geburtsort das Vorrecht verdiente.

Als die Nazionalkonvenzion zusammenberufen wurde, ward Merlin wieder zum Deputirten dabei erwählt: aber er erregte, so lang die Partei der Girondisten herrschte, wenig Aufsehen. Als die Revoluzionsregierung eingeführt wurde, machte er den Antrag zu dem famösen Dekrete vom 17. Sept. 1793 die verdächtigen Personen betreffend.

Nach dem Sturze des Robespierre und seiner Partei im Juli 1794 wurde Merlin Mitglied des Wohlfahrtsausschusses, und hatte dabei den größten Theil der auswärtigen Geschäfte zu besorgen. Er war es, der im Namen des Ausschusses die Korrespondenz mit Barthelemy, damaligen Gesandten der französischen Republik in der Schweiz, führte; und auch um diese Zeit immer die auswärtigen Gesandten der Nazionalkonvenzion aufführte: seine Rede bei der Einführung des Bothschafters von Venedig, Quirini, ist sehr berühmt.

Als die Franzosen im Herbste 1795 durch den k. k. G. F. M. Clairfait geschlagen wurden, klagte Merlin Carnot als die Ursache dieses Unglückes an, weil er dem General Pichegru Befehl zum Uebergange über den Rhein gegen die allgemeine Meinung des Ausschusses ertheilt hatte. Er hatte auch einen lebhaften Streit mit Boissy d'Anglas, weil sich dieser der Vereinigung Belgiens mit der französischen Republik widersetzte.

Bei der Einführung der neuen Konstituzion von 1795 wurde Merlin zum Justizminister ernannt, welche Stelle ihm von den Royalisten, seinen geschwornen Feinden, mehrere Spottnamen zuzog. Später nahm er die Polizeiministerstelle an, hier wurde er aber erst die Zielscheibe des beissendsten Witzes, und alles was er that mit dem Namen Merlinade belegt: er that daher diesen Posten ab und nahm seine vorige Justizministerstelle wieder an.

Endlich als am 4. September 1797 die drei Direktoren siegten, und die andern zwei geflüchtet und transportirt waren, wurde er an Barthelemys Stelle am 8. desselben Monats zum Direktor ernannt, in welcher Stelle er also 5 Jahre zu bleiben hat. Merlin ist klein von Person, und von schwärzlichter Gesichtsfarbe: er kleidet sich sehr einfach, und sein Aeusseres zeigt von grosser Bescheidenheit. Daß der berüchtigte Exdeputirte Merlin von Thionville eine von ihm verschiedene Person sey, braucht wohl kaum bemerkt zu werden.


Philipp Anton Merlin von Douai.

Merlin von Douai (Philipp Anton) Advokat, Sohn eines Landmanns, kam als Chorknabe in die Abtey dieser Stadt und machte sich bey den Mönchen beliebt, daß sie ihn lesen lehrten, in das Kollegium schickten und ihm hierauf das nöthige Geld zuwandten, um die Rechte zu studiren. Nachdem er als Advokat aufgenommen worden war, vertrauten ihm seine Wohlthäter die Führung der Geschäfte ihres Hauses an, verschafften ihm dazu die des Kapitels von Cambray, wodurch er vermögend wurde, sich die Stelle eines königlichen Sekretairs zu kaufen.

Als ernannter Deputirter des Amts Douai bey der General-Stände-Versammlung arbeitete er fleissig an der Abschaffung der ersten Konstitution, übernahm die Kommission zur Veräusserung der Nationalgüter und ward eines der Mitglieder des Feudalausschusses, der vornemlich zur Aufhebung der Herrschaftsrechte beytrug.

Nach dem Schluße der Versammlung ward er Präsident des Kriminalgerichts vom Norddepartement und im September 1792 von diesem Departement zum Deputirten bey dem Konvent ernannt.

Bey seiner Ankunft in Paris fand er sich durch die im eisernen Kasten in den Tuillerien gefundenen Papiere belastet. Er erschien dem 7. Dezember auf der Tribune, um sich zu rechtfertigen. Hierauf votirte er des Königs Tod.

Den 17. September 1793 war es, daß er das Dekret gegen die Verdächtigen bewirkte, das von einem Ende Frankreichs bis zum andern die Gefängnisse mit Verhafteten füllte, und darin eine Menge Schlachtopfer aus allen Partheyen und alle Ständen versammelte. Doch hatte er eigentlich weniger Theil daran als Danton, der der wahre Urheber davon war.

Er fuhr fort, emsig im Ausschusse der Gesetzgebung zu arbeiten, und verhielt sich in dem Kampfe von 9. Thermidor leidend; gleich darauf aber erklärte er sich gegen die Terroristen.

Im September 1794 trat er in den Wohlfahrtsausschuß, von dem er auch im folgenden Jahre das Organ und eines der thätigsten Mitglieder abgab.

Den 14. November ernannte ihn das Direktorium zum Justizminister, und im Januar 1796 ging er in das Polizeyministerium über; doch nahm er seine Entlassung, sobald er dieses Departement organisirt hatte, und trat im Aprill das Justizministerium an.

Im folgenden Jahre war er einer von denen, die den 18. Fruktidor mit veranlassen halfen, und nach dem Siege, welche die drey Direktoren über die Mehrheit der Räthe davon trugen, trat er selbst, an Barthelemys Stelle, in das Direktorium und wurde eines der einflußreichsten Mitglieder desselben. Nachdem er einige Zeit die souveraine Gewalt mit Barras und Rewbel getheilt hatte, trieben ihn die Unfälle des Feldzugs von 1799 den 18. Juny dieses Jahrs wieder aus dem Direktorium und er sah sich genöthigt, seine Entlassung zu nehmen.

Im Aprill 1800 ernannte ihn die Konsularregierung zum Substituten des Kommissärs und 1802 zum wirklichen Kommissär bey dem Kassationsgericht. 1804 erhielt er den Titel eines Kommandanten der Ehrenlegion und im Februar 1806 berief ihn der Kaiser in den Staatsrath.


Quellen und Literatur.

  • Gallerie interessanter Personen. Oder Schilderung des Lebens und Charakters der Thaten und Schicksale berühmter und berüchtigter Menschen der ältern und neuern Zeit. Herausgegeben von Karl August Schiller. Wien im Verlage bei Anton Doll, 1799.
  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.