Pierre-Gaspard Chaumette

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Chaumette, gebohren zu Nevers den 24sten May 1763, Sohn eines Schuhmachers.

Er trat zu der demagogischen Truppe, welcher Desmoulins bey der Einnahme der Bastille errichtete, um das Volk auf den öffentlichen Plätzen zu harangiren, verließ aber bald seinen Chef, um auf seine Rechnung zu revolutioniren, und ward Mitglied der Municipalität vom 10ten August 1792, die sich selbst einsetzte, und der Monarchie den ersten Stoß gab. Im Sept. ward er Prokurator dieser Gemeinde, umgab sich mit einer Menge Bösewichter und verschaffte sich bald eine unermeßliche Gewalt in der Hauptstadt.

Die Bergparthey des Konvents bediente sich seiner und der Gemeine, um gegen die Gironde die Revolution vom 31sten May 1793 zu bewerkstelligen. Um diese Zeit war es, als er, trunken von seiner Macht, Stifter der Vernunftfeste, der Orgien und der Entweihungen ward, die alle Kirchen der Hauptstadt besudelten. Alle despotischen und grausamen Handlungen, die er sich hierauf erlaubte, gränzen an Wahnsinn. Er ließ die Niederreissung aller Monumente der Religion und des Königthums anordnen, wodurch die Verwüstung einer Menge Meisterstücke der Kunst herbeygeführt wurde, und brachte, dem Sanskülottensystem gemäß, die Mode auf, Holzschuhe zu tragen.

Indeß drohte die Gemeine, mit ihrer zu stark angewachsenen Macht, den Konvent zu stürzen, Robespierre und seine Agenten hielten daher dafür, daß es Zeit wäre, dieser Rivalparthey den Stoß zu geben und schickten die Hebertisten den 24. März 1794 auf das Blutgerüst. Chaumette entkam diesem Angriffe, doch nicht für lange Zeit, kurz darauf wurde er arretirt und in dem Pallast Luxemburg in Verhaft gesetzt. Er fand in diesem Gefängnisse eine grosse Anzahl Leute, die er selbst hatte dahin bringen lassen, und die ihn auf tausenderley Art schmähten und schändeten. Einer von ihnen empfieng ihn mit den Worten: "Ich bin verdächtig; du bist verdächtig; wir sind es alle." Zwanzig Tage nach Hebert ward er hingerichtet.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.