Pierre Claude Pajol

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Graf Pajol, Ober-General, Befehlshaber des 1. und 5. Corps Cavallerie und der Beobachtungsarmee an der Seine, in den Jahren 1813 bis 1815, geb. zu Besançon den 3. Febr. 1775.

Pajol war schon Advocat in seiner Vaterstadt, als die Revolution ausbrach; bald darauf nahm er Kriegsdienste. Als Unterlieutenant im Regimente Saintonge machte er seinen ersten Feldzug, drang zuerst (30. Sept. 1792) in Speier ein, wurde dabei schwer in die linke Hand verwundet, ließ sich aber dadurch nicht abhalten, auf Worms zu marschiren. Custine, der ihn bei diesen ersten Gefechten bemerkt hatte, trug ihm auf, mit 100 Mann den linken Flügel der französischen Armee, die nach Mainz zu marschiren Willens war, auf Kundschaft vorauszueilen. In der Nacht des 13. Octobers ging er aus dem Lager von Edersheim ab und sich längs der Gebirge hinziehend, bemächtigte er sich Neustadts, Türkheims und Alzey's und langte noch vor der Reiterei in der Nähe von Mainz, an. Diese wichtige Festung ergab sich am 21. Octbr.; Pajol zog abermals auf dem Marsche nach Frankfurt der Armee voraus, drang zuerst in diese Stadt ein und wirkte darauf mit dem General Houchard zum Siege bei Limburg über die Preußen (8. November 1792). In der Schlacht von Hochheim (6. Jan. 1793) benahm er sich auf eine so glänzende Weise, daß ihm Custine in seinem Generalstabe eine Stelle anwies. Da aber Mainz von den Alliirten berennt wurde, ward er genöthigt, sich zu seinem Regimente in dieser Stadt zu verfügen. Mit seiner Compagnie unternahm er am 8. April 1793 des Nachts einen Ausfall und bemächtigte sich einer Schanze, die von 150 Hessen und 3 Kanonen vertheidigt wurde. Obgleich bei dieser Gelegenheit verwundet, führte er doch die Gefangenen in die Festung zurück.

Im Jahr 1794 wurde Pajol Klebers Flügeladjutant und focht mit Auszeichnung bei Marchienne, am 18. Juni, bei Fleurus, den 26., an der Ruhr, bei der Belagerung von Mastricht und in mehrern andern Gefechten, so daß ihm dieser Oberbefehlshaber der Nordarmee 36 eroberte Fahnen anvertraute, um sie dem National-Convent in Paris zu überbringen. Nach seiner Rückkehr, verfügte er sich wieder zu Kleber vor Mainz; da aber derselbe den Auftrag erhalten über den Rhein zu gehen, schickte er den Capitän Pajol nach Holland, um die nöthigen Kähne zu dieser Unternehmung aufzubringen, die auch am 5. Sept. 1795 ins Werk gesetzt wurde. Pajol schiffte sich mit dem Generale Damas, welcher die Grenadiere befehligte, ein; sie trieben mit diesen braven Soldaten alles zurück, was sich ihnen zu widersetzen wagte und verschafften dadurch dem übrigen Theile der Armee Zeit, ihre Einschiffung zu bewerkstelligen. Beim Uebergange über die Sieg, in der Schlacht bei Ukerath, erfocht er sich ebenfalls Lorbeeren. Beim Uebergang über die Lahn erhielt er einen Schuß in den Leib, focht aber fort bis zu dem Augenblicke, wo er, da auch sein Pferd getödtet war, um seiner Wunde willen, sich zurückziehen mußte. Im folgenden Jahre stürzte er sich während der Schlacht von Altenkirchen mit dem Obersten Richepanse auf die feindliche Nachhut, die in Schlachtordnung in einer starken Stellung, von 20 Kanonen gedeckt, aufgestellt stand; sie bemächtigten sich der Kanonen und machten 4000 Mann Gefangene. Der Oberst Richepanse wurde dafür zum General, und zwar noch auf dem Schlachtfelde, ernannt, und Capitän Pajol zum Obersten. In der Schlacht von Freyberg vor Frankfurt, (24. August 1796) in der von Bamberg, bei der Einnahme von Forchheim, in der Naab, bei Schweinfurt bewährte Pajol den Ruf, den er schon erworben. Als aber Kleber, aus Unzufriedenheit, zu Ende dieses Jahres den Oberbefehl niederlegte, ging Pajol, sein erster Flügeladjutant, zum 4. Husaren-Regimente zurück, wozu er eigentlich gehörte. Mit demselben machte er den Feldzug von 1797, ging bei Neuwied über den Rhein und erfocht sich in mehrern Gefechten neue Lorbeeren. Im folgenden Jahre ging er, unter Jourdan, bei Straßburg über den Rhein, zeichnete sich in der Schlacht bei Ostrach und bei andern Gelegenheiten aus. Das 4. Husaren-Regiment begab sich hierauf nach der Schweiz; Massena ernannte ihn zum Obersten. Nach einem glücklichen Gefechte bei Winterthur, wobei er viele Gefangene machte, wurde er zur italienischen Armee versetzt. Bei dem unglücklichen Rückzuge derselben wurde sein Regiment fast gänzlich vernichtet, so daß er, nach der Schlacht bei Novi, nach Frankreich zurückkehren mußte, um es erst wieder vollzählig zu machen. Da dies geschehen, begab er sich zur Rheinarmee, focht bei Möskirchen, Stockach, Biberach, Höchstedt, Neuburg, (27. Jun. 1801,) und Hohenlinden. Der Friede führte ihn nach Frankreich zurück. Nachdem er hierauf eine lange Zeit an der Küste gestanden, wurde er in dem östreichischen Kriege gebraucht und kämpfte in der Schlacht bei Ulm und Austerlitz. Als Brigadegeneral wohnte er dem Kriege in Preußen und Polen bei, zeichnete sich bei dem Uebergange über die Passarge und in dem Gefechte bei Guttstadt aus. In der Schlacht bei Heilsberg hielt er mit dem 3. Regiment Jäger und 5. und 7. Husaren, die seine Brigade bildeten, den Angriff der ganzen feindlichen Armee aus und verschaffte dadurch den Franzosen Zeit, sich zu sammeln und den Feind zurückzutreiben. Nach der Schlacht von Friedland überschritt er zuerst den Pregel, den Feind immer vor sich hertreibend, mit dem er zugleich in Tilsit eintraf. Hier erhielt er die ersten Vorschläge zu einem Waffenstillstande durch einen russischen Offizier, den er sogleich an den Kaiser abschickte.

Vor dem Kriege mit Oestreich befehligte er die französischen Vorpostenlinie an der Grenze von Böhmen. Der östreichische General Bellegarde überschickte ihm die Kriegserklärung, und griff sogleich an allen Punkten an. Obgleich er nur 2000 Pferde bei sich hatte, setzte er doch dem Feinde einen nachdrücklichen Widerstand entgegen und ließ dadurch dem Marschall Davoust Zeit, sein Armee-Corps zusammen zu ziehen. er focht darauf bei Peussing, (21. Apr.) bei Eckmühl (23.) und bei Regensburg (24.). Auf dem Schlachtfelde verlieh ihm der Kaiser das Comthurkreuz der Ehrenlegion. Am 4. Jul. hielt er seinen Einzug in Wien, ging am folgenden Tage über die Donau und traf zuerst in der Ebene von Eßlingen ein, worauf er sogleich die Stellung bei Nesselbach bezog. In der Schlacht von Wagram nahm er den äußersten rechten Flügel im Armee-Corps des Marschall Davoust ein, welches den rechten Flügel der großen Armee bildete und widerstand den furchtbarsten Angriffen der Feinde mit unerschrockenem Muthe. Am andern Tage reinigte er das Ufer der Taya, schlug den Feind bei Znaim und empfing abermals den östreichischen General-Lieutenant auf dem Vorposten, der Friedensvorschläge brachte, und den er sogleich an den Kaiser absendete. Nach dem Schönbrunner Frieden schickte Napoleon den General Pajol nach Danzig, um den Oberbefehl über die Reiterei längs der Weichsel zu übernehmen, mit der er 1812 zu dem Armee-Corps des Marschall Davoust stieß. Auf den Vorposten stehend, fand er oft Gelegenheit zur Auszeichnung. Vorzüglich war dies der Fall nach der Einnahme von Minsk, wo er Nachricht erhielt, daß des russischen Generals Bagration Geschütz in der Nähe von Kaloue vorüberziehe. Ungeachtet er an demselben Tage 23 Stunden zurückgelegt hatte, begab er sich sogleich auf den angezeigten Punkt, bemächtigte sich der Kanonen, vernagelte sie, und sprengte die Rüstwagen in die Luft. Der Kaiser ernannte ihn auch deshalb (7. Aug.) zum Divisionsgeneral. Eben so rühmlich benahm er sich in der Schlacht an der Moskwa. Er stand im Mittelpunkt vor den Armee-Corps des Marschall Ney. Seine Flügeladjutanten Montbrun, Coulincourt und Désirat wurden an seiner Seite getödtet, zwei Pferde unter ihm erschossen; dennoch widerstand er allen Angriffen der Feinde, eroberte, von der Infanterie unterstützt die große Schanze, und schlug noch zu Ende des Tages einen Versuch der russischen Reiterei glücklich ab. Auch an den beiden folgenden Tagen siegte er über die Feinde, wurde aber bei der Einnahme von Mosaisk in den rechten Arm verwundet, was ihn zwang die Armee zu verlassen; doch folgte er der Armee bei dem unglücklichen Rückzuge. Im Feldzuge des folgenden Jahres erhielt er den Auftrag die böhmische Grenze am linken Elbufer zu beobachten, und gab zuerst dem Kaiser Nachricht von der Verbindung der östreichischen Armee mit der russischen. Nach Aufkündigung des Waffenstillstandes, von allen Seiten angegriffen, gelang es ihm dennoch, alle seine Vorposten einzuziehen, und, auf allen Seiten vom Feinde umringt, Dresden zu erreichen, wo er den rechten Flügel des Corps St. Cyr befehligte, das zwei Tage lang allen Angriffen der russischen und östreichischen Armee widerstand, und dadurch dem Kaiser Zeit verschaffte, mit der Garde und einem Theil der großen Armee anzukommen. Nach Vandamme's Niederlage bewachte Pajol die Pässe nach Böhmen, und da der Kaiser, aus Mangel an Wachsamkeit von Seiten der Pikets seiner Garde, beinahe aufgehoben worden wäre, rief er in Gegenwart seines ganzen Generalstabes: "Ich habe keinen andern ächten Cavalleriegeneral mehr als Pajol; dieser verstände nicht allein sich gut zu schlagen, sondern schliefe auch nicht, und würde nie überrumpelt." Er vertraute ihm hierauf den Oberbefehl des 5. Cavalleriecorps, das aus drei Divisionen bestand. Bei Wachau jedoch, wurde er durch eine Bombe, die sein Pferd traf, in die Luft gesprengt, und zerschmetterte sich im Fall den linken Arm und die Rippen. Als todt auf dem Schlachtfelde hingestreckt, wäre er ohne die kühne und treue Aufopferung seines Adjutanten und einiger Offiziere sicher umgekommen: allein diese schafften ihn weg, und, der geringen Wahrscheinlichkeit der Genesung ungeachtet, befand er sich schon zwei Monate nachher, obwohl er den Arm noch in der Binde trug, an der Spitze des Observationscorps an der Seine. Auf das glänzendste bewährte er den schon erworbenen Ruhm auf dem Schlachtfelde von Montereau, wo er, in der sichern Erwartung, vom Marschall Victor unterstützt zu werden, die feindliche Armee angriff, und ihr allein bis zum Mittag widerstand. Endlich war er jedoch, nach bedeutendem Verluste, genöthigt, den Rückzug anzutreten; da langte endlich Victor an. Pajol ermunterte seine Truppen, führte sie abermals zum Angriffe dem Feinde entgegen, warf ihn und erbeutete 5000 Gefangene, und die ganze Artillerie des Feindes, den er selbst noch über die angezündete Brücke der Yonne hin verfolgte. Der Kaiser ertheilte ihm auf dem Schlachtfelde das Großkreuz der Ehrenlegion, und sagte, ihn umarmend: "wenn alle Generale mir gedient hätten, wie Sie, so hätten wir den Feind nicht in Frankreich. Da indeß während der Schlacht sein Pferd unter ihm erschossen worden, und der Sturz seine Wunden wieder geöffnet hatte, mußte er die Armee verlassen und erfuhr einige Tage darauf in Paris die Abdankung des Kaisers. Er organisirte darauf für den König 4 Cavallerieregimenter und wurde nach Orleans geschickt, um das Commando von 8 andern Cavallerieregimentern zu übernehmen. Bei Napoleons Rückkehr erhielt er das Commando über ein Corps von 18,000 Mann, um mit demselben auf Brüssel zu zu marschiren, und befand sich eben von Namur aus, das er eingenommen hatte, auf dem Wege dorthin, als er die Kanonade von Waterloo hörte. Da er jedoch noch 10 Stunden von der Dyle entfernt war, so kam er erst um 9 Uhr Abends am andern Ufer derselben an, und erfuhr am andern Morgen den Verlust der Schlacht. Dennoch schlug er vor, mit 36,000 Mann, die auf diesem Punkte versammelt waren, und noch nichts gelitten hatten, den Alliirten in die Flanke zu fallen, die nach einer gewonnenen, großen Schlacht sich sicher wähnen und daher nicht auf ihrer Huth seyn würden. Da man indeß seinen Rath nicht befolgte, so ging er in Eilmärschen nach Namur zurück, als dem einzigen Punkte, über welchen die große Armee ihren Rückzug bewerkstelligen konnte, der in bester Ordnung erfolgte. Eben so fruchtlos waren Pajols dringende Aufforderungen, sich in Paris zu vertheidigen, ja Marschall Davoust hatte sogar Befehl gegeben, ihn wegen seiner allzu starken Aeußerungen zu arretiren. Er folgte daher voll Mißmuth der französischen Armee hinter die Loire, blieb daselbst bis zu ihrer Auflösung und hat dann sogleich um seinen Abschied, den er im Aug. 1815 auch erhielt. Merkwürdig ist, daß General Pajol, der immer den Vortrab befehligte, nie von dem Feinde überrumpelt wurde, so wie er auch, trotz seiner schweren Verwundungen, nie in Gefangenschaft gerieth.


Quellen und Literatur.

  • Dr. R. Fl. Leidenfrost's französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Ilmenau, 1828. Druck und Verlag von Beruh. Friedr. Voigt.