Pierre Joseph Cambon

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Cambon (J.), gebohrner Protestant. Er schlug sich mit vielem Feuer zur Revolution, ward Municipalitätsoffizier von Montpellier, und sodann Deputirter bey der gesetzgebenden Versammlung, wo er sich am meisten mit den Finanzen beschäftigte. Ihm verdankt man die Einrichtung des großen Buchs der Staatsschuld.

Den 3ten Aprill 1792 legte er einen Bericht über die Finanzen vor und stellte die Behauptung auf, daß die Masse der Nationalgüter die Summe der in Umlauf gesetzten Assignaten bey weitem überstiege. Den 30sten ließ er für 30 Millionen neue Assignaten machen. Den 19ten August nahm er Sicherheitsmaßregeln für den König, als dieser nach dem Sitzungssaale geführt wurde. Wenige Tage darauf trug er auf den Verkauf der Krondiamanten und des Kronschmuckes an, und ließ beschließen, daß die ungeschwornen Priester nach Guyana geführt würden. Er war der letzte Präsident der gesetzgebenden Versammlung, deren Schluß er den 20sten September 1792 bekannt machte.

Als erwählter Deputirter beym Konvent bewirkte er mehrere Beschlüße, die die Einziehung der Güter von Ausgewanderten betrafen. Im Januar 1793 votirte er Ludwigs XVI. Tod ohne Aufschub. Den 1sten Aprill kündigte er die Eröffnung des großen Buchs an. Auf einen Angriff Robespierres den 8ten Thermidor, rechtfertigte er seine und des Finanzausschußes Verhandlungen. Später sah er Stück für Stück das Gebäude, das er mit so vieler Mühe aufgeführt hatte, zusammenstürzen.

Bey dem Ausbruche des Aufruhrs vom 1sten Aprill 1795 ward, auf Talliens Antrag, Cambons Verhaft beschloßen; es gelang ihm aber, sich ihm zu entziehen, indem er sich in der Vorstadt St. Antoine verborgen hielt.

In der Verschwörung (20sten May) war er von neuem begriffen und ward in die Acht erklärt.

Die Amnestie vom 4ten Brümaire gab ihm seine Freyheit wieder. Seitdem lebte er ruhig zu Montpellier, ward selbst Municipalitäts-Offizier und Kommissär des Direktoriums.

1804 kam er nach Paris und schlug alle Anträge für die Karriere der Staatsverwaltung aus. Er lebt bey Montpellier auf dem Lande.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.