Raphaël de Casabianca

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Raphaël de Casabianca, Pair von Frankreich und General-Lieutnant, geb. zu Vescovato auf Corsika den 27. Nov. 1738.

Er vertheidigte, im Haß gegen Genua auferzogen, die Rechte und Freiheiten seines Vaterlandes gegen diese Republik, nahm aber dann, als Frankreich diese Insel im Besitz nahm, Dienste bei den Franzosen und machte die beiden Feldzüge mit, welche der völligen Unterwerfung der Insel vorangingen.

Im Jahre 1770 trat er als Capitän in das Corsika geworbene Infanterie-Regiment Buttafuoco, welches bald darauf nach Frankreich versetzt wurde. Die jedoch bei frühern Gelegenheiten bewiesene Anhänglichkeit an Frankreich bestimmten indeß die französische Regierung ihn nach Corsika zurückschickten und er erwarb sich hier nicht allein das Vertrauen von Narbonne und Marbeuf, die nach einander Statthalter von Corsika waren, sondern stieg auch bis zum Oberstlieutnant in dem Regimente Corsika.

Beim Ausbruch der Revolution sandten ihn die Einwohner dieser Insel als Deputirten nach Paris und das französische Ministerium übertrug ihm bald darauf in Bezug auf seine ältern Dienste den Oberbefehl über ein Linien-Infanterieregiment, mit dem er beim Ausbruch des Kriegs die Nordarmee unter Rochambeau verstärkte.

In dem Corps des General Biron führte Casabianca den rechten Flügel, während der Belagerung von Mens an, und er verdiente sich mehr als einmal Lobsprüche vor der Fronte der Armee. Indeß hatten die Oestreicher bald darauf bedeutende Verstärkungen erhalten, und Biron wurde dadurch zum Rückzug genöthigt, Casabianca führte die Nachhut; doch da östreichische Uhlanen das französische Lager umschwärmten, trieb er dieselben nach Guievrain zurück und begab sich auf erhaltenen Befehl mit einem Bataillon und 2 Kanonen eben dahin, um die Oestreicher aus dieser Stadt zu vertreiben. Nach einem lebhaften Angriffe fiel jene Stadt in seine Hände. Unglücklicherweise verbreitete sich in Birons Lager (damals allgemein als Herzog von Lauzun bekannt) die Nachricht von dem Tode und der Niederlage Casabianca's. Achttausend Mann, ohne auf die Stimme Biron's zu hören, verließen die Armee in größter Unordnung und hielten erst zu Valenciennes wieder an. Diese Begebenheit nöthigte jedoch den Obersten Casabianca, sich auf die Hauptarmee zurückzuziehen und die erfochtenen Vortheile aufzugeben.

Ludwig XVI. belohnte ihn (30. Mai 1792) mit dem Grad eines Maréchal de camp und er ward in dieser Eigenschaft zur Alpenarmee unter Montesquiou geschickt, der ihm die Vorhut anvertraute. Hier wirkte er zur Eroberung von Savoyen mit, nahm darauf die Magazine in Chatelard und stellte sich am Fuße des kleinen St. Bernhard auf, wodurch die Piemonteser genöthigt wurden Maurienne zu räumen.

Kurz darauf begab sich Casabianca nach Corsika, wo Paoli ihn zum zweiten Befehlshaber von Ajaccio ernannte, jedoch mit der ausdrücklichen Bedingung, sich zur Einschiffung nach Sardinien bereit zu halten, welches kurz darauf angegriffen wurde. Vor Cagliari stieß er zu den schon gelandeten Franzosen, schloß diese Stadt ein und würde sie vielleicht erobert haben, wenn nicht der Aufruhr eines Marseiller Regimentes es verhindert hätte. Casabianca schiffte wieder ein und begab sich nach Toulon.

Der mit dem Directorium unzufriedene Paoli aber hatte Corsika indeß den Engländer überliefert und Casabianca bekam deßhalb Befehl Paolis Stelle in Corsika einzunehmen. Er gehorchte und vertheidigte sich aller Anstrengungen der Engländer und Paolis ungeachtet mit 600 Mann in Calvi so brav, daß nur nach 39tägiger Belagerung, während welcher Zeit seine Besatzung auf 80 Mann herabgeschmolzen war, diese schlecht befestigte Stadt dem Feinde in die Hände fiel. Eine ehrenvolle Capitulation bezeugte das Urtheil der Feinde über seine wackere Vertheidigung.

Während dieser Belagerung war er (19. März 1794) Divisionsgeneral geworden und er diente hierauf unter Massena und später unter Buonaparte bei der italienische Armee.

Auf Befehl des Letztern führte er eine Expedition nach Corsika. Bei seiner Annäherung verließen die Engländer die Insel und er wurde nun Commandant des Departements Liamone.

Kurz darauf übertrug ihm Buonaparte die Commandantenstelle in Genua und er bekleidete diese Stelle bis 1798, wo er unter Championnet den Zug nach Rom und Neapel mitmachte.

Im folgenden Jahre befand er sich unter Massena bei der helvetischen Armee, ward dann zur Westarmee versetzt und beschäftigte sich daselbst die Stadt St. Prieux zu befestigen.

Der erste Consul belohnte seine Verdienste durch Ernennung zum Mitgliede des Erhaltungssenats und von dieser Zeit an verließ er den Militärdienst. Napoleon ertheilte ihm (14. Juli 1804) das Kreuz als Großoffizier der Ehrenlegion und die Würde als Graf.

Während der hundert Tage verlieh ihm Buonaparte die Pairwürde, die von Ludwig XVIII. bestätigt wurde.

Quellen und Literatur

  • Dr. R. Fl. Leidenfrost's französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Ilmenau, 1828. Druck und Verlag von Beruh. Friedr. Voigt.