Raymond de Sèze

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Desèze.

Desèze, Parlamentsadvokat von Paris, war nebst Trouchet und Malesherbes, 1792 und 1793, Vertheidiger bey Ludwigs XVI. Prozeß, und las bey Eröffnung der Untersuchung die Vertheidigung dieses Fürsten vor dem Konvente. Er überlebte die Schreckensregierung und fuhr fort, als Vertheidiger der verfolgten Unschuld, freylich oft fruchtlos, aufzutreten.

1806 zählte man ihn noch unter die berühmtesten Rechtsgelehrten der Hauptstadt.


Deseze.

Deseze, der berühmte Vertheidiger Ludwigs XVI. vor den Schranken des Nationalconvents.

Man erinnere sich, daß ihm dies schwere Geschäft erst übertragen wurde, nachdem die beiden andern Vertheidiger des Königs, Malesherbes und Trouchet, die Unmöglichkeit voraussahen, es allein zu beendigen. Für die Verfertigung der eigentlichen Schutzschrift blieben ihm nur vier volle Nächte; die Tage verstrichen unter den Untersuchungen der Actenstücke und den nöthigen Unterredungen mit seinen Collegen. Deseze lieferte aber dessen ungeachtet in seiner Vertheidigungsschrift ein Meisterwerk, dem selbst die wüthendsten Mitglieder des Nationalconvents ihre Bewunderung nicht versagen konnten. Daß der Erfolg seinen Bemühungen nicht entsprechen würde, war vorauszusehen; denn der Angeklagte sollte aufgeopfert werden, hätte ihn auch ein Demosthenes oder Cicero vertheidigt.

Er überlebte die Schreckensregierung und fuhr fort, als Vertheidiger der verfolgten Unschuld, oft fruchtlos, aufzutreten, und seinen Ruhm, der ihn in die Reihe der trefflichsten Rechtsgelehrten von Paris setzte, zu behaupten.

Im J. 1815 wurde er von dem Könige zum ersten Präsidenten des Cassationsgerichts ernannt. Am 9. Jan. 1816 hielt er eine merkwürdige Rede in der Kammer der Pairs, um zu beweisen, daß die französische Nation, auch nicht einmal stillschweigend, einen Antheil an dem Verbrechen des Königsmords genommen habe.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.