Rhein

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Rhein, nach der Donau der größte Strom Deutschlands, und einer der ansehnlichsten von Europa.

Die Quellen dieses berühmten deutschen Stromes sind in der Schweiz auf dem St. Gotthardsgebirge.

Er ist für den Handel und die Schifffahrt sehr wichtig, doch ist letztere nicht ohne Gefahr und Mühe auf ihm, des Wasserfälle, Strudel und vieler Inseln wegen, die im Flußbette des Rheins sich finden. Allbekannt ist der Rheinfall bei Laufen, unweit Schaffhausen, wo über jähe Klippen der Strom mit furchtbarer Gewalt sich von einer Höhe von 15 Klastern herabstürzt. Außer diesem sind noch zwei Wassersturze des Rheins, einer bei Lauffenburg und einer bei Rheinfelden; doch sind diese beiden bei weitem nicht so bedeutend, wie der erstgenannte, der überhaupt mit zu den größten Cataracten der Welt gehört. Der bei Bingen im Rhein befindliche Strudel (Bingerloch genannt) ist bekannt durch die Gefahr, in die daselbst oft Schiffe gerathen, wenn sie sich ihm nicht mit gehöriger Vorsicht und Geschicklichkeit nahen.

Wie bedeutend in der Geschichte der ältesten als neusten Deutschen sowohl der Rhein hervortritt, der großen Ereignisse wegen, die an seinen Ufern sich begaben, wird keinem unbewußt seyn; und von je an war dieser Strom Zeuge der folgereichsten Schicksale, welche die Stämme germanischer Völker trafen.

Seine Ufer gehören zu den blühendsten und schönsten Gegenden Deutschlands, die bald in lieblicher Anmuth und Fruchtbarkeit, bald in romantischer Wildheit zu beiden Seiten dieses wahrhaft königlichen Flusses hinlaufen.

Von seinen Quellen, bis da, wo bei Mainz der Main in den Rhein sich ergießt, heißt letzterer der Ober-Rhein; von da an bis zu seinem Ausfluß ins Meer, oder vielmehr bis zu seinem Verschwinden in den Sanddünen der Niederlande, der Nieder-Rhein. (Daher ehemals die Benennung des oberrheinischen und niederrheinischen Kreises für die umher gelegenen Länder, als noch das alte römisch-deutsche Reich bestand.)

Ernst Moritz Arndt.

1799.

In der That jammert mich nicht allein die Mishandlung dieser armen Leute, sondern auch die ziemlich gewisse Aussicht, daß der Rhein, worauf Germanien sonst so stolz war, mit den Franken getheilt werden wird; daß dieser schöne Volksschlag zu einem Zwitter herabgewürdigt werden soll, daß Teutschland, das Unbezwungne, der Spott aller Völker werden soll. Und die Warums? Frage nicht, Lieber, sie haben nur leise Hms! in stärkern Worten darf man es nicht sagen. Warum unterjochte Cäsar die Gallier so leicht? warum waren die Schweden im dreißigjährigen Kriege Helden? Beantworte dir die beiden Fragen nur. Du schöner germanischer Rhein, du stolzer und freudiger Sohn der Berge, der in Kraft fortstrudelt, und in Kraft aus seinen Feuerbergen Schönheit und Fruchtbarkeit allenthalben hervortreibt, du heiliger Rhein, mit deinen geistvollen Söhnen und Töchtern, mit deinen Rebenhügeln und Quellen, woraus Feuer und Gesundheit strömen, mit den Denkmählern der alten Väter auf jedem Hügel und in jedem Thal, du wirst hinfort der Sklave der Fremden mit deinen Kindern, die du nicht mehr schützen sollst, und lässest ihnen ihre kahle Elbe und Weser und die stolzere Donau, die erst bei dem Unger herrschend wird. O möge nur die Menschheit an deinen Ufern blühen! mögen die hinfort nicht mehr von dem Blute der Erschlagenen roth fließen! und möge es dann Teutschland vergessen, daß es einst an beiden Ufern seine Sprache sprechen durfte!

Quellen und Literatur

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Ernst Moritz Arndts Reisen durch einen Theil Teutschlands, Ungarns, Italiens und Frankreichs in den Jahren 1798 und 1799. Zweyte verbesserte und vermehrte Auflage. Leipzig, 1804. Bei Heinrich Gräff.