Roustam Raza

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Der Mameluk Rustan.

Dieser treue Diener des Kaisers der Franzosen wurde ihm auf folgende Weise bekannt. Der Oberfeldherr Bonaparte war einst mit seinen Generalen und Großoffizieren im Hause eines reichen Aegypters vom Stamme der Chalifen. Ein junger Mameluk war bey der Tafel geschäftig, den Gästen die Speisen vorzulegen, und allen Anwesenden gefiel sein freymüthiger edler Anstand, sein angenehmes Wesen und, seine schöne Gestalt; besonders aber wurde der Obergeneral, dem nichts entging, auf ihn aufmerksam. Er erkundigte sich bey dem Herrn des Hauses, wer der Jüngling sey. Dieser anwortete ihm, er heiße Rustan, sey ein junger Mann, in welchen er großes Vertrauen setzte, und dem er seine Tochter zur Gattin bestimmt habe. Bonaparte betrachtete ihn fortwährend mit Wohlgefallen, und der junge Mameluk, der diese auszeichnende Aufmerksamkeit bemerkte und zu würdigen wußte, war um den Oberfeldherrn sorgsamer geschäftig als um die übrigen. Als die Franzosen an Bord gingen, um sich einzuschiffen, fanden sie Rustan. Sein Herr hatte bemerkt, daß er dem Obergeneral gefallen hatte, und nach altorientalischer Sitte machte er sich zur Pflicht, dem fremden Generale, seinem Gaste, das zum Geschenk zu machen, was ihm in seinem Hause am besten gefallen schien. Rustan verließ den reichen Pallast seines Herrn, und das ruhig entschiedene Loos in der Heimath, setzte sich den Gefahren des Meeres, den Beschwerden einer langwierigen Reise, und einer ungewissen Zukunft unter einem fremden Himmelsstrich willig aus und folgte dem glorreichen Bonaparte! Er macht es sich sogleich zum dringenden Geschäfte, seinen neuen Herrn zu bedienen, und dieser würde durch seinen Eifer, durch seine Geschicklichkeit und Treue so für ihn eingenommen, daß er ihm sein ganzes Vertrauen schenkte, welches mit jedem neuen Beweise seiner edlen Anhänglichkeit sich vergrößerte. Schon während der Reise, und mehr noch nach seiner Ankunft in Europa lernte er mit ungemeiner Leichtigkeit Französisch, Schreiben und Rechnen. Bonaparte behielt ihn nun zu einer eignen Bedienung. Rustan hat in seinem wichtigen Posten, als erster Leibwächter des großen Napoleon, selbst Leute zu seiner Aufwartung, dennoch scheint er nichts als ein treuer Diener seines Herrn; denn er kennt nichts dringenders, als was die Person des Kaisers betrifft. Als sich Rustans Schicksal so auszeichnend entwickelte, gedachte er seiner Mutter, von welcher Armuth und Dienstbarkeit ihn getrennt hatte, und deren Aufenthalt ihm jetzt unbekannt war. Seine Bitten bewogen den Kaiser, ihm die Mittel, sie zu finden, zu erleichtern. Er entdeckte ihren Wohnort in Alexandrien. Dorthin schickt er ihr noch jetzt Geld und Geschenke, und sorgt als ein guter Sohn, ein eifriger Diener ist Rustan ganz Kind, ein Zögling der Natur, sein ganzes Wesen ist Wahrheit und Güte, seine braune frische offene Gesichtsbildung ist der Spiegel einer unbefangenen Seele. Er kennt weder Arglist noch Betrug. Anmuth, Thätigkeit, Geschicklichkeit und ein gesunder Sinn waren das einzige, was er zum Antheil aus den Händen der gütigen Natur empfing, und diese Eigenschaften begründen seine Ansprüche auf die Auszeichnung und Gnade des größten Fürsten. Er ist einer der wenigen, die zu Glück gelangten, ohne durch Glück verdorben zu werden.


Rustan, der berühmte Leib-Mammeluck Napoleons.

Seine Abkunft wird verschieden angegeben. Obgleich man versichert hat, daß er ein geborner Franzose sey, so ist doch auch behauptet worden, daß er aus Erivan in Armenien herstammte. Gewiß ist, daß er in Aegypten zu einem dort errichteten Mammeluckenkorps gehörte.

Er hatte Gelegenheit, Napoleon in Aegypten einen wichtigen Dienst zu leisten (worin er bestanden, weiß man nicht) und gewann dadurch das unbegränzte Vertrauen desselben.

Rustan begleitete Napoleon auf seiner kühnen Zurückreise und folgte seines Herrn gutem Glücksstern. Auch als Napoleon den Thron bestieg, hörte er nicht auf, Rustan sein ganzes Vertrauen in Beziehung auf die Sicherheit seiner Person zu widmen. Rustan war des Nachts und auf Reisen, auf welchen, wie auf allen Feldzügen, er ihn stets begleitete, immer der Nächste um ihn.

Aber nach Elba wollte er seinen Herrn nicht begleiten. Auch während der sogenannten hundert Tage hörte man nichts von ihm. Als ihm deshalb in einem französischen Journale Undank vorgeworfen wurde, antwortete er, daß besondere Umstände ihn verhinderten, seinem Wohlthäter ins Exil zu folgen; er sey überdies jetzt verheirathet und habe andere Pflichten. Er ist Napoleon eben so wenig nach St. Helena gefolgt, sondern lebt in der Gegend von Dreux, wo er sich angekauft hat.


Quellen und Literatur.

  • Historische Gemälde in Erzählungen merkwürdiger Begebenheiten aus dem Leben berühmter und berüchtigter Menschen. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Freunden der Geschichte. Siebenzehnter Band. Leipzig, 1809. bey Johann Friedrich Hartknoch.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.