Sankt Petersburg

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Plan der Einfahrt von St. Petersburg.

Petersburg (St.), die kaiserlich russische Residenz- und zweite Hauptstadt des Reichs an der Newa und mehrern Canälen, mit einer gegenwärtig durch die unausgesetzte Erweiterung der Stadt (welche bekanntlich Peter I. anlegte) fast in die Mitte derselben gerathnen Festung und einem Hafen, eine der größten und prächtigsten Städte in Europa.

Sie ist über eine starke deutsche Meile lang und eben so breit, hat ein einziges, aber colossalisches Stadtthor, aber keine Mauern, und liegt theils auf Inseln, theils auf dem festen Lande.

Die Stadt wird in folgende zehn Haupttheile getheilt: 1. 2. und 3. Admiralitätsseite, die Stückhofsmoskowische, Jamskoi und weogner Seite, die wasiliostrowsche, st. petersburgische und wiburgische Seite. Der vorzüglichste Theil von Petersburg (welches, wie alle großen Städte von einem solchen Umfange, mehrere oft einander ganz entgegengesetzte Parteien bildet) ist die Admiralitätsseite; eine prächtige Insel, die von der Newa und Fontanka, einem Arme von jener umgeben wird. Den Namen führt sie von dem daselbst sich befindenden Admiralitätsgebäude, an welchem die Vergoldung der Thurmspitze 60,000 Ducaten kostet.

Nahe bei dem letztern ist

1. der berühmte Winterpalast; ein überaus großes und prächtiges Gebäude, wo Catharina II. den größten Theil des Jahres residirte. Im Brillantenzimmer bewahrt man bei einem großen Schatz von Diamanten die Reichsinsignien; am Scepter ist der berühmte große Stein von 779 Gran. In der Eremitage befinden sich eine Menge Kunstwerke, die Handbibliothek und mehrere Sehenswürdigkeiten.
2. Der kaiserliche Sommerpalast; ein einfaches Gebäude mit vortrefflichen Gärten, von denen der eine für jedermann offen ist und zu öffentlichen Spaziergängen dient.
3. Der große Platz; der schönste in Petersburg, mit der berühmten Statue Peters des Großen, deren Fußgestell, ein ungeheures Felsenstück, drei Millionen Pfund wiegt, und von Cephalim sechs Werste weit zu Lande bis an die Newa und auf derselben 20 Werste weit nach Petersburg gebracht wurde (vergl. d. Art. Falconet).
4. Die russischen Buden; ein überaus weitläufiges Gebäude, eine der schönsten Einrichtungen der Stadt. Sie fassen die beiden Vierecke des großen Marktes ein, und sind größtentheils auf Kosten der Krone, die sie dann vermiethet, von Steinen erbaut; ein Augenzeuge vergleicht sie mit dem Palais-Royal in Paris.

In dem petersburger Theile liegt die Festung, die Peter im J. 1703 anlegte, und die 1740 vollendet wurde; da sie aber jetzt fast mitten in der Stadt liegt, so dient sie theils zum Glanze derselben, theils zu einem sichern Gefängniß. Mitten in der Festung steht die St. Peter- und St. Paulkirche, worin man die Grabmäler Peters I. und der Kaiserinnen Catharina, Anna und Elisabeth findet. Hinter dem Sarge Peters I. sind verschiedene Sachen angestellt, welche dieser Kaiser selbst schnitzte *).

In dem wasili-ostrowschen Theile befinden sich: die kaiserliche Akademie der Wissenschaften, die hohen kaiserlichen Collegia, das Land- und See-Cadettencorps, die Börse u. s. f. Die kaiserlichen Kunst- und Naturaliensammlungen sind sehr bedeutend, und es ist kraft eines ausdrücklichen Decrets jedem Aufseher über eine davon verboten, eine Erkenntlichkeit anzunehmen. Die Akademie der Wissenschaften, deren jährliche Einkünfte 70- bis 80,000 Rubel betragen, ist sehr ermuntert worden, deßgleichen die Akademie der Künste; mit welcher eine Lehranstalt für 300 junge Leute verbunden ist, und die ein sehr schönes Gebäude und 60,000 Rubel jährliches Einkommen hat.

Es gibt überhaupt viele gemeinnützige Anstalten in Petersburg; und Catharina II. verdient den Namen einer zweiten Schöpferin dieser Stadt.

Petersburg hatte übrigens im J. 1787 3431 Häuser, von denen 1291 von Stein erbaut sind, und im J. 1789, ohne Hofstaat, Akademie und drei abwechselnde Feldregimenter, 217,948 Einwohner, unter denen man ein Achttheil Deutsche rechnet.

Die dasigen Fabriken sind noch lange nicht das, was sie seyn könnten. Das Blühen des Handels fördert die am 27sten Juli 1816 eröffnete Börse.

Es dauert die für den Ausländer äußerst empfindliche Winterkälte daselbst gewöhnlich fünf Monate, November bis Anfang Aprils **). So kalt indeß der Winter ist, so heiß ist wieder der Sommer. Eine wahre Wohlthat für Petersburg ist das Newa-Wasser, das ganz vortreflich und rein wie Crystall ist.

Von den kaiserlichen Lustschlössern nennen wir bloß: Czarskoe-Selo, nach dem Urtheile der Kenner eins der prächtigsten Lustschlösser in der Welt (es war der vorzüglichste Sommeraufenthalt der verstorbnen Kaiserin, welche den trefflichen Garten nach ihren Ideen auf das reizendste verschönert und in einen wahren Zaubergarten verwandelt hat); ferner Petershof, ebenfalls sehenswerth, wohin ein trefflicher Weg führt, wo sich aber die Kaiserin den Sommer nur einige Wochen aufhielt; Oranienbaum, wo sie ein Haus bauen ließ, das die Eremitage genannt wird.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.