Schlacht von Aspern und Eßling

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Schlacht von Aspern und Eßling.

Plan von der Bataille bei Aspern.

Asparn, ein Pfarrdorf in Oesterreich unter der Ens, im Viertel unter dem Manhardsberg, am linken Ufer der Donau, gegenüber dem Prater bei Wien. Dieser Ort ist durch eine der größten Schlachten in der Kriegsgeschichte merkwürdig.

Im Mai 1809 standen die zwei mächtigsten Heere der neuern Zeiten an diesem Flecke der Donau, nämlich die vereinigte französische Armee am rechten Ufer bei Wien, und die vereinigte österreichische am linken Ufer im Marchfeld.

Am 20sten ließ Kaiser Napoleon nach der Insel Lobau eine Brücke über den großen Arm der Donau schlagen und die Armee übersetzen. Von der Lobau wurde hierauf eine zweite Brücke über den schmalen Arm gegen das linke Ufer geschlagen. Die Franzosen besetzten alsdann die Dörfer Asparn und Eßling und die dazwischen liegende Fläche, breiteten sich links gegen Hirschstätten aus und besetzten rechts das Städtchen Enzersdorf. Die Lobau diente ihnen zum Sammelplatze, von dem sie beständig Unterstützung ziehen konnten, und die große Brücke sicherte ihre Communication mit dem rechten Donauufer.

Der Erzherzog Carl ließ sogleich die österreichische Armee ins Gewehr treten, und entschloß sich, die französische anzugreifen. Dieses geschah am 21sten Mai, am Pfingstsonntag. Um 12 Uhr setzte sich die österreichische Armee in Bewegung, und um 3 Uhr begann das Riesentreffen.

Die Oesterreicher rückten in fünf Colonnen an. Die erste drängte die Franzosen von Hirschstätten zurück, und nun begann ein Kampf um das Dorf Asparn, der seines Gleichen nicht hat.

Man focht in jeder Gasse, in jedem Hause und in jeder Scheuer, Wägen, Pflüge, Eggen mußten unter einem unausgesetzten Feuer hinweggeräumt werden, um mit dem Feinde handgemein zu werden; jede einzelne Mauer war ein Hinderniß für den Angreifenden und ein Schutz für den Vertheidiger; der Kirchthurm, hohe Bäume, die Böden und Keller mußten erobert werden, ehe man sich des Ortes Meister nennen konnte, und doch war der Besitz immer nur von wenig Dauer. Erst gegen Abend gelang es der ersten und zweiten österreichischen Colonne, Aspern zu behaupten, welches unterdessen ein Raub der Flammen geworden war.

Während die Oesterreicher auf ihrem rechten Flügel bey Asparn siegreich waren, besetzten die vierte und fünfte Colonne am linken Flügel Enzersdorf, welches die Franzosen verlassen hatten, und machte einen fruchtlosen Angriff auf Eßling.

Die dritte Colonne aber war mit der französischen Linie zwischen Asparn und Eßling in ein Treffen verwickelt, das von beiden Seiten mit der größten Erbitterung geliefert wurde, aber ohne Entscheidung blieb.

Während dessen rückt der Fürst Lichtenstein mit dem Reservecorps der Cavallerie vor, und die französische Cavallerie ging ihm entgegen. Man focht mit unglaublicher Standhaftigkeit und Tapferkeit; zuletzt zog sich die französische Cavallerie in ihre Linie zurück, und die österreichische schloß sich an die dritte Colonne an.

Die Nacht machte dem Blutbade ein Ende.

Den 22sten in der Frühe um 4 Uhr fing die Schlacht wieder an.

Der Kampf um Asparn begann aufs neue mit wechselseitigem Glücke, bis endlich die Oesterreicher für immer Meister von den Ruinen blieben. Dieses unglückliche Dorf hatte an beiden Tagen dreizehn Angriffe aushalten müssen.

Die beiden Hauptarmeen waren auf der Fläche zwischen Asparn und Eßling seit dem Anbruche des Tages im Kampf begriffen. Die französische Infanterie stand in großen Abtheilungen aufmarschirt, und zwischen ihr die schwere Cavallerie in Massen formirt; eine ungeheure Menge Kanonen und Haubitzen deckte die Fronte. Von österreichischer Seite standen die Corps des Grafen Bellegarde und des Fürsten Hohenzollern entgegen. An diese schloß sich die Reservecavallerie des Fürsten Lichtenstein und eine zahlreiche Artillerie. Man glaubt, daß über 400 Kanonen von beiden Seiten im Spiele waren, und die ältesten Soldaten erinnerten sich nicht eines ähnlichen Feuers, als an diesem Tage unterhalten wurde. Kaiser Napoleon durchschritt seine Reihen, und munterte die Krieger auf. Der Erzherzog Carl entflammte den Muth der Oesterreicher, ergriff selbst die Fahne des bereits wankenden Bataillon Zach, und flößte ihm neue Begeisterung ein. Die meisten von seiner Umgebung wurden verwundet.

Der Erzherzog hatte den Plan entworfen, die französische Schiffbrücke, welche von dem rechten Ufer der Donau in die Lobau führte, zu zerstören. Er ließ durch den Hauptmann Magdeburg Schiffmühlen und schwer beladene Fahrzeuge die Donau hinabschwemmen, welche die Brücke zertrümmerten. Diese glückliche Unternehmung zerriß die Communication zwischen der französischen Hauptarmee und der Reserve am rechten Ufer, und verhinderte die Zufuhr der Munition.

Sobald die Oesterreicher das Gelingen dieser Unternehmung erfuhren, machten sie ihre Angriffe um 9 Uhr des Morgens mit der größten Macht auf die französische Stellung. Das Feuer wurde ununterbrochen fortgesetzt, und die öftern schnell auf einander gefolgten Angriffe, sowohl mit dem Säbel, als mit dem Bayonette, waren so heftig, daß die Kriegsgeschichte nur wenig ähnliche Beyspiele aufzuweisen hat.

Die französische Armee war in die engste Stellung concentrirt, und vertheidigte sich standhaft, aber sie kämpfte nicht mehr um den Sieg, sondern um ihre Erhaltung und um einen sichern Rückzug auf die Insel Lobau. Um diesen Rückzug zu decken, war die Behauptung des Dorfes Eßling nothwendig. Die Franzosen hatten schon bey ihrem Uebergang über die Donau, und besonders in der Nacht nach der ersten Schlacht, darauf Rücksicht genommen. Das ganze Dorf war mit Gräben und Erdaufwürfen verschanzt worden. Die Mauern der abgebrannten Häuser waren mit Schießscharten versehen.

Der drei Stockwerk hohe Speicher des Orts konnte, wegen seiner soliden Bauart, von innen mit Geschütz und Mannschaft wohl versehen werden; selbst das Dach wurde mit Schießscharten durchbrochen und zur Vertheidigung eingerichtet. Von außen war dieser Speicher mit Erdschanzen umgeben, und stellte gleichsam die Citadelle von Eßling vor.

Die vierte und fünfte österreichische Colonne war schon vom frühen Morgen an mit dem französischen rechten Flügel bei Eßling im Treffen begriffen, welches bis gegen Mittag dauerte. Um 12 Uhr wurde ein Sturm auf Eßling und auf den Speicher unternommen, wozu die Grenadierreserve verwendet wurde, welche die von der langen blutigen Arbeit erschöpften Bataillone abgelös't hatte. Die Oesterreicher machten fünf Angriffe mit der größten Heftigkeit, aber alle Anstrengung war vergebens, denn die Franzosen setzten alles daran, einen Posten zu behaupten, der, wenn er verloren wurde, die Vernichtung der ganzen französischen Armee hätte zur Folge haben können.

Unter dem Schutze von Eßling, und gedeckt von einer kleinen Brückenschanze am linken Ufer, zog die französische Armee über die unversehrt gebliebene Brücke des schmalen Donauarmes in die Lobau.

Der Kampf hatte an diesem zweiten Tage funfzehn Stunden gedauert. In dieser zweitägigen Schlacht wurde beinahe alles erschöpft, was der Angriff und die Vertheidigung furchtbares haben. Infanterie und Cavallerie hatten sich wechselseitig gegen einander mit Flinten, Bayonetten und Säbeln gemessen. Ganz vorzüglich ausgezeichnet war das Artilleriefeuer. Nach französischen Berichte sollen allein von österreichischer Seite über 40,000 und nach einer österreichischen Nachricht 51,000 Kanonen und Kartätschenschüsse geschehen seyn, und wenn man an Todten den gewöhnlichen Angaben trauen darf, soll er sich von beiden Seiten zusammen über 60,000 Mann belaufen haben.

Ob nun gleich diese Schlacht für Oesterreich kein Resultat von Bedeutung gewährte, und es sehr zweifelhaft geblieben ist, ob bey energischer Benutzung der erlangten Vortheile nicht sehr wichtige und entscheidende Erfolge zu erringen gewesen wären, so bleibt sie doch in den Annalen der Kriege ein unvergängliches Denkmal der österreichischen Ehre, und als Beyspiel von erwiesener seltener Tapferkeit, Treue und Ausdauer wird sie immer neben den glänzendsten Siegen genannt werden.


Zeitungsnachrichten.

(Den 3ten Junius.)

Extra-Blatt.
Heute am 27sten May langte bey Sr. Kaiserl. Hoheit dem Erzherzog Johann ein Kourier aus dem Hauptquartier Sr. Kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Generalissimus mit folgender Nachricht de dato Breitenlee im Marchfeld am 23sten dieses an.
Kaiser Napoleon hat am 19ten und 20sten dieses den größern Arm der Donau mit seiner ganzen Armee, die alle Verstärkungen an sich gezogen hatte, übersetzt, und seine Massen auf der Insel Lobau formirt, aus welcher man den zweyten Uebergang über den schmälern Arm der Donau und seine offensiven Absichten nothwendig voraussehen mußte.
Se. Kaiserl. Hoheit Erzherzog Karl beschloß sogleich, ihm mit der vortrefflichen Armee entgegen zu gehen, seinen Uebergang nicht zu hindern, dann aber über ihn herzufallen, und die Kühnheit seiner gewagten Unternehmung zu bestrafen. Es kann nicht unberührt gelassen werden, welchen hohen Enthusiasmus dieser Entschluß in der ganzen Armee erweckte; sie war trunken vor Freude. Alle Gefühle von ächter Vaterlandsliebe, und treuer Anhänglichkeit an ihrer Monarchen, hatten sie zu Helden gebildet, und die rauchenden Brandstätten, die Scenen der Verwüstung, die den Zug der feindlichen Armee durch Oesterreich bezeichneten, hatten sie zur gerechten Rache entflammt. Mit jauchzendem Frohlocken, unter tausendfältigem Ausrufe: Es lebe unser gute Kaiser! und mit dem Sieg im Herzen, gingen unsere Kolonnen dem zum gegenseitigen Angriffe vorrückenden Feinde am 21sten um 12 Uhr Mittags entgegen, und die Schlacht begann kurz nach 3 Uhr.
Napoleon selbst ordnete den Angriff, indem er mit seiner ganzen Kavallerie unser Centrum zu durchbrechen suchte, und diese Massen von Reiterey mit 60,000 Mann Infanterie, mit seinen Garden, und mit mehr als 100 Feuerschlünden unterstützte; seine beyden Flügel waren an den beyden durch Natur und Kunst möglichst befestigten Orte Aspern und Eßlingen gestützt. Er brach nirgends durch, unsere Bataillons formirten Massen und wiesen seine Kavallerie überall zurück, indessen unsere Kürassiers seine gepanzerten Reiter warfen, und unsere leichten Reiter den Tod in seine Flanken brachten.
Es war ein Riesengefecht, das kaum einer Beschreibung fähig ist. Bald darauf wurde die Schlacht bey der ganzen Infanterie allgemein; mehr als 200 Kanonen waren im Wettstreit der gegenseitigen Verwüstung. Aspern wurde zehnmal genommen, verloren, und wieder erobert. Eßlingen konnte nach wiederholten Stürmen nicht behauptet werden. Es war 11 Uhr Nachts, die Dörfer stunden in Flammen, wir waren Meister des Schlachtfeldes, der Feind war eingeengt, mit der Insel Lobau und der Donau im Rücken, die Nacht hatte den Blutbade ein Ende gemacht.
Erzherzog Karl hatte indessen durch brennende Fahrzeuge, welche die Donau hinabschwammen, die feindliche Brücke über die große Donau durchbrechen lassen. Napoleon war in der seltenen Lage, den folgenden Tag für seine Existenz kämpfen zu müssen. Er zog noch in der Nacht alle seine disponiblen Truppen aus Wien und von der obern Donau durch ununterbrochene Ueberschiffung an sich, ließ mit der möglichsten Anstrengung an der Herstellung seiner großen Brücke arbeiten, und griff uns um 4 Uhr früh mit einer wüthenden Kanonade von seinem ganzen Geschütze an, nach welcher sogleich die Schlacht sich auf der ganzen Linie engagirte. Bis Abends 7 Uhr waren alle Angriffe abgeschlagen, die Beharrlichkeit des Feindes, mußte dem Heldenmuthe unserer Truppen weichen, und der vollständigste Sieg krönte die Anstrengungen einer Armee, die, kurz vorher in den französischen Proklamationen als bouleversirt erklärt, das Phantom der Unüberwindlichkeit mit blutigen Wunden an ihren Gegnern vernichtet hat. Sein Verlust war ungeheuer, das Schlachtfeld ist mit Leichen besäet; 6000 Blessirte wurden bis jetzt unter den Todten hervorgesucht, und liegen in unsern Verbandhäusern.
Noch kann bis jetzt kein verläßlicher Ausweis über die Trophäen dieser merkwürdigen Tage gegeben werden, die Pflichten der Menschlichkeit erfordern die erste Sorge des eben so menschenfreundlichen als heldenmüthigen Siegers.
Kaiser Napoleon ist im vollem Rückzuge *) auf das jenseitige Ufer, den er durch die Besetzung der großen Insel Lobau deckt. Wir sind noch in steter Verfolgung begriffen **).
*) Den er aber deckt! --
**) Kommt noch öfter vor. --


Zehntes Bülletin der kaiserl. Französischen Armee.

Ebersdorf gegenüber theilt sich die Donau in 3 Arme, welche 2 Inseln bilden. Vom rechten Ufer zur ersten Insel beträgt die Entfernung 240 Klaster. Diese Insel hat beyläufig 1000 Klaster im Umkreis. Von ihr bis zur grossen Insel, wo die Hauptströmung ist, hat der Arm 120 Klaster in der Breite. Die grosse Insel in der Lobau genannt, zählt 7000 Klaster im Umkreis, und der Kanal, der sie vom festen Lande scheidet 70 Klaster. Die ersten Dörfer, die man sodann antrift, sind Großaspern, Esling und Enzersdorf. Der Uebergang über einen Strom, wie die Donau, und in Gegenwart eines Feindes, der die Gegend genau kennt, und die Einwohner für sich hat, ist eine der größten Kriegsunternehmungen, die man entwerfen kann.
Die Brücke vom rechten Ufer zur ersten Insel, und jene von der ersten Insel in die Lobau, wurden den 19. geschlagen; schon vom 18. an, hatte sich die Division Molitor auf Ruderschiffen in die grosse Insel geworfen.
Den 20. setzte der Kaiser auf diese Insel über, und ließ eine Brücke über den letzten Arm zwischen Großaspern und Esling schlagen. Da dieser Arm nur 70 Klaster breit ist, so erheischte die Brücke nur 15 Pontons, und kam in 3 Stunden unter Leitung des Artillerie-Obersten Aubry zu Stande.
Der Oberste Saint Croix, erster Adjutant des Marschalls Herzog von Rivoli, setzte der erste in einem Schiffe auf das linke Ufer über.
Die Division leichter Reiterey des Generals Lasalle, und die Divisionen Molitor und Boudet folgten in der Nacht.
Den 21. rekognoszirte der Kaiser, in Begleitung des Fürsten von Neuchatel, und der Marschälle Herzog von Rivoli und Montebello, die Lage des linken Ufers, und zeichnete sein Schlachtfeld aus. Der rechte Flügel lehnte sich an Esling, der linke an Großaspern, und beyde Orte wurden sogleich besetzt.
Den 21. um 4 Uhr Nachmittags zeigte sich der Feind, und schien die Absicht zu haben, unsern Vortrab zu werfen, und ihn in den Fluß zu sprengen. Vergeblicher Entwurf! Der Marschall Herzog von Rivoli wurde zuerst in Großaspern von dem Corps des Gen. Bellegarde angegriffen. Er manövrirte mit den Divisionen Molitor und le Grand den ganzen Abend hindurch, und schlug alle Angriffe auf ihn zur Verwirrung des Feindes ab. Der Marschall Herzog von Montebello vertheidigte das Dorf Esling, und der Marschall Herzog von Istrien deckte mit der leichten Reiterey und der Kuirassier-Division Espagne die Flächen, und schützte Enzersdorf. Das Treffen war lebhaft. Der Feind führte 200 Kanonen und beyläufig 90000 Mann auf, welche aus den Trümmern aller Corps der Oesterreichischen Armee zusammengesetzt waren.
Die Kuirassier-Division Espagne machte mehrere herrliche Angriffe, durchbrach zwey Quarre, und eroberte 14 Kanonen. Eine Kugel tödtete den General Espagne, der rühmlich an der Spitze der Truppen focht, einen tapfern, ausgezeichneten, und unter allen Gesichtspunkten empfehlungswürdigen Offizier. Der Brigade-General Fouler ward in einem Angriff getödtet.
General Nansouty langte mit der einzigen Brigade des Generals Saint Germain gegen Ende des Tages auf dem Schlachtfelde an. Diese Brigade zeichnete sich durch mehrere schöne Angriffe aus. Um 8 Uhr Abends hörte das Treffen auf, und wir blieben vollständig Meister vom Schlachtfelde. Während der Nacht giengen das Corps des Gen. Oudinot, die Division Saint Hilaire, und 2 Brigaden leichter Reiterey über die 3 Brücken.
Den 22. um 4 Uhr Morgens wurde der Marschall Herzog von Rivoli zuerst angegriffen, und der Feind macht mehrere wiederhohlte Versuche, den Ort wieder zu nehmen. Ueberdrüßig endlich sich blos auf Vertheidigung zu beschränken, griff der Herzog von Rivoli seinerseits an, und warf den Feind. Der Divisionsgeneral le Grand macht sich durch die Kaltblütigkeit und Unerschrockenheit bemerkbar, die ihn auszeichnen.
Der Divisionsgeneral Boudet, der in Esling stand, hatte den Auftrag diesen wichtigen Posten zu vertheidigen. Da er sah, daß der Feind vom rechten Flügel zum linken einen weiten Raum einnahm, so faßte er den Entwurf, sein Centrum zu durchbrechen. Der Marschall Herzog von Montebello stellte sich an die Spitze des Angriffs; General Oudinot bildete seinen linken Flügel, die Division Saint Hilaire, das Centrum, und die Division Boudet den rechten. Das Centrum der feindlichen Armee hielt die Blicke unserer Truppen nicht aus. In einem Augenblick war alles geworfen. Der Marschall Herzog von Istrien, befahl mehrere Angriffe, die alle des schönsten Zweck hatten. Drey Kolonnen feindlicher Infanterie wurden von den Kürassieren angegriffen und zusammengehauen. Es war um die Oesterreichische Armee geschehen, als um 7 Uhr Morgens ein Adjutant dem Kaiser die Nachricht hinterbrachte, daß das plötzliche Anschwellen der Donau eine grosse Zahl starker Bäume und Flösse, die während der Einnahme von Wien zerhauen, und an die Ufer geworfen wurden, flott gemacht habe, und daß dadurch die Brücke, die vom rechten Ufer zur linken Insel, und von da zur Lobau führte, durchbrochen worden seyen. Alle Reserve-Parke, die nachzogen, der größte Theil unseree schweren Reiterey, das ganze Korps des Herzogs von Auerstädt, die Reserven der Herzoge von Rivoli und Montebello, und die Hälfte dee Garde fanden sich dadurch auf dem rechten Ufer zurückgehalten. Von 60 Kanonen der Garde waren nur 4 angelangt.
Dieser verdrüßliche Zufall bestimmte den Kaiser die Bewegung vorwärts einzustellen. Er befahl dem Herzog von Montebello, das Schlachtfeld, das man recognoscirt hatte, zu behaupten, und eine Stellung zu nehmen, wo er den linken Flügel an eine kleine Anhöhe, die den Herzog von Rivoli deckte, und den rechten an Esling lehnte.
Der Feind war in der fürchterlichsten Unordnung, als er erfuhr, daß unsere Brücken durchbrochen wären. Der grosse Artillerie-Train konnte nicht hinüber, und er merkte das bald an dem Ermatten unseres Feuers. Alle seine Pulverkarren und Artillerie-Equipagen, die schon im Rückzuge waren, zeigten sich wieder auf der Linie, und von 9 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends machte er, unterstützt von dem Feuer von 200 Kanonen, unerhörte Anstrengungen, um die Französische Armee zu werfen. Diese Anstrengungen schlugen zu seiner Schmach aus. Dreymal griff er die Dörfer Esling und Großaspern an, und dreymal füllte er sie mit seinen Todten. Die Füssiliers der Garde vom General Muton befehligt, bedeckten sich mit Ruhm, und warfen die Reserve, die aus allen Grenadieren der Oesterreichischen Armee, den einzigen frischen Truppen, die der Feind noch übrig hatte, bestand. General Gros ließ einige hundert Ungarn, die sich schon im Kirchhofe von Esling festgesetzt hatten, über die Klinge springen. Die Plenkler unter Befehlen des Generals Curial machten in dieser Schlacht ihren ersten Waffendienst, und bezeigten Tapferkeit. Der General Torsonne, kommandirender Oberster der alten Garde, stellte diese in die dritte Linie, und bildete eine Mauer von Erz. die allein hinreichte, alle Anstrengungen der Oesterreichischen Armee aufzuhalten. Der Feind machte mehr als 40000 Kanonenschüsse, während wir, unserer Reserve-Parke beraubt, in der Nothwendigkeit uns befanden, unsere Munition für irgend einen unerwarteten Umstand zu schonen.
Des Abends nahm der Feind seine alte Stellung, die er um uns anzugreifen verlassen hatte, wieder ein, und wir blieben Meister vom Schlachtfeld. Sein Verlust ist unermeßlich. Soldaten, die ein sehr geübtes Augenmaß haben, schätzen die Zahl der Todten, die er auf dem Schlachtfelde ließ, auf mehr als 12000. Den Aussagen der Gefangenen zufolge, waren ihm 23 Generale und 60 Oberoffiziere getödtet oder verwundet worden. Der Gen. F. M. L. Weber, 1 General-Major, 1800 Mann und 4 Fahnen sind in unserer Macht verblieben. Der Verlust von unserer Seite war beträchtlich. Wir hatten 1100 Todte und 3000 Verwundete. Dem Marschall Herzog von Montebello wurde der Schenkel durch eine Kugel zerschmettert. Den 22. um 6 Uhr Abends wurde er ihm abgenommen, und sein Leben ist ausser Gefahr. Im ersten Augenblicke glaubte man ihn todt. Er wurde auf einer Tragbahre zum Kaiser gebracht, und eine rührende Abschiedsszene erfolgte. Mitten unter den Sorgen dieses Tages überließ sich der Kaiser der zärtlichen Freundschaft, die er seit so vielen Jahren für diesen tapfern Waffengefährten hegt. Thränen floßen aus seinen Augen, und sich gegen die Umstehenden wendend, rief er aus: "Nur ein so empfindlicher Schlag mußte diesen Tag mein Herz treffen, um mich zu vermögen, andern Sorgen, als denen für meine Armee Raum zu geben." Der Herzog von Montebello hatte die Besinnung verloren. Die Gegenwart des Kaisers rief ihn wieder ins Leben. Er warf sich an seinen Hals, und sagte ihm: "In einer Stunde werden Sie den verloren haben, der mit dem Ruhm, und dem Bewußtseyn stirbt, Ihr bester Freund gewesen zu seyn!"
Der Divisionsgeneral Saint Hilaire wurde verwundet. (Er ist einer der ausgezeichnetesten Generäle Frankreichs.) General Dürosnel, Adjutant des Kaisers, wurde von einer Kugel hinweggenommen, als er eine Ordre überbrachte. Der Soldat bezeigte eine Kaltblütigkeit und Unerschrockenheit, die nur den Franzosen eigen ist.
Da das Wasser der Donau immer wuchs, so konnten die Brücken während der Nacht nicht hergestellt werden. Der Kaiser ließ den 23. seine Armee über den kleinen Arm am linken Ufer setzen, und sie in der Insel der Lobau eine Stellung einnehmen, wobey er seine Brückenkopfe besetzt behielt.
Man arbeitet daran die Brücken wieder herzustellen, und man wird nichts unternehmen, was nicht gegen alle Zufälle, die vom Wasser herrühren könnten, und selbst gegen alle Unternehmungen, die man gegen die Brücken versuchen dürfte, vollkommen gesichert ist. Die Höhe des Wassers und die reissende Schnelligkeit des Stroms machen beträchtliche Arbeiten und grosse Vorsichtsmaßregeln erforderlich.
Als man den 23. des Morgens der Armee bekannt machte, daß der Kaiser befohlen habe, auf die grosse Insel zurückzugehen, so war das Erstaunen dieser Tapfern ausserordentlich. Sieger an beyden Tagen, glaubten sie, daß der Rest der Armee kommen würde, sich mit ihnen zu vereinigen. Man mußte ihnen Sagen, daß das grosse Wasser die Brücken gebrochen habe, und durch beständiges Wachsen es unmöglich mache, die verbrauchten Munizionen und Lebensmittel zu ersetzen, daß folglich jede Bewegung vorwärts unvernünftig wäre. Es ist ein sehr grosses und ganz unvorhergesehenes Unglück, daß Brücken, die aus den größten Donauschiffen zusammengesetzt, und durch doppelte Anker und grosse Seile befestigt waren, hinweggerissen worden sind. Aber es ist ein grosses Glück, das es der Kaiser nicht 2 Stunden später erfuhr; die Armee hätte den Feind verfolgt, ihre Munizionen erschöpft, und sich ohne Mittel gesehen, sie zu erneuern.
Den 23. schiffte man eine grosse Menge Lebensmittel nach dem Lager in der Lobau über.
Die Schlacht von Esling, worüber ein ausführlicherer Bericht erschienen, und die Tapfern, die sich auszeichneten bekannt machen soll, wird in den Augen der Nachwelt ein neues Denkmal des Ruhmes und der unerschütterlichen Standhaftigkeit der Französischen Armee seyn.
Die Marschälle Herzoge von Montebello und Rivoli haben in dieser Schlacht die ganze Stärke ihres militairischen Charakters entwickelt.
Der Kaiser hat den Oberbefehl über das zweyte Armeekorps dem Grafen Oudinot verliehen, einen Generale, erprobt in hundert Gefechten, wo er eben so viele Unerschrockenheit als Einsicht zeigte.


Oesterreichischer Amtsbericht.

Den 21. mit Tages-Anbruch ließ der Erzherz. Carl die Armee ins Gewehr treten und formirte sie in zwei Treffen auf der sanften Anhöhe hinter Gerasdorf zwischen dem Bisamberg und dem Rußbach; der rechte Flügel (FML. Hiller) stand bei Stammersdorf, ihm zur Linken G. d. C. Bellegarde, weiter links FML. Hohenzollern, im Intervall zwischen diesem und Rosenberg G. d. C. Lichtenstein mit der Cavallerie, auf dem linken Flügel am Rußbach FML. Rosenberg, die Grenadiere en Reserve bei Säuring, das Corps des FZM. Fürsten Reuß am Bisamberg und an den Auen aufwärts der Donau. Die Armee bestand aus 103 Bataillons, 148 Escadrons, zusammen 75,000 Mann ausrückenden Standes. Das Geschütz, worunter 11 Cavallerie-Batterien, aus 288 Stück. Die Absicht des Erzherzogs war, den Feind über die ersten Armee der Donau zurückzuwerfen, seine Brücken über dieselben zu zerstören, und das Ufer der Lobau mit einer zahlreichen Artillerie zu besetzen. Die Dörfer Aspern und Eßling, aus massiven Häusern erbaut, und ringsum mit Erdaufwürfen umgeben, gleichen zwei Bastionen, zwischen welchen eine doppelte Linie von Abzugsgräben die Courtine bildeten. Sie gewähren dem Debouchiren der Colonnen aus der Lobau die möglichsten Sicherheit. Essling hatte einen crenelirten (mit Schießlöchern für die Infanterie versehenen) Speicher, der in drei Stockwerken für einige hundert Mann Raum gewährte, und Aspern einen festen Kirchhof. Lezteres war in seiner linken Flanke an einen Arm der Donau gelehnt. Die Lobau diente zum Waffenplatz und zum Brückenkopf für die rückwärtige Brücke über den Hauptstrom. Aus dieser Stellung hatte der Feind bereits mit den Divisionen Molitor und Legrand (diese größtentheils aus Würtembergern, Hessen und Baden bestehend) unter dem Herz. von Rivoli, Boudet und dem Herz. von Montebello, und den Cavallerie-Divisionen Espagne und Lasalle unter dem Herz. von Istrien debouchirt, und richtete seine Marsch nach Hirschstetten, als die ersten östreichischen Vortruppen auf ihn stiessen.
Mit dem Schlag 12 Uhr setzten sich die östreichischen Colonnen zum Angriff in Bewegung.
Ite Colonne, (Hiller. Avantgarde unter Nordmann. 19 Batail. 22 Esc.) Sie kämpfte einen hartnäckigen Kampf um den Besitz von Aspern. Endlich gelang es dem General Vacquant von der zweiten Colonne, den obern Theil des Dorfs zu gewinnen, und sich daselbst die ganze Nacht hindurch zu behaupten, indem er dasselbe mit 8 Bataillons besetzt hielt, indessen Hiller die aus dem Dorfe zurückgezogenen Truppen seines Corps in Schlachtordnung aufstellte, und die Nacht unter dem Gewehr zubrachte.
IIte Colonne, (Bellegarde. Avantgarde unter Fresnel. 20 Bat. 16 Esc.) Bellegarde ließ durch den General Vacquant das von 12,000 Mann der besten feindlichen Truppen vertheidigte Dorf Aspern mit Sturm erobern. Der Feind drang mit 2 Infanterie-Colonnen und 12 Curassier-Regimentern vor, und warf die Chevaulegers von Klenau und Vincent auf die Massen der östreichischen Infanterie. Diese gab auf 10 Schritt eine wohl angebrachte Decharge, der Feind wich in Unordnung, und das Corps blieb die Nacht hindurch im Besitz von Aspern unterm Gewehr.
IIIte Colonne, (Hohenzollern. 22 Bat. 8 Esc.) Sie rückte mit großer Entschlossenheit an den Feind, als plötzlich seine Cavallerie in einer ganz unverhältnißmäßigen Stärke so schnell hervorbrach, daß die vorgeführte Artillerie kaum Zeit zu ihrer Rettung gewann, und die Bataillonsmassen ihrer eigenen Verteidigung überlassen blieben. Dieses war der merkwürdige Augenblick, wo die Regimenter Zach, Joseph Colloredo, Zettwitz und Froon, 1 Bataillon Stein und das 2te der Legion Erzh. Karl unter dem FML. Brady und den GM. Buresch Maier und Koller mit einer beispiellosen Standhaftigkeit in vollem Maaße bewiesen, was fester Entschluß zu siegen oder zu sterben gegen die wüthendsten Angriffe vermag. Die feindliche Cavallerie umzingelte diese Massen, und forderte sie zur Niederlegung ihrer Waffen auf. Ein wohl angebrachtes mörderisches Feuer war die Antwort auf diese Zumuthung und die feindliche Cavallerie räumte mit Hinterlassung einer beträchtlichen Anzahl von Todten das Feld. Das Corps brachte, wie die übrigen, die Nacht auf dem Schlachtfelde zu.
IVte Colonne, (Rosenberg. 13 Bat. 8 Esc. und
Vte Colonne, (13 Bat. 16 Esc. vom Rosenbergischen Corps; die Avantgarden beider Colonnen unter FML. Klenau.) Sie drangen gegen Essling und Enzersdorf vor. Enzersdorf wurde emportirt, Essling konnte nicht genommen, wenigstens nicht behauptet werden. Die östreichischen Truppen mußten es bei einbrechender Nacht wieder verlassen und schlachtfertig den folgenden Morgen erwarten.
Die Reserve-Cavallerie (Fürst Lichtenstein, 78 Esc. Avantgarde unter Graf Wartensleben,) rückte gegen Essling vor, schlug die wiederholten Angriffe des Feindes ab, wobei die Generale Dürosnel (wenige Schritte vom Kaiser) und Foulers gefangen wurden, konnte aber wegen des Flankenfeuers aus Eßling den Feind nicht weiter verfolgen. Abends um 7 Uhr warfen sich abermals 3000 Pferde auf die Cürassier-Brigaden Kroyher, Clary und Siegenthal, wurden aber in den Flanken angegriffen, ein Theil derselben abgeschnitten, auf die rückwärts im dritten Treffen stehenden Insurrektions-Regimenter geworfen und dort gefangen. Fürst Lichtenstein brachte die Nacht auf dem Terrain zu, das er dem Feind entrissen hatte.
Der Erzherzog hatte durch brennende Fahrzeuge, welche die Donau hinab schwammen, die feindliche Brücke in die Lobau durchbrechen lassen. Indessen hatte Napoleon noch am Abend das Corps von Oudinot an sich gezogen, und alle disponibeln Truppen von Wien und von der obern Donau folgten durch ununterbrochene Ueberschiffung nach. Der Erzherzog ließ nun auch das Grenadier-Corps, das an der ersten Schlacht keinen Antheil genommen, von Gerasdorf nach Breitenloe vorrücken.


Zweiter Schlacht-Tag.
Hiller'sches Corps. Der Kampf um Aspern wurde fortgesetzt, das Regiment Benjowsky eroberte den Kirchhof und behauptete sich in demselben, auch in der Au konnte der Feind nichts erringen, Hiller behielt seine Stellung in der feindlichen linken Flanke und der Sieg war von dieser Seite entschieden.
Corps von Bellegarde. Noch vor Anbruch des Tages folgte der feindliche Angriff auf Aspern, und das Vorrücken des Feindes auf das Centrum des Corps in der Ebene. Aspern gieng verloren und wurde wieder genommen. Die Behauptung desselben wurde dem Hiller'schen Corps überlassen. Bellegarde lehnte seinen rechten Flügel an das Dorf, und nahm den linken und das Centrum in der Direction vor Eßling dergestalt vor, daß er nach und nach die rechte Flanke des Feindes gewann, und ihn dadurch zum Rückzug nöthigte.
Corps von Hohenzollern. Fürst Lichtenstein ließ die Cavallerie seines rechten Flügels en echiquier hinter den Infanterie-Massen des Centrums aufstellen. Vierhundert Kanonen waren von beiden Seiten im Spiel. Die feindliche Cavallerie warf sich vornehmlich auf den Punct, wo die Lichtensteinische mit dem linken Flügel von Hohenzollern zusammen stieß. Der Erzherzog selbst ergriff die Fahne des Bataillons Zach, welches zu wanken anfieng, und nun mit neuer Begeisterung seinem heroischen Beispiel folgte. Die meisten von seiner Umgebung wurden verwundet; unter ihnen sein General-Adjutant Graf Colloredo. Der Feind wurde zur Räumung des Schlachtfeldes gezwungen. Das Corps blieb in der eroberten Stellung, bis die Grenadier-Reserve zur Ablösung der erschöpften Bataillons herbei kam, und den Angriff auf das feindliche Centrum fortsezte.
FML. d'Aspre drang mit den Grenadier-Bataillons Przczinsky, Puteany, Scopaux und Scharlach bis an die Kanonen des Feindes vor, und wurde durch ein mörderisches Feuer aus Essling flankirt. Nur die Gegenwart des herbeieilenden Erzherzogs konnte die Grenadiere zum Stehen bringen. Um 12 Uhr nahm d'Aspre einen neuem Sturm mit den Grenadier-Bataillons Kirchenbetter, Scovaux, Scharlach und Georgy auf die crenelirten Mauern der Häuser von Essling vor, aber alle Anstrengung war vergeblich.
Rosenbergisches Corps. Essling wurde auch von diesem angegriffen, ein unter Begünstigung des Nebels gemachter Cavallerie-Angriff fünfmal abgeschlagen; nur waren auch hier die von den Generalen Fürst Hohenlohe, Rohan und Dedovich gemachten Versuche, sich des Dorfs zu bemächtigen, fruchtlos. Der Feind behauptete diesen Posten, der ihm zur Deckung seines schon beschlossenen Rückzugs von der äußersten Wichtigkeit war. Diesen vollendete er in der Nacht vom 22. zum 23. nach der Insel Lobau, und um 3 Uhr Morgens räumte seine Arriergarde Essling, und alle auf dem linken Ufer besetzten Puncte. Es war die hartnäckigste und blutigste Schlacht, die seit dem Ausbruch der französischen Revolution geliefert wurde. Drei Kanonen, 7 Munitionskarren, 17000 französische Gewehre, 3000 Kürasse wurden eine Beute des Siegers. Die General Lannes, d'Espagne, St. Hilaire, Albuquerque wurden getödtet; Massena, Bessieres, Molitor, Boudet, Legrand, Lasalle und zwei Lagrange verwundet, über 7000 Mann und eine ungeheure Anzahl von Pferden auf dem Schlachtfeld begraben, 5000 Blessirte in die österreichischen Lazarthe, über 29,000 in die von Wien und den Vorstädten gebracht, viele nach St. Pölten, Enns und Linz abgeführt; 2,300 Mann gefangen. Der östreichische Verlust beträgt 87 Offiziere, 4,199 Unteroffiziere und Gemeine an Todten; 12 General (Rohan, Dedovich, Weber, Frenel, Winzingeroda, Grill, Neustädter, Siegenthal, Colloredo, Mayer, Hohenfeld, Buresch), 663 Offiziere, 15,651 Unteroffiziere und Gemeine an Verwundeten; FML. Weber, 8 Offiziere und 829 Mann wurden gefangen.


Zusätze.
Das würtembergische Chevauxlegers-Regiment Herzog Heinrich machte die Avantgarde des rechten französischen Flügels. Durch Detaschirungen war es auf 160 Pferde verringert, und dennoch warf es den Feind mehreremale, verlohr aber seinen Major von Wiederhold, den würdigen Enkel eines tapfern, in der vaterländischen Geschichte berühmten Ahnherrn.
Das badische leichte Dragoner- und das 3te Linien-Infanterie-Regiment fochten unter dem Herzog von Rivoli mit Auszeichnung. Von jenem wurde der Obrist-Lieutenant Graf August von Sponek getödtet.


Armee-Befehl vom 24. May 1809.

Die Tage vom 21sten und 22sten May werden ewig merkwürdig bleiben in der Geschichte der Welt. Die Armee hat Beweise von Patriotismus, von Heldengeist, von Verachtung der Gefahren gegeben, die die Nachwelt bewundern und unsern Enkeln als Beyspiele seltener Großthaten darstellen wird. Sie hat dem Feinde, der unläng t erst mit ihrer Vernichtung prahlte, ihr Daseyn blutig beweisen; sie hat meine großen Erwartungen übertroffen, und ich fühle mich stolz, ihr Anführer zu seyn. Ihr seyd auf dem Schlachtfelde die ersten Soldaten der Welt, seyd und bleibt es auch im Geiste der Disciplin, der Ordnungsliebe, der Ehrfurcht für das Eigenthum der Bürger; dann seyd ihr nicht allein die erste, dann seyd ihr auch die einzige Armee, und das dankbare Vaterland wird eure Thaten segnen.
Unser angebeteter Monarch vertraut und dankt euch mit väterlichem Gefühle die Sicherheit seines Thrones und die Sicherheit eurer Angehörigen. Ich erwarte ehestens von den Herren Korpskommandanten die umständliche Relation der bey ihren Abtheilungen vorgefallenen Ereignisse. Das Vaterland und der Monarch wollen die Stützen ihrer Unabhängigkeit, ihres Reichs und ihrer Größe kennen; ihre Namen sollen in den Annalen Oesterreichs glänzen. Bis dahin kann ich nur jene nennen, deren ausgezeichnetes Verdienst entweder von der ganzen Armee anerkannt ist, oder die der Zufall meiner persönlichen Ueberzeugung näher brachte.
Der Herr General der Kavallerie Fürst Johann Lichtenstein hat seinen Namen verewiget -- dieses Gefühl und meine warme Anhänglichkeit an seine Person verbürgt ihm die Dankbarkeit unsers Monarchen, ich kann ihn nur mit dem öffentlichen Ausdrucke meiner Achtung lohnen.
Erzherzog Karl, Generalissimus.


Züge von Heldenmuth.

In der Schlacht von Aspern ergriff der Oberjäger Finkenberg vom zweyten Jägerbataillon einen Stabsoffizier von der französischen Tirailleurgarde, die eben zum Angriff vorrückte, und riß ihn mitten aus den Reihen der Seinigen heraus. Mehrere Feinde verfolgen ihn, um ihm seine Beute wieder zu entreißen; aber der Unterjäger Bernard Chasseur kommt ihm zu Hilfe. Dieser wirft sich auf den Haufen der Verfolgenden, schlägt sich mit ihnen ganz allein herum, verschafft dadurch seinem Kameraden Zeit den gemachten Gefangenen in Sicherheit zu bringen, und nimmt bey dieser Gelegenheit selbst noch einen Offizier und einen Mann gefangen.


Als am 21. May Abends die feindlichen Cürassiers in Massen vordrangen, um die Mitte des österreichischen Heeres zu durchbrechen, warf sich ihnen Graf Lippe, Oberstlieutenant der leichten Reiter von Klenau, mit seiner Division entgegen. Sein Muth riß ihn zu schnell vorwärts, und er war von Feinden umringt, ehe die Seinigen ihm folgen konnten. Der Wachtmeister Carl Schubert fühlte das Schimpfliche für die ganze Truppe, wenn vor ihren Augen ihr Anführer gefangen oder niedergehauen würde; er sprengte auf die Feinde los, hieb jeden vom Pferde, der den Kampf mit ihm wagte, und drang bis zu seinem Oberstlieutenant durch. Beyde aufs neue umringt, bahnen sich einen neuen Weg über die Leichen der Feinde zurück.

Als die Division nach diesem Angriff wieder gesammelt war, dankte der Oberstlieutenant, durch diesen Heldensinn gerührt, dem biedern Wachtmeister vor der ganze Truppe, und nannte ihn seinen Retter, seinen Freund, der, so wie dieser merkwürdigen Tag, ihm unvergeßlich bleiben werde. -- Eine so schöne Heldenthat und ihr lautes Lob aus dem Munde des Befehlhabers konnte ihre vielfältige Wirkung bey Truppen nicht verfehlen, die in vielen Kriegen durch ihre Heldenthaten sich der Ehre würdig gezeigt haben: die Nachfolger der Heldenschar von Lützen, der alten Piccolominier zu seyn.


In der Schlacht von Aspern, am 21sten Mai, wurde ein Korporal, ein Gefreiter, und ein Mann, vom Regiment Hieronymus Colloredo, abgeschickt, um die Stellung des Feindes bei Eslingen auszuspähen. Der Korporal und der Gemeine gingen etwas voraus, und wurden auf einmal von 10 bis 12 Feinden umringt. Sobald dies der Gefreite, Johann Lukovits, sahe, sprang er hinzu, tödtet viere der Feinde, entwaffnet zwei, treibt die Uebrigen in die Flucht, und befreit dadurch seine schon gefangenen Gefährten, die eben desarmirt werden sollten.


In derselben Schlacht sammelte der Dragoner Joseph Theymer, vom Regiment Knesevich, einige seiner zerstreute Kameraden, fiel mit ihnen einer feindlichen Kürassierabtheilung in Flanke und Rücken, hieb mehrere davon nieder, und nahm die meisten gefangen; doch erhielt er dabei zwei starke Kopfwunden, und einen Hieb auf die linke Hand. Demungeachtet verließ er die Truppe nicht eher, als am andern Tage, den 22sten, in der Frühe, auf wiederholten Befehl seines Rittmeisters. Kaum hatte er sich aber verbinden lassen, so trieb ihn sein Ehrgefühl zurück in die Reihe seiner Brüder, und da er den Helm nicht aufsetzen konnte, so nahm er ohne denselben Theil an den Gefahren dieses ruhmvollen Tages.


Der Gemeine Civil Ternin, vom nämlichen Regimente, bemerkte während einer Attaque am 21sten Mai einen feindlichen, durch den bordirten Hut und die gestickte Uniform ausgezeichneten General -- es war der Divisionsgeneral und Oberstallmeister der Kaiserin, Fuller. -- Sogleich sucht er in seine Nähe zu kommen, und indem er sich durch die denselben umringende feindliche Kavallerie durchhaut, und ihn selbst verwundet, faßt er dessen Pferd beim Zügel, und entführt ihn mit Blitzes Schnelligkeit aus der Mitte der Seinigen. Von dieser Kühnheit überrascht, wagen es nur einige Kürassier, ihn zu verfolgen; doch auch diese treibt er zurück, und führt so seinen Gefangenen davon. Aber eben so edelmüthig als tapfer, übergab er denselben, ohne ihm das Geringste abzunehmen, und eilte in das Handgemenge zurück.


Der Korporal Franz Rzeznitschock, vom Kürassierregiment Fürst Moriz Lichtenstein, hatte das Glück, durch seine Geistesgegenwart und Muth, seinen Divisionskommandanten, der sein Pferd verloren hatte, mitten aus den Feinden herauszuhauen. Um sein Werk nicht halb gethan zu haben, jagt er einem der fliehenden feindlichen Kavalleristen nach, haut ihn zusammen, bringt dessen Pferd zurück, und setzt dadurch seinen Chef in Stand, die Division zu railliren, und sie zu fernern Angriffen anzuführen.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Interessante Beyträge zu einer Geschichte der Ereignisse in Tyrol vom 10. April 1809 bis zum 20. Februar 1810. Gesammelt und herausgegeben zur unterhaltenden Vergleichung mit andern Nachrichten, Zeitungen und französischen Armee-Tags-Berichten -- nebst kurzen Anmerkungen. 1810.
  • Wiener-Zeitung. Verlegt von den v. Ghelenschen Erben. Nro. 42. (1809)
  • Europäische Annalen Jahrgang 1810. Tübingen in der J. G. Cottaischen Buchhandlung 1810.
  • Neue militärische Zeitschrift. Wien 1811. Gedruckt bey Anton Strauß.
  • Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst. Dritter Jahrgang 1812. Wien, gedruckt und im Verlag bey Anton Strauß.
  • Beiträge zur neuesten Kriegsgeschichte in Spanien und dem Norden von Europa in den Jahren 1811, 1812 und folgenden, mit Rückblicken auf die Kriege in den Jahren 1805 bis 1810. Leipzig, in der Baumgärtnerschen Buchhandlung. 1813.