Schlacht von Auerstädt

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Auerstädt, ein sächsisches Dorf unweit Naumburg, auf der Straße von da nach Erfurt. Es hat durch die am 14ten October 1806 zwischen der Armee des Königs von Preußen und der französischen vorgefallene Schlacht einen Namen in der Geschichte erhalten, von welcher wir hier eine Skizze geben wollen.

Nachdem das große preußische Heer durch ein Zusammentreffen unglücklicher Umstände und falscher Maßregeln so zertheilt worden war, daß ein Theil desselben zwischen Vierzehnheiligen und Jena unter dem Fürsten Hohenlohe, und der andere unter des Herzogs von Braunschweig Oberbefehl bei Auerstädt stand, ohne mit einander in directer Verbindung zu seyn, wurde diese Abtheilung vom Corps des Marschalls Davoust geschlagen, während sie auf dem Wege war, über Naumburg abzumarschiren, um die nun doppelt wichtigen Operationslinien an der Elbe und Oder zu gewinnen, da man die an der Saale bereits verloren hatte.

Diese Armee bestand aus drei Divisionen unter Oranien [XX], Wartensleben [XX] und Schmettau [XX] , und zwei Divisionen Reserve unter Kalkreuth [XX] [XX].

Am 13ten Nachmittags traf die Division Schmettau bei Auerstädt und Gernstädt ein. Sie hatte die Bestimmung, die unangreifbaren Defileen von Kösen zu besetzen; doch man nahm, wie zu Allem, auch hierzu sich zu viel Zeit; denn als am 14ten früh die Vorposten bei Hassenhausen ankamen, stießen sie auf die dort bivouacquirende Division Gudin, welche durch einen forcirten Nachtmarsch (vor welchem die preußischen Offiziere sich so fürchteten) den kösener Berg bereits erreicht und besetzt hatte.

Der Marsch nach Naumburg sollte nun forcirt werden, oder mit andern Worten, man wollte sich durch die im Wege stehende französische Armee durchschlagen. General Blücher machte daher, indeß die Teten der Infanterie sich entwickelten, mit 25 Escadron Cavallerie und einer reitenden Batterie einen heftigen Angriff, und warf die Franzosen bis hinter Hassenhausen zurück; doch mit einem Male gerieth man in dem undurchdringlichen Nebel, der die ganze weite Landschaft bedeckte, in das französische Artilleriefeuer; die Batterie wurde fast gänzlich demontirt, und man mußte mit dem Verluste der meisten Kanonen wieder retiriren.

Jetzt wollte der Herzog von Braunschweig die Armee zur förmlichen Schlacht formiren, um diese, wenn der Nebel gefallen sey, erst zu beginnen. Er wurde aber von Möllendorf und selbst dem Könige überstimmt, die Armee rückte fast im Laufen mitten durch den dicken Nebel gegen das feindliche Kartätschen- und Musketenfeuer vor. Allein in der Dämmerung, die Alles umhüllte, verlor man bald die Concentration; auf sechs verschiedenen Punkten, bei Rehhausen, Hassenhausen, bei Auerstädt, Poppelt, Truchwitz und Gernstädt schlug man sich, bald siegend, bald nicht; man sah weder die Batterien, noch die herangeschlichenen Tirailleurs, welche den unsichtbaren Tod in die Reihen der Preußen jagten.

Früh um 9 Uhr ward General Schmettau durch einige Flintenschüsse tödlich verwundet und außer Stand gesetzt, weiter zu commandiren; jetzt stellte sich der Herzog selbst an die Spitze des Grenadierbataillons Hanstein, um Hassenhausen mit Sturm wegzunehmen, da traf ihn eine Musketenkugel, die über dem rechten Auge eindrang; er stürzte vom Pferde; es war der letzte Augenblick, wo er eine preußische Armee sah. Mit seinem Falle war das Heer ohne Anführer; niemand selbst der König nicht, kannte genau seinen entworfenen Operationsplan.

Die Unordnung ward so allgemein, daß jeder Regiment- und Bataillonschef nach eigenem Gutdünken vorrückte oder retirirte; selbst ein entschlossener Cavallerieangriff, den Prinz Wilhelm wagen wollte, ward vom Feinde abgeschlagen, und es war eben Mittag, als die Cavallerie durch Auerstädt retirirte.

Indeß war dem Marschall Davoust sein Hauptmanöver gelungen, der preußische linke Fügel war durch den Marsch eines französischen Corps um Eckartshausen herum völlig umgangen, und die bis dort vorgedrungene preußische Reserve mußte nun auch um und durch das brennende Auerstädt retiriren.

Mitten im Gewühle der Schlacht schlug Blücher dem Könige vor, mit den beiden Reservedivisionen und der ganzen Cavallerie einen entscheidenden Generalangriff zu machen; der König gab seine Genehmigung, nahm sie aber schnell zurück, weil er zuvor durch die Corps von Hohenlohe und Rüchel sich verstärken und dann die Schlacht erneuern wollte.

Er wußte nicht, daß beide in jenem Augenblicke ebenfalls verloren waren. Er beschloß daher, nach Weimar zu marschiren, doch schon auf der wickerstädter Höhe sah seine Avantgarde das bei Apolda stehende, über Dornburg hergekommene Corps des Marschalls Bernadotte.

Von Weimar also bereits abgeschnitten, mußte der gänzliche Rückzug rechts ab nach dem Harz zu genommen werden. Der König selbst bahnte sich mitten durch die Feinde (er verlor unter sich ein Pferd) einen Weg nach Sömmerda; hier empfing er einen Brief des Kaisers Napoleon, datirt aus Gera vom 12ten October, zugleich aber auch die erschütternde Nachricht von der gänzlichen Niederlage des Fürsten Hohenlohe, welchen an demselben Tage Napoleon selbst bei Jena geschlagen hatte (m. s. Jena). "Es ist also Krieg zwischen und;" (sagte unter andern Napoleon in jenem Schreiben) "das Bündniß ist gebrochen für immer. Aber warum unsere Unterthanen worden? Ich fürchte die Schlachten nicht. Aber Sire ! Ew. Majestät werden besiegt, die Ruhe Ihrer Tage, die Existenz Ihrer Unterthanen werden Sie Preis geben, ohne den Schatten eines Vorwandes. Noch ist Alles unangetastet; noch können Sie auf eine Ihrem Range angemessene Art mir mir unterhandeln, nach einem Monate werden Sie es in einer andern Lage. Endigen Sie den kaum begonnenen Krieg, oder Sie werden über Ihr Volk ein Unglück bringen, das Ihr ganzes übriges Leben nicht wird heilen können"u. s. w.

Warum das Schicksal wollte, daß dieser Brief, dessen Ueberbringer am 13ten Oct. Nachmittags beim Fürsten Hohenlohe eintraf, so spät in der Königs Händen kommen mußte? und ob er die Lage der Dinge geändert haben würde? dies sind Fragen, die sich nicht beantworten lassen.

In der Predigerwohnung zu Sömmerda beantwortete Friedrich Wilhelm III. Napoleons Brief und schlug einen Waffenstillstand vor; doch der Sieger war nicht dazu zu bewegen, und nun ging der König eiligst mit Kalkreuth und etwa 12,000 Mann über die Oder, um dort eine neue Armee aufzustellen, und mit den langsam heranwogenden russischen Massen zur Fortsetzung des furchtbaren Kampfes sich zu vereinigen.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.