Schlacht von Bautzen

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Bautzen und Wurschen (Schlachten bei) im Jahre 1813.

Der Ausgang der Schlacht bei Lützen (oder Groß-Görschen) vom 2ten Mai 1813 hatte zur Folge, daß die Armeen der verbündeten nordischen Souveraine hinter die Elbe sich zurückzogen. Dies geschah unter immerwährenden Gefechten zwischen ihrer Arriergarde und dem feindlichen Vortrapp. Am 12ten Mai näherten sie sich Bautzen; brennende Ortschaften, unter ihnen das unglückliche Bischofswerde, bezeichneten den weg der nachrückenden Franzosen, die mehr noch wie jene mit dem Hunger kämpften, da der Mangel an Lebensmitteln so groß war, daß man diesseits Bautzen sogar die gelegten Kartoffeln wieder aus der Erde grub.

Hier bei Bautzen war es, wo die verbündeten wieder eine feste Stellung zu nehmen beschlossen; Sie bezogen ein Lager, befestigt durch Natur und Kunst, und erwarteten so den Feind. Der Kaiser Alexander befand sich in Wurschen, der König von Preußen in Kaditz; beide Orte liegen zwei Stunden östlich von Bautzen auf dem Wege nach Görlitz; ihre Armee, etwa 120,000 Mann stark, war (nach französischen Berichten, denn preußische sagen hierüber nichts) so geordnet, dass am 19ten Abends der linke Flügel an bemeldte steile Berg längs der Spree, ungefähr eine Stunde von Bautzen, das durch Verschanzungen und Redouten gedeckt war, und der rechte an befestigte Hügel gegen Nimmschütz hin anlehnte, die ganze Fronte aber durch die Spree gedeckt war, während etwa 3000 Klastern (Toisen) rückwärts eine zweite Reihe von Verschanzungen angelegt war, bis wohin der linke Flügel sich noch ausdehnte und das Dorf Hochkirch hinter sich hatte. Das Centrum hatte drei verschanzte Dörfer zur Anlehne und vor sich Sümpfe; die ganze Ausdehnung dieser Stellung mochte etwa anderthalb Stunden betragen.

Dagegen bildete bei der französischen Armee (am 19ten Mai) das Corps des Herzogs von Reggio (Oudinot) den Rechten Flügel, der an die Gebirge auf dem linken Spreeufer sich lehnte und von dem feindlichen linken durch den Thalweg des Flusses getrennt war, auf der dresdner Straße, die nach Bautzen führt, stand vor dieser Stadt der Herzog von Tarent (Macdonald); links davon, Nimmschütz gegenüber, stand der Herzog von Ragusa (Marmont) und General Bertrand am linken Flügel des Ragusa, mit der Fronte gegen Zaslitz. An diesem Tage (19ten Mai) wurde zur Vorbereitung auf die beiden nächsten der General Lauriston über Hoyerswerde detaschirt, um den rechten Flügel der Verbündeten zu umgehen oder doch anhaltend zu allarmiren; diese Expedition verunglückte; die Franzosen verloren in dem dadurch veranlaßten Gefecht bei Weisig (zwei Stunden unterhalb Bautzen) gegen Barclay de Tolly und Yorck sechs Kanonen, 1500 Gefangene und das Gelingen ihres Planes; dem französischen General Perry wurden öffentlich Vorwürfe über schlechte Anordnungen dabei gemacht. Unterdessen waren der Fürst von der Moskau (Ney) und Regnier nachgerückt; der erstere war in Markersdorf, der letztere eine Stunde weiter rückwärts, während Lauriston Weisig besetzt hatte, das von den Verbündeten verlassen worden war, als die Nacht einbrach.

Am folgenden Tage (20sten Mai) gab der Kaiser von Frankreich seine Befehle an die Marschälle Oudinot, Macdonald, Marmont, Soult und Ney; alle sollten in gewissen bestimmten Momenten über die Spree gehen, den rechten und linken feindlichen Flügel angreifen, auf das Centrum nach den Dorfe Wurschen, wo das russische-preußische Hauptquartier sich befand, losgehen und von da weiter nach Weissenburg vorrücken.

Um 12 Uhr Mittags begann Napoleons Angriff zuerst auf die Höhen von Kreckwitz, wo der preußische General Kleist stand; und verbreitete sich bald auf der ganzen Linie, außer welcher jedoch Bautzen, nach einer Tags vorher zwischen den beiden Kaisern getroffenen Uebereinkunft, geblieben war. Nun wenige französische Kugeln fielen daher in die Stadt, wodurch nur einige Dächer beschädigt wurden. Bis zwei Uhr war es den Franzosen gelungen, den Bogen um Bautzen herum zu umgehen; jetzt drangen sie in die Stadt. Bei diesem Genral-Angriffe erlangte der linke französische Flügel eine Stellung nordöstlich von Niederpurig bis Baruth, das Centrum von Kreckwitz bis Auritz und der rechte Flügel von Auritz bis Grubditz. Das Resultat des, besonders durch die Artillerie, mörderischen taglangen Kampfes war, dass Napoleon Abends sein Hauptquartier in Bautzen nahm und die Verbündeten rechts überflügelt waren. Eine zahllose Menge unglücklicher Schlachtopfer, die Mehrzahl derselben aber auf Seiten der französischen Armee, bedeckte, todt oder verwundet, das Schlachtfeld; die Verbündeten hatten keine Artillerie verloren.

Die Franzosen nannten die Ereignisse dieses Tages "Das Vorspiel des Kampfes von Wurschen."

Dieser begann am folgenden Tage (21sten Mai) mit Sonnenaufgang. Um 5 Uhr früh konnte Napoleon sich auf die Anhöhen begeben, die drei Viertelstunden jenseits Bautzen (nach der schlesische Gränze zu) sich befinden. Der Widerstand der Verbündeten war furchtbar, der Fürst von der Moskau ward mehrere Male zurückgeworfen, das Dorf Preilitz, das er besetzt hatte, ihm wieder genommen; der Herzog von Dalmatien kam auch in Verlegenheit; da manoeuvrirte Napoleon mit seiner Garde sich links schwenkend so, dass die Verbündeten ihre Stellung verändern mussten, ihr linker Flügel lehnte sich an das berühmte Hochkirch; aber es musste, nachdem wirklich der rechter Flügel sich ganz umgangen sah, nachdem Wurschen von Ney und Lauriston besetzt worden war, von den Corps der Herzoge von Ragusa und Tarent heftig gedrückt, auch seine Position verlassen und nun begannen die Alliirten den Rückzug nach Görlitz. Am Abend befand Napoleon sich in Klein-Raschütz.

Der größere Verlust an Mannschaft war ebenfalls auf Seiten der Franzosen, die auch (nach preußischen Berichten) mehrere Kanonen eingebüßt, während die Verbündeten deren keine verloren. Ueberhaupt wurde von der Alliirten der eigentliche Verlust der Schlacht nicht zugestanden, sondern angeführt, dass man aus "höhern Rücksichten" solche nicht fortgesetzt habe.

Das bedrängte Bautzen ward von den Unglücklichen überfüllt und Zeuge mehrerer herzzerreißenden Auftritte; so wurde der dortige Gottesacker verwüstet; die Särge wurden aus den Grüften gerissen, die Todten hinaus geschleudert und die morschen Bretter zu Wachfeuern verbraucht. Die Ruinen von 30 niedergebrannten Dörfer werden noch lange von der Schrecknissen jener Tage zeugen.

Die französische Armee setzte sich nun in Marsch gegen Schlesiens Gränze. (Man vergl. hiermit noch Hochkirch.)


Aus einem offiziellen Schreiben.

Vom Schlachtfelde zu Bautzen den 20. May 4 Uhr Nachmittags.

Der Kaiser von Rußland und der König von Preussen hatten ihre Armeen in der Stellung von Bautzen vereinigt, die in der Kriegsgeschichte schon berühmt ist. Die Corps der Generäle Tolly, von Langenau, von Sack und die an der Weichsel befindlich gewesenen Reserven waren zu diesen Armeen gestoßen und durch alles, was noch in Preussen und Schlesien stand, verstärkt worden.

Die vom Feind gemachten beträchtlichen Werker hatten die, schon von Natur feste Stellung, noch verstärkt.

Der Kaiser kam den 19. vor Bautzen an, und ließ diese Stellung heute angreifen. In diesem Augenblick ist die feindliche Armee auf allen Punkten in vollen Rückzuge. Der Uebergang über die Spree ist bewerkstelligt und die Stadt Bautzen ist in unserer Gewalt. Wir verfolgen den Feind und der Kaiser ist bereits anderthalb Stunden weit über das Schlachtfeld hinaus. Seine Majestät befinden sich wohl. Unser Verlust ist gering, besonders in Verhältniß mit der Wichtigkeit der Begebenheit.

Für Richtigkeit des Auszuges,
Der Präfekt des Ober-Ems-Departement, Ritter der Ehrenlegion,
Unterz.: K. v. Keverberg.

Auszug eines (offiziellen) Schreibens aus Maynz vom 24. May 1813.

Der Herr Obrist v. Montesquiou ist hier durch nach Paris gereist um Ihrer Majestät der Kaiserin die Nachricht von dem glänzenden und entscheidenden Siege zu bringen, welche der Kaiser am 21. d. M. vorwärts Bautzen erfochten hat. Der Feind hielt eine furchtbare Stellung besetzt, auf welche er nach seiner eigenen Aussage seit langer Zeit die schönsten Hoffnungen baute. Allein nachdem der Fürst von der Moskowa und der General Lauriston seinen rechten Flügel umgangen hatten, griff der Kaiser mit allen vereinigten Armee-Corps an, und der Feind mußte nach und nach alle Verschanzungen verlassen. Gegen Abend war er getrennt und nahm seinen Rückzug nach verschiedenen Punkten.

Dieser Sieg ist um so schöner, da er uns sehr wenig Leute kostet und wir keine Person von Bedeutung verloren haben.

Wir haben 2 bis 3000 Gefangene gemacht und der Kaiser befindet sich sehr wohl.

Für die Richtigkeit des Auszuges,
Der Präfekt des Ober-Ems-Departement, Ritter der Ehrenlegion,
Unterz.: K. v. Keverberg.


Französischer Bericht über die Schlachten bey Bautzen und Hochkirch.

"Ihre Majestät der Kayserin, Königin und Regentin hat folgende Nachrichten über die Begebenheiten erhalten, die am 19ten, 20sten, 21sten und 22sten bey der Armee vorgefallen sind, und über die Stellung der Armee am 23sten.

Der Kayser Alexander und der König von Preußen schrieben den Verlust der Schlacht von Lützen Fehlern zu, die ihre Generals in der Direction der combinirten Truppen gemacht hatten, und besonders den Schwierigkeiten, die mit einer offensiven Bewegung von 150 bis 180000 Mann verbunden sind. Sie beschlossen, die Stellung von Bautzen und von Hochkirch zu nehmen, welches in der Geschichte des siebenjährigen Kriegs bereits berühmt geworden, alle Verstärkungen, denen sie von der Weichsel und von andern rückwärts liegenden Puncten entgegensahen, abzuwarten, zu dieser Position alle Mittel der Kunst hinzufügen, und hier die Entscheidung einer neuen Schlacht zu versuchen, wovon alle Wahrscheinlichkeiten ihnen günstig zu seyn schienen.

Der Herzog von Tarent, welcher das 11te Corps commandirte, war am 15ten von Bischofswerder abgegangen und befand sich am 15ten des Abends einen Kanonenschuß weit von Bautzen, wo er die ganze feindliche Armee recognoscirte. Er nahm Position. Von diesem Augenblick an wurden die Corps der Französischen Armee nach Bautzen vorgerückt. Der Kayser ging am 18ten von Dresden ab, hielt zu Harta Nachtlager und kam um 10 Uhr des Morgens vor Bautzen an. Den ganzen Tag wandte er an, die Stellungen des Feindes zu recognosciren. Man erfuhr, daß die Russischen Corps von Barclay de Tolly, von Langeron und von Spaß und das Preussische Corps von Kleist zu der combinirten Armee gestoßen waren und daß ihre Stärke auf 150 bis 160000 Mann geschätzt werden konnte.

Am 19ten des Abends war folgendes die Stellung des Feindes: Sein linker Flügel lehnte sich an waldigte Berge längs der Spree, ungefähr eine Stunde von Bautzen. Sein Centrum stützte sich auf Bautzen. Diese Stadt war mit Schießscharten und Verschanzungen versehen worden. Der rechte Flügel des Feindes lehnte sich an befestigte Anhöhen, welche die Pässe nach der Spree von der Seite des Dorfs Nimschütz deckten. Seine ganze Fronte war durch die Spree gedeckt. Diese sehr starke Stellung war nur erst die erste Position. 3000 Klaster weiter rückwärts bemerkte man ganz deutlich frisch aufgegrabne Erde und Anlagen, welche ihre zweyte Position bezeichneten. Der linke Flügel lehnte sich ebenfalls an dieselben Berge, 2000 Klaster hinter denen der ersten Position und weit vorwärts Hochkirch. Das Centrum lehnte sich an drey verschanzte Dörfer, bey denen man so viele Anlagen gemacht hatte, daß man sie als feste Plätze ansehen konnte. Ein morastiges, schwieriges Terrain deckte drey Viertheile des Centrums. Ihr rechter Flügel endlich stützte sich hinter der ersten Position an Dörfer und an gleichfalls verschanzte Anhöhen. Die Fronte der feindlichen Armee sowol in der ersten als in der zweyten Position, mochte anderthalb Lieues betragen.

Nach dieser Recognoscirung konnte man wol begreifen, wie nach einer verlornen Schlacht, wie die bey Lützen, und nach einem achttägigen Rückzuge, der Feind noch Hoffnungen auf den Wechsel des Glücks setzen könnte. Ein Russ. Officier, den man fragte, was sie thun wollten, antwortete: "Wir wollen weder vorrücken, noch zurückweichen" "Sie sind Herr über den ersten Punct, versetzte ein Französ. Officier; die Begebenheiten werden aber in wenigen Tagen zeigen, ob Sie Herr des zweyten Puncts sind." Das Hauptquartier der beyden Souverains war in dem Dorfe Natchen.

Am 19ten war folgendes die Stellung der Französischen Armee: Auf dem rechten Flügel stand der Herzog von Reggio, indem er sich an die Berge auf dem rechten Ufer der Spree lehnte, und von dem linken Flügel des Feindes durch dies Thal getrennt war. Der Herzog von Tarent war vorwärts Bautzen, zu beyden Seiten an der Heerstraße nach Dresden. Der Herzog von Ragusa befand sich links von Bautzen, dem Dorfe Niemenschütz gegenüber. General Bertrand war auf dem rechten Flügel des Herzogs von Ragusa, lehnte sich an eine Windmühle und an ein Gehölz, und machte Miene, von Jaselitz gegen die rechte Flanke des Feindes vorzudringen. Der Prinz von der Moskwa, General Lauriston und General Reynier waren zu Hoyerswerda, auf der Straße nach Berlin, außer der Linie und hinter unserm linken Flügel.

Da der Feind erfahren hatte, daß ein beträchtliches Corps über Hoyerswerda ankam, so zweifelte er nicht, daß die Absicht des Kaysers dahin ginge, die Stellung rechts zu tourniren, das Schlachtfeld zu verändern, und alle mit so vieler Mühe und so großen Hoffnungen errichteten Verschanzungen unnütz zu machen. Da er erst bloß von der Ankunft des Generals Lauriston benachrichtigt war, so glaubte er nicht, daß diese Colonne über 18 bis 20000 Mann betrage. Er detaschirte also am 19ten um 4 Uhr des Morgens den General York mit 12000 Preussen und den General Barclay de Tolly mit 18000 Russen gegen sie. Die Russen stellten sich in dem Dorfe Klix und die Preussen in dem Dorfe Weißig.

Inzwischen hatte der Graf Bertrand den General Pery mit der Italienischen Division nach Königswartha geschickt, um unsre Communication mit den detaschirten Corps zu unterhalten. Als der General Pery des Mittags angekommen war, traf er schlechte Dispositionen, ließ den benachbarten Wald nicht durchstreifen, stellte keine Posten schlecht aus und ward um 4 Uhr mit einem Hurrah angegriffen, wodurch einige Bataillons in Unordnung geriethen. Er verlor 600 Mann, worunter sich der verwundete Italienische Brigade-General Balarhier befindet; überdies verlor er 2 Kanonen und 3 Pulverwagen; da aber die Division die Waffen ergriffen hatte, so lehnte sie sich ans Holz und bot den Feinden die Spitze. Nachdem der Graf von Valmy mit Cavallerie angekommen war, so stellte er sich an die Spitze der Italienischen Legion und nahm das Dorf Königswartha wieder ein. In diesem Augenblicke traf das Corps des Grafen Lauriston, welcher dem Fürsten von der Moskwa voranmarschirte, um die Stellung des Findes zu tourniren, zu Weißig ein. Das Gefecht begann, und das Corps von York würde aufgerieben worden seyn, wenn nicht der Umstand eingetreten wäre, daß ein Defilee zu passiren war, wodurch unsre Truppen nur nach und nach ankommen konnten. Nach einem 3stündigen Gefecht ward das Dorf Weißig genommen und das Corps von York auf die andere Seite der Spree zurückgeworfen. Das Gefecht bey Weißig würde allein ein wichtiges Ereigniß seyn. Ein näherer Bericht wird die Umstände zu erkennen geben.

Am 19ten war also Graf Lauriston des Nachts in der Position von Weißig, der Fürst von der Moskwa zu Mankersdorf und der Graf Reynier eine Stunde rückwärts. Die rechte Flanke des Feindes war offenbar überflügelt.

Am 20sten um 8 Uhr des Morgens begab sich der Kayser auf die Anhöhe hinter Bautzen. Dem Herzog von Reggio ertheilte er den Befehl, über die Spree zu gehen, und die Berge anzugreifen, an welche sich der linke Flügel des Feindes lehnte; dem Herzog von Tarent, eine Brücke über die Spree zwischen Bautzen und den Bergen zu werfen; dem Herzog von Ragusa, eine andere Brücke eine halbe Stunde von Bautzen über die Spree zu schlagen; dem Herzog von Dalmatien, welche Se. Majestät das Ober-Commando des Centrums übergeben hatten, über die Spree zu gehen, um den Feind in der rechten Flanke zu beunruhigen; endlich dem Fürsten von der Moskwa, unter dessen Befehlen das dritte Corps, der Graf Lauriston und General Reynier waren, sich Klix zu nähern, über die Spree zu gehen, den Feind in der rechten Flanke zu tourniren, und gegen dessen Hauptquartier zu Würschen, und von da gegen Weißenberg vorzudringen. Des Mittags begann die Kanonade. Der Herzog von Tarent hatte nicht nöthig, eine Brücke auf Pfählen schlagen zu lassen; er fand eine steinerne Brücke vor sich, deren Uebergang er forcirte. Der Herzog von Ragusa ließ eine Brücke schlagen; sein ganzes Corps begab sich auf das andere Ufer der Spree. Nach einer 6stündigen lebhaften Kanonade und nach mehrern fruchtlosen Angriffen des Feindes ließ General Compans Bautzen besetzen; General Bonnet besetzte das Dorf Nienkayn und nahm im Sturmschritt eine Anhöhe ein, die ihm zum Herrn des ganzen Centrums der feindlichen Position machte; der Herzog von Reggio bemächtigte sich der Anhöhen und um 7 Uhr des Abends ward der Feind auf seine zweyte Stellung zurückgeworfen. General Bertrand ging über einen Arm der Spree; der Feind aber behauptete die Anhöhen, die seine rechte Flanke unterstützten, und blieb durch dies Mittel zwischen dem Corps des Fürsten von der Moskwa und unsrer Armee.

Um 8 Uhr des Abends zog der Kayser in Bautzen ein, und ward von den Einwohnern und den Behörden mit den Gesinnungen empfangen, welche Alliirte haben mußten, die sich glücklich fühlten, von den Steins, Kotzebues und von den Cosacken befreyt zu seyn.

Diese Schlacht, die man, wenn sie einzeln für sich geblieben wäre, die Schlacht von Bautzen nennen könnte, war nur das Vorspiel der Schlacht von Würschen. Indeß fing der Feind an, die Möglichkeit einzusehen, daß er in seiner Stellung forcirt werden könnte. Seine Hoffnungen waren nicht mehr derselben, und er mußte von diesem Augenblick an seine Niederlage im voraus ahnden. Schon waren alle seine Dispositionen verändert. Das Schicksal der Schlacht sollte nicht mehr hinter seinen Verschanzungen entschieden werden. Seine ungeheuren Arbeiten und 300 Schanzen wurden unnütz. Der rechte Flügel seiner Stellung, der dem 4ten Corps entgegen gestellt war, ward jetzt sein Centrum, und er ward genöthigt, seinen rechten Flügel, der einen guten Theil seiner Armee ausmachte, zum Widerstande gegen den Fürsten der Moskwa, nach einer Gegend zu werfen, die er nicht studirt hatte, und die er ausser seiner Stellung glaubte. Am 21sten, um 5 Uhr des Morgens, begab sich der Kayser auf die Anhöhen, drey viertel Stunden vorwärts Bautzen. Der Herzog von Reggio hielt ein lebhaftes Gewehrfeuer auf den Anhöhen aus, welche von dem linken Flügel des Feindes vertheidigt wurden. Die Russen, welche die Wichtigkeit ihrer Stellungen einsahen, hatten daselbst einen starken Theil ihrer Armee aufgestellt, damit ihr linker Flügel nicht tournirt wurde. Der Kayser befahl den Herzögen von Reggio und von Tarent, diesen Kampf zu unterhalten, um den linken Flügel des Feindes zu verhindern, Unterstützung abzugeben und ihm den wahren Angriff zu verbergen, dessen Erfolg nicht vor Mittag oder 1 Uhr verspürt werden konnte. Um 11 Uhr marschirte der Herzog von Ragusa 1000 Schritte vorwärts, und fing vor den feindlichen Verschanzungen eine fürchterliche Kanonade an. Die Garde und die Reserve der Armee, Infanterie und Cavallerie, die verdeckt standen hatten leichte Auswege, um rechts oder links vorzudringen, je nachdem es die Abwechselungen in der Schlacht erfordern möchten. Der Feind ward auf solche Art über den wahren Angriffspunct in Ungewißheit erhalten. Während dieser Zeit warf der Fürst von der Moskwa den Feind aus dem Dorfe Klix, ging über die Spree und trieb alles vor sich bis nach dem Dorfe Preilitz zurück. Um 10 Uhr nahm er das Dorf; da aber die feindlichen Reserven zur Deckung des Hauptquartiers vorrückten, so ward der Fürst von der Moskwa zum Weichen gebracht, und verlor das Dorf Preilitz. Um 1 Uhr Nachmittags fing der Herzog von Dalmatien an, vorzurücken. Der Feind, der die ganze Gefahr einsah, wovon er durch die Richtung bedroht wurde, welche die Schlacht genommen hatte, sahe ein, daß das einzige Mittel, den Kampf mit Vortheil gegen den Fürsten von der Moskwa zu bestehen, das sey, uns zu verhindern, hervorzudringen. Er wollte sich dem Angriff des Herzogs von Dalmatien widersetzen. Der Augenblick, die Schlacht zu entscheiden, war nun gekommen.Durch eine Bewegung zur Linken drang der Kayser in 20 Minuten mit der Garde, den 4 Divisionen des Generals Latour-Maubourg und einer großen Anzahl Artillerie auf die Spitze des rechten Flügels der feindlichen Stellung vor, der das Centrum der Russischen Armee geworden war. Die Division Morand und die Würtembergische Division nahmen die Anhöhe, die der Feind zu seinem Stützpunct gemacht hatte. General Devaux errichtete eine Batterie, deren Feuer er auf die Massen dirigirte, welche die Position wieder einnehmen wollten. Die Generals Delauloy und Drouot rückten mit 60 Reserve-Batteriestücken vor. Endlich marschirte der Herzog von Treviso mit den Divisionen Dumontier und Barrois von der jungen Garde gegen das Wirthshaus zu Klein-Baschwitz, indem er den Weg von Würschen nach Bautzen abschnitt. Der Feind ward genöthigt, seine rechte Flanke zu entblößen, um diesem neuen Angriff zu begegnen. Der Fürst von der Moskwa benutzte dies und marschirte vorwärts. Er nahm das Dorf Preißig, und drang, indem er die feindliche Armee überflügelt hatte, nach Würschen. Er war 3 Uhr Nachmittags, und als die Armee in der größten Ungewißheit des Erfolgs war und sich ein schreckliches Feuer auf einer Linie von 3 Stunden hören ließ, verkündigte der Kayser, daß die Schlacht gewonnen sey. Da der Feind sah, daß sein rechter Flügel umgangen war, so begab er sich auf den Rückzug und bald ward sein Rückzug zur Flucht. Um 7 Uhr des Abends kamen der Fürst von der Moskwa und der General Lauriston zu Würschen an. Der Herzog von Ragusa erhielt nun den Befehl, eine andere Bewegung als die der Garde zu machen, besetzte alle verschanzten Dörfer und alle Redouten, die der Feind genöthigt war zu verlassen, rückte nach Hochkirchen zu vor, und nahm so den ganzen linken Flügel des Feindes in die Flanke, der nun in eine schreckliche Deroute gerieth. Der Herzog von Tarent drängte seiner Seits lebhaft diesen linken Flügel und fügte ihm vielen Schaden zu. Der Kayser hielt auf der Heerstraße mitten unter seiner Garde sein Nachtlager in dem Wirthshause zu Klein-Baschwitz. So ließ der feind in allen seinen Positionen forcirt, das mit seinen Todten und Verwundeten bedeckte Schlachtfeld in unserer Gewalt, so wie mehrere tausend Gefangene.

Als sich um 7 Uhr des Abends der Großmarschall, Herzog von Friaul, auf einer kleinen Anhöhe befand, und mit dem Herzog von Treviso und dem General Kirgener sprach, die alle drey zu Fuß und ziemlich entfernt vom Feuer waren, streifte eine der letzten Kugeln des Feindes nahe bey dem Herzog von Treviso vorbey, öffnete dem Großmarschall den Unterleib und streckte den General Kirgener todt zu Boden. Der Herzog von Friaul empfand gleich, daß er tödtlich verwundet sey, und starb 12 Stunden nachher. Sobald die Posten ausgestellt waren und die Armee ihre Bivouacs bezogen hatte, besuchte der Kayser den Herzog von Friaul. Er fand ihn voller Besinnung und ganz kaltblütig. Der Herzog drückte dem Kayser die Hand, die er an seine Lippen legte: "Mein ganzes Leben, sagte er, ist Ihrem Dienste gewidmet gewesen, und ich bedaure dasselbe nur wegen des Nutzens, den es noch für Sie haben konnte." -- Duroc, sagte der Kayser zu ihm, es giebt noch ein anderes Leben! Da erwarten Sie mich, da werden wir uns einst wieder finden! -- Ja, Sire! Dies wird aber erst in 30 Jahren der Fall seyn, wenn Sie über Ihre Feinde triumphirt und alle Hoffnungen unsers Vaterlandes erfüllt haben. . . . ich habe wie ein rechtschaffener Mann gelebt, und mir nichts vorzuwerfen. Ich hinterlasse eine Tochter. Ewr. Majestät werden Vaters Stelle bey ihr vertreten. Der Kayser, der den Großmarschall mit der rechten Hand faßte, stützte eine viertel Stunde seinen Kopf und dessen linke Hand im tiefsten Stillschweigen. Der Großmarschall brach zuerst das Stillschweigen. "Ach Sire! gehen Sie von hier. Dieser Anblick geht Ihnen nahe." Der Kayser, der sich auf den Herzog von Dalmatien und auf dem Oberstallmeister stützte, verließ den Herzog von Friaul, ohne etwas weiter sagen zu können, als die Worte: "Adieu denn lieber Freund!" Se. Majestät kehrten in ihr Zelt zurück und ließen während der Nacht keinen Menschen zu sich.

Preussische Berichte von der Schlacht bey Bautzen.

Bautzen, den 20sten May 1813.

Die Nachrichten vom Feinde stimmten seit einigen Tagen dahin überein, daß das Corps des Generals Lauriston, ungefähr 12000 Mann stark, über Luckau und Hoyerswerda in einem großen Bogen auf unsrer rechten Flanke sich bewege, und daß demselben in der Entfernung eines Tagesmarsches der Marschall Ney mit 18000 Mann nachfolge. Es wurde daher der Beschluß gefaßt, dem General Lauriston entgegen zu gehen, ihn anzugreifen nnd zu schlagen, ehe die Unterstützung ihn erreicht haben könnte; dem General Barclay de Tolly wurde dieser Auftrag, er ging am 19ten des Nachmittags rasch auf Königswartha vor, während der General von York über Weißig marschirte, um sich von da mit dem Barclayschen Corps zu vereinigen. Schon in Königswartha trafen die Russischen Truppen auf den Feind; sie nahmen nach einem heftigen Gefecht mit unwiderstehlicher Gewalt die Stadt mit dem Bajonett, eroberten 10 Kanonen, und schlugen den Feind vollständig in die Flucht. Ohnfern Weißig war unterdessen der General von York auf eine sehr starke Abtheilung des Feindes gestoßen. Der Kampf wurde hier äußerst hartnäckig und es zeigte sich bald, daß man es mit 3 Divisionen des Neyschen Corps zu thun hatte, eben die, welche man noch mehrere Meilen entfernt glauben durfte. Die an Zahl sehr viel geringeren Preussischen Truppen unterhielten bis in die Nacht gegen diese Ueberlegenheit einen höchst ruhmwürdigen Kampf und behaupteten ihren Platz. Nur durch diese muthvolle Ausdauer war es möglich, daß der Zweck erreicht wurde: das Corps des Generals Lauriston ganz aus dem Felde zu schlagen. Am heutigen Morgen, nachdem der Feind sich in der Nacht zurückgezogen hatte, sind auch die Corps von Barclay und von York der Armee wieder näher gerückt. Die Resultate des Tages sind: außer den genommenen 10 Kanonen, 1500 Gefangene, nebst einem Divisions und einem Brigade-General, und der völligen Vernichtung einer feindlichen Colonne von 9000 Mann, so wie die Zerstörung eines lange berechneten Plans des Gegners, womit seine übrigen Bewegungen in Verbindung standen.


Bekanntmachung. Würschen, den 21. May, 3½ Uhr früh.

Gestern Mittag griff der Feind den General v. Kleist gegen 12 Uhr auf der Höhe vorwärts von Kreckwitz an. Der Kampf ward sehr bald allgemein auf der ganzen ersten Linie der Armee, von Bautzen bis zum Defilee von Nieder-Gurka. Er hat so fortgedauert bis in die Nacht, ohne daß es dem Feinde gelungen ist, uns aus unserer Aufstellung zu verdrängen, obgleich er anfangs unsern rechten, zuletzt unsern linken Flügel mit Gewalt zurückzudrängen suchte. Das schwache Detaschement des Generals v. Kleist hat den ganzen Tag in dem Vordertreffen der Armee gegen einen weit überlegenen Feind gefochten, bis nach dem Einbrechen der Nacht eine Colonne des von Blücherschen Corps sich zur Deckung desselben vorgezogen hat. -- Der Kampf wird heute fortgesetzt werden. -- Die Hälfte der Truppen ist gestern nicht im Feuer gewesen. -- Unsere sowohl, als die Russischen Truppen, sind voller Muth und brennen vor Begierde, den Feind zu schlagen.


Berlin, den 23sten May 1813.

Allerhöchst verordnetes Militair-Gouvernement für das Land zwischen der Elbe und Oder.

L' Estocq. Sack.

Am 20sten Mittags griff der Feind die vereinigte Armee in ihrer Stellung bey Bautzen an. Seine Anstrengungen waren, obgleich er sie gegen einzelne Punkte mit großer Ueberlegenheit richtete, ohne Erfolg, und die vereinigte Armee blieb in ihrer Position die Nacht vom 20sten bis zum 21sten stehen. An diesem Tage fing das Gefecht auf unserm linken Flügel um 4 Uhr Morgens mit großer Lebhaftigkeit an. Der hier von dem Feinde gemachte Angriff war, wie es sich nachher auswies, nur ein Scheinangriff gewesen. Der General Miloradowicz, unter welchem General Emanuel die leichten Truppen befehligte, commandirte unter dem Herzog von Würtemberg den linken Flügel. Späterhin zog sich das Gefecht mit großer Lebhaftigkeit nach dem Centrum, wo die Artillerie vorzüglich wirkte und alle Angriffe des Feindes zurückgeschlagen wurden. Nun erschien das Corps des General Lauriston, um unsern rechten Flügel zu umgehen, ward aber durch den General Barclay de Tolly der bey Gothamilde zur Beobachtung des Feindes aufstellt war, aufgehalten, bis das Corps von Kleist und die Brigaden von Klüx und Röder dem Feinde in den Rücken fielen, durch nahen Kartätschenfeuer eine Niederlage unter ihm anrichteten und ihn zum Rückzuge zwangen. Durch die Detaschirung dieser Brigaden war aber die Stellung des General von Blücher auf den Kreckwitzer Höhen schwacher geworden, und dieser Zeitpunkt wurde vom Feinde benutzt, dessen Corps mit großer Uebermacht anzugreifen, ehe Verstärkungen ankommen konnte. Der General von Blücher sah sich daher genöthigt, in einer geringen Entfernung rückwärts eine Stellung zu nehmen, um sich mit dem General v. York, der seine Reserve bildete, zu vereinigen. Unterdessen drang, um das Gleichgewicht wieder herzustellen, unser linker Flügel bedeutend vor, und nahm dem Feinde Kanonen und Gefangene. Der vorgesetzte Zweck wurde dadurch erreicht, und der Feind von allem weiteren Vordringen gegen unsern rechten Flügel abgehalten. Der Abend machte dieser für den Feind höchst mörderischen zweytägigen Schlacht ... Ende, und die vereinigte Armee stellte sich in geringer Entfernung vom Schlachtfelde bey Weißenberg schlagfertig und in größter Ordnung wieder auf. Wir haben weder Gefangene, außer einigen schwer Blessirten, noch Geschütz verloren. Dem Feinde dagegen sind Kanonen und Gefangene abgenommen worden und viel von seinem Geschütz ist demontirt. Ein Bataillon Würtemberger, welche bey Kreckwitz eine Batterie stürmen sollten, ging zu uns über, imgleichen eine Abtheilung sächsischer Truppen. Unser Verlust, so wie der des Feindes, läßt sich in Zahlen noch nicht angeben. Im Verhältniß zu uns aber, hat der Feind das dreifache verloren, weil das Terrain, die Ueberlegenheit unsers Geschützes und der Muth unsrer Truppen uns bey jedem seiner Angriffe Vortheile über ihn verschafte. Unsere Reserven vom Centrum und dem linken Flügel, darunter der Kern der russischen Truppen und ihre Artillerie, kamen gar nicht zum Gefecht, und ihre Kräfte mußten für wichtigere Zwecke aufbewahrt werden.


Russischer Berichte.

Der östreichische Beobachter vom 3. Jun. bringt folgende, russischer Seits bekannt gemachte offizielle Nachrichten von den vereinigten Armeen.


I. "Bericht über die Gefechte am 7 (19) Mai.

Die am 6 (18) eingegangenen Berichte bestätigten einstimmig, was man aus den Rekognoszirungen vermuthet hatte, daß der Feind alle seine Streitkräfte an sich zog, um die alliirte Armee anzugreifen, welche zwischen Bautzen und Weißenberg bivouacquirte, und folgendermaaßen aufgestellt war: Die Avantgarde unter Kommando des Generals Grafen Miloradowitsch hielt die Stadt nebst den links gelegenen Anhöhen besezt; das Korps des Generals v. Kleist stand, gleichfalls als Avantgarde, auf den Anhöhen rechts von der Stadt. Diese beiden Korps hatten das Defile' der Spree unmittelbar vor der Fronte. Das Korps des Generals Blücher stand auf den Kreckwitzer Höhen. Der linke Flügel unter den Befehlen des Fürsten von Gortschakoff lehnte sich an die hohen waldigten Gebirge. Kavalleriedetaschements standen auf den Anhöhen, und in den Thälern, welche die Gebirge durchschneiden, die sich bis an die böhmische Gränze erstreken. Die russische Garde und die Kavallerie bildeten die Reserve.

An demselben Tage, den 6 (18), erfuhr man, daß die Lauriston'schen Korps von Senftenberg nach Hoyerswerda marschirt, und daß ihnen noch ein anderes Korps gefolgt, welches einige für das Korps von Victor, andere für das Korps von Sebastiani hielten. Man schäzte Lauriston's Macht auf 14,000 Mann, die Stärke der andern Korps auf 20,000, und glaubte, daß sie einen Tagemarsch weit auseinander wären.

Man beschloß unverzüglich dem ersten dieser Korps entgegen zu gehen, und es anzugreifen, bevor es sich mit den vor Bautzen stehenden Truppen vereinigen konnte. Man hofte es zu schlagen, bevor es Zeit haben würde, das andere Korps an sich zu ziehen. Die Korps der General Barclay de Tolly und York wurden daher in der Nacht vom 6 auf 7 (18 auf den 19) gegen den Feind detaschirt, der von Hoyerswerda heranrükte. Sie hatten Befehl erhalten, alsogleich nach beendigter Expedition wieder zur Hauptarmee zurük zu kehren, um mit vereinigten Kräften den Angrif des Feindes in der hiezu ausgewählten Stellung zu erwarten.

Inzwischen war Lauriston schon weiter gegen Bautzen vorgerükt, und hatte sich mit dem Korps, das ihm folgte, bereits vereinigt, so daß man schon bei Königswartha und Weißig auf den Feind stieß; und zwar: General Barclay der Tolly bei Königswartha auf das Lauriston'sche, und General York bei Weißig auf das weit beträchtlichere Korps, welches sich Lauriston genähert hatte. Der Feind war also, besonders dem General York gegenüber, an Zahl unendlich überlegen. Der Angrif ward nichtsdestoweniger auf der Stelle beschlossen, und in demselben Augenblike, wo sich General Barclay auf das Lauriston'sche Korps warf, stürzte General York auf das Korps von Sebastiani (?) los, um den General Barclay dadurch zu unterstüzen. Das Gefecht war hizig. Es endigte sich um 10 Uhr Abends.

Der Verlust des Feindes wird auf 3000 Mann an Todten und Verwundeten geschäzt; man nahm ihm 7 Kanonen ab, und machte 2000 Gefangene, worunter sich der Divisionsgeneral Pequerie, und die Brigadegenerale Martelli, Belletier und St. Andreas befinden. Die Expedition war, was den Erfolg betrift, beendigt, und die beiden Geneale zogen sich, ihren Instructionen gemäß, gegen die Position zurük. Man konnte nur 6 Kanonen mitnehmen, welche nebst den Gefangenen eingetroffen sind; an der siebenten waren die Räder zerbrochen."


II. Bericht über die Gefechte am 8 (20) Mai.

Kaum waren am 8 (20) die beiden detaschirten Korps an ihre Positionen bei Gottamelde zurükgekommen, als der Feind gegen Mittag in Kolonnen gegen Bautzen vorrükte, und unter dem Schuze des lebhaftesten Kanonenfeuers die Avantgarde unter den Befehlen der Generale Miloradowitsch und Kleist angrif. Dieser leztere behauptete hartnäkig mit seinem Korps die Anhöhen in der Nähe von Bautzen, welches eines der hizigsten und glorreichsten Gefechte veranlaßte. Er hatte gegen einen, ohne Uebertreibung, viermal stärkern Feind zu kämpfen, und zog sich nicht eher, als gegen 4 Uhr Nachmittags, gegen die Position zurük, nachdem der Feind seine linke Flanke ganz umgangen hatte, und er auf seiner rechten Flanke und in seiner Fronte den stärksten Angriffen Widerstand geleistet hatte. Die Hartnäkigkeit, womit der preußische General Kleist und die russischen Generale Rüdiger und Roth, und der Obrist Markow, diese Anhöhen vertheidigten, und das Betragen der Truppen bei dieser Gelegenheit, rissen die Armee zur Bewunderung hin.

Zu gleicher Zeit, wo der Angrif auf diesem Punkte statt fand, hatte der Feind auch das Centrum und den linken Flügel angegriffen. Aber auch hier ward er von dem Grafen Miloradowitsch und dem Prinzen Eugen von Würtemberg kräftigst empfangen und beständig zurükgeworfen. Es war schon sehr spät, als seine Tirailleurs in der Dunkelheit die waldigten Gebirge, welche unsern äußersten linken Flügel beherrschten, zu erklettern trachteten, um uns besorgt zu machen, an dieser Seite umgangen zu werden. Der Prinz von Würtemberg schikte ihnen gleichfalls Tirailleurs entgegen. Der Kaiser schikte den Obristen Michaud, einen seiner Adjutanten, dahin, um die Bewegung zu leiten, und die Franzosen wurden bis an den Eingang der Gebirgsschlucht, durch welche sie gezogen waren, zurükgeworfen. Das Gefecht, welches der Feind an den erwähnten Punkten unterhielt, dauerte bis 10 Uhr Abends mit ununterbrochenem Artillerie- und Musketenfeuer fort. Es kan ihn gegen 6000 Mann gekostet haben, weil er das Defile' der Spree unter mehrerem Kanonen- und Kleingewehrfeuer forciren mußte.

Auf dem linken Flügel schlug sich das Korps des Prinzen von Würtemberg mit derselben Ausdauer und demselben Muthe, wie auf dem rechten Flügel das Korps des Generals Kleist."


III. "Bericht über die Gefechte vom 9 (21) Mai.

Die Nacht hatte dem Gefecht am 8 (20) ein Ende gemacht. Bis jezt war noch nichts außerhalb der Position vorgefallen.

Am 9 (21) um halb 5 Uhr Morgens machte der Feind einen neuen Angrif auf den linken Flügel, der von einem sehr lebhaften Tirailleurfeuer unterstüzt war, das er in den Gebirgen unterhielt, wo er sogar Leute bis Cunewalde vorpoussirt hatte, um bei uns Besorgnisse für diese Flanke zu erregen. Der Graf v. Miloradowitsch und der Prinz von Würtemberg schlugen jedoch mit Unerschrokenheit die Angriffe an dieser Seite zurük. Sie wurden mit gleicher Lebhaftigkeit bis zu Mittag erneuert.

Inzwischen hatte zwischen 6 und 7 Uhr Morgens der Angrif durch ein sehr lebhaftes Kanonen- und sehr starkes Musketenfeuer gleichfalls auf dem rechten Flügel der Linie begonnen, wo das Korps unter Kommando des Generals Barclay de Tolly stand. Der Feind war daselbst an Zahl unendlich überlegen, und gab sich, durch den Wald, der ihn dekte, geschüzt, alle Mühe, die rechte Flanke dieses Korps zu umgehen. General Barclay de Tolly stand auf den Anhöhen bei Steina, wo sich die Windmühle befindet. Er dehnte sich während des Kampfes bis gegen die bei Baruth (3 Stunden bei Bautzen) liegende, unter dem Namen der Voigtshütte bekannte, Anhöhe aus.

Es kam darauf an, dieses Korps zu verstärken; dis geschah. General Kleist erhielt Befehl, sich mit seinem Korps dahin zu begeben. Er machte einen eben so hizigen als wohl kombinirten Angrif und zwang den Feind dadurch, die Vortheile aufzugeben, die ihm seine Uebermacht gewährte. General Blücher unterstüzte diese Angriffe mit zwei seiner Brigaden, und der Feind sah sich durch diese plözliche Offensive genöthigt, seinen Plan, den rechten Flügel zu umgehen, ebenso aufzugeben, wie er dis auf dem linken Flügel hatte thun müssen.

Während aller dieser Angriffe unterhielt er ein fortwährendes Artillerie- und Kleingewehrfeuer, vorzüglich im Centrum, gegen welches er jedoch noch nichts bestimmtes unternommen hatte. Plözlich wandte sich der Angrif auf die Kreckwitzer Höhen, wo das Korps des Generals Blücher stand. Der Feind benuzte den Augenblik, wo dieser General seine Position mit der Hälfte seines Korps verlassen hatte, um das Korps des General Barclay de Tolly zu unterstüzen; der Feind machte mit dem größten Theil seiner Macht, die er in drei Kolonnen formirt hatte, von drei Seiten zugleich einen heftigen Angrif gegen diese Höhen; seine Uebermacht auf diesem Punkte war entschieden. Die Tirailleurs sezten sich im Dorfe Kreckwitz fest. General York kam zur Unterstüzung herbei, und das Dorf ward wieder erobert. Die Truppen vertheidigten diese Anhöhen mit beispielloser Hartnäkigkeit. Vier Bataillons der russischen Garden rükten zur Unterstüzung des Generals Blücher vor.

Inzwischen war der linke Flügel unter den Befehlen des Grafen Miloradowitsch offensiv vorgedrungen, hatte dem Feinde mehrere Kanonen abgenommen, einige Bataillons vernichtet, und rükte weiter vor.

Das Gefecht wurde mit jeder Minute mörderischer. Der Augenblik war gekommen, wo höhere militärische Gründe und Rüksichten entscheiden mußten, ob man es weiter fortsezen, oder die Schlacht abbrechen wolle. Man faßte diesen leztern Entschluß und begann den Rükzug. Dieser geschah bei hellem Tage unter den Augen des Feindes um 7 Uhr Abends, wie auf dem Paradeplaze, ohne daß sich der Feind in Besiz auch nur eines einzigen Siegeszeichen sezen konnte, während ihm die vereinigten Armee an diesen drei merkwürdigen Tagen durch die Tapferkeit und Ausdauer der Truppen 12 Kanonen abgenommen, und 3000 Mann zu Gefangenen gemacht hat, worunter sich vier Generale und mehrere Stabsoffiziere befanden.

Nach den mäßigsten Berechnungen belauft sich der Verlust der Franzosen auf 14,000 Mann; der der Alliirten übersteigt nicht 6000 Mann. Nichts kommt dem Muthe und der Beharrlichkeit gleich, mit welcher die Armee kämpfte, nnd der Kaltblütigkeit und Ordnung, mit welcher sie sich zurükzog. Der Geist der Truppen ist noch derselbe, wie am ersten Tage des Feldzuges. Sie brennen nur vor Begierde nach neuen Gefechten."


IV. "Offizielle Nachrichten vom 15 (27) Mai über Avantgardengefechte, welche dem Feinde immer mehr oder weniger Leute kosten, hatten während des Rükzuges den vollständigsten Erfolg.

Am 14 (26) Mai wollte Marschall Ney unsere Arrieregarde in der Gegend von Haynau lebhafter drängen. Das Terrain würde ihm auf der andern Seite des Stadt günstig gewesen seyn; und war es auf dieser Seite günstig. Man lokte ihn heran, und die Kavallerie machte alles nieder, was sich vorgewagt hatte. Man nahm dem Feinde 11 Kanonen nebst ihren Pulverkarren ab, und machte viele Gefangene. Marschall Ney, der sich an der Spize der Truppen befand, rettete sich mit Mühe. Im Augenblik des Angriffes hatten die Kosaken Haynau umgangen, und waren in die französischen Bivouacqs eingedrungen, wo sie große Verwirrung anrichteten. Das Ney'sche Hauptkorps sezte sich sodann in Bewegung, um die Avantgarde wieder zu sammeln. Der General Blücher kommandirte die Arrieregarde in Person.

Auf den Flanken und im Rüken des Feindes beginnt der kleine Krieg, seitdem das Terrain ausgebreiteter ist, wieder mit voller Thätigkeit. General Kaisaroff, der mit seinem fliegenden Korps von Mark-Lissa den Franzosen in die Flanke marschirt war, schikte ein Detaschement auf die Straße von Reichenbach nach Görlitz, und überfiel einen Transport Artillerie. Er nahm dem Feinde 2 Kanonen ab, vernagelte deren 6, und sprengte die Pulverkarren in die Luft. Der Artilleriekommandant Laffol, der diesen Transport kommandirte, ward nebst einem andern französischen General, der im Wagen nachfuhr, getödtet. Ueber 300 Mann sind auf dem Plaze geblieben. Das russische Detaschement führte 80 Gefangene mit sich fort, welche nebst 2 erbeuteten Kanonen bereits eingetroffen sind."


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Allgemeine Zeitung. Nro. 160. Mittwoch 9 Jun. 1813.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1813. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. 1813