Schlacht von Eylau

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Schlacht bei Preußisch-Eylau.

Eylau. (Schlacht bei Preußisch-). In dem Kriege, welchen Preußen mit Rußland vereint in den Jahren 1806 und 1807 gegen Frankreichs große Macht führte, war die schrecklichste und wegen ihrer Zweideutigkeit merkwürdige Schlacht die, welche am 8ten Februar 1807 bei der kleinen Stadt Preußische-Eylau geliefert wurde.

Der russische General Bennigsen mit 70,000 Mann Russen und einem preußischen Hülfscorps unter dem General L'Estocq kämpfte hier mit einer beispiellosen Tapferkeit und rühmlichen Umsicht gegen den französischen Kaiser Napoleon, der mit 90,000 Mann sich ihm gegenüber befand. Um wo möglich das Königreich Preußen von den Franzosen zu befreien und diese gegen die Weichsel hinzuwerfen, hatte General Bennigsen, der im Obercommando dem russischen Obergeneral Kamensky gefolgt war, beschlossen, die Linie der französischen Winterquartiere längs der Ostsee in der Flanke anzugreifen. Allein die Gefechte von Bergfried, Waterdorf, Deppen und Hof hatten bloß die Folge, daß die russische Armee, die, nach einem frühern Treffen bei Mohrungen, über Liebstadt ihren Rückzug begonnen hatte, bis Preußisch-Eylau zurückgedrängt wurde, um dessen Besitz man sich am 7. Februar mit vieler Hartnäckigkeit bis spät in die Nacht hinein schlug. Die Franzosen blieben endlich hier Meister, und die Russen zogen sich in drei Colonnen zurück hinter Eylau, wo sie von einer frischen Division, der vierten, aufgenommen wurden. Kaum tausend Schritte von einander standen beide feindlichen Armeen die ganze Nacht hindurch, bestimmt zum fürchterlichsten Kampfe auf den folgenden Tag.

Die russische bestand aus sieben Divisionen: der 2ten, 3ten, 4ten, 5ten, 7ten, 8ten und 14ten, welche in 132 Bataillonen Infanterie, 195 Escadronen Cavallerie und 21 Batterien Artillerie, gegen 70,000 Mann ausmachten; aus der 2ten, 3ten, 5ten, 7ten und 8ten Division waren zwei Treffen gebildet, die 4te und 14te Division formirten die Reserve, die in geschlossen Colonnen von einem Bataillon Breite standen. Die Cavallerie, commandirt vom Fürsten Gallizin 5., und die Kosaken, commandirt vom Hettmann Platow, waren auf den Flügeln und im Centrum vertheilt, so wie die Artillerie, die in Batterien von 40 bis 50 Kanonen aufgestellt war. Den rechten-Flügel commandirt der General Tuschkow, das Centrum Graf Sacken, den linken Flügel Graf Ostermann Tolstoi, die Reserve General Docktorow. Der preußische General L'Estocq sollte sich neben dem rechten Flügel beim Dorfe Althof aufstellen. Die Fronte der Schlachtordnung reichte von Schloditten bis nach dem Vorwerke Anklappen; der rechter Flügel stieß an das Dorf Schloditten und war nach dem Laufe der Landstraße, die nach Königsberg führt, in einem Haken etwas zurückgebogen; die Mitte war etwa 900 Schritt von der Stadt Eylau entfernt; der linke Flügel stand hinter Anklappen; das vor ihm liegende Dorf Klein-Sausgarten war besetzt.

Die französische Armee bestand aus dem 3ten Corps des Marschall Davoust, dem 4ten Corps des Marschall Soult, dem 7ten Corps des Marschall Augereau, den kaiserlichen Garden, der Cavallerie des Großherzogs von Berg, und aus einem Theile des 6ten Corps des Marschall Ney. Der rechte Flügel reichte beinahe bis an das Dorf Lampaschken hinan, die Stadt Eylau lag in der Mitte der Position, und der linke Flügel dehnte sich über die Vorstadt und den Windmühlenberg hinaus.

Am folgenden Morgen, den 8. Februar 1807, früh nach 5 Uhr begann bereits die Schlacht. Gleich anfangs versuchten die Franzosen den russischen rechten Flügel zu werfen, weshalb Abends vorher schon Marschall Ney sich in Marsch gesetzt hatte, um ihn zu umgehen, so wie Louis-Nicolas DavoutDavoust dieselbe Absicht auf den linken Flügel hatte. Doch beide Mänoeuvres und Angriffe, so wie alle Angriffe auf das Centrum waren fruchtlos. 800 Kanonen wetteiferten gegenseitig im Verwüsten. Endlich musste sich doch der linke russische Flügel etwas zurückziehen, und schon schien die Schlacht entschieden, als General L'Estocq mit 5600 Preußen, dem tapfern Rest der preußischen Armee, auf dem russischen Flügel erschien, die Franzosen in ihrer rechten Flanke angriff, und sie aus dem brennenden Dorfe Kuschitten trieb. Die aufs neue ermuthigten Russen gingen noch einmal auf den betroffenen Feind los, und um 9 Uhr Abends war der französische Angriff gänzlich abgeschlagen, doch eigentlich auf keiner Seite eine Schlacht gewonnen.

Der Verlust war für beide Theile sehr groß gewesen. Die Russen hatten neun verwundete Generale, Docktorow, Barclay de Tolly, Graf Liewen 3., Sukin 2., Korff, Mitzky, Arseniew, Gersdorf, Titow 2; über 400 todte und verwundete Offiziere, und mit Einschluss der vorherigen fünftägigen Gefechte 10,000 Todte und 25,000 Verwundete. Die Franzosen hatten, nach eigener Angabe, an Todten drei Generale, d' Haupoult, Dahlemann und Corbineau, 1900 Soldaten; an Blessirten einen Marschall, Augereau, und vier Generale, St. Sulpice, Desjardins, Heudelet und Lochet, dabei hatten sie nach russischer Angabe dreizehn Adler und sechs Fahnen verloren; Kanonen wären von beiden Seiten nicht erobert worden; nach des Generals Bennigsen Bericht betrug der russische Verlust 6000 Todte und Blessirte, der französische über 12,000 Todte und Blessirte und 1000 Gefangene; dagegen die Russen nach dem französischen Berichte 7000 Todte, 16,000 Verwundete, 15,000 Gefangene und 24 Kanonen verloren haben sollten.

Noch nie war vorher mit solcher Wuth gefochten worden. Während der dichteste Schnee fiel und alles oft in Nebel hüllte, waren die Armeen auf den meisten Punkten in engsten Handgemenge; Verwundete kämpften noch, bei den Haaren sich festhaltend, auf dem Boden: wem die Waffen fehlten, der suchte mit den Nägeln den Feind zu zerfleischen, mit Tritten auf Leib und Brust ihn zu tödten. Diese Schlachten, und die schrecklichen Auftritte in Treffen von Ebersberg an der Donau im Jahre 1809 sind würdig, neben einander gestellt zu werden.

Um Mitternacht endigte sich das Morden und Bennigsen zog sich vom Schlachtfelde zurück, indem er eine Linie von Königsberg aus, über Heilsberg, Seeburg, Wartenburg, Passenheim und Ortelsburg besetzte und sein Hauptquartier in Bartenstein nahm. Dagegen waren auch die Franzosen drei Tage nach der Schlacht, am 11. und 12. Februar, genöthigt, die Position von Eylau, die sie in und nach der Schlacht behauptet hatten, zu verlassen und hinter die Passarge sich zurückzuziehen; die Einnahme von Königsberg musste vor der Hand aufgegeben werden, da Witterung, Mangel an Lebensmitteln und die enorme Erschöpfung es nicht gestatten wollten. Doch sahen sie sich auf diesem Rückzuge unaufhörlich von den Kosaken verfolgt und bis an die Passarge in Gefechte mit diesen verwickelt, die ihnen allerdings Schaden thaten. General Bennigsen gibt an, dass seine Truppen der französischen Arriergarde vom 12. bis 26. Februar zwei Kanonen, eine Fahne, 21 Offiziere mit 1583 Gemeinen, und 4200 gefangene Russen wieder abgenommen hätten.

Eylau selbst, dessen Häuser beinahe alle zerschossen waren, ward bei diesen Vorfällen mehrmals ausgeplündert und lag endlich fast ganz verödet. Die Einwohner starben zwischen noch unbegrabenen Leichnamen vor Hunger.


Bulletin der großen Armee

Acht und fünfzigstes Bülletin.

Preussisch-Eylau, den 9. Febr.

Gefecht bei Eylau.

Eine Viertelmeile von der kleinen Stadt Preussisch-Eylau ist ein erhöhete Ebene, die den Angriff von dem platten Lande her abhält. Der Marschall Soult befahl den 46sten leichten und dem 18ten Linien-Infanterie-Regiment, selbige wegzunehmen. Die drei feindlichen Regimenter, die sie vertheidigten, wurden geworfen. Allein zu gleicher Zeit griff eine russische Cavalerie-Colonne die äusserste Spitze vom linken Flügel des 18ten Regiments an, und brachte ein Bataillon desselben in Unordnung. Noch zu rechter Zeit bemerkten dies die Dragoner von der Division Klein, schlugen die feindliche Cavalerie zurück, und stellten so die Ordnung wieder her. Indem die Truppen den Feind verfolgten, kam es in der Stadt Eylau selbst zum Gefecht. Der Feind hatte mehrere Regimenter in einer Kirche und einem Kirchhofe aufgestellt. Hier leistete er einen hartnäckigen Widerstand, und nach einem, für beide Theile mörderischen Gefechte, wurde Abends gegen 10 Uhr die Stellung eingenommen. Die Division Legrand lagerte sich gerade vor die Stadt, die Division St. Hilaire zur Rechten, das Corps des Marschalls Augereau hingegen zur Linken. Schon am Vorabend hatte sich das Corps des Marschalls Davoust in Marsch gesetzt, um Eylau zu umgehen, und auf die linke Flanke des Feindes zu fallen, wenn er seine Stellung behaupten wollte. Der Marschall Ney war im Marsch, um die rechte Flanke zu umgehen.


Schlacht bei Eylau.

In dieser Stellung wurde die Nacht zugebracht. Mit Anbruch des Tages fieng der Feind den Angriff mit einer lebhaften Kanonade auf die Stadt Eylau und die Division St. Hilaire an. Der Kaiser nahm seine Stellung an der Kirche, die der Feind am Abend vorher so sehr vertheidigt hatte. Er liess das Corps des Marschalls Augereau vorrücken, und die kleine Anhöhe mit 40 Kanonen seiner Garde beschiessen. Nun erhob sich von beiden Seiten eine fürchterliche Kanonade. Die russische, in Colonnen formirte, Armee stand auf halbe Kanonenschussweite. Jeder Schuss traf. Einmal glaubte man aus den Bewegungen des Feindes schliessen zu können, dass er, aus Ungeduld über seinen Verlust, unsere linke Flanke anfallen möchte. In demselben Augenblick liessen sich die Tirailleurs des Marschalls Davoust hören, und kamen dem feindlichen Heere in den Rücken. Zu gleicher Zeit marschirten das Corps des Marschalls Augereau in Colonnen auf, um sich gegen den Mittelpunct des Feindes zu werfen, auf diese Weise seine Aufmerksamkeit zu theilen, und ihn von einem Angriffe mit seiner ganzen Stärke auf das Corps des Marschalls abzuhalten. Dabei stellte sich die Division St. Hilaire am rechten Flügel auf; beide in der Absicht, sich mit dem Marschall Davoust zu vereinigen. Kaum war das Corps der Marschalls Augereau und die Division St. Hilaire auf diese Art vorgerückt, als ein dicker Schnee beide Armee dergestallt bedeckte, dass man nicht auf zwei Schritte vor sich hin sehen konnte. In dieser Finsterniss verlor man den Richtungspunct, und die Colonnen, die sich zu viel links hielten, schwankten ungewiss. Diese niederschlagende Erscheinung dauerte eine halbe Stunde; kaum aber hatte sich das Wetter wieder aufgehellt, als der Grossherzog von Berg an der Spitze seiner Cavalerie, und unterstützt von der Garde unter Anführung des Marschalls Bessières, die Division St. Hilaire umgieng, und auf die feindliche Armee fiel: Eine so kühne Bewegung, als vielleicht je eine war! Allein sie bedeckte die Cavalerie mit Ruhm, und sie war bei der Lage, in der sich unsere Colonnen befanden, durchaus nothwendig. Die feindliche Cavalerie, die sich dem Angriffe widersetzen wollte, wurde geworfen, und das Gemetzel war schrecklich. Zwei Linien russischer Infanterie wurde durchbrochen, die dritte konnte nur durch den Schutz eines Gehölzes widerstehen, an das sie sich anlehnte. Einige Escadronen der Garde durchsprengten zweimal die ganze feindliche Armee.

Dieser glänzende und beispiellose Angriff, der mehr als 20,000 Mann Infanterie zum Weichen brachte, und sie ihre Kanonen kostete, würde schon allein, und auf der Stelle den Sieg entschieden haben, wenn nicht einige Schwierigkeiten des Kampfplatzes und das Gehöltz im Wege gestanden wären. Der Division-General d'Hautpoult wurde durch einen Büchsenschuss verwundet. Der General Dahlmann, Commandant der Jägergarde, und eine gute Anzahl seiner unerschrockenen Soldaten, starben mit Ruhm. Aber die hundert Reiter und Soldaten der Garde, die auf dem Kampfplatze blieben, lagen von mehr als tausend entseelten Feinden umgeben. Dieser Theil des blutigen Schauplatzes erregt Entsetzen.

Während dieses sich zutrug, marschirte das Corps des Marschalls Davoust in den Rücken des Feindes. Aber auch hier hielt der Schnee,der mehrmals den Weg verhinderte, den Marsch auf, und hinderte die Gleichheit in der Bewegung der Colonnen.

Der Verlust, den der Feind gelitten hat, ist unermesslich, der unsere bedeutend. Während ganzer zwölf Stunden schleuderten dreihundert Feuerschlünde den Tod auf beide Theile.

Der lange ungewisse Sieg war entschieden, als Marschall Davoust auf der hohen Ebene sich entwickelte, und den Feind überflügelte, der, nach vielen fruchtlosen Anstrengungen, sich jener Höhe wieder zu bemächtigen, endlich sich zum Rückzug entschloss. In dem nämlichen Augenblicke debouschirte das Corps des Marschalls Ney durch Alsdorf auf dem linken Flügel, und trieb die Ueberbleibsel der preussischen Colonne vor sich her, die aus dem Gefecht von Deppen entkommen war. Am Abend stellte er sich bei dem Dorfe Schmoditten auf, dadurch wurde der Feind zwischen den Corps der Marschälle Ney und Davoust dergestalt gedrängt, dass er, aus Furcht, seinen Nachtrab in Gefahr zu setzen, um 8 Uhr Abends beschloss, das Dorf Schmoditten wieder wegzunehmen. Mehrere russische Grenadierbataillone, die einzigen, welche zuvor nicht gefochten hatten, zeigten sich demzufolge vor dem Dorfe, aber das 6te leichte Infanterieregiment liess sie ganz nahe anrücken, und zerstreute sie dann gänzlich. Am folgenden Morgen wurde der Feind bis an den Fluss Frischling verfolgt; er nimmt seine Rückzug hinter die Pregel. Auf dem Schlachtfelde hat er 16 Kanonen und seine Verwundeten gelassen. Alle Häuser in denjenigen Dörfern, durch die er während der Nacht zog, sind voll davon.

Marschall Augereau wurde durch eine Flintenkugel verwundet. Auch die Generale Desjardin, Heudelet und Roizet sind verwundet. Den General Corbineau rafte eine Kanonenkugel weg. Denselben Tod starben die Obersten Lacuée vom 63sten, und Lemarois vom 43sten Regiment. Der Oberst Bouvieres vom 11ten Dragoner-Regiment, hat seine Wunden nicht überlebt. Alle sind mit Ruhm gestorben. Unser Verlust beträgt genau 1,900 Todte, und 5,700 Verwundete, darunter 1,000 so schwer sind, dass sie nicht mehr dienstfähig seyn werden. Am 10ten wurden alle Todte begraben. Auf dem Schlachtfelde zählte man 7,000 Russen.

So war also die offensive Bewegung des Feindes, wodurch er bis Thorn vordringen, und zu dem Ende den linken Flügel der grossen Armee umgehen wollte, verderblich für ihn. 12 bis 15,000 Gefangene, eben so viele ausser Würksamkeit gesetzte Soldaten, 18 Fahnen, 45 Kanonen, sind die, durch das Blut so vieler Tapfern ohne Zweifel zu theuer erkauften, Siegeszeichen. Kleine Hindernisse der Witterung, die unter andern Umständen von keiner Bedeutung gewesen wären, störten ungemein die Berechnungen des französischen Generals. Unsre Cavalerie und Artillerie haben Wunder gethan. Die Garde zu Pferde hat sich selbst übertroffen; dies ist viel gesagt. Die Garde zu Fuss stand den ganzen Tag über unter einem grässlichen Kartätschenfeuer des Gewehr im Arm, ohne einen Schuss zu thun, oder irgend eine Bewegung zu machen. Die Umstände erlaubten nicht, sie zum wirklichen Angriff zu brauchen. Auch die Verwendung des Marschalls Augereau gehört unter die ungünstigsten Zufälle, indem während des stärksten Kampfes das Corps ohne einen tüchtigen Anführer blieb. Diese Erzählung giebt eine allgemeine Uebersicht von der Schlacht. Es sind Thatsachen vorgefallen, die den französischen Soldaten ehren. Der Generalstaab beschäftigt sich damit, sie zu sammeln. Der Aufwand an Artilleriemunition war stark, die Infanterie hat viel weniger gebraucht.

Der Adler eines Bataillons von dem 18ten Regiment hat sich nicht wieder gefunden, wahrscheinlich fiel er dem Feinde in die Hände. man kann dem Regimente keinen Vorwurf darüber machen. In der Lage, worin er sich befand, gehört dieser Umstand unter die Kriegszufälle. Der Kaiser wird dem Regiment indess erst einen andern Adler geben, wenn es eine feindliche Fahne erobert haben wird.

Nachdem nun diese Expedition geendigt ist, worin der Feind geschlagen, und über hundert Stunden von der Weichsel zurückgeworfen wurde, wird die Armee wieder ihre Cantonirungen beziehen und Winterquartiere nehmen.


Von Reisende.

Jean-Philippe Graffenauer.

Zwischen Liebstadt und Wormditten besahen wir, mit vorzüglichem Wohlgefallen, das hier aufgeschlagen gewesene, jetzt geräumte französische Lager. Es bestand aus mehreren Reihen Baracken, die aus Tannenzweigen, Stroh und Baumrinde zusammen gesetzt waren. Andere waren äußerst künstlich aus Schilf geflochten; manche hatten sogar Fenster. In jeder dieser Hütten fanden acht bis zehn Mann Platz. An den Wegen, die durch das Lager führten, waren Tannenzweige gepflanzt. Das Ganze gewährte einen sehr gefälligen Anblick, und hatte das Ansehen eines großen Dorfes.

Wormditten ist eine armselige kleine Stadt mit einem Schlosse, welches vormals die Bischöffe von Ermeland bewohnten.

Ganz Landsberg fanden wir mit Verwundeten angefüllt, die nach der Schlacht bey Friedland hieher geschafft worden waren. In Ermangelung eines Hospitals, hatte man sie bey den Bürgern einquartirt. Die mehresten waren an der Hand, am Arme oder am Kopfe verwundet, und seit einigen Tagen nicht verbunden; sie hatten den Weg vom Schlachtfelde hieher zu Fuße machen müssen, und sehnten sich nach der Aufnahme in ein Hospital. Eine beträchtliche Anzahl russische Gefangene waren in die Kirche eingesperrt.

Bey Preußisch-Eylau nahmen wir das Schlachtfeld in Augenschein, wo einem russischen hier gebliebenen General ein Denkmahl errichtet war. Dieses Schlachtfeld, auf welchem man noch vor kurzem nichts als Schnee und Blut sah, war jetzt mit dem lieblichsten Grün bedeckt. Nur mit Mühe konnte sich die Phantasie auf diesen lieblichen Gefilden die furchtbaren Auftritte vergegenwärtigen, von denen sie in der grausenden Schlacht vom 8ten Februar d. J. Zeuge gewesen waren.

Wir besuchten auch den unweit der Stadt gelegenen Gottesacker, wo der Feind einige Regimenter postirt hatte, die den hartnäckigsten Widerstand leisteten; auch bestiegen wir den eine halbe viertel Meile von der Stadt belegenen Hügel, über welchen der Marschall Davoust in dem Augenblick vordrang, als der Sieg noch ungewiß war, den Feind überflügelte, und ihn auf dem Rückzuge schlug. Drey hundert Feuerschlünde verbreiteten an jenem stets merkwürdigen Tage auf beiden Seiten Tod und Verderben. Es war ein furchtbares Gemetzel! -- Noch acht und vierzig Stunden nach der Schlacht, lagen fünf hundert blessirte Russen hier unter freiem Himmel, deren Wunden noch nicht verbunden waren. Der Kaiser Napoleon war in den ersten Tagen nach der Schlacht hier gegenwärtig, um die Verfügungen zu treffen, welche die Menschlichkeit zur Pflicht macht.

Man erzählt, daß der Monarch, der bey dem lutherischen Prediger anderthalb Meilen von Eylau sich einquartirt hatte, in ein auf dem Schreibtische des Geistlichen liegendes Stammbuch folgende merkwürdige Worte schrieb: "Entzückender Zufluchtsort der Ruhe und des Friedens! warum mußt du der Schauplatz der Schrecknisse des Krieges werden?"

Die Stadt Eylau ist klein, wohlgebaut und besitzt keine erheblichen Merkwürdigkeiten.

Dommau war ganz mit Verwundeten angefüllt. Vor der Stadt sahen wir am Wege viele noch unbegrabene Todte liegen.

Der Weg von Domnau nach Königsberg beträgt ungefähr fünf Meilen. Der Boden schien fruchtbar zu seyn; auch sah man Spuren fleißiger Kultur. Leider fanden wir aber mehrere verwüstete und menschenleere Dörfer.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Historisch-militärisches Handbuch für die Kriegsgeschichte der Jahre 1792 bis 1808. Von A. G. Freiherrn von Gross. Amsterdam, im Verlage des Kunst- und Industrie-Comptoire. 1808.
  • Meine Berufsreise durch Deutschland, Preußen und das Herzogthum Warschau, in den Jahren 1805, 1806, 1807 und 1808. Von J. P. Graffenauer, Doktor der Arzneygelahrtheit, vormaligem Arzte bey der großen französischen Armee, mehrerer gelehrten Gesellschaften Mitgliede. Chemnitz, bey Carl Maucke. 1811.