Schlacht von Friedland

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Schlacht bei Friedland.

Friedland (Schlacht bei). Der Name Friedland ist in der Geschichte des 19. Jahrhunderts durch die Schlacht berühmt, welche zum Frieden von Tilsit führte. Sie war das Resultat der letzten 14 Tage im ganzen Zeitraume jenes Krieges.

Die Gefechte bei Spanden, Lomitten und Altkirchen am 5. Juni, das Gefecht bei Deppen am 6. Juni, bis wohin die Russen mehr im Vortheile als Nachtheile sich befanden, die Affaire bei Glattau am 8. Juni, wodurch die Russen aus ihren Positionen vorwärts Gutstadt gedrängt wurden, und das noch ernsthaftere Treffen bei Heilsberg am 10. Juni, wo der französische Kaiser selbst gegen den russischen General Bennigsen commandirte; diese combinirten Operationen und Gefechte kann man nur als vorangegangene Einleitung zu der Schlacht bei Friedland betrachten.

Schon am 11. Juni bot Napoleon den Russen die entscheidende Schlacht an; doch diese verhielten sich während des Tages in ihren Verschanzungen ruhig, verließen diese aber Abends, und zogen sich auf das rechte Ufer der Alle zurück, deren linkes Ufer sie mit allen Lägern, Magazinen und Verwundeten dem Feinde überließen.

Am andern Tage rückte nun der französische Armee in Schlachtordnung vor, und schritt durch ein kühnes Manoeuver des Marschalls Davoust die Russen von Eylau ab, während eine gleiche Operation zwischen dem rechten russische Flügel und Königsberg Statt hatte. Abends war Napoleons Hauptquartier in Eylau.

Am 13. früh gelang es dem Marschall Murat (König von Neapel), von Davoust unterstützt, das preußische Corps unter Lestocq zu isoliren, das nun ganz außer Communication mit den Russen gebracht war. Letztere setzten ihren Rückzug am rechten Ufer der Alle nach Schippenbeil fort, nachdem sie schon Bartenstein verlassen hatten und über Friedland hinaus retirirten, wohin Napoleon nun selbst mit den Garden, dem ersten Armeecorps und denen von Ney, Lannes und Mortier marschirte. Die Debouches von Friedland wurden ungeachtet eines Cavalleriegefechtes mit den auch in der Stadt selbst ankommenden Russen von der Divisionen Nansouty und Grouchy behauptet. Dagegen hatten die Russen eine Cavalleriedivision zu einer starken Recognoscirung nach Königsberg zu, auf das linke Alle-Ufer, vorgeschoben.

Ein Angriff auf diese Truppen begann die wichtigste Ereignisse des folgenden Tages, des 14. Juni, früh zwischen 2 und 3 Uhr. Dieser Angriff wurde zwar abgeschlagen, allein da die Franzosen sich immer dichter zwischen den Dörfern Heinrichsdorf, Posthenen und dem fortlacker Walde aufstellten, so ward das Kanonen- und Tirailleurfeuer ziemlich lebhaft. Das Zunehmen des Gefechts veranlaßte den General Bennigsen, sowohl die Infanterie der kaiserlichen Garde, als auch mehrere nachkommende Divisionen auf das Linke Ufer der Alle zu schicken, denen bis nach 5 Uhr der größere Theil der russischen Armee folgte. Es mochte aus diesen Bewegungen bei der französischen Armee wohl der Schluß gezogen werden, daß Bennigsen sich durch sie hindurch den Weg nach Königsberg bahnen wollte; allein Augenzeugen (Plotho in seinen Tagebuche während des Krieges in den Jahren 1806 und 1807, Berl. 1811, bei Braunes) sind der Meinung, daß der russische General ganz gegen seinen Willen in diese Frühgefechte, welche die Schlacht des Tages zur Folge hatten, verwickelt worden sey, da er wohl nichts weiter gewollt habe, als das Corps des Marschalls Lannes schlagen, seine Position behaupten und dann sich auf das rechte Ufer des Flusses zurückziehen.

Die immer mehr zunehmende Stärke der französische Armee und die gegenseitigen Positionen überzeugten den General Bennigsen endlich, daß der unausweichliche Moment der Schlacht gekommen sey. Daher stellte er seine Armee in Schlachtordnung; diese formirte einen Bogen vor der Stadt Friedland und lehnte beide Flügel an die Alle, auf einem meist ebenen Boden; das Mühlenfließ theilte sie in zwei ungleiche Theile. Der rechte Flügel stand an dem domerauer Holze, der linke reichte von Mühlerfließ, dem fortlacker Walde vorüber, bis am die Alle, an den Punkt, wo die Landstraßen von Eylau, Bartenstein und Schippenheil sich vereinigen; der nahe Wald verbarg die Bewegungen der französischen Armee, welche auf 70- bis 80,000 Mann angegeben, dagegen die der russischen nur zu 61,000 Mann geschätzt wurde. Die Cavallerie des rechten russischen Flügels commandirten die Generallieutenants Uwarow und Fürst Gallizin 5., den rechten Flügel der Infanterie der Generallieutenant Fürst Gotschakow 1.; den linken Flügel der Infanterie der Generallieutenant Fürst Bagrathion; die Cavallerie des linken Flügels der Generallieutenant Kollogribow.

Mit der ihnen eigenen Ausdauer standen die Russen in kurzer Kanonenschußweite dem Feinde gegenüber, und rückten in einigen Momenten unter dem heftigen Feuer, besonders bei Posthenen vor, die russischen Jäger drangen wenigstens vier Mal bis in den fortacker Wald, wurden aber immer wieder zurückgeworfen; das brennende Dorf Sortlack mußte endlich aufgegeben werden; die Cavallerie beider Flügel focht nicht unglücklich gegen die feindliche, aber doch ohne entscheidenden Erfolg. Am nachtheiligsten wurden die Russen die im Walde operirenden Schwärme der französischen Tirailleurs. So war, bei vielem Menschenverluste, ohne ein Resultat, der Morgen und Mittag vorübergegangen.

Schon neigte sich der Tag seinem Ende zu, doch ein Geheimniß schien auf seinen letzten Stunden zu liegen. Es enthüllte sich, als nach sechs Uhr die, während dessen hinter dem Walde formirte, französische Armee durch 20 furchtbare Kanonenschläge das Zeichen zum Angriffe in Masse erhielt. Sie bestand aus den Corps des Marschalls Lannes, das um 4 Uhr Morgens, des Marschalls Mortier, das um 7 Uhr, des Marschalls Ney und der Garde-Cavallerie, welche zusammen, nebst dem Kaiser, um 9 Uhr, dem 1. Corps unter Victor und den kaiserlichen Garden, die um 3 Uhr nachmittags eingetroffen waren. Unter einem verwüstenden Kanonenfeuer rückten diese Massen gegen die russischen Armee an, drangen durch den Wald und drückten den linken feindlichen Flügel zwischen die Alle und das Mühlenfließ nach Friedland, während der rechte russische Flügel gegen den linken des Marschalls Lannes siegreich war. Doch das Unglück des linken Flügels nöthigte auch den rechten zum Rückzuge nach Friedland.

"Jetzt aber," so erzählt der Augenzeuge, "jetzt eröffnete sich eine gräßliche Scene. Ein Theil der (russischen) Infanterie näherte sich der brennenden Vorstadt, durch welche sie ihren Rückzug nehmen sollte, und fand sie von feindlichen Truppen besetzt. Wer vermag die nachfolgenden Augenblicke zu schildern - die Verzweiflung und die Wuth der tapfern Russen, ihren fürchterlichen Angriff - nicht fürchterlicher konnte er jemals seyn - ihr Vorrücken durch die brennende Stadt, sich entgegenstürtzend der Kugelsaat, die der Feind über sie schüttete, und die den meisten das Leben nahm. Aber fort mußte der Feind (die Franzosen), aus der Stadt und Vorstadt hinaus ins Freie, und, wie von Rache aufgeboten, verfolgten ihn auch dahin die gereizten Russen. Schon stiegen die Flammen der Stadt hoch empor und die Brücken sanken, und noch kamen gedrängte Truppen, um überzusetzen auf das andere Ufer; die Cavallerie und Infanterie stürzten sich endlich in den Fluß, noch immer von dem feindlichen Feuer verfolgt, und suchten und fanden darin Rettung oder Tod. Doch schließen mußte ein fürchterlicher Auftritt diesen langen und großen Streit der Nationen, würdig der Anstrengungen, der bestandenen Gefahren und der vielen Opfer; der Besiegte mußte sich noch auf Augenblicke blutig rächen, und durch nie gesehenne Thaten dem Feinde Achtung und Bewunderung abzwingen; der Feind mußte staunen über die Tapferkeit seinen braven Gegner und das Verfolgen vergessen."

Die Schlacht war für die Russen verloren. Sie hatten nach französischen Berichten 17,300 Todte und Gefangene verloren; nach russischer Angabe betrug der Verlust 10,000 Mann; nach dem Bericht eines Augenzeugen 6 bis 8000 Todte und 12,000 Blessirte. Unter ihren Todten waren die Generalmajore Masowsky und Suchin 1. ; blessirt waren die Generallieutenante Essen 1., Steinheil, Suchin 2. und Markow 1. Die Franzosen gaben 500 Todte und 3000 Verwundete an; unter den erstern den Artillerieoberst Desfourneaux, und unter den letztern die Generale Latour-Maubourg, Drouet, Cöhorn, Brun und den sächsischen Generalmajor Oebschelwitz.

Die Einnahme von Königsberg am 16. Juni war die nächste Folge. Die Russen zogen sich immer am rechten Ufer der Alle zurück, nach ihres Vaterlandes Gränzen; die Franzosen rückten rasch gegen den Niemen vor. Am 19. zog Napoleon in Tilsit ein, dem bisherigen russisch-kaiserlichen Hauptquartiere; doch schon Tags zuvor, am 18., hatte der Großherzog von Berg, welcher die Vorpostenkette an den Ufern des Niemen commandirte, durch den Fürsten Bagrathion den russischen Antrag zum Waffenstillstande erhalten. Nach drei Tagen (am 21. Juni) wurde dieser abgeschlossen; am 25. folgte ihm der Waffenstillstand mit Preußen. Die merkwürdigen Zusammenkünfte am 21. und 26. Juni und der doppelte Friede von Tilsit am 7. und 9. Julius waren die merkwürdigsten Resultate des 14. Juni 1807.


Bericht des Obergenerals Baron von Benningsen.

Fünfter Bericht; im Hauptquartier zu Wehlau d. 3/15 Junius 1807.


Da der Feind seine ganze Macht von Heilsberg nach Friedland und Wehlau gewandt hatte, in der Absicht meine Armee vom Pregel abzuschneiden, so muss ich Ewr. Kaiserl. Maj. unterthänigst berichten, dass ich zu Schippenbeil keine Position nehmen konnte, sondern am 1/13 Juni im forcirten Marsch mich nach Friedland begab.

Das Detaschement, welches ich vorausschickte, um die Stadt zu besetzen, fand solche schon um 3 Uhr Nachmittags im Besitz von 4 feindlichen Escadrons, die aber dennoch augenblicklich heraus getrieben wurden.

Um die Stadt in Besitz zu nehmen, und damit meine Truppen von den Strapatzen sich erholen konnten, schickte ich während der Nacht einige Infanterie auf das linke Ufer der Alle. Allein des Morgens bei Tagesanbruch attakirte der Feind meine Vorposten, und am 5½ Uhr fieng die Kanonade an. Ich schickte daher eine andere Division meiner Armee zur Unterstützung der anderen Truppen über den Fluss, da ich voraussetzen musste, dass bloss die Avantgarde des Feindes herangerückt wäre. Der Feind wurde auf allen Puncten geworfen, und die Truppen fochten 14 Stunden mit der grössten Tapferkeit, und waren immer Sieger. Die Division des Generals Oudinot, die den rechten feindlichen Flügel bildete, wollte mit dem Bayonnet einen Angriff machen; allein mein linker Flügel marschirte ihr rasch entgegen, und vernichtete eine ganze Colonne, während eine andere gänzlich in Unordnung gerieth. Die Cavalerie meines rechten Flügels machte einen heftigen und glücklichen Angriff auf die feindlichen Cürassiers, verfolgte sie bis nach Heinrichsdorf, wo der rechte Flügel des Feindes sich anlehnte.

Um 3 Uhr Nachmittags kam Bonaparte selbst mit dem übrigen Theile seiner Armee an, und verstärkte unter dem Schutz eines Gehölzes seinen rechten Flügel so sehr, dass ich um 6 Uhr, wie er von neuem wieder angriff und eine maskirte Batterie von 40 Kanonen auf meinen linken Flügel eröffnete, mich genöthigt sahe meinen Rückzug anzutreten, welcher in der besten Ordnung geschah, indem meine Arrièregarde die ganze Macht des Feindes aufhielt, bis alle meine Truppen über die Alle waren.

Obgleich mein Verlust, während einer 16stündigen Schlacht, und bei dem Defiliren meiner Armee über eine Brücke, welche der feindlichen Artillerie ausgesetzt war, nicht unbeträchtlich seyn kann, so muss doch der feind wenigstens eine gleiche Anzahl verloren haben, da der Angriff mit dem Bayonnet, und der von der Cavalerie für ihn mit grossen Verlust verbunden gewesen ist, und wir ihm vorher der Adler des 13ten Linienregiments genommen hatten. Der Feind hat sonst keine zu Gefangenen gemacht, als die schon Verwundeten, welche aus der Stadt nicht weggebracht werden konnten; überdies hat er bloss einige demontirte Regiments-Stücke und ein Paar andere genommen, weil die Pferde davon todtgeschossen waren. Uebrigens ist unsere ganze Feld-Artillerie gerettet.

Ich nehme jetzt mit meiner Armee eine Position hinter dem Pregel bei Wehlau, indem ich alle Uebergänge des Flusses bis Königsberg und Insterburg besetzt und so eine Communication mit dem General Lestocq wieder eröffnet habe. Sollte der Feind es wagen über den Pregel zu gehen, so werde ich ihn sogleich angreifen und die Verstärkungen, welche bereits auf dem Marsche sind, werden meinen Verlust bald ersetzen, und mich in den Stand setzen, noch einmal mit dem Feinde zu kämpfen.

Unterz. Benningsen.


Augenzeugenbericht.

Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Historisch-militärisches Handbuch für die Kriegsgeschichte der Jahre 1792 bis 1808. Von A. G. Freiherrn von Gross. Amsterdam, im Verlage des Kunst- und Industrie-Comptoire. 1808.
  • Magazin des Kriegs. Erstes Heft. Die Schlacht bey Friedland. Leipzig, 1807. bey Gerhard Fleischer dem Jüngern.