Schlacht von Jemappes

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Gemappe.

Bataille de Jemappes, 6 Nov.bre 1792.
Bataille de Jémappe.

Gemappe (Jemappe), ein Dorf, im Oestreichischen Hennegau, eine Stunde von Mons gelegen, berühmt durch die am 6. Nov. 1792 dort gelieferten Schlacht zwischen der Französisch-Republikanischen Armee unter Dümouriez und den Oestreichern unter den Generalen Clerfait, Latour, Sachsen-Teschen und Condé.

Aus der biographischen Notiz über Dümouriez (m. v. d. Art.) wissen wir, daß dieser erste der republikanischen Generale nach seiner zweiten Anstellung bei der Französischen Armee eine Proclamation an die Belgier erließ, worin er sie auffoderte mit Frankreich gemeine Sache zu machen. Doch nur nach einem entscheidenden siege über die ihm gegenüberstehenden Oestreicher konnte er eine Ernte von jener Aussaat hoffen. Einen solchen Sieg zu erringen suchte er nun mit aller Kraft und das Schicksal wollte, daß er ihn errang.

Beurnonville, Egalité (ältester Sohn des Herzogs von Orleans), Bourdonnaye, Miranda und Valence waren die Generale, die unter ihm den in Paris entworfenen Plan zum Winterfeldzuge mit ausführen sollten. Achtzigtausend Mann, mehr von wildem Geiste des Mars befeuert, als in die Regeln der Taktik eingeweihet, harrten des Winkes zur Offensive.

Der Moment des Kampfes und Sieges erschien am 6. Nov. 1792 nachdem in den Tagen vorher die Vorposten der Oestreicher bis gegen Mons zurückgedrängt worden waren und die Franzosen sich zu Herren der Ebene von Gemappe gemacht hatten. Auf den waldigsten Höhen von Gemappe stand das wohlgerüstete Heer Oestreichs in Verschanzungen, welche dreifach hinter- und übereinander jedem Angriff zu trotzen schienen; unter dem Schutze dichter Batterien erwartete es, 20,000 Mann stark, die anrückenden Neufranken. Aber ungeachtet dieser entgegengesetzten Kräfte griff Dümouriez mit kühner Zuversicht an, und bald waren, trotz des muthigsten Widerstandes, trotz der Vortheile, welche die Oestreichische Cavallerie gegen die Französische auf einige Augenblicke erkämpfte, unter dem Gesang der Marseiller Hymne, die erste und zweite Etage jener Verschanzungen mit dem Bajonnette genommen; die Eroberung der dritten erleichterte der schon dort beginnende Rückzug der Oestreicher. Die Franzosen hatten gesiegt und verfolgten die fliehenden Oestreicher durch Mons. Nur Clerfaits Talent hielt den raschen Rückzug in Ordnung.

Der Widerstand der Oestreicher bei Lüttich, Herve und Verviers konnte die siegreichen Gegner nicht aufhalten. Brüssel, Mecheln, Löwen, Lüttich und Aachen fielen nun in der Sieger Gewalt. Die Bemächtigung von Brügge, Gent, Antwerpen, Ostende gehörte unter die Resultate diese ersten großen Sieges der Neufranken - alle Oestreichischen Niederlande wurden von ihnen überschwemmt.

Die Schelde ward, nach einer Sperre von fast 150 Jahren, wieder geöffnet und die zweite Eroberung der Niederlande war vollendet.


So lange sie dem französischen Reiche einverleibt blieben, nannte man zum Andenken an jene Begebenheit ein ganzes Departement nach jenem Dorfe. Dieses Departement begriff den größten Theil von Hennegau, und einige Stücke von Brabant, Lüttich und Namur. Es enthielt die 3 Bezirke von Mons oder Bergen, Tournay oder Dornik und Charleroy oder Libre-sur-Sambre, 80 Quadratmeilen, 412,000 Einwohner, 423 Gemeinden und 32 Friedensgerichte.


Ueber die Schlacht bey Mons.

(Auf Verlangen mitgetheilt.)

Unwissenheit und Fanatismus machen aus den natürlichsten Dingen Mirackel, dieß hat man aus den Explosionen mancher über die Schlacht von Mons wahrgenommen. Dumourier's Angabe in dem Nationalconvent, daß eine 40,000 Mann starke Armee nach den Niederlanden auf dem Wege sey, wurde von so vielen Orten her bestätiget, daß bey dieser Zahl nicht der geringste Zweifel übrig bleibt. Es standen aber bereits schon Truppen auf den Grenzen, die noch vor Dumourier's Ankunft von allen Seiten her Verstärkung erhielten. Demnach hat man keine Ursache, in den Pariser Bericht vom 1sten November ein Mistrauen zu setzen, daß sich 60,000 Mann in drey Colonnen vor Mons bildeten. Mit diesem Berichte, welcher nur 4 Tage vor dem Angriff in drey Colonnen in der Gegend von Bossü, und 6 Tage vor der Schlacht selbst ausgegeben worden, stimmt auch die Brüßeler Angabe vollkommen überein. Wenn nun Dumourier in seinem Schlachtbericht auf einmal von allen diesen Angaben abspringt, und sagt: wir hatten nur 30,000 Mann in Gefecht, so ist dieses ein Beweis, daß er's fühlte, daß seinem Siege das abgehe, mit welchem die ächten Griechen- und Römersiege bezeichnet sind. Vielleicht wäre er, um der Wahrheit nicht zu nahe zu treten, noch gerne bey 40,000 stehen geblieben, (eine Zahl, die ihm vorangeführter Umstände wegen kein Mensch als zu klein würde abgestritten haben,) wenn nur diese Zahl nicht noch das doppelte der Oesterreichischen Armee ausgemacht hätte; denn diese war nach dem Brüßeler Berichte auf 17 bis 18000 Mann angesetzt. Man hat zwar bey Dumouriers Bericht in einigen Zeitungen noch ein Einschiebsel, welches die Oesterreichische Armee auf 28,000 Mann erhöhte; daß aber diese Summe von einem unwissenden Kopf herrühre, erhellet schon aus dem Verhältniß der Cavallerie, welche Dumourier selbst nur auf 3500 Pferde setzt. Die Oesterreicher berechnen ihren Verlust auf 5000 Mann, Dumourier auf 4000. Diese Summen sind, nach dem Hergang der Schlacht zu urtheilen, offenbar zu geringe; denn ein tapferes Volk läßt sich nicht ohne Verlust aus einem schon eroberten Dorfe treiben, läßt sich nicht ohne Verlust ein paar Batterien wegnehmen, läßt sich nicht ohne merklichen Verlust in ganzen Brigaden von Infanterie und Cavallerie in die Flucht schlagen; und zerstreuen; kann endlich nicht ohne großen Verlust, Bataillonsweise in Colonnen am hellen Tage auf einem Wege von 12000 Schritten, bis vor Verschanzungen, die mit 60 bis 70 Stücken Geschützes vertheidigt sind, hinmarschiren, da eine einzige Kanone, ehe ein solches Bataillon 100 Schritte zurück legt, wenigstens 10 Schüße thun, und ein einziger Schuß 20 Mann von einer Colonne tödten kann. Wahrscheinlich hat man allso, um dem Siege auch von dieser Seite ein beßeres Geschick zu geben, bey jeder der vorigen Zahlen eine weggelassen. Ergänzen wir diese der Wahrheit gemäß, so kommt die Zahl der getödteten Franken auf 3000, die der Verwundeten auf 6000, und die ganze Summe des Verlusts auf 9000 Mann, allso 1000 weniger, als der Brüßeler Bericht angiebt. Zu diesen Berichtigungen berechtiget uns das, was wir selbst von Amtsberichten der Französischen Generale wissen. Noch nöthigte die Beschaffenheit des Terrains die Oesterreicher, sich über eine Strecke zu verbreiten, die eigentlich nur von 36 bis 40000 Mann vertheidiget werden konnte Nach Französischen Berichten bestanden ihre Verschanzungen aus mehr als 40 Redouten. Soll eine Redoute gut gesetzt seyn, so gehören dazu 400 Mann; dieß macht im Ganzen 16,000 Mann; die Oesterreicher aber hatten überhaupt nicht mehr als 14500 Mann Infanterie, folglich kaum so viel, als zur Besatzung der Redouten nöthig war; demnach blieb ihnen kein Mann zur Formirung einer Linie hinter den Redouten übrig, wozu auch wieder 16000 Mann erforderlich gewesen wären; eine Lücke, die vermuthlich die Clairfaitsche Armee hätte ausfüllen sollen.

Nehmen wir nun an, sie hätten die Redouten nur mit der Hälfte der gehörigen Mannschaft, jede mit 200 Mann besetzt, so behielten sie noch 6500 Mann, die auf einer Strecke von 7 bis 8000 Schritt auf großen Distancen in kleinen Divisionen, die sich einander nicht beystehen konnten, zerstreut waren. In dieser Lage erwarteten sie den Angrif von 60000 Franzosen, die sie in einzelnen Gefechten mehrmals besiegten, und vor denen sie sich am Ende so zurück zogen, daß sie ihre Verwundete auf 3 bis 600 Wägen luden, und von ihrem Geschütz nichts weite als 7 Stücke wegen Mangel an Pferden zurück ließen. Welche Wunder von Tapferkeit haben nun die Franzosen hier verrichten können, ohne daß die Ehre davon in zehnfachem Grade auf die Oesterreicher zurück fiele? Selbst die Umstände des Rückzugs geben zu erkennen, daß die Hitze der Franzosen durch starken Widerstand und Verlust zeitlich abgekühlt worden seyn müsse. Kenner des Kriegs rühmen auf Französischer Seite allenfalls nur die Geschwindigkeit, mit welcher Dumourier zur Schlacht von Mons hingeeilt ist, ehe die Oesterreicher Verstärkung erhielten; denn hätten diese zu ihren 18000 Mann noch 6 bis 7000 weiter gehabt, so würden sie schwerlich durch 60000 Franzosen aus ihrem Posten verdrungen worden seyn.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1792. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. Hamburg, auf den Post-Aemtern und in der Hoffmannschen Buchhandlung 1792.