Schlacht von Mosaisk

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Mosaisk, (Schlacht bei). Napoleon war mit seiner Heeresmacht bereits bis in das Gouvernement Moskwa vorgedrungen. Das Treffen am 5. Sept. hatte ihn zum Meister der Anhöhen von Borodino (s. d. A.) gemacht. Beide Heere bereiteten sich mit aller Kraft, das eine um die alte Hauptstadt der Czaare gegen den anrückenden Feind zu vertheidigen, das andere, um diese Hauptstadt, in der es Erholung und neue Hülfsmittel zu finden hoffte, zu erreichen.

Der rechte Flügel und das Mitteltreffen der Russen, unter Barclay und Bennigsen standen vorwärts von Mosaisk, wo ein tiefer Hohlweg ihre Stellung deckte; der linke Flügel, den Bagration befehligte, hatte sich nach dem Treffen bei Borodino, auf die anstossenden Höhen zurück gezogen, und mit einem starken Gurt von Batterien umgeben.

Die russische Macht bestand aus 120,000 Mann; Napoleon hatte in ihrem Angesichte 150,000 Mann und 1000 Kanonen aufgestellt. Er war entschlossen, am folgenden Tage, (7 Sept.) durch einen allgemeinen und kräftigen Angriff, dem Feldzuge seine Entscheidung zu geben. Morgens um 3 Uhr erschien er, umgeben von seinen Marschällen, vor den Linien der Armee. Den Abend zuvor schon hatte Kutusow das aus Smolensk gerettete heilige Bild durch die reihen seiner Krieger tragen lassen, und sie ermuntert, treu und tapfer gegen den "Erztyrannen" zu fechten, der in das Heiligthum ihres Landes eingebrochen. Die Franzosen und ihre Bundesgenossen gingen entschlossen in die Schlacht, weil nur sie die Armee von ihren langen Entbehrungen und Leiden befreyen, und ihr den Eingang in das verheissene und mit Ungeduld ersehnte Paradis von Moskwa eröffnen konnte. Diese Entschlossenheit befeuerte Napoleon noch mehr, indem er seinen Kriegern eine Proclamation vorlesen ließ, worinn er sie an die Hoffnungen dieses Tags und an ihre frühern Thaten erinnerte, und indem er auf die in herrlicher Klarheit strahlende Sonne hinwies, mit den Worten: Sehet da die Sonne von Austerlitz!

Um sechs Uhr setzten sich die französischen Colonnen in Bewegung. Poniatowsky, an der Spitze des rechten Flügels, rückte vor, um den Wald zu umgehen, an den sich der feindliche linke Flügel anlehnte, während Davoust sich längs dem Walde hinzog. An ihn schloß sich das erste Corps mit der Cavallerie Murats und an dieses das dritte Corps unter Ney an. Im Mittelpunkt marschirte die Wirtembergische Division voraus. Der Vicekönig, mit den Italienern und Kroaten nahte sich dem Dorfe Borodino.

Der Hauptangriff ward, unter einem fürchterlichen Kanonenfeuer, auf den linken Flügel der Russen gerichtet. Trotzig bot Bagration, in seiner wohl verschanzten Stellung, ihm seine Fronte entgegen. Man beschoß einander in geringer Entfernung. Die französische Cavallerie stürmte bis an die Mündungen der Kanonen vor. Es fielen eine Menge Streiter auf beiden Seiten. Drey Stunden wankte ohne Erfolg der Kampf. Da ließ Napoleon noch 50 Kanonen herbei bringen, und die streitenden durch die Division Morand und das vierte Cavalleriecorps verstärken. Der Angriff wurde erneuert, und das Gefecht noch heftiger. Bagration, von der Uebermacht gedrängt, und durch den Vicekönig in seiner Flanke bedroht, gab das Zeichen zum Rückzuge. Die Franzosen besetzten seine Schanzen, und feuerten aus den eroberten Kanonen auf seinen Nachzug.

Schon schien der Sieg für sie entschieden. Aber bald wandte der linke Flügel der Russen, nachdem Kutusow ihm mächtige Verstärkung aus der zweiten Linie zugesandt hatte, wieder um, und erneuerte die Schlacht. Angriff und Vertheidigung wurden noch heftiger, als zuvor. Das Ungestümm der Russen ward unwiderstehlich. Sie drangen wieder in die verlornen Schanzen ein. Es eilt Murat mit der Wirtembergischen Reuterey herbei. Unter großem Verlust behauptet dieses brave Corps seinen alten Ruhm, und entreißt durch kühnen Muth seinen Anführer der Gefangenschaft. Die Wirtembergische Infanterie greift mit dem Bajonet an. Zugleich dringen russische Heeresmassen zwischen den rechten französischen Flügel und den Mittelpunkt ein, und vermehren die Verwirrung. Tutschkof stürmt mit der moskowitischen Miliz herbei, und mit Lanzen und Beilen fallen die russischen Bauern über die gehaßten Feinde her. Der Kampf wird immer allgemeiner und fürchterlicher, und das Blutbad größer, ohne daß der Sieg sich entscheidend für einen Theil erklärte.

Es waren wohl 30,000 Todte und Verwunderte, die jedes Heer an diesem blutigen Tage verlohren hatte. Unter den russischen Anführern waren Bagration - nach den herrlichsten Erweisungen des edelsten Muthes - Tutschkof und Konowitzin gefallen; unter den Franzosen die Generale Montbrun, Caulaincourt, Compere, Plausonne, Martin und Huart. Sehr viele der obersten Befehlshaber der Heere fanden sich unter den Verwundeten. Am meisten hatten die Bundestruppen, die Wirtemberger, die Sachsen, die Westfalen xc. verloren, indem man sie, um die Franzosen zu schonen, immer dahin führte, wo die Gefahr am größten war.

In der Nacht räumte Kutusow das Schlachtfeld, und zog sich, während Platow mit seinen Kosaken den Rückzug deckte, durch Mosaisk, das in den Flammen aufloderte, gegen Moskwa zurück. Die Schlacht hatte seine Kräfte so sehr geschwächt, daß er es nicht mehr wagen durfte, den Kampf zu erneuern. Deßhalb beschloß er, erst dem Feinde die Mittel zu entziehen, die er in der Hauptstadt finden konnte, und dann eine Stellung zu nehmen, in der er die reichen Provinzen des Südens deckte, und zugleich die Kräfte um sich vereinigen konnte, die er zum Erneuerung der Offensive bedurfte. Der Erfolg hat gelehrt, wie zweckmäßig dieser Entschluß war. Napoleons Heer folgten ihm auf den Straßen von Mosaisk, Zowenigorod und Kaluga nach. Am 14. Sept. zogen sie in das brennende Moskwa ein.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.