Schlacht von Ocaña

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Schlacht von Ocaña.

Ocaña [Okahnja] östlich von Toledo: 30'000 Franzosen unter Joseph Bounaparte schlagen 50'000 Spanier unter Ariezaga, den 19. November 1809. Ariezaga, Cuesta's Nachfolger, statt durch die Fehler seines Vorgängers und anderer spanischer Anführer gewarnt zu sein, übertrifft sie noch an Verblendung und dummen Stolz. Er führt sein Heer zur Eroberung von Madrid, trifft die Franzosen bei Toledo, und entweicht R durch die Ebene von Ocaña. Die Franzosen ereilen bei dieser Stadt die Spanier, welche auf steilen Höhen eine Stellung nehmen. Hier halten sie drei Stunden lang die Angriffe der Franzosen aus, dann wanken sie, und es entsteht bald eine allgemeine Flucht. Die Spanier verlieren 5000 T. V., 15,000 G., 50 Kanonen, 300 Wagen. Nach einem Vierteljahre hat sich kaum der dritte Theil von Ariezaga's Heere wieder gesammelt. Die Franzosen haben 2000 T. V.


Schlacht bei Occana.

Der 18. November 1809.

Die Schlacht bei Occana beschloss den Feldzug des J. 1809 im östlichen Spanien. Das Heer dieses Landes, welches in der Sierra Morena zu der Stärke von 58,000 Mann angewachsen und mit allen wohl ausgerüstet war, führte Arezaga durch die Ebenen der Mancha gegen Joseph Napoleons Streitmacht und Madrid. Diesem letzteren stand Marschall Soult als Major-General zur Seite. Er gebot über 30,000 französische und deren bundesgenossene Krieger, Deutsche und Pohlen.

Die Spanier rückten vom 5. bis 9. November unter glücklichen Gefechte vor. Sie versäumten es am letzten Tage, den günstigen Augenblick zu benützen, wo Waffenglück, Uiberlegenheit und Kampflust der Truppen mit Wahrscheinlichkeit glücklichen Erfolgs zum Kampfe riethen. Hiedurch wurden ihre Truppen verstimmt, und durch Unwetter und Entbehrung geschwächt. Ihre Feinde gewannen Zeit sich besser zu rüsten. Sie wurden beinahe überrascht, als Soult am 18. über den Tajo vorgerückt sie bei ihrem Sammelplatz Occana angriff. Die ersten spanischen Truppen waren schon im Gefechte, da die übrigen ohne eigentlichen Plan und Anordnung erst nach und nach ermüdet auf dem Kampfplatz eintrafen.

Mortier führte das 1., Leval das 2. Treffen. Sebastiani befehligte die vertheilte Reiterey. Den Rückhalt bildeten die Garden und die Division Dessoles.

Die Stellung der Spanier war theils durch eine günstige Erdlage, theils durch zahlreiche Reiterey geschützt. Occana hielten sie stark besetzt.

Gegen 9 Uhr früh eröffnete Leval durch einen Angriff auf ihrem rechten Flügel das Gefecht. Nach 2 Stunden theilte es sich der ganzen Linie mit. Vier Tausend spanische Grenadiere, auf die man grosse Hoffnungen baute, flohen beinahe ohne Widerstand im Augenblick des Angriffs -- Lacy mit seiner Division stellte auf dem rechten Flügel das Gefecht wieder her, es währte in der Mitte und auf dem gegenseitigen Flügel mit wechselndem Glücke hartnäckig fort. Schon gewannen die Spanier Vortheile und rückten siegend vor. In diesem kritischen Augenblick stürtze sich Dessoles mit dem Rückhalt auf sie, macht sie stutzen, wanken, und bringt sie in Unordnung. Zu gleicher Zeit erstürmt eine französische Colonne Occana, wo Arezaga mit Mühe der Gefangenschaft entgeht. Nach 3stündigem tapfern Kampfe wird die Flucht der Spanier allgemein. Vigodets Division allein und ein Theil der Reiterey unter Freyre behaupteten eine leidliche Haltung, und decken die regellose Flucht.

Das Resultat der verlornen Schlacht waren 6,000 todte und verwundete Spanier, 15,000 Gefangene mit 3 Generäle, 6 Obersten, 300 Offizieren, 30 verlorne Fahnen, 50 Canonen, 300 Wägen, 1,600 Mauthiere. Die Franzosen sollten nach eigener wahrscheinlich viel zu geringen Angabe nur 14,000 gebliebene und Verwundete gezählt haben. Unter letzteren war Mortier und Leval. Kaum ein Drittheil des geschlagenen spanischen Heeres konnte sich erst nach 2 Monaten wieder sammeln.

Spanische Officialberichte über die Niederlage bey Occana, am 18ten Nov. 1809.

Eine außerordentliche Gouvernements-Zeitung die am 18sten Nov. zu Sevilla erschien, enthält darüber folgendes:

"Zwey Depeschen sind von Juan Carlos de Arezaga *) eingegangen, datirt vom 19ten und 20sten November zu Turleque und Daimiel. Beyde kamen zu derselben Zeit an.

In der ersten wird angeführt, daß der Feind unsere Armee am 18ten November im Centro und in den Flanken bey Occana angegriffen habe, daß sein Hauptaugenmerk auf unsern rechten Flügel gerichtet war, um ihn zu tourniren, daß man 3 Stunden einen hartnäckigen Widerstand geleistet, und daß der Feind endlich durch die Division des tapfern Brigadiergenerals Lacy zum Weichen gebracht wurde; allein die Ueberlegenheit der feindlichen Artillerie verursachte darauf Verwirrung, und nöthigte unsere Armee, gedeckt durch die Avantgarde und durch die 6te Division, zum Rückzuge. Unser Verlust ist beträchtlich, doch nicht weniger der des Feindes, da er mehrmals durch unsere Infanterie, und durch das nachdrückliche Feuer der Artillerie zum Weichen gebracht ward.


Die Depesche vom 20sten enthält folgendes:

Mein Herr!
Ich kam diese Nacht hier an, und morgen werde ich mich nach Santa Cruz begeben, wo ich zu der Infanterie stoße; die Cavallerie der zerstreuten Armee wird zu Manzanares mit uns zusammentreffen, ausgenommen ein Theil der 2ten Division unter Commando des Brigadiers Don Gaspar Bigodet, der die Bestimmung hat, den Feind aufzuhalten (dessen Vorposten heute zu Madrilejos angekommen sind, von dessen Hauptarmee ich aber nichts erfahren kann,) damit er nicht bis nach der Sierra Morena vordringe, und damit meine Magazine zu la Mancha gesichert werden. So bald es möglich seyn wird, werde ich Ew. Excellenz eine Liste unseres Verlustes mittheilen. Jedoch kann ich schon benachrichtigen, daß wir an Generalen und Offizieren vorzüglich gelitten haben, welches ein deutlicher Beweis ist, daß selbige sich bey dieser Gelegenheit mit Muth geschlagen haben. Sie haben das Beyspiel der Divisionsgenerale befolgt, welche in ihren gemachten Dispositionen Klugheit, so wie auch ausgezeichnete Unerschrockenheit an den Tag legten.
Gott erhalte Ewr. Excellenz viele Jahre.
(Unterz.) Juan Carlos de Arezaga.
Im Hauptquartier Daimiel, den 20sten November 1809.

*) Der Nahme diese Insurgenten-Generals, der in der Schlacht von Occana commandirte, wird sonst auf mancherley Art irrig geschrieben.


Quellen und Literatur.

  • Lehrbuch der Militär-Geographie von Europa, eine Grundlage bei dem Unterricht in deutschen Kriegsschulen, von A. G. Hahnzog, Divisionsprediger und Lehrer an der Kriegsschule in Magdeburg. Magdeburg, bei Ferdinand Rubach 1823.
  • Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1810.