Schlacht von Paris

From NapoleonWiki
Jump to: navigation, search

Einnahme von Paris im J. 1814.

Paris (Einnahme von) im J. 1814.

Die Monarchen empfangen auf der Höhe von Belleville die Abgeordneten der Stadt Paris.

Das Hauptheer der Verbündeten, seit dem 24. März mit der schlesischen Armee vereinigt, rückte, während Buonaparte in seinem Rücken über St. Dizier nach Chaumont eilte, auf der großen Straße über Meaux gegen Paris vor, lieferte auf diesem Marsche die bekannten Gefechte bei Fere Champenoise (am 25.), Claye und Ville Parisis (am 28sten) und traf am 29sten ungefähr 150,000 Mann stark in der Nähe der Hauptstadt ein, die Dörfer Pantin, Romainville und Auvay besetzend. *)

Der Feind, etwa 30,000 Mann unter den Marschällen Marmont und Mortier, hatte eine durch die Kunst verstärkte Stellung auf den Höhen hinter Belleville, Pantin, Romainville und Aubervilliers inne, den stark verschanzten Montmartre, so wie die Orte St. Maur, Charenton, Charonne, Bignolet, Belleville, Pré St. Gervais und la Chapelle besetzt.

Für den auf den folgenden Tag bestimmten Angriff ward festgesetzt, daß die schlesische Armee gegen Montmartre, links bis an den Ourq-Canal, das Hauptheer dagegen in dem südlich von diesem Canal bis an die Seine reichenden Terrainabschnitte operiren solle.

Hier begann das Gefecht am Morgen des 30sten noch vor der bestimmten Zeit, indem die Franzosen Pantin und Romainville angriffen; sie würden aber gegen Belleville zurückgedrängt, wo sich nun in dem durchschnittenen Terrain ein stehendes sehr mörderisches Gefecht entspann. Im Laufe desselben war zwar das Dorf Pré St. Gervais von der 4ten russischen Infanterie-Division genommen worden, da sich aber der Feind verstärkte und zum lebhaftesten Angriffe auf Pantin überging, so ward die preußische Fußgardebrigade dahin gesendet. Sie drang theils durch das Dorf, theils umging sie es, warf den Feind nach hartnäckigem Widerstande zurück, und rückte, ihn vor sich hertreibend, unter dem heftigsten flankirenden Feuer über die Ebene gegen St. Gervais vor, eroberte die Höhe bei diesem Dorfe, - auf ihr eine Batterie von 10 Geschützen - und gelangte verfolgend bis an die Barriere Pantin, wo sie sich zum Sturm bereit in Colonnen aufstellte.

Weiter links schlugen indeß die Russen alle Angriffe auf Romainville und das dabei gelegene Gehölz ab, und als nach 11 Uhr das 4te Armeecorps (Kronprinz von Würtemberg) von Nogent sur Marne her, in zwei Colonnen den Wald von Vincennes besetzt, das Schloß umstellt und die Orte St. Maur und Charenton genommen hatte, so rückte auch sie vor, eroberten die Dörfer Charonne, Bignolet und Belleville und drangen so ebenfalls bis an die Barriere der Stadt.

Die schlesische Armee, welche um 11 Uhr auf dem ihr angewiesenen Schlachtfelde eintraf, ging in zwei Colonnen (die linke Preußen unter York und Kleist, die rechte Russen unter Langeron) über la Vilette und Clichy vor; von der linken Colonne blieb die Division des Prinzen Wilhelm von Preußen zwischen la Villette und Pantin stehen, wies einen heftigen Angriff des Feindes ab, eroberte von einigen Bataillonen der Reserve (Russen unter Woronzow bei Aubervilliers aufgestellt) unterstützt das Dorf wieder, und vereinigte sich, dem fliehenden Feinde folgend, an der Barriere von Pantin mit der Garde. Der Rest der Colonne eroberte la Chapelle und stellte sich dort auf; die zweite Colonne eroberte Nachmittags den Montmartre, als bereits auf den übrigen punkten des Schlachtfeldes Waffenruhe eingetreten war.

Denn schon früherhin ließ der Marschall Marmont (Joseph Buonaparte, der den Oberbefehl geführt, war der Kaiserin nach Blois gefolgt) nach dem Verlust von Charonne xc., die Unmöglichkeit längeren Widerstandes einsehend, einen Waffenstillstand antragen, welcher unter der Bedingung sofortiger Räumung des Montmartre und alle übrigen vor der Stadt befestigten Punkte bewilligt ward.

Alle Truppen, des Befehls zum Stürmen gewärtig, standen in Colonne im Halbkreise um die Stadt, als gegen Abend die Unterhandlungen wegen der Uebergabe angeknüpft wurden, welche denn Morgens 2 Uhr zu der bekannten Capitulation führten.

Unter dem Jubel der bewegten Volksmasse zogen Alexander und Friedrich Wilhelm am 31. März an der Spitze der Truppen in Paris ein, der größte Theil der letztern rückte sogleich weiter, um Maßregeln gegen Buonaparte zu nehmen, welcher, seinen Mißgriff zu spät gewahrend, wieder bis Fontainebleau herangeeilt war, aber hier nur ankam, um die Capitulation der Hauptstadt und bald darauf seine Absetzung zu erfahren.

*) Von der schlesischen Armee waren detachirt: das 3te preußische Corps (Bülow) gegen Soissons, das russische Corps von Sacken bei Trilport; von dem Hauptheere das fünfte Corps (Wrede) bei Meaux und Trilport, und General Winzingerode mit ungefähr 10,000 Mann Cavallerie, um die große Bewegung auf Paris so lange wie möglich gegen Buonaparte zu maskiren. Dieser, der eine Art Seitenstück zu dem Marsche von Trient nach Bassano im J. 1796 liefern beabsichtigen mochte, hatte nur übersehen, daß man mit 200,000 Mann ein solches Manöuvre, von 60,000 Mann ausgeführt, nicht zu fürchten braucht.


Bericht des englischen Obristen Burgersh.

Anhöhe von Belleville bei Paris, den 30ten März 1814 um 7 Uhr Abends.
"Mylord! Ich benutze eine in dem Augenblicke sich darbietende Gelegenheit, um Ihnen von dem Erfolge dieses Tages Bericht abzustatten. Nach der Affaire von Fere-Champenoise passirten die vereinigten Armeen des Fürsten v. Schwarzenberg und des Marschalls Blücher am 28sten und 29sten zu Trilport und Meaux die Marne. Der Feind widersetzte sich dem Übergange des Flusses nur schwach; allein am 28ten Abends hatte der General York eine ernsthafte Affaire bei Claye, die jedoch dahin ausfiel, daß er den Feind aus den diese Stadt umgebenden Wäldern mit einem beträchtlichen Verlust vertrieb. Gestern rückte die ganze Armee, mit Ausnahme der Korps des Marschalls Wrede und des Generals Sacken, die zu Meaux in Position verblieben, gegen Paris vor. Es fielen beständige Scharmützel mit dem Feinde vor; allein er zog sich zurück, verlies Pantin auf seinem rechten Flügel und das Terrain vorwärts von Montmartre auf seinem linken. Es scheint, daß in der verflossenen Nacht die Korps der Marschälle Mortier und Marmont in Paris eingerückt sind. Die Garnison, die schon vorher daselbst versammelt war, bestand aus einem Theile des Korps des Generals Gerard, unter General Compans, einem Korps von ohngefähr 8000 Mann regulirter Truppen und 3000 Mann Nationalgarden, unter dem General Hulin, Gouverneur der Stadt. Mit diesen Streitkräften nahm der Feind, unter dem Commando von Joseph Buonaparte, diesen Morgen eine Stellung, den rechten Flügel auf der Anhöhe von Belleville, der auch diese Stadt besetzt hielt, das Centrum an dem Kanal der Ourque, den linken Flügel unterhalb Neuilly. Diese Position war stark in Hinsicht des durchschnittenen Terrains auf seinem rechten Flügel. Die Anhöhen von Montmartre beherrschten die Ebene hinter dem Kanal der Ourque und machten die Position des Feindes noch stärker. Folgende Anstalten waren zu einem Angriff auf heute Morgens getroffen. -- Der Kronprinz von Würtemberg bildete den linken Flügel und marschirte nach Vincennes, der General Rajewsky nach Belleville, die Garden und Reserven auf die große Landstrasse, welche von Bondy nach Paris führt. Der Marschall Blücher sollte auf die Chaussee von Soissons marschiren und Montmartre angreifen. Alle diese Angriffe gelangen; der General Rajewsky bemächtigte sich der Anhöhen von Belleville; die Truppen unter seinen Befehlen zeichneten sich besonders in den verschiedenen von ihnen gemachten Angriffen aus. Das Dorf Pantin wurde mit dem Bajonette hinweggenommen; die Höhen von Belleville mit größter Tapferkeit von der preussischen Garde erobert; diese Truppen nahmen 48 Kanonen und machten eine große Anzahl Gefangene. Beinahe zur nämlichen Zeit, als man diese Vortheile errang, fing der Feldmarschall Blücher an, Montmartre anzugreifen. Das Preussische schwarze Husarenregiment machte auf eine feindliche Kolonne einen glänzenden Angriff und eroberte 20 Kanonen. Nach diesen entscheidenden Vorfällen schickte Marschall Marmont einen Parlamentair, und bat, ihm diejenigen Anträge mitzutheilen, die er sich kurz vorher von einem unserer Parlamentair anzuhören weigerte. Er schlug einen zweistündigen Waffenstillstand vor und bot sich zu dessen Erlangung an, alle Stellungen zu verlassen, welche er ausserhalb der Barrieren von Paris besetzt hielt. Se. Durchlaucht der Herr Fürst von Schwarzenberg nahm diesen Vorschlag an. Der Herr Graf von Nesselrode wurde von Seiten Russlands, und der Herr Graf Par von Seiten des Fürsten von Schwarzenberg in die Stadt geschickt, um deren Übergabe zu verlangen. Die Antwort war: des andern Tages früh um 7 Uhr würde die Stadt geräumt werden. Die alliirten Truppen werden daher morgen in dieselbe einziehen. Die Zeit ist mir so kurz, daß ich kaum fähig bin, das Allerwesentlichste zu berichten, wenn ich eilen will, Ew. Herrlichkeit die vorgefallenen grossen Ereignisse bald zur Kenntniß zu bringen. Der Kaiser von Russland und der König von Preussen sind bei allen Gefechten gegenwärtig gewesen. Der Herr Fürst von Schwarzenberg hat aber durch seinen standhaften Entschluß, auf Frankreichs Hauptstadt loszugehen, und durch die einsichtsvolle Art, mit welcher er diesen Marsch geleitet hat, neuerdings die allgemeine Bewunderung erregt. Ich habe die Ehre xc."
Burgersh, Obristlieutenant.


Auszug aus dem Bericht des Kronprinz von Würtemberg.

"Am 24ten März wurde Graf v. Winzingerode befehligt, mit 10,000 Pferden und 50 reutenden Piecen durch Vitry zu debouschiren und der französischen Armee zu folgen; die ganze Hauptarmee aber, vereinigt mit der Armee des Feldmarschalls Blücher, sollte in Einmärschen auf Paris marschiren. Das 4te Korps lagerte bei Blary. Am 25ten setzten sich das 4te und 6te Korps Morgens um 5 Uhr auf der Straße gegen Sezanne in Bewegung, mit der Kavallerie à la tête. Bei Soudé St. Croix stieß man auf den Feind, und erfuhr durch Gefangene, daß drei feindliche Armeekorps, die bestimmt waren, sich mit Napoleon zu vereinigen, in der Nähe waren. Der Feind entwickelte bald eine beträchtliche Macht; allein durch das rasche Vordringen Sr. königl. Hoh. des Kronprinzen mit der ganzen Kavallerie des 4ten und 6ten Korps wurde derselbe verhindert, seine gänzliche Vereinigung zu bewerkstelligen, mit namhaftem Verlust von einer Stellung in die andre geworfen, und bis jenseits Fere-Champenoise verfolgt. Dem Feinde wurden auf dieser Seite über 30 Piecen abgenommen, einige Tausend Mann getödtet, und eben so viele Gefangene gemacht. Die königliche Kavallerie hielt sich äußerst brav, und eroberte 3 Kanonen und 2 Munitionswagen. Die Infanterie kam nicht zum Gefechte. Man lagerte zwischen Courrois und Canatre. Den 26sten marschirte man über Sezanne Esternay bis Villeneue la Lionne; vom Feinde zeigte sich nichts von Bedeutung. Am 27ten marschirte das Korps über Coulomiers nach Mourou. Am 28ten ging der Marsch über Cressy nach St. Germain, und am 29ten bei Meaux, nachdem zuvor eine Brücke geschlagen werden mußte, über die Marne nach Annet. Den 30ten brach man um 5 Uhr auf, kam bei Chelles auf die große Pariser Straße, und marschirte über Neuilly bis auf die Höhe von Nogent sur Marne. Da man sich der Stadt Paris bemächtigen wollte, so erhielt das 4te Korps den Auftrag, das Bois de Vincennes, das Dorf St. Maure, die Stadt Charenton wegzunehmen, und das Schloß von Vincennes einzuschließen. Zu diesem Zwecke wurden auf der Höhe zwischen Nogent sur Marne und Fontenay zwei Angriffskolonnen gebildet, die rechte aus der Brigade v. Stockmayer; ihr folgten in einiger Entfernung vier östreichische Grenadierbataillons; die linke aus der Brigade von Hohenlohe. Die Brigaden von Misani und von Lalance wurden als Soutien auf eben dieser Höhe in zweiten Treffen aufgestellt; erstere besetzte mit dem 1ten Bataillon des Infanterieregiments Nr. 4. das Dorf Nogent, um die linke Flanke der vorrückenden Kolonnen zu sichern. Auf erhaltenen Befehl rückte der General v. Stokmayer mit seiner Brigade auf der Straße von Neuilly gegen das Bois de Vincennes vor, welches ringsum mit einer hohen und dicken Mauer umgeben ist. Er drang ohne Widerstand in das Thor ein, schickte ein Bataillon rechts gegen das Schloß Vincennes, warf mit den übrigen die feindliche Infanterie in dem Walde gegen das Dorf St. Maure zurück, und formirte den Angriff auf dieses Dorf selbst, welches der Feind mit 8 Piecen und mit zahlreicher Infanterie vertheidigte. Der Gen. Prinz Hohenlohe rückte mit den Regimentern Nr. 2 und 3. links von der Straße von Neuilly vor, um am Rande des Waldes, welcher an der Marne sich hinzieht, gleichfalls gegen St. Maure vorzudrücken. Allein sein Marsch wurde durch die Mauer aufgehalten, in welche durch die Zimmerleute der Regimenter vorerst unter dem feindlichen Kanonenfeuer eine Oeffnung gemacht werden mußte. Sobald dies bewerkstelligt war, debouschirte das 1te Bataillon des Regiments Nro. 2. durch die Oeffnung, rückte am Saume des Waldes vor, und unterstützte mit Nachdruck den Angriff aus St. Maure. Obgleich der Feind ein heftiges Kartätschen- und Kleingewehrfeuer aus dem Dorfe machte, so gelang der Angriff durch die gute Leitung des Gen. v. Stockmayer dennoch vollkommen, das Dorf wurde mit Sturm genommen, der Feind floh in verschiedenen Richtungen, und ließ 7 Kanonen, 2 Munitionswagen und viele Gefangene in unsere Händen. Der Generaldisposition zu Folge wurde nun der Befehl ertheilt, auch Charenton wegzunehmen; es wurde die Brigade von Hohenlohe mit den östreichischen Grenadieren hiezu bestimmt. Das Infanterieregiment Nr. 2. Herzog Wilhelm, das 1te Bataillon des Infanterieregiments Nr. 3. und die östreichischen Grenadiere marschirten gerade durch das Bois de Vincennes, um den Angriff von der Seite von Paris her zu machen; das zweite Bataillon des Infanterieregiments Nr. 3. rückte von St. Maure an der Marne hinunter, und griff von dieser Seite an. Nach einer hartnäckigen Gegenwehr wurde der Feind durch die Tapferkeit der königl. Truppen und der östreichischen Grenadiere aus Charenton vertreiben, und auch aus dem Brückenkopfe von Alfort verjagt, wobei 6 Kanonen erbeutet wurden. Mittlerweile wurde von dem Armeekommando mit der Stadt Paris eine Konvention abgeschlossen, nach welcher die alliirten Truppen alles Terrain bis an die Barrieren von Paris besetzten, und die Feindseligkeiten eingestellt wurden."


Bericht des Feldmarschall Blücher.

Paris, den 4ten April 1814.
"Nach der Schlacht vor Laon bedurfte die Armee einige Ruhe. Die leichten Truppen verfolgten den Feind bis an die Aisne. Am 12ten März griff der Generallieutenant Graf St. Priest Rheims an, eroberte 9 Kanonen und machte 1000 Gefangene. Am 13ten dirigirte der Feind überlegene Kräfte gegen diesen Punkt. G. L. Graf St. Priest nahm das Gefecht an, mußte jedoch mit einem Verluste von 2000 Mann und 11 Kanonen der Übermacht weichen. Er selbst wurde schwer verwundet. Ein Theil seines Korps zog sich auf Chalons, eine anderer Theil über Berry au Bac, an die Schlesische Armee. Am 18ten März marschirte die Armee an die Aisne. General Czernitscheff umging den Feind und nöthigte ihn nach einem Kavalleriegefecht, indem er die feindliche Kavallerie warf, die Aisne zu verlassen. Am 19ten rückten die Korps von York und von Kleist bis vor Fismes. Der Gen. Winzingerode nahm Rheims in Besitz. Das Korps v. Sacken rückte nach Vally, das Korps v. Bülow vor Soissons. Den 20ten rückte das Korps von Sacken nach Braine. Den 21ten verfolgten die Korps v. York und v. Kleist die Marschälle Marmont und Mortier nach Culchy. Das Korps v. Bülow schloß Soissons ein. Den 22ten März setzten die Korps von York und von Kleist ihre Verfolgung auf Chateaux Thierry fort. Den 23ten konzentrirten sich die Korps Langeron, Sacken, Winzingerode bei Rheims. Das Korps v. Bülow behielt die Blokade von Soissons. Gen. Winzingerode ging mit 8000 Mann Kavallerie seines Korps über Epernay nach Vatry vor, theils um die Vereinigung der Marschälle Marmont und Mortier mit dem Kaiser Napoleon zu hindern, theils um diesem in den Rücken zu fallen. Aus den Papieren eines aufgefangenen Kuriers ging hervor, daß Napoleon bei Arcis hätte durchdringen wollen, und da ihm dieses nicht geglückt wäre, er von der Aube gegen St. Dizier marschire. Den 24ten März marschirten die Korps Langeron, Sacken und Winzingerode nach Chalons, die Korps York und Kleist stellten bei Chateau-Thierry die Brücke über die Marne her. Nachdem am 20ten und 21ten März die große Armee bei Arcis, die Armee Napoleons geschlagen hatte, war solche am 24ten März in der Verfolgung bis Vitry vorgerückt. Die Marschälle Marmont und Mortier, welche am 21ten und 22ten die Marne bei Chateau-Thierry passirt hatten, rückten, unbekannt mit den Vorgängen des vergangenen Tages, zur Vereinigung mit der Armee Napoleons am 24ten bis Sondoi St. Croix vor. Fürst Schwarzenberg ertheilte daher folgende Disposition: "Der Gen. Winzingerode verfolgt Napoleon gegen St. Dizier. Die große Armee und die schlesische Armee marschiren nach Meaux, wo sie sich am 28ten März vereinigen, um dann nach Paris zu rücken. Die grosse Armee über Sezanne und Coulomiers, die schlesische Armee über Montmirail und La Ferte sous Jouarre." Den 25ten März stieß die große Armee im Marsch auf die Marschälle Marmont und Mortier, und griff sie auf der großen Straße von Vitry nach Sezanne an. Die kombinirte schlesische Armee rückte von Chalons nach Etoges vor. Auf ihrem Marsch entdeckte sie eine feindliche Abtheilung, welche von Bergeres, etwa 5 bis 6000 Mann stark, gegen Vatry marschirte. Die Kavallerie des Korps Graf Langeron, unter dem G. L. v. Korff, rückte vor, und hielt durch eine Kanonade die Kolonne, welche einen Munitions- und Brodtransport konvoyirte, in ihrem Marsch auf. Bei dieser Gelegenheit wurde ein Bataillon Infanterie gefangen gemacht, und der Munitions- und Brodtransport genommen. Die Kavallerie des Korps von Sacken gewann Zeit, den Feind, der sich auf Fere-Champenoise zurückzuziehen anfing, über Pierre-Morin zu umgehen und zu umringen. Es war dieß die feindliche Division Pactod mit 15 Stück Geschütz. Sie marschirte in geschlossenen Kolonnen und machte zweckmäßigen Gebrauch von ihrem Geschütz. Nur wenige Stücke von unserer reitenden Artillerie hatten bis jetzt dem General v. Korff folgen können. Die Infanterie heran zu bringen war unmöglich. Indeß hatte die große Armee Fere-Champenoise genommen, und die dortigen Höhen mit Artillerie besetzt, welche den Feind mit solchem Erfolge beschoß, daß er sich wendete, und gegen den Morast von St. Gond marschirte. Auf der Ebene gegen den Morast von St. Gond, von der reitenden Artillerie lebhaft beschossen, von der Kavallerie umringt, fanden mehrere Attaken statt, in welchen nach und nach die kleinern Massen und die Artillerie genommen wurde. Eine große Infanteriemasse hatte beinahe den Morast von St. Gond erreicht, wurde aber durch eine Kavallerieattake dergestalt theils niedergemacht, theils gefangen genommen, daß kein Mann entkam. Ihre Majestäten der Kaiser von Russland und der König von Preussen waren bei dieser Attake gegenwärtig. Der Divisionsgeneral Pactod, 2 Brigadegenerale, ungefähr 4000 Mann Gefangene, 15 Kanonen und eine Menge Munitionswagen nebst einem Brodtransport waren die Resultate des Tages für die kombinirte schlesische Armee. Von der großen Armee war das Korps des Marschalls Marmont geschlagen, viel Geschütz erobert, und eine bedeutende Menge Gefangene gemacht worden. Die Marschälle Mortier und Marmont zogen sich nach Sezanne zurück. Die Generale York und Kleist, welche an diesem Tage in Montmirail angekommen waren, hatten am 25n März ihre Kavallerie gegen Sezanne vorgeschickt, und brachen nach den erhaltenen Rapporten mit Anbruch des Tages am 26sten März auf, um über La Ferté Gaucher den Feind abzuschneiden. Sie fanden La Ferté Gaucher besetzt, delogirten den Feind, und ließen ihn mit der wenigen disponiblen Kavallerie, die sie nach hatten, und einer Brigade auf Coulomiers verfolgen, woselbst er noch angegriffen und 300 Gefangene gemacht, auch einige Munitionswagen erobert wurden. Am Nachmittag erschienen die Reste der feindlichen Korps Marmont und Mortier auf dem Marsch von Sezanne nach Coulomiers. Die Generale York und Kleist ließen ihre Batterien spielen und nöthigten dadurch die Kolonnen, die Chaussee zu verlassen. Wenn die Kavallerie der Korps sich auf diesem Punkt befunden hätte, so wären höchst wahrscheinlich die Reste der feindlichen Korps hier aufgerieben worden. Die Korps Langeron, Sacken und Winzingerode standen am 26sten März bei Montmirail, am 27n bei Laferte sous Jouarre. Die Korps York und Kleist kamen am Mittag bei der Brücke von Trilport an, nachdem sie auf dem Wege einige Bataillons, welche sich von Laferte zurückzogen, angegriffen, geworfen, und einige 100 Gefangene gemacht hatten. Der General Emmanuel, vom Korps des Grafen Langeron, war bei Trilport mit den Pontons zu 2 Brücken eingetroffen. Der Feind rückte von Meaux vor, um ihren Bau zu verhindern, jedoch wurde er unter dem feindlichen Artilleriefeuer vollbracht, und der Übergang bewerkstelligt. Unsere Avantgarden hatten die Vorstädte von Meaux bereits in der Nacht besetzt. Den 28ten März, um 4 Uhr Morgens, sprengte der Feind ein Pulvermagazin in Meaux und zog sich nach Claye zurück. Die Korps von York und v. Kleist griffen Claye an, delogirten den Feind, und nahmen nach einem heftigen Gefecht, was bis in die Nacht dauerte, Villeparisis und Montsaigle. Die schlesische Armee defilirte während dieser Zeit über die Brücken von Trilport. Den 29ten März fing die große Armee an, über die Brücken von Trilport und Meaux zu defiliren. Sie nahmen die große Straße nach Paris ein, während die schlesische Armee sich auf der Straße von Senlis und auf der kleinen Straße von Mery nach Paris aufstellte. Die Marschälle Marmont und Mortier waren mit den Resten ihrer Korps in forcirten Märschen über Melun nach Paris vorgerückt, und an diesem Abend in einer Stellung von Belleville und Pantin bis Aubervilliers eingetroffen, welche Paris vollkommen deckte. Die Stärke der feindlichen Armee, welche Paris vertheidigen sollte, wurde auf 27,000 Mann geschätzt. Den 30ten März wurde die Disposition gegeben, daß die große Armee die Höhen von Romainville und Belleville angreifen solle, während die schlesische Armee den Montmartre zu nehmen beauftragt war. Das Korps von Langeron hatte den rechten Flügel, die von York und von Kleist den linken. Das Korps von Winzingerode blieb in Reserve, das Korps v. Bülow stand noch vor Soissons. Der Feldmarschall trug dem Grafen Langeron auf, Aubervilliers zu nehmen, St. Denis, wenn es sich nicht ergeben wollte, zu blokiren, mit dem Rest aber gegen Clichy vorzurücken, und den Montmartre von dieser Seite zu attakiren. Die Korps v. York und v. Kleist sollten über La Villette und La Chapelle den Montmartre angreifen. Der Angriff der großen Armee fing um 5 Uhr Morgens bei Pantin an, der Angriff der schlesischen Armee konnte wegen zu spät erfolgter Ankunft der Disposition erst um 11 Uhr statt finden. Zu dieser Zeit war Romainville und Pantin eben von der großen Armee genommen. Der Feind hielt die Ferme Le Rouvroy mit Infanterie, und unterstützte sie durch eine sehr gut placirte Batterie von 18 Stück Geschütz. Die Avantgarde unter dem Generalmajor v. Katzeler nahm die Ferme, konnte aber nicht weiter vordringen, so lange die feindliche Batterie nicht zum Schweigen gebracht war. Die dazu nöthige Artillerie kam erst um 3 Uhr mit dem Korps v. Winzingerode an. Um dieses Korps zu demaskiren, hatten sich die Korps v. York und v. Kleist an den Angriff des Korps Graf Langeron angeschlossen. Die Grenadierreserven und eine Brigade der Garden hatten bei der großen Armee eben einen Angriff von Pantin gegen Paris gemacht, den Se. Hoheit der Prinz Wilhelm von Preussen mit 6 Bataillons unterstützte, und wodurch die feindliche Batterie bei La Villette genöthigt wurde, ihren rechten Flügel zurückzuziehen, als die Reserve und Artillerie der Korps v. York und Kleist ins Gefecht kam, und die feindliche Artillerie enfilirte. Der Feind zog sich hierauf nach La Villette zurück, wendete jedoch, als er gedrängt wurde, um, und versuchte mit der Kavallerie einen Angriff, der von Artillerie und Infanterie unterstützt wurde. Die Kavallerie der Korps v. York und v. Kleist fing eben an, sich an der Ferme le Rouvroy zu formiren; das 2te Leibhusaren- und brandenburgische Husarenregiment ging der feindlichen Kavallerie entgegen, warf sie auf die Artillerie und feindliche Infanterie, und trieb alles en Deroute nach La Villette; das feindliche Geschütz wurde erobert. Vier Bataillone aus der Reserve, welche der General Graf Woronzow hatte vorrücken lassen, benutzten diesen Augenblick, drangen im Sturmschritt in La Villette ein, nahmen in der Strasse die übrigen Kanonen, und warfen alles bis in die Barrieren von Paris. Auf der Chaussee von Pantin waren die Garden ebenfalls bis an die Barrieren von Paris vorgerückt. Hierauf erschienen feindliche Parlamentaire, welche baten, die Feindseligkeiten einzustellen, da die Stadt Paris sich ergeben wolle. Sie wurden zu den Souverains geführt, die sich nahe an den Barrieren befanden, und den Waffenstillstand auf zwei Stunden bewilligten, um den Rückzug für die französische Armee zu bestimmen. Während dieser Vorgänge hatte das Korps Grafen Langeron seine Bewegung fortgesetzt; die Korps York und Kleist unterhielten eine sehr lebhafte Kanonade, und rückten gegen den Montmartre an; das Dorf La Chapelle wurde von ihnen genommen, und eben sollte die Attake auf den Montmartre formirt werden, als die Nachricht vom abgeschlossenen Waffenstillstande eintraf. Den Graf Langeron, der noch weiter entfernt war, erreichte diese Nachricht nicht eher, als bis seine Infanterie bereits die Höhen von Montmartre im Sturmschritt erstiegen, und dabei einige 20 Kanonen erobert hatte. Bei der großen Armee waren ungefähr 40 Kanonen erobert worden. Von Napoleon ging die Nachricht ein, daß er von St. Dizier gegen Bar sur Aube sich gewendet hatte, jedoch von der Kavallerie des Gen. Gr. Winzingerode getäuscht, indem er sie für die große Armee hielt, umgewendet war, und mit seiner ganzen Armee am 27ten den General Winzingerode bei St. Dizier angegriffen hatte. Es war nun unmöglich, daß Napoleon mit seiner Armee vor dem 5ten Apr. bei Paris ankommen konnte. Die kombinirte Armee stand in einer Stellung, aus der sie Paris mit ihrem schweren Geschütz beschießen, und die schlecht palissadirten Barrieren leicht nehmen konnte. Nach der Konvention, welche mit dem Marschall Marmont abgeschlossen wurde, mußte die feindliche Armee den 31ten März früh 7 Uhr Paris geräumt haben. Zu dieser Zeit wurden uns sämmtliche 52 Barrieren übergeben. Um 11 Uhr hielten Ihre Majestäten ihren Einzug. Überall zeigte sich der Abscheu gegen das bisherige französische Gouvernement, und Wunsch nach Frieden, wodurch die Ernennung eines provisorischen Gouvernements veranlaßt wurde, dessen Erklärung das Ende der Feindseligkeiten herbeiführte, indem die französische Armee von ihrem Eide, den sie Napoleon Buonaparte geleistet hatte, entbunden, sich den provisorischen Gouvernement unterwarf. St. Denis ergab sich den 31ten März mit 7 Stück Geschütz und 550 Mann. In Paris wurde viel feindliches Geschütz und die in den Gefechten von Montmirail und Champaubert verlornen Kanonen gefunden. So hat die schlesische Armee nach einer Kampagne von 7 1/2 Monat, in welcher die 6 große Schlachten, 3 allein, und 3 mit der großen Armee gemeinschaftlich lieferte, 8 Aktionen und unzählige Gefechte hatte, über 48,000 Gefangene gemacht, 421 Kanonen im Offnen Felde, und 11 in geschlossenen Plätzen erobert."


Französischer Bericht aus der Mailänder Zeitung.

"Der Divisionsgeneral Peré rückte am 25ten zu Chaumont ein und schritt dadurch die feindliche Operationslinie ab; er fing viele Kouriere und verschiedene Staffetten auf und nahm dem Feind sein Gepäck, verschiedenes Geschütz, Kleidungsmagazine und viele Spitäler. Die Landleute unterstützten den französischen General vollkommen, indem sie allenthalben zu den Waffen griffen und den größten Eifer zeigten. Der österreichische Minister in England, Freiherr von Wessenberg, der aus London mit dem Grafen Palfy, seinem Gesandtschaftssekretair, zurückkehrte, der schwedische General Sessiol de Brand, der Minister der Schweiz bei dem Kaiser von Russland, ein schwedischer Major, der preussische Kriegsrath Beghuilen, die Herren von Tolstoy und Markoff und zwei andere russische Ordonanzoffiziere, die alle in die verschiedenen Hauptquartiere der Alliirten auf Sendung waren, wurden von der Aufstandsmasse verhaftet und ins Hauptquartier geführt. Die Verhaftung dieser Personen und die Beschlagnehmung ihrer Papiere ist ein wichtige Sache. Der russische Artilleriepark und alles Gepäcke stand zu Bar an der Aube. Auf die erste Nachricht von den Bewegungen der Armee wurde dies alles nach Befort geschafft, wodurch der Feind seiner Geschützmunition, seiner Reserve-Lebensmitteltransporte und viel anderer nothwendiger Gegenstände beraubt wird. Die verbündete Armee, die zwischen der Aube und der Marne manöuvriren wollte, hatte den russischen General Winzingerode mit 8000 Mann Reuter und 2 Infanterie-Divisionen zu St. Dizier gelassen, um die Operationslinie zu behaupten und die Ankunft des Geschützes zu erleichtern, was der Feind sehr bedarf. Die Dragonerdivision des Generals Milhaud und die Garde-Reuterei unter General Sebastiani setzten am 26ten März durch die Furth von Valcours, marschirten gegen seine Kavallerie und brachen sie nach verschiedenen Angriffen; 3000 Mann von der russischen Reuterei, worunter viele von der kaiserl. Garde, wurden getödtet oder genommen. Man nahm dem Feind die 18 Kanonen, die er bei sich hatte, und das Gepäck. Der Feind ließ die Gebüsche und Wiesen mit seinen Todten bedeckt; alle Reuterkorps hatten sich um die Wette ausgezeichnet. Der Herzog von Reggio verfolgte den Feind bis Bar am Ornain, wo er am 27ten einrückte. Am 29ten war das Hauptquartier des Kaisers zu Troy; 2 Züge Gefangene über 6000 Mann stark, folgen der Armee. In allen Dörfern stehen die Einwohner unter Waffen, ausgereitzt durch die Gewaltthaten und Verheerungen des Feindes; sie führen gegen ihn einen hartnäckigen Krieg, der für ihn von der größten Gefahr ist. -- Am 31ten befand sich das Hauptquartier des Kaisers zu Fontainebleau; allein der Feind, der 24 Stunden vor der französischen Armee eintraf, hatte Paris besetzt, nachdem er lebhaft Widerstand gefunden hatte, der ihm viel Leute kostete. Die Korps der Herzoge von Treviso und Ragusa und des Gen. Compans, die zur Vertheidigung der Hauptstadt beitrugen, vereinigten sich zwischen Essonne und Paris, wo Se. Majestät mit dem ganzen Heer, das von Troyes ankam, Stellung nahm. Die Besetzung der Hauptstadt ist in der That ein großes Unglück; allein dies Ereigniß darf demungeachtet keine lebhafte Furcht veranlassen; die Stellung des Feindes auf diesem Punkte ist höchst gefährlich."

Quellen und Literatur

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Darstellung des Feldzuges der Verbündeten gegen Napoleon im Jahr 1814. 1814.