Schlacht von Smolensk

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Die Schlacht von Smolensk.

(Aus Porters campaign in Russia.)

Napoleon hatte seine Truppen in Witepsk erfrischt, von dem Anrücken neuer Verstärkungen über Tilsit auf Willna hatte er gleichfalls Kunde erhalten, und setzte sich in Bewegung. Den Corps von Beauharnois und Murat befahl er am 13ten August, den Boristhenes hinaufzugehen, dem ersten, Nossaßna gegenüber, dem andern, bei Higomina über den Strom zu setzen: und nachdem er dermaßen seine Kriegsmacht concentrirt hatte, dachte er sofort auf einen Angriff gegen Smolensk.

Barclay de Tolly, der seine Divisionsgenerale zu anderweitigen Zwecken abgeordnet hatte, war besonnen, den Angriff seines Gegners allein zu bestehen; in dieser Absicht stellte er seine Armee am rechten Ufer des Boristhenes auf der Hügelreihe auf, welche Smolensk deckt; 30,000 Mann, mit denen er durch die Brücken in Verbindung war, vertheidigten die Stadt.

Die alte Bauart der Wälle, welche sie umgaben, eignete dieselben schlecht für die Kriegsweise neuerer Zeiten, indem sie einzig durch hohe, ungeschickte Thürme befestigt sind; um jedoch selbst von diesen den möglichsten Vortheil zu ziehen, hatten die Russen sie mit Geschütz von schweren Caliber hinreichend besetzt, alle Wege, welche durch die Vorstädte führen, zu bestreichen.

Mit drohender Heeresmacht rückten indessen die Franzosen, noch neuerlich durch die Division Poniatowsky verstärkt, der bei Mohilow zu ihnen gestoßen war, immer näher heran. Die ganze Kraft ihrer Waffen war seit dieser Vereinigung gegen Smolensk gerichtet, dessen Besitz ihnen mancherlei Vortheile verschaffte. Seine Einnahme warf die Russen aus ihrer gegenwärtigen überlegenen Stellung, der vortheilhaftesten, welche sie wählen konnten auf den Gefilden zwischen Moskau und dem Boristhenes; hatte er sie von dort vertrieben, so stand für Napoleon die Straße nach jener Hauptstadt der Zaare offen; allezeit war Smolensk von den nebenbuhlenden Mächten als ein Punkt von der äußersten Wichtigkeit betrachtet worden. In frühern Zeitaltern war es der Gegenstand manches heißen Kampfes gewesen, alles Ungemach des Krieges hatte es erfahren; doch seit einer langen Reihe von Jahren genoß es in Ruhe seiner Ausgezeichnetheit und seines Friedens.

So war die ehrwürdige Stadt, als der Sturm des Krieges ihre Mauern erreichte, und ihre Bewohner die Hügel, welche sie umringen, mit den Schlachtenreihen der Ihrigen bedeckt sahen. Die Alten, die Siechen, Weiber und Kinder, welche die Folgen scheuten, flohen nach allen Seiten hin aus dem Orte; einige suchten in Moskau, andere in Jarrowsloff, und Tausende bei dem Heere auf den Hügeln Zuflucht. Zum Schauplatze des Kampfes mochte Smolensk werden, daß es nicht zum Schauplatze der Beute werde, dafür sorgten seine Aeltesten; denn sobald das Heranrücken der Franzosen kund wurde, entblößten sie die Stadt von allen ihren Kostbarkeiten, selbst die Kirchenschätze wurden unter Bedeckung nach einem sichern Orte gesandt.

Napoleon hatte Witepsk am 13ten August verlassen, am 16ten stand er an der Spitze seines Heeres vor Smolensk. Er versäumte keine Zeit, die Stadt und die Stellung, welche die Russen auf dem gegenseitigen Ufer des Stromes inne hatten, zu recognosciren. Jene beschloß er sofort einzunehmen, und gab deswegen Befehl zum Sturm, der bei den verschanzten Vorstädten beginnen sollte, während er versuchte, die Brücken zu zerstören, und der Gefährten auf den Hügeln abzuschneiden. Er zweifelte kaum, daß der Fall der Stadt ihm selbst zum Besitze jener Hügel verhelfen würde, und schloß, daß die Russen, da sie das linke Ufer des Dniepr nicht behauptet hätten, nach ihrem Verluste die Hügel verlassen, und eine vortheilhaftere Stellung zu einer allgemeinen Schlacht aufsuchen würden. Dieser Ansicht gemäß erhielt Ney Befehl, seine Division auf dem linken Flügel aufzustellen, und seine Flanke an den Boristhenes zu lehnen. D'avoust [xxx] bildete das Mitteltreffen, Poniatowsky [xxx] den rechten Flügel. Zwei Cavalleriereserven und die Garden standen im Hintertreffen, bei den ersten der König von Neapel und der Vizekönig, bei den letztern Napoleon. Also setzte sich die Armee bis dicht vor die Fronte der Russen in Bewegung.

Am Morgen des 17ten August begann die Schlacht. Vom äußersten Punkt des russischen rechten Flügels bis zu dem ihres linken verbreitete das Feuer ihres Geschützes Vernichtung durch die feindlichen Reihen, rasch flog das kleine Gewehrfeuer ihre Fronte entlang, und unterstützte das Geschütz mit grausamer Verheerung. Der Angriff der Franzosen war nicht minder gewaltig oder schreckbar. Ihre zahlreiche Artillerie antwortete blutig jener von der russischen Stellung, ihre Menge, ihre geschlossenen Bewegungen wogten mit einer Gewalt daher, die alles vor sich niederzuwerfen schien. Es gelang Poniatowsky's [xxx] Truppen, unterstützt von einem Corps Cavallerie und leichter Artillerie, ein beträchtliches russisches Corps aus einer vortheilhaften Stellung zu werfen. Dieser Vortheil setzte den Feind in den Stand, eine Batterie auf derselben Stelle zu errichten, die sofort mit Erfolg die südliche Brücke bestrich. Jetzt ras'te die Schlacht mit der verzweifeltsten Wuth. Trotz des furchtbarsten Feuers der russischen Artillerie drang der Feind gegen die verschanzten Vorstädte heran, und griff die russischen Truppen mit dem Bajonet an, vor den Mündungen ihrer Kanonen. Das Gemetzel von beiden Seiten war furchtbar, die Erde mit Todten und Verwundeten bedeckt, doch nichts vermochte die Standhaftigkeit der Russen zu erschüttern; wie Felsen standen sie den immer erneuten Versuchen der Franzosen, durch sie hin zu brechen, entgegen. Fast zwei Stunden hielten sie diesen blutigen Streit aus; da begann die Menge der Gefallenen ihre Bewegungen zu hemmen, das feindliche Feuer wirkte auf ihre verdünnten Reihen; um jeden Fuß breit kämpfend zogen sie sich auf Smolensk zurück, bis das Feuer von dessen alten Thürmen den Andrang des Feindes hemmte.

Als Barclay de Tolly sah, daß die Vorstadt des jenseitigen Viertels der Stadt gewonnen, die Stadt selbst bedroht sey, beschloß er, sie wenigstens einige Stunden zu vertheidigen, damit die Armee Bagrations, welche sich dazumal auf der Straße zu Moskau befand, Zeit gewönne, nach Doroghobuk zu gelangen, wo der Oberbefehlshaber sich mit derselben vereinigen wollte. Die russischen Batterien waren mit vielem Vortheil längs der Höhen hin aufgerichtet. Eine Batterie von funfzehn Stück Geschütz wirkte bedeutend auf des Feindes rechten Flügel, und vertrieb ihn wiederum von der Stelle, von welcher seine Artillerie der obern südlichen Brücke so verderblich gewesen war. Eine zweite von zwanzig Kanonen hielt sein Vordringen durch die Vorstadt auf, welche mit der St. Petersburger Brücke in Verbindung stand. Die Stadt selbst wurde der unmittelbare Gegenstand des Angriffs. Das Feuer von ihren Wällen, von einigen leicht aufgeworfenen Werken an ihrem Fuß, hielt den Feind hin, allein er verlor keinen Augenblick, Breschebatterien auf verschiedenen so wohl ersehenen Punkten aufzustellen, daß in weniger Zeit die Truppen, welche die unbedeutenden Außenwerke besetzt hielten, sich genöthigt sahen, dieselben ihrem Schicksale zu überlassen. Jetzt blieb den Angegriffenen kein Vertheidigungspunkt, als die guten alten Thürme, die ehrwürdige Brustwehr der Stadt. Ein furchtbares Feuer donnerte aus dem französischen Geschütz auf das alterthümliche Gemäuer unablässig, selbst als seine Blitze allein die schreckliche Dunkelheit der Nacht erhellten. Während dem ertheilte der russische General Befehl zu lebhaftem Widerstande, indessen er Anstalten zum Marsche der Truppen nach Doroghobuk traf. Es war 7 Uhr Abends, als die erste Colonne sich in Bewegung setzte; sie wurde von dem General Toutschkoff befehligt, und bestand aus drei Corps Infanterie und der ersten Cavalleriereserve, sie wandte sich auf Bradichino. Um 9 Uhr marschirte die zweite Colonne fast in gleicher Richtung auf der Straße, die nach Jalkoff-Pastiloff führt. General Koroff hatte Befehl, mit einer starken Division, welche die St. Petersburger Stadt und Vorstadt vertheidigte, das Hintertreffen zu bilden, und sich gegen jeden Anfall zu behaupten, bis er Nachricht hätte, daß die übrige Armee über die französische Linie hinaus wäre; darauf sollte er alles vertilgen, was dem Feinde von Nutzen seyn möchte, und die Stadt räumen. Diesem Corps sollte Platow mit seinen Kosaken folgen, und eine Kette einzelner Abtheilungen zwischen Prondichi und Doukossaschina bilden.

Die Stunden der Verwüstung folgten eine der andern. Viele Versuche geschahen, die allmälich nachgebenden Wälle mit Sturm zu nehmen, doch wem der Stein nicht widerstand, dem widerstand Männermuth; die Stürmenden wurden bei jedem Angriffe zurückgeschlagen. Das Innere dieser einst so schönen Hauptstadt bot einen Anblick, der dem Auge des gleichgültigen Beobachters jammervoll, dem des Patrioten herzerhebend dünken mußte. Allmälich ward jedes Magazin zerstört, jedes Gebäude, welches dem Feinde Zuflucht bieten konnte, in Flammen gesetzt. Diejenigen Einwohner, welche von der allgemeinen Flucht zurückgeblieben, waren die ersten, die Bränder anzulegen. Die Flamme verbreitete sich rasch durch alle Theile der Häuser, und theilte sich von den lediglich aus Holz erbauten Häusern schnell den Nachbarhäusern mit, und über den ganzen Umfang der Stadt, der jetzt ein ungeheurer Krater von Rauch und Flammen schien. "In der Mitte einer schönen Augustnacht," so schildert Napoleon selbst diesen Anblick, "bot Smolensk den Augen der Franzosen dasselbe Schauspiel, welches sich den Einwohnern von Neapel beim Ausbruch des Vesuvs darstellt."

Keine Truppe zeichnete sich während dieses denkwürdigen Kampfes so sehr aus, als ein starkes Corps neuausgehobener russischer Miliz. Ihre Unerschrockenheit und Mannszucht hätte die Lorbeeren der ältesten Heldenscheitel geschmückt. Zwei Stunden, nachdem die Feuerbrunst begonnen, zerstörte General Koroff die Communication mit dem rechten Ufer des Boristhenes; darauf folgte er den Schritten der leitenden Colonnen. Der Feind, welcher inne ward, die russische Armee befinde sich im vollen Rückzuge, und das Feuer von den Wällen lasse nach, ging vor, und nahm ohne fernern Widerstand am Morgen des 18ten August Besitz von der Stadt.

Die geräumigen Straßen waren von Ruinen und einstürzenden Häusern gesperrt. Nach allen Richtungen hin standen prachtvolle Gebäude in Flammen und drohten demjenigen, was noch unversehrt geblieben, den Untergang. Der franzosische Heerführer befahl sofort, den Flammen Einhalt zu thun; doch erst am Abend des 19ten August erlosch der Opferbrand der Vaterlandesliebe, und ganz Smolensk war in einen schwarzen Rauchschleier begraben.

Als Napoleon über den Schutt der eingeäscherten Stadt schritt, hörte man ihn rufen: "Nie wurde ein Krieg mit solcher Wüthigkeit geführt. Nimmermehr hat eine Vertheidigung gegen das Gefühl der Selbsterhaltung so feindselig gestrebt. Dies Volk behandelt sein eignes Land, wie dessen Feinde!"

Ungeheuer ist's, wie viel menschliches Leben in diesem Kampfe unterging. Von russischer Seite blieben 4000; mit ihnen mancher brave Officier, doch keiner von ausgezeichnetem Namen; ihr Verlust an Verwundeten betrug 2000 Mann. Die Franzosen geben den ihrigen auf nicht mehr als 700 Todte und 3200 Verwundete an; doch der Besitz der brennenden Trümmer von Smolensk ward nicht so leicht erkauft. Die Art des Angriffs, der Vertheidigung, läßt auf bedeutendern Verlust der Angreifenden als der Vertheidiger schließen; und die Aussage von spanischen Ueberläufern und Gefangenen bestätigt, daß Napoleon an jenem blutigen Tage mehr Menschen verlor, als er für klug hielt kund werden zu lassen.

Smolensk befand sich jetzt in den Händen des Eroberers, doch alle seine Trophäen bestanden in den Kanonen seiner Wälle, und in dem glühenden Schutt seiner einst volkreichen Gassen. Der Kaiser und seine Generäle nahmen ihr Quartier in dem bischöflichen Pallast, welcher von der Flamme unversehrt geblieben, die Truppen suchten Unterkommen, wo irgend ein Gebäude noch übrig war: was an Kirchen unversehrt stand, ward zum Behufe der Cavallerie angewiesen. Hätte der Kaiser Rußland mit Bewilligung seiner Bewohner betreten, so würde diese Maßregel ihre Geneigtheit in Abscheu verwandelt haben. Der Anblick einer frechen Soldateske, welche in ihre geweihten Tempel einbrach, traf ihre Gemüther mit Staunen und Gräuel; als aber Pferde über die geweihten Schwellen gezogen wurden, ward ihr heftiger Abscheu unbeschreiblich. Die Aeußerungen desselben entsprachen seiner Gewalt, und mancher der Wenigen, die Liebe zur Vaterstadt, oder sonst ein Zufall noch zurückgehalten hatte, mußte wegen der unverholnen Thränen vor den Thüren der entheiligten Kirchen sein Blut vergießen.


Schlacht von Smolensk.

Smolensk (Schlacht von). Am 8ten August 1812 hatten sich beiden Hauptmassen der russischen Streitkräfte unter Barclay de Tolly auf der einen, und unter Bagration auf der andern Seite unter den Mauern von Smolensk, nach beschwerlichen, erschöpfenden Märschen, und nicht ohne bedeutenden Verlust an Menschen, vereinigt und machten Miene, die Franzosen, denen sie bisher ausgewichen waren, selbst anzugreifen. Diese säumten inzwischen nicht, ihnen rasch entgegenzugehn, und so kam es bei Smolensk zu einer zwar nicht entscheidenden, aber äußerst blutigen Schlacht.

Smolensk war gleich im Anfange des Jahrs nach Möglichkeit befestigt worden. Dies und der Dnieper mit seinen Höhen gab den Russen viele natürliche Vortheile.

Am 16ten August trafen beide Heere auf einander. Allein Barclay de Tolly hatte bereits seinen Plan geändert, und wenn er vorher keine Schlacht liefern wollte, weil Bagrations Heer nicht Antheil nehmen konnte, so hielt ihn jetzt das Uebergewicht von Napoleon davon ab, alles in einer Hauptschlacht aufs Spiel zu setzten, weil es den Franzosen gelungen war, ihn auf dem linken Flügel gänzlich zu umgehen.

Anstatt sich vor Smolensk aufzustellen, that er es hinter dieser Stadt, und ließ diese, sie gleichsam als einen festen Punkt ansehend, der seinen Rückzug decken sollte, von zwei Corps besetzen, so daß die Eroberung dieser Stadt am 17ten, besonders da eine große Menge Infanterie an dem Dnieper besetzt hielten, bis zu spät in die Nacht verzögert wurde.

Die dicken Mauern, von 4000 Fuß im Umfange, und 15 Fuß dick, 25 Fuß hoch, mit Thürmen in Zwischenräumen, welche schweres Geschütz trugen, die starke Besatzung, machten den Angriff, als die Außenposten vertrieben waren, äußerst mörderisch, und als nun die Russen sich herauszogen, um Barclay's Hauptmasse zu folgen, stand (es war Mitternacht) die ganze Stadt theils durch ihre Brandfackeln, theils durch die Granaten der Franzosen in Flammen, die 36 Stunden fortwütheten, und kaum ein Drittel übrig ließen.

Die Russen hatten nach eignen Berichten 4000, die Franzosen mehr als doppelt so viel Menschen verloren; und die Verwüstung in der umliegenden Gegend, der Mangel in der eroberten Stadt waren so groß, daß der größte Theil der Verwundeten zugleich mit allen den zahlreichen Kranken und Maroden, die bei der schrecklichen Hitze, der feuchten Witterung, zurückblieben, in den zahlreichen Lazarethen starben, und die furchtbarste Epidemie entstand.

Die Russen selbst konnten es Barclay de Tolly nicht verzeihn, diese heilige Stadt, wie sie sie nennen, diese Vormauer von Moskau, so aufgeopfert, keine Hauptschlacht geliefert zu haben, und Barclay de Tolly legte daher bald darauf unter dem Vorwand seiner geschwächten Gesundheitsumstände, das Commando nieder, um es Kutusow zu übergeben.


Schlacht von Smolensk..

Smolensk, eine Stadt von 1500 Häusern und 12,000 Einwohner, liegt 112 Meilen von St. Petersburg, in einer flach terrassirten Ebene am linken Ufer des Dniepers, der hier nicht schiffbar ist. Nach alter Manier ist sie durch 25 Schuh hohe, mit Thürmen versehene Ringmauer befestigt, von welcher mehrere Vorstädte in geringer Entfernung liegen. Diese Thürme sowohl, als mehrere der 16 Kirchen und 3 Klöster waren mit grobem Geschütz besetzt. Barklay de Tolly, der Oberfeldherr, hatte den größten Theil seiner und Bagrations Armee in einer Position am rechten Flußufer aufgestellt; dem General Doktorow aber mit 30,000 Mann die Vertheidigung der Festung übertragen. Von diesen befanden sich 8000 Mann auf dem sogenannten heiligen Felde mit dem rechten Flügel an den Dnieper, dem linken an die Vorstädte gelehnt. Letztere waren leicht verschanzt und mit Truppen und Artillerie hinlänglich versehen.

Drei Brücken, nämlich eine hölzerne auf der Straße nach Petersburg und zwei Schiffbrücken rechts von jener, unterhielten die Kommunikation zwischen beiden Ufern.

Am Morgen des 17ten hatten alle französische Kolonnen sich entwickelt und, zur Schlacht bereit, folgende Position. *)

*) Man sehe von jetzt den Plan.

Der Herzog von Elchingen nahm, am Fuß der von Smolensk sanft abgedachten Höhen, mit dem 3ten Korps den linken Flügel ein.

Eine schwere Batterie an der Straße von Krasnoi und einen Theil der 10ten und 25sten Division in Reserve. Mit der letztern schloß er sich jenseits der Krasnoier-Straße an das 1ste Korps des Prinzen von Eckmühl, dessen 3te Division unter Güdin und die 4te in Reserve, unter Desaix zwischen der gedachten und der Straße von Chaslonwiczi den linken Flügel vom Centrum machte. Jenseits der letztern stand Kompans, die 5te Division, dann die 1ste unter Morand und hierauf Friorts 2te Division, welche den Stützpunkt für den linken Flügel des 5ten Korps vom Fürst Poniatowsky bildete. Hier war das Terrain durchschnitten, und deshalb sowohl, als auch aus einer späterhin sich zeigenden taktischen Absicht waren die Polen weniger ausgebreitet, dadurch der Wirkung des von den Thürmen und Vorstädten spielenden Geschützes mehr ausgesetzt. General Kaminieczky hatte mit der 18ten Division des Korps linken, General Zayonzeck mit der 16ten den rechten Flügel quer über die Straße von Kasan sich dehnend, Dombrowsky befehligte im Centrum die 17te Division. Zwischen der Straße von Kasan und dem Dnieper endigte die große Umzinglung -- vor sich eine mit Kosaken besetzte Anhöhe -- der König von Neapel, welcher, als die Korps in der Nacht zum 17ten in den Positionen eintrafen, die Kavallerie zurückgezogen und rechts vereinigt hatte, unter dem Nansouty, Montbrün und Grouchy die Reiterdivisionen Bruyeres, St. Germain, Valence, Vathier, Defrance, Doumerc, Chastel, la Houssaye und Broussiere kommandirten.

Die Garden befanden sich hinter dem 1sten Korps jenseits eines Baches, die italienische Armee in einem Walde, rückwärts der Reiterei.

Längs der so gestallteten Einschließungslinie war die Artillerie in Batterien vertheilt, wovon die beiden größten im Centrum vor den Divisionen Güdin und Friart placirt wurden.

Die Manövres derselben leitete, unmittelbar unter dem Kaiser, dessen Adjutant, der Divisions-General Graf Charpentier. *)

Napoleon hoffte, daß die Russen aus Smolensk hervorkommen und eine offne Schlacht annehmen würden. Da dies aber nicht geschah, sie im Gegentheil sich innerhalb der Stadt und Vorstädte immer mehr verschanzten, so gab er, durch eine heftige Kanonade der Batterie des Centrums, das Signal zum Angriff, worauf das Korps des Herzogs von Elchingen in Bataillons-Echellons avancirte.

Es ist bereits bemerkt worden, daß der rechte Flügel gedrängt stand und von der Artillerie der Thürme litt. Napoleon refüsirte ihn, nachdem Ney attaquirt hatte, und befahl auch der Kavallerie, sich, hart am Dnieper, etwas zurückzuziehen.

Hierdurch ward das Feuer nicht mehr so zerstörend, hauptsächlich aber war die Absicht, die Russen hervorzulocken und ihnen Gelegenheit zu geben, sich in den, zwischen Mürats Kavallerie und dem 5ten Korps entstandenen Raum auf die Straße nach Kasan zu werfen, wo sie bald vom 4ten, dem Reservekorps, angegriffen und durch eine Schwenkung des 5ten Korps rechts, von der gedachten Straße abgeschnitten werden sollte. Um die Russen auf die Ausführung einer für sie so unglücklichen Bewegung noch lüsterner zu machen, ließ man sie in dem ungestörten Besitz der Anhöhen vor der rechten Flügelfront, und unterließ, die in jener Gegend befindlichen Schiffbrücken zu kanoniren. Allein alle diese Einladungen waren umsonst, und da eine geraume Zeit damit vergebens hingebracht worden war, eilte der Kaiser nun, durch eine förmliche Offensive diese wieder nachzuholen. Der Divisions-General Brüyeres vorzugehen, das 5te Korps mußte gleichfalls avanciren und den rechten Flügel so vornehmen, daß dieser Montbrüns Reiterei masquirte.

Unterdessen wurde das 1ste Korps beordert, im Centrum vorzudringen, die Flügel an das 3te und 5te Korps anzulehnen und mit diesen in gleiche Höhe zu gehen.

Sobald dergestalt die ganze Linie, unter dem Schutz einer starken Kanonade, avancirte, und die Polen vorwärts der Müratschen Reiterei eintrafen, griff Brüyeres die Kosaken auf die Anhöhen an, warf sie in die Vorstadt, und der Artillerie-General Sorbier etablirte eine Batterie von 60 Kanonen darauf, welche die Stellung deckten und zugleich die Russen in ihrer jenseitigen Position heftig beschossen. Die 17te und 16te Division formirten darauf eine geschlossene Kolonne, mit der sie über eine dort liegende Brücke und über einen kleinen Bach defilirten, sich jenseits desselben entwickeleten und die Vorstadt Mato-Ochostky zu stürmen begannen.

Napoleon begab sich jetzt in das Centrum und befehligte Davoust, mit steter Rücksicht auf die Erhaltung der Verbindung mit Poniatowskys Korps, die Vorstadt Katzschobska zu nehmen. Güdin marschirte deshalb links. Morand aber gerade gegen dieselbe. Die 2te Division beobachtete die Kommunikation mit dem 5ten Korps, die 5te Division hielt das Centrum zwischen der 1sten und 3ten, um beide, wenn es nöthig wäre, zu unterstützen, die 4te folgte den Bewegungen Güdins, nahm aber bald ihre alte Stellung wieder, um hauptsächlich ihre Aufmerksamkeit auf das 3te Korps und die Krasnoier Straße zu wenden, weil Ney vergeblich versuchte, Terrain zu gewinnen, indem die Russen, durch zwei frische Divisionen und zwei Garde-Regimenter verstärkt, auf dem heiligen Felde vordrangen.

Die Polen nahmen, nach den äußersten Anstrengungen, die Vorstadt vor ihrer Front und beschossen sogleich die beiden Schiffbrücken.

Die Generale Morand und Güdin drangen um 4 Uhr Nachmittags in Mato-Ochostky ein, und der glückliche Erfolg der Division Güdin gab der nebenstehenden 25sten Division, vom würtembergschen General Scheler befehligt, Gelegenheit, eine Schwenkung links zu machen, die die Russen auf dem heiligen Feld überflügelte. Die 10te Division rückte zugleich aus der Reserve am Dnieper vor, und der Feind war genöthigt, sich nach der Ringmauer zurückzuziehen. Es war beinah 6 Uhr Abends. Vergeblich hatte Napoleon Berichte von Jünot erwartet. Alle seinem Marsch nachgesendeten Offiziere bestätigten, daß er sich zu weit rechts gezogen oder am Dnieper keinen tauglichen Uebergangspunkt gefunden haben müsse, um, worauf man sich rechnete, am rechten Ufer herab gegen die aufgestellte russische Macht und dortige Vorstadt zu manövriren.

Seine Instruktionen hatten ihm ein ernstliches Gefecht untersagt, aber dagegen geboten, sich so zu bewegen, daß der Feind über seine wahre Stärke in Ungewißheit erhalten und in die Besorgniß gesetzt würde, die Straße auf Moskwa abgeschnitten zu finden.

Endlich nöthigte das Feuer der zahlreichen Artillerie des rechten Flügels die Russen jenseits, sich zurückzuziehen, und die von den Polen zerstörten Brücken fingen an, die Verbindung mit Smolensk zu erschweren. Die Franzosen waren Herr der Vorstädte und etablirten gegen die Ringmauer drei Breche-Batterien. Die französischen Garden folgten langsam dem allgemeinen Vordringen. Die Stadt gerieth durch die Menge eingeworfener Granaden in einen Brand, der sich, bei der Mehrzahl hölzerner Häuser, bald überall verbreitete.

Zweimal waren die Polen mit den Russen zugleich in die Stadt gedrungen, aber eben so oft zurück geworfen worden.

Um 2 Uhr in der Nacht ward die Breche hinter der Katzschobska-Vorstadt für gangbar erachtet, und die Grenadiere des 1sten Korps rüsteten sich zum Sturm. Allein die Russen hatten sich bereits um 1 Uhr zum Rückzug nach Dorogobucz entschlossen, und so rückte man in die zerstörte, von Leichen gefüllte Stadt ohne Widerstand ein.

Die Russen haben beinahe 12,000 Mann an Todten und Verwundeten verloren, der französische Verlust ist, weil sogleich alle Todte auf die Seite gebracht wurden, zwar schwer zu bestimmen, aber alle Meinungen treffen darin überein, daß er über 13,000 Mann sei, welches um so wahrscheinlicher ist, wenn man bedenkt, daß die Angreifenden in freiem Felde, die Vertheidiger dagegen meistentheils durch Wälle und Schanzen gedeckt fochten.

So endigte der erste Act des großen Weltkampfes und der Sieg bei Smolensk schien eben so eine Aufforderung für Napoleon zu sein, noch während der Dauer der guten Jahreszeit mit raschem Schritt weiter gegen die alte Hauptstadt des russischen Reichs vorzudringen, wie er die Hoffnungen der polnischen Nation belebte, die ausgesprochne Wiederherstellung ihres Königreiches und ihres Völkernamens begründet und gesichert zu sehen.


Augenzeugenbericht.

Gegen die Mitte des Monats August marschirten wir von da ab, die Hitze wurde täglich drückender und die Abnahme der Soldaten häufiger. So kamen wir den 16. August vor Smolensk an. Die Stadt ist mit einer sehr hohen Mauer von Backsteinen umgeben, aus welcher die Spitzen der vielen Thürmen hervorragen. Schon von der Natur ist sie durch ihr coupirtes Terrain befestigt, dann mit dem Fluß Dnepr, der zwischen der Stadt und den Vorstädten durchströmt -- mit Anhöhen -- und Abgründen ganz umgeben.

Die Vorstädte, welche blos von Holz gebaut waren, wurden abgebrannt. Die Stadt selbst hat mehrere schöne, von Stein aufgeführte Gebäude, und liegt auf dem rechten Ufer des Flusses.

Des Abends, als wir daselbst ankamen, gab es schon mit den Vorposten kleine Scharmützel, aber ohne Bedeutung. Allein den 17. August Morgens fingen die Bewegungen an. Die Regimenter standen geschlossen oder in der Debandate, wie es gerade erforderlich war, im Feuer; es wurden Anhöhen gestürmt und öfters nach der größten Anstrengung mit außerordentlicher Aufopferung nicht erstiegen, weil sie der Feind stärker, als wir Angreifenden waren, besetzt hielt und uns wieder über unsre todten und verwundeten Kameraden zurück warf. Man sammelte sich wieder und wagte zum zweyten und öfters zum drittenmal, seinen Willen durchzusetzen, bis es endlich gelingen mußte. So wurde der Feind mit der größten Aufopferung von unsrer Seite gegen die Stadt zurückgedrückt. Es wurde Nacht, das Feuer ließ nach, und die Corps bivouakquirten auf derselben Stelle, wo sie vorgerückt waren, und stellten starke Piqueter aus. Ich bekam eine Gewehrkugel durch das Casquet und eine kleine Kugel an den Degen, der durch den Schlag ganz krumm gebogen wurde. Ich hatte noch eine Flasche Brantwein, die ich mit einem guten Freunde des Nachts mit Kartoffeln, Gelbrüben und unreifen Aepfeln, die wir uns in dem Garten, wo wir bivouakquirten, zusammengesucht und am Bivouakfeuer gebraten hatten, verzehrte.

Den andern Morgen am 18. August ging es auf die Stadt los. Einige Vorstädte standen schon in Flammen, und waren bereits in unsern Händen. Die Russen zogen sich in die Stadt zurück, feuerten von der Mauer auf uns, allein es stund nicht lange an, so verließen sie dieselbe auch, und zogen sich über den Fluß. Wir marschirten in die Stadt, und nun wurden einige Bataillons befehligt, die Vorstädte jenseits des Flusses zu nehmen. Da aber keine Brücke mehr da war, so mußte man den Fluß durchwaten, und weil er nur ungefähr vier Fuß tief war, so konnten die Soldaten um so eher ihre Gewehre und Patronen trocken erhalten, indem sie diese in die Höhe hielten.

Während des Uebergangs wurde tüchtig auf uns gefeuert, aber zum Glück nur wenige Soldaten leicht verwundet.

Naß und ermüdet kamen wir durch den reissenden Strom auf dem linken Ufer an, während die andern Corps rechts und links vorrückten; es wurde debandirt, auf die rechtsliegende Vorstadt losgegangen, und diese nach einem kurzen, aber hartnäckigen Widerstand genommen. Ich bekam den Befehl, mit einiger Mannschaft eine Kreuzstraße zu vertheidigen und immer in gleicher Höhe mit dem Bataillon zu bleiben. Diesen Befehl erfüllte ich auch, bis endlich die beiden Straßen mit Flammen von den rechts und links brennenden Häusern bedeckt waren. Nun zog ich mich wieder zurück, um mich anzuschließen, fand aber die Bataillons, die den Fluß durchsetzten, zurückgeworfen auf dem Wall, der einen Theil der Vorstadt umschloß. Einer meiner Vorgesetzten wollte den Sturm durch das Thor von neuem beginnen, sahe aber in seinem Eifer nicht, wie wenig er Mannschaft hatte, und wie viele auf jenem Punkt erforderlich waren; ich schloß mich an ihn an, und wir waren die einzigen Offiziere mit weniger Mannschaft, weil die andern alle auf dem Walle waren, die noch einmal durch das Thor stürmten, wo wir aber mit einem dichten Kugelregen begrüßt wurden. Der größte Theil der wenigen Mannschaft blieb dort liegen, die andern zogen sich schnell zurück, und der brave Officier fiel mir verwundet in die Arme. Mit der größten Anstrengung brachte ich ihn sogleich zurück, und beorderte zwei Soldaten ihn weiter über den Fluß zu bringen. Dieses geschah, und er kam in Smolensk ins Spital. endlich zehrten die Flammen die ganz von Holz gebaute Vorstadt auf, und nun hatten wir die zweite Vorstadt links vor uns zu nehmen. Zu dem Ende verließen wir die Brandstätte und nahmen nebst der Unterstützung, die wir erhielten, stürmend die andre Vorstadt weg, die dann auch sogleich ein Raub der Flammen wurde. Alsdann zogen sich die Regimenter, nachdem sie starke Piqueter ausgestellt hatten, wieder ans Wasser, wo man den geraden Schüssen gesichert war, zurück, und die Franzosen fingen sogleich an, Brücken zu erbauen, die aber nicht zu Stande kamen. Der Tag war schön und Heiter, und die Kleidung trocknete schnell am Körper. Als aber der Abend herbei kam, wurden wir abgelöst, und mußten wieder zurück durch den Fluß. Obgleich man mehrere Pferde nahm, um die Truppen trocken über den Fluß zu bringen, so kamen doch viele wieder ganz naß im Bivouak an, welches die geschwächten Körper noch mehr erkrankte, hauptsächlich da es in der Nacht sehr kühl wurde, und an Lebensmitteln gebrach.


Quellen und Literatur.

  • Deutsche Blätter Herausgegeben von Friedr. Arn. Brockhaus. Zweiter Band, Leipzig und Altenburg, 1814.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Mittheilungen aus dem russischen Feldzuge, an einen Offizier des Generalstabes von Röder von Bomsdorff, Leipzig bey Wilhelm Engelmann. 1816.
  • Merkwürdige Tage meines Lebens. Feldzug und Kriegs-Gefangenschaft in Rußland. Aus dem Tagebuch eines deutschen Officiers. Stuttgart, im Verlag der J. D. Sattler'schen Buchhandlung. 1817.