Schlacht von Talavera de la Reina

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Schlacht bei Talavera de la Reyna.

Der Versuch der Engländer und der Spanischen Insurgenten, nach Madrid vordringen zu wollen, ist gänzlich fehlgeschlagen. Am 27sten und 28sten Jul. kam es zwischen der Armee des Königs Joseph, unter welchem die Marschalls Jourdan, Victor und General Sebastiani commandirten und der Armee des Generals Wellesley, mit welchem sich der Spanische General Cuesta vereinigt hatte, bei Talavera de la Reyna in Neu-Castilien zu einer Schlacht, welche die größte und hartnäckigste war, die in diesem Jahre in Spanien geliefert worden. Die Ufer des Alberche und Tajo wurden mit Strömen von Blut gefärbt. Französischer Seits gab man den Verlust der Gegner auf 10000 Mann und Englischer Seits den feindlichen Verlust eben so hoch an. Nach dem Bericht des Generals Wellesley betrug der Brittische Verlust in allem 5367 Todte und Verwundete, worunter besonders viele Hannoveraner, von der Legion.

Der Feind zog sich wie Wellesley schreibt, nach der Schlacht in der regelmäßigsten Ordnung mit Hinterlassung von zwanzig Kanonen und einigen Gefangenen über den Alberche zurück. Aber bald zeigten sich die Resultate der Schlacht. Die Engländer sahen sich zum eiligsten Rückzug nach Truxillo xc. genöthigt, büßten unter andern ein Cavallerie-Regiment ein, ließen zu Talavera und Oropesa gegen 5000 Verwundete im Stich und wurden von den vereinigten Corps der Marschälle Soult und Victor verfolgt, welcher die Arriergarden schlugen und 30 Kanonen xc. eroberten.

Auch ward am 11ten Aug. der Insurgenten-General Venegas vom König Joseph geschlagen, verlor 35 Kanonen, 4000 Gefangene, 3000 Todte xc.


Schlacht von Talavera.

Talavera de la Reyna den 29. Jul.

Mylord! General Cuesta folgte dem Zuge des Feindes vom Alberche am 24. früh bis Santa Olalla und rückte seine Vorhut bis Torrijos vor. Aus den Ihnen in meinem Bericht vom 24. angegebenen Gründen setzte ich nur 2 Fußvolkabtheilungen und eine Reiterbrigade über den Alberche nach Cassalegos unter Sherbrookes Anführung, um den Verkehr zwischen Cuesta, mir und Wilson's Harst in Escalona zu unterhalten. General Venegas hatte den seinem Harst übertragenen Theil der Ausführung des Plans nicht ausgeführt, und war immer zu Damiel in La Mancha; und am 24, 25, und 28. sammelte der Feind in diesem Theil Spaniens zwischen Torrijos und Toledo all seine Macht, und ließ nur einen kleinen Harst von 2000 Mann daselbst. So bestand denn sein vereintes Heer aus dem Harst des Marschal Victor, dem des General Sebastiani und aus 7 bis 8000 Mann, Joseph Buonapartes Garden und der Besatzung von Madrid und ward von Joseph Buonaparte befehligt, welchem die Marschälle Jourdan, Victor und General Sebastiani halfen. Am 26. ward Cuestas Vorhut bei Torrijos angegriffen und mußte zurück; der General zog sich an diesem Tage nach dem linken Albercheufer zurück, General Sherbrooke blieb in Cassalegos, der Feind in Santa Olalla. Es ergab sich, daß der Feind die Absicht hatte, eine allgemeine Schlacht zu versuchen, wozu die beste Stellung in der Nähe von Talavera zu seyn schien; und als General Cuesta am 27. früh diese Stellung eingenommen hatte, ließ ich Sherbrooke mit seinem Harst auf seinen Standort in der Linie zurückgehen, General M' Kenzie mit einer Fußvolksabtheilung und einer Reiterbrigade als Vorposten im Walde, rechts von dem Alberche zu lassen, der unsere linke Seite deckte. Die von den Schaaren bei Talavera genommene Stellung erstreckte sich weit über 2 Meilen; der Boden war auf der linken Seite offen, wo das brittische Heer stand, und wurde von einer Höhe bestrichen, auf welcher eine Fußvolksabtheilung gliederweis und in zweiter Linie unter Hill aufgestellt war. Zwischen dieser Höhe und einer Bergreihe weiter hin nach links war ein Thal, welcher anfangs nicht besetzt ward, da es von den zuvor erwähnten Höhen gedeckt wurde; und die Bergreihe schien zu fern, als daß sie Einfluß auf die erwartete Schlacht haben könnte. Der rechte aus spanischen Schaaren bestehende Flügel dehnte sich sogleich von der Stadt Talavera nach dem Tajo hinunter. Dieser Theil des Bodens ward von Oelbäumen gedeckt und vielfach von Gräben durchschnitten. Die Heerstraße von der Brücke über die Alberche ward von einer schweren Batterie der Kirche gegenüber vertheidigt, welche das spanische Fußvolk besetzt hatte. Auf gleiche Weise waren alle Zugänge der Stadt vertheidigt, die Stadt besetzt und das übrige spanische Fußvolk stand in zwei Linien hinter den Ufern auf der von der Stadt und dem rechten Flügel zu unserm linken führenden Straße. Im Mittelpuncte zwischen beiden Heeren war ein bestreichendes Stück Boden, wo wir eine Schanze aufzuwerfen angefangen hatten, mit etwas offenem Boden im Rücken. Dahin ward A. Campbell mit einer Fußvolksabtheilung gestellt, im Rücken von Cotton's Dragonerbrigade, und einiger spanischer Reiterei unterstützt. Am 27. gegen 2 Uhr erschien der Feind in Macht auf dem linken Albercheufer und zeigte die Absicht, Mackenzie's Abtheilung anzugreifen. Der Angriff ward gethan, ehe sie konnte zurückgezogen werden; aber die Schaaren, bestehend aus Mackenzies und Donkins Brigaden, Anson's Reiterbrigade, und unterstützt von Payne mit den andern 4 Reiterregimentern auf der Ebene zwischen Talavera und dem Walde, zogen sich in guter Ordnung, doch mit einigem Verlust, in den Wald zurück. Bei dieser Gelegenheit zeigte das 5. Regiment und das 5. Bataillon vom 60. viel Festigkeit und Kriegszucht; und ich hatte namentlich Grund mit der Art zufrieden zu seyn, wie Mackenzie seine Vorhut zurückzog. Wie der Tag kam, zeigte sich der Feind in großer Menge am rechten Albercheufer, und es lag am Tag, daß er zu einem allgemeinen Angriff des Bundesheers vorrückte. Mackenzie warf sich allmählich immer auf den linken Flügel der Stellung des Bundesheeres zurück, wo er in der zweiten Linie, im Rücken der Garden stand. Obrist Donkin in derselben Stellung weiter nach der linken zu, im Rücken der königlichen teutschen Legion. Der Feind begann sofort seinen Angriff in der Abenddämmerung mit einer Kanonade auf dem linken Flügel unserer Stellung und mit einem Versuch seiner Reiterei, das spanische Fußvolk, welches, wie ich vorher bemerkte, auf dem rechten stand, zu überwältigen; aber dieser Versuch schlug ganz fehl. Früh in der Nacht schob er eine Abtheilung längs dem Thale hin, auf der linken Seite der von Hill besetzten Höhe, die er auf einige Augenblicke gewann; aber Hill griff ihn sogleich an und nahm sie wieder. Dieser Angriff ward in der Nacht wiederholt, schlug aber fehl, mit Tage wieder am 28. von zwei Fußvolksabtheilungen, ward aber von Hill zurückgeschlagen. Wir haben bei Vertheidigung dieses für unsere Stellung wichtigen Punctes viel brave Officiere und Soldaten verloren, auch Hill ward verwundet, zum Glück nur leicht. Gegen Mittag erfolgte nun ein allgemeiner Angriff von Seiten der gesammten feindlichen Macht auf diesen vom brittischen Heer besetzten Theil der Stellung. Zufolge der wiederholten Versuche auf die Höhe zu unserer linken mittelst des Thals hatte ich 2 brittische Reiterbrigaden in dieß Thal gestellt, welche im Rücken vom Herzog Albuqueque's spanischer Reiterabtheilung unterstützt wurden. Der Feind stellte nur leichtes Fußvolk in die Bergreihe links dem Thale, welche eine Fußvolkabtheilung unter Generallieutenant Bassecourt unterstützte. Der allgemeine Angriff hub an mit einem Zug von mehrern Fußvolksäulen in das Thal, um die von Hill besetzten Höhen anzugreifen. Diese Heersäulen wurden sofort von dem 1. teutschen leichten Dragonerregiment, und dem 23. Dragonerregiment unter Ansons Befehlen, von Payne geleitet, und von Fane's schweren Reiterbrigade unterstützt angegriffen; und wiewol das 23. Dragonerregiment bedeutend litt, hatte der Angriff doch zum Erfolg, daß der Feind diesen Theil seines Plans nicht ausführen konnte. Zu gleicher Zeit richtete er einen Angriff auf Campbells Stellung im Mittelpuncte des Bundesheers und auf dem rechten Flügel des brittischen. Dieser Angriff ward höchst glücklich von Campbell abgeschlagen, welcher von des Königs Regiment spanischer Reiterei und 2 Bataillons spanischen Fußvolks unterstützt war; Brigadegeneral Campbell nahm das feindliche Geschütz. Auch auf Sherbrooke's Abtheilung, welche auf dem linken Flügel und dem Mittelpunct der ersten Linie des brittischen Heers war, ward zu gleicher Zeit ein Angriff gethan. Dieser ward tapfer mit Bajonnetsandrang der ganzen Abtheilung zurückgeschlagen; aber da die Gardenbrigade, welches rechts stand, zu weit vorrückte, war sie von ihrer linken Seite dem Feuer der feindlichen Batterie und seiner zurückziehenden Heersäulen bloßgestellt, und die Abtheilung mußte sich auf die ursprüngliche Stellung zurückziehen unter Deckung der 2. Linie von Cotton's Reiterbrigade, die ich aus dem Mittelpuncte gerückt hatte, und des 1. Bataillons vom 48. Regiment. Sobald ich das Anrücken der Garden bemerkte, hatte ich dies Regiment aus seiner ursprünglichen Stellung auf den Höhen gerückt; es stellte sich in der Ebene auf und rückte auf den Feind los, und deckte Sherbrookes sich stellende Abtheilung. Kurz nach diesem abgeschlagenen allgemeinen Angriff, wobei dem Anschein nach alle feindliche Schaaren im Gefechte waren, fing der Feind an sich über den Alberche zurückzuziehen, welches auch in der Nacht in aller Ordnung geschah; in unsern Händen blieben 20 Kanonen, Schießbedarf, Wagen und etliche Gefangene. Sie werden aus beigehender Uebersicht den starken Verlust an schätzbaren Officieren und Soldaten ersehen, den wir in dieser langen und schweren Schlacht mit mehr als noch einmal soviel, denn wir waren, erlitten; der feindliche Verlust war aber weit größer. Ich habe Kunde, daß ganze Fußvolkbrigaden niedergehauen sind; und die rückziehenden Bataillons waren in der That sehr geschmolzen. Allen Nachrichten nach ist ihr Verlust 10,000 Mann. Die General Lapisse und Morlot blieben, Sebastiani und Boulet wurden verwundet. Ich habe besonders den Verlust des Generalmajor Mackenzie zu beklagen, der sich am 27. auszeichntete, und des Brigadegeneral Langworths von der königlichen teutschen Legion, des Brigademajor Becket von der Garde. Der Angriff des Feindes war, wie sie bemerkten, hauptsächlich, wenn nicht ganz gegen die brittischen Schaaren gerichtet. Der spanische Heerführer, seine Officiere und Schaaren waren völlig bereitwillig uns Beistand zu leisten, und die, welche mit im Gefecht waren, thaten ihre Schuldigkeit; aber der Boden, den sie besetzten, war so wichtig und seine Vorderseite so schwierig, daß ich nicht für rathsam hielt, sie zu einer Bewegung nach dem linken Flügel des Feindes aufzufordern, während er mit uns focht. Ich darf mit allen Officieren und Schaaren zufrieden seyn.
An Lord Castlereagh. A. Wellesley.


Von A. Wellesley.

Talavera, den 1. Aug.

Seit meinem Schreiben vom 29. Jul. hat der Feind noch eine Nachhut von ungefähr 10,000 Mann auf den Höhen links vom Alberche. Die äußerste Ermüdung der Schaaren, der Mangel an Mundvorrath und die vielen Verwundeten, welcher verpflegt werden müssen, haben mich gehindert, aus dieser Stellung zu rücken. Crawford traf mit seiner Brigade am 29. früh ein, und hatte in wenig mehr als 24 Stunden, 12 spanischen Wegstunden gemacht.


Von Wellesley.

Talavera, den 1. Aug.

Als ich Ihnen heute früh schrieb, hatte ich noch keinen Vorpostbericht. Der Feind scheint die Nachhut auf den Höhen bereits vom Alberche vorige Nacht um 11 Uhr zurückgezogen zu haben, und alles zog auf Santa Olalla los, ich werde eine Stellung in der Nähe von Guadarama nehmen.


Augenzeugenbericht.

Erinnerungen eines Legionärs.

Das Schlachtfeld gewährte einen schauderhaften Anblick! Todte Menschen lagen in einem Bezirke von mehreren Stunden umher; vorzüglich an der Anhöhe, welche die Unserigen so tapfer vertheidigt hatten. Hier schien es in der That, als ruheten noch mehrere Bataillone, so dicht lagen die Gebliebenen auch von unserer Seite, und machten sich durch die rothe Uniform kenntlich. Kaum funfzig Schritt davon sah man die blau und grau gekleideten Franzosen nicht weniger zahlreich liegen; auch ritten wir bei einer Menge von jenen zurück gelassener Verwundeten vorbei, die uns kläglich um Hülfe bathen, ohne daß wir ihnen solche gewähren konnten. Alle Gesträuche, Bäume und Häuser in der Gegend waren verbrannt; ja, der ganze Erdboden war schwarz gesengt! Zu dieser allgemeinen Verwüstung kamen die brennenden Sonnenstrahlen, um die Lage der unglücklichen Verwundeten fürchterlich zu machen; denn Schatten und Kühle, das erste Bedürfniß für dieselben, waren weit und breit nicht zu finden. Zwischen den vielen tausend todten Menschen, lagen todte Thiere aller Art, Gewehre, zerbrochene Karre, Pulverwagen, Kasten und Geschirre zerstreut durch einander, und vollendeten das Bild der Zerstörung. Eine große Anzahl verbrannter Menschen und Thiere fand man in den halb verbrannten Büschen; verwundet und daher unvermögend zu entfliehen, hatte sie das Feuer ereilt, und sie so lebendig gebraten. Unfern der Alberche traf ich so gar Verwundete, die schon am 27sten daselbst liegen geblieben waren, und in den drei Tagen auch nicht einmal einen Tropfen Wasser enthalten hatten. Eben so fanden wir Todten in den hohen Kornfeldern, die augenscheinlich mehr aus Hunger, als an ihren Wunden gestorben waren.

Wir nahmen unser Lager unter unversehrt gebliebenen, immer grünenden Eichen, so wie ein in der Nähe befindliches Kornfeld uns sehr gute Dienste leistete; die Infanterie hingegen mußte sich in verbrannten Gebüschen behelfen. Unsere Patrullen berichteten von einer Menge entfernt liegender Verwundeten, und fanden auch einen vom Feinde zurück gelassenen Feld-Medicin-Kasten, der sehr willkommen war, da er an den darin befindlichen Vorräthen längst fehlte. Unsere Vedetten standen diesseits und die feindlichen jenseits des Flusses.

Am folgenden Tage wurden die verwundeten Freunde und Feinde, auf langsam fahrenden Ochsenkarren, nach dem Lazareth gebracht, und mehrere Bataillone zur Beerdigung der Todten befehligt. Eine Anzahl Verwundeten von den Unserigen, die den Franzosen in die Hände gefallen waren, und von denselben viele Mißhandlungen hatten erdulden müssen, kamen an diesem Tage, nach ihrer Befreiung, an unserm Lagerplatze vorüber. Ein Englischer Officier, der sich unter denselben befand, stellte ein Bild des größten Menschenelends dar. Ein zerlumpter Spanischer Bauer leitete das keuchende, gleichfalls kranke Pferd, auf welchem jener Officier mehr hing als saß. Der Officier selbst war am Kopfe und Fuße verwundet, an welchen blutige Binden herab hingen, seine Uniform war durch das Abreißen der goldenen Besetzung ganz zerfetzt, und er hatte weder Huth, noch Stiefeln und Strümpfe, sondern große Spanische zerrissene Schuhe an; auf seinem Gesicht mahlten sich Hunger, Durst und Verzweifelung, und nur mit der innigsten Theilnahme konnte man sehen, wie er sich etwas aufheiterte, als er seine Waffenbrüder erblickte, die ihn bloß mit einem Trunke frischen Wassers laben konnten.


Quellen und Literatur.

  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1809.
  • Arthur, Herzog von Wellington. Sein Leben als Feldherr und Staatsmann. Nach englischen Quellen, vorzüglich nach Elliot und Clarke, bearbeitet und bis zum Sept. 1816 fortgesetzt. Leipzig und Altenburg: F. A. Brockhaus. 1817.
  • Erinnerungen eines Legionärs, oder Nachrichten von den Zügen der Deutschen Legion des Königs (von England) in England, Irland, Dänemark, der Pyrenäischen Halbinsel, Malta, Sicilien und Italien. In Auszugen aus dem vollständigen Tagebuche eines Gefährten derselben. Hannover 1826. In Commission der Helwing'schen Hof-Buchhandlung.