Schlacht von Toulouse

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Feldmarschall Lord Wellingtons Bericht über die Schlacht bei Toulouse am 10ten April 1814.

Toulouse, den 12ten April.
"Mylord! Ich habe das Vergnügen, Ihnen zu melden, daß ich heute früh in dieser Stadt eingerückt bin, nachdem der Feind sie verlassen, und sich auf der Straße von Carcassonne zurückgezogen hatte. Der beständige Regen, und der Zustand der Wege gestatteten mir nicht eher als am 8ten morgens die Brücke zu schlagen, über welche die spanischen Korps, die portugiesische Artillerie unter dem Befehl des Generallieutenants Don Manuel Freyre, und das Hauptquartier, die Garonne passirten. Wir rückten sogleich in die Nähe der Stadt vor, und das 18te Husarenregiment unter Anführung des Obristen Vivian hatte Gelegenheit, einen glänzenden Angriff zu machen, trieb dasselbe durch das Dorf Croix d'Orade, nahm ungefähr 100 Gefangene, und sicherte uns den Besitz einer wichtigen Brücke über den Fluß Ers, welchen wir passiren mußten, um die Position des Feindes anzugreifen. Obrist Vivian wurde bei dieser Gelegenheit unglücklicherweise verwundet, und ich fürchte, ich werde eine Zeitlang seines Beistandes beraubt seyn. Die Stadt Toulouse ist auf drei Seiten vom Kanal von Languedoc und von der Garonne umringt. Am linken Ufer des Flusses bildet die Vorstadt, welche der Feind mit starken Erdwerken vor der Fronte der alten Mauer befestigt hatte, einen guten Brückenkopf. Der Feind hatte ebenfalls einen Brückenkopf bei jeder Brücke des Kanals angelegt, und der Kanal wurde überdies auf mehreren Punkten durch Kleingewehrfeuer, durchgängig aber durch die Artillerie vom alten Stadtwalle, vertheidigt. Jenseits des Kanals östlich, und zwischen demselben und dem Flusse Ers ist eine Anhöhe, die sich bis Montoudran ausdehnt, und über welche alle Straßen nach dem Kanal und der Stadt von Osten herführen. Diese Anhöhen hatte der Feind besonders mit fünf Redouten befestigt, die durch verschanzte Linien mit einander verbunden waren; er hatte überhaupt mit ausserordentlicher Thätigkeit alle Vertheidigungsanstalten getroffen. Die Brücken über die Ers, vermöge deren wir uns seiner rechten Flanke nähern konnten, waren sämmtlich abgebrochen; und da die Straßen von Arriege nach Toulouse für Kavallerie und Artillerie ganz, und für Infanterie beinahe unbrauchbar sind, so blieb mir nichts übrig, als den Feind in dieser furchtbaren Stellung anzugreifen. Es war nothwendig, die Schiffbrücke über Garonne höher hinauf zu verlegen, und die Verbindung mit dem Korps des G. L. Hill abzukürzen; diese Operation kam am 9ten Abends, aber erst so spät zu Stande, daß ich es für rathsam hielt, den Angriff auf den folgenden Tag zu verschieben. Der Plan, den ich dazu entworfen hatte, war, daß Feldmarschall Beresford, der sich mit der 4ten und 6ten Division auf dem rechten Ufer der Ers befand, bei der Brücke von Croix d'Orade über diesen Fluß gehen, von Montblanc Besitz nehmen, und an dem linken Ufer der Ers hinauf marschiren sollte, um die linke Flanke des Feindes zu umgehen, indeß Gen. Lieut. Freyre, mit dem spanischen Korps unter seinem Kommando, durch die brittische Kavallerie unterstützt, das Zentrum angriff. Gen. Lieut. Cotton sollte der Bewegung des Marschalls, mit Gen. Lord Sommersets Husarenbrigade, folgen, und die Brigade des Obristen Vivian, unter dem Kommando des Obristen Arentschild, die Bewegungen der feindlichen Kavallerie auf beiden Seiten der Ers, jenseits unserer linken Flanke beobachten. Die leichte und die 3te Division unter Kommando des Gen. Lieut. Sir T. Picton und des Generalmajors Baron Charles Alten, und die deutsche Kavalleriebrigade, sollten den Feind am untern Theile des Kanals beobachten, und dadurch, daß sie den Brückenkopf bedrohten, seine Aufmerksamkeit beschäftigen, während Gen. Lieut. Sir R. Hill dasselbe bei der auf dem linken Ufer der Garonne gelegenen Vorstadt thun sollte. Marschall Sir W. Beresford passirte die Ers und formirte sein Korps bei dem Dorfe Croix d'Orade in 3 Kolonnen; die 4te Division befand sich an der Spitze, und er setzte sich mit derselben sogleich in Besitz von Montblanc. Hierauf ging er auf einem sehr schwierigen Terrain in der nämlichen Ordnung, und in einer mit der starken Stellung des Feindes parallel laufenden Richtung an der Ers herauf, bildete, sobald als er auf dem Punkte angelangt war, wo er sie umging, seine Linie, und marschirte zum Angriff. Während dieser Operationen ging Gen. Lieut. Don Manuel Freyre längs dem linken Ufer der Ers bis vor la Croix d'Orade hin, wo er sein Korps in zwei Linien mit einer Reserve formirte, welche auf einer Anhöhe vorwärts des linken Flügels der feindlichen Stellung sich befand, wo die portugiesische Artillerie aufgestellt war; dahinter stand als Reserve die Kavalleriebrigade des Generalmajors Ponsonby. Sobald er sich formirt hatte, und man sah, daß Marschall Sir W. Beresford in Bereitschaft stand, rückte der Gen. Lieut. Don Manuel Freyre zum Angriff vor. Die Truppen marschirten unter einem sehr lebhaften Musketen- und Artilleriefeuer in guter Ordnung, und bewiesen sehr viel Unerschrockenheit. Der General und sein ganzer Generalstab befanden sich an ihrer Spitze; die beiden Linien wurden in den Gräben, unmittelbar unter den feindlichen Verschanzungen, schnell aufgestellt; die Reserve und die porrtugiesische Artillerie, so wie die englische Kavallerie, hielten immer noch die Anhöhen besetzt, auf welchen sich die Truppen Anfangs formirt hatten. Aber der Feind drängte den rechten Flügel der Linie des Generals Freyre, bei seiner Bewegung um die linke Flanke, zurück, und da er seinen Vortheil verfolgte, und unsern rechten Flügel von den beiden Seiten der Heerstraße von Toulouse nach la Croix d'Orade aus umgangen hatte, nöthigte er schleunig das ganze Korps zum Rückzuge. Ich sah mit großem Vergnügen, daß sich die Truppen, ungeachtet sie bei dem Rückzuge sehr viel gelitten hatten, gleich wieder sammelten, als die leichte, auf ihrem rechten Flügel befindliche Division vorrückte, und ich kann den Bemühungen des Gen. Lieut. Don Manuel Freyre, der Offiziere vom Generalstabe der 4ten spanischen Armee und der Offiziere des großen Generalstabes, um sie zu vereinigen und wieder zu formiren, nicht genug Lob ertheilen. Gen. Lieut. Mendizabal, der sich als Volontär auf dem Schlachtfelde befand, Gen. Espeleta und mehrere Offiziere des Generalstabes und der Korpsanführer wurden bei dieser Schlacht verwundet; General Mendizabal verließ jedoch das Schlachtfeld nicht. Das Regiment der Caçadores de Cantabria, unter Kommando des Obrist Sicilio, behauptete seine Stellung unter dem feindlichen Verschanzungen, bis ich ihm Befehl zum Rückzuge ertheilte. Mittlerweile attakirte und nahm Marschall Sir W. Beresford mit der 4ten Division, unter Kommando des Gen. Lieut. Sir. L. Cole, und die 6te Division, unter dem Befehle des Gen. Lieut. Sir. H. Clinton, die Anhöhen auf dem rechten Flügel des Feindes, und die Schanze, welche diese Flanke deckte und schützte, und setzte diese Truppen auf den Anhöhen fest, wo der Feind stand, der jedoch noch vier Redouten, die Verschanzungen und befestigten Häuser im Besitz hatte. Der schlechte Zustand der Straßen hatte den Marschall bewogen, seine Artillerie in dem Dorfe Montblanc zu lassen, und es verstrich einige Zeit, bis sie ihm herbeigeschaft werden und das Korps des Gen. Lieut. Don M. Freyre wieder formirt werden, und von neuem angreifen konnte. Sobald dies geschehen war, setzte der Marschall seine Bewegung längs den Anhöhen fort und bemächtigte sich mit der Brigade des Gen. Pack von der 6ten Division der beiden vorzüglichsten Redouten und der befestigten Häuser im Zentrum des Feindes. Letzterer machte von dem Kanal her einen verzweifelten Versuch, diese Anhöhen wieder zu nehmen, aber er wurde mit großem Verluste zurückgeschlagen, und nachdem die 6te Division ihre Bewegung längs dem Gipfel der Anhöhe fortgesetzt hatte, während daß die spanischen Truppen eine entsprechende Bewegung gegen die Front machten, so wurde der Feind aus den beiden Redouten und Verschanzungen auf dem linken Flügel vertrieben, und wir waren Meister von allen Anhöhen. Wir erlangten diesen Vortheil jedoch nicht ohne sehr schweren Verlust, besonders bei der 6ten Division. Obristlieutenant Coghlon, vom 61ten Regimente, ein Offizier von großem Verdienst und der sehr viel versprach, wurde bei dem Angriffe auf die Anhöhen getödtet. Der Generalmajor wurde verwundet, brauchte aber das Schlachtfeld nicht zu verlassen; Obrist Douglas vom 8ten portugiesischen Regiment verlor ein Bein, und ich fürchte, daß ich lange seine Dienste entbehren werde. Das 36te, 42te, 79te und 61te Regiment verloren viel Leute und zeichneten sich den ganzen Tag über sehr aus. Ich kann die Geschicklichkeit und das Betragen des Marschalls Sir W. Beresford bei allen Operationen dieses Tages, so wie das der Gen. Lieut. Sir L. Cole, Sir H. Clinton, der Generalmajore Pack und Lambert, und der unter ihren Befehlen stehenden Truppen nicht genug loben. Marschall Sir W. Beresford erwähnte besonders das gute Betragen des Generalquartiermeisters, Brigadegeneral d'Urban, und des Adjutant-Generals der portugiesischen Armee, General Brito Mozinho. Obgleich die 4te Division bei ihrem Marsche gegen die Fronte des Feindes einem sehr mörderischen Feuer ausgesetzt war, so war sie doch weniger im Gefecht als die 6te, und hat nicht so fiel gelitten; sie hat aber ihren gewohnten Muth bewiesen. Auch habe ich alle Ursache, mit dem Betragen des Gen. Lieut. Don M. Freyre, des Gen. Lieut. Don G. Mendizabal, des Marechal de Camp Don P. de la Barcena, des Brigadegenerals J. de Espellata, des Marechal de Camp Don A. Garces de Marcillo, des Chefs des Generalstabs Don E. S. Salvador und der Offiziere vom Generalstabe der 4ten Armee zufrieden zu seyn. Die Offiziere und Truppen haben sich, nachdem sie sich wieder formirt hatten, bei allen Angriffen gut betragen. Da das Terrain für die Operationen der Kavallerie ungünstig war, so hatte sie keine Gelegenheit zum Angriff. Während die eben beschriebenen Operationen auf dem linken Flügel der Armee vor sich gingen, vertrieb Gen. Lieut. Sir R. Hill den Feind aus seinen äußern Werken in die links von der Garonne gelegene Vorstadt, innerhalb der alten Mauer. Auch warf Gen. Lieut. Sir T. Picton mit der dritten Division den feind in den, Garonne zunächst gelegenen Brückenkopf des Kanals; als aber die Truppen einen Versuch machten, sich dessen zu bemächtigen, wurden sie mit einigem Verluste zurückgetrieben. Generalmajor Brisbane wurde verwundet; aber ich hoffe, daß ich seines Beistandes nicht lange beraubt seyn werde, und Obristlieut. Forbes, ein sehr verdienstvoller Offizier, wurde getödtet. Da sich die Armee dergestalt auf drei Seiten von Toulouse festgesetzt hatte, so detaschirte ich auf der Stelle unsre leichte Kavallerie, um auf der einzigen, für Wagen gangbaren Straße, die dem Feinde noch übrig war, die Kommunikation abzuschneiden, bis ich Anstalten treffen konnte, die Truppen zwischen dem Kanal und der Garonne festzusetzen. Der Feind zog sich jedoch vergangene Nacht zurück, und ließ den Gen. Harispe, den Gen. Burrot, den Gen. St. Hilaire und 1600 Gefangene in unsern Händen. Eine Kanone wurde auf dem Schlachtfelde, in der Stadt mehrere genommen, so wie auch beträchtliche Vorräthe aller Art."


Quellen und Literatur.

  • Darstellung des Feldzuges der Verbündeten gegen Napoleon im Jahr 1814. 1814.