Schlacht von Vittoria

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Vittoria (Schlacht bei). In der Mitte des Februars 1813 kamen die Nachrichten von Napoleons Unglück auf Rußlands eisigen Steppen nach Spanien zu dem französischen Feldherrn mit der Weisung, alles, was nur an Truppen entbehrt werden könnte, nach Deutschland abzusenden. 30,000 Mann der besten Kerntruppen gingen in Eilmärschen dahin ab, allein ihr Abgang nöthigte auch zugleich die Franzosen, die schon im vorigen Jahre unter Marmont die furchtbarste Niederlage erlitten hatten, sich immer mehr zurückzuziehen, und mit Aufgebung von Madrid über Burgos hinter den Ebro zurückzugehn. Wellington folgte ihnen auf dem Fuße nach, und ging bereits den 15ten Juni über den Ebro, ohne daß es irgendwo bedeutende Auftritte gegeben hätte. Endlich standen beide Heere auf der großen schönen Ebene von Vittoria gegenüber.

Vittoria, eine Stadt von 5000 Einwohnern, in einer fruchtbaren Ebene gelegen, wo schon einst der bekannte Eduard, der schwarze Prinz, eine Schlacht für Don Pedro von Castilien lieferte, sollte jetzt Zeuge der entschiedensten Niederlage werden, wie sie das französische Heer bis dahin noch nicht erfahren hatte; die Spanien auf einmal frei machen sollte.

Die Franzosen lehnten ihren linken Flügel an eine sanfthinstreichende Hügelkette, den rechten an Vittoria, vor sich den Zadovabach, den eine Höhe bestrich, worauf ihr Mittelpunkt stand. Am 20sten vereinigte Wellington alle seine Colonnen, nur besorgt, daß der Feind die Nacht zum Abmarsch benutzen werde. Der letztere, vom König Joseph und Jourdan commandirt, benutzte sie nicht, und mit Tagesanbruch ließ Wellington sogleich den General Hill die Zadova überschreiten, und den französischen Mittelpunkt auf den Höhen jenseits des Baches angreifen. Er wurde bald zurückgedrängt, aber die neuen ihm zugeführten Verstärkungen machten den Kampf sehr blutig und hartnäckig. Mittlerweile kam der General Graham auf dem rechten Flügel dergestalt den Franzosen in den Rücken, daß ihnen die gerade Straße nach Bilbao abgeschnitten ward, und sie zum Rückzuge nach Pampeluna gezwungen wurden, den sie nach dem Verlust des ganzen Geschützes und Gepäckes in der schrecklichsten Unordnung mit dem Eintritt der Nacht antraten.

Sie waren des Sieges so gewiß gewesen, daß für nichts Sorge getragen war, und daher eine Menge Offiziersfrauen, die ganze Bagage Josephs den Engländern in die Hände fielen. An Geschütz retteten die Franzosen nur eine Canone, die sie noch in Pampeluna zurückließen. Die Beute der Engländer war unermeßlich, und zugleich Ursache, daß die Verfolgung minder mörderisch war und die elenden Trümmer der französischen Armee sich an dem Fuße der Pyrenäen sammeln konnten, wo sie Soult wieder zu ordnen und Wellington damit aufzuhalten strebte, so weit dies bei solchen Umständen möglich war.

Wenn die Schlacht bei Vittoria minder welthistorisches Ereigniß ist, so beruht dies nur darauf, daß sie mehrern furchtbaren Catastrophen auf dem Fuße folgte, für uns zu wenig unmittelbaren Einfluß hatte, und bald von andern Begebenheiten überstrahlt ward, die unter unsern eigenen Augen vorfielen.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.